Bäume aus fernen Ländern bereichern die waldbauliche Tätigkeit und können wirtschaftlich interessant sein. Dank Pflanzungen und Anbauversuchen gibt es mittlerweile gute Erfahrungswerte über deren forstliche Eignung in unseren Breitengraden. Inwieweit sich gewisse Vertreter dieser Gastbaumarten allerdings negativ auf die einheimischen Waldökosysteme auswirken, wird derzeit kontrovers diskutiert.

Schon seit langer Zeit bringt der Mensch Pflanzen und Tiere aus fernen Ländern mit, um sie hier zu nutzen oder sich deren exotischen Erscheinungsbildes zu erfreuen. Unter den Baumarten waren dies zum Beispiel die Edelkastanie, der Walnussbaum, die Platane, die Strobe, die Douglasie oder Vertreter der Gattung Thuja.

Diese Arten, die bei uns ursprünglich nicht natürlicherweise vorkommen, sind also gebietsfremde Baumarten. Sie werden auch als Gastbaumarten oder Fremdländer bezeichnet. Dabei gelten in der Regel die seit der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 verschleppten Bäume als Neophyten, die bereits zuvor etablierten gebietsfremden Arten als Archäophyten.

Oft wurden Gastbaumarten als Zier- und Parkbaum eingeführt. Verschiedene Arten weckten aber bald das forstwirtschaftliche Interesse, weil ihr Zuwachs demjenigen einheimischer Bäume überlegen ist oder weil sie andere forstlich positive Eigenschaften aufweisen.

Der Anbau von Fremdländern bietet aber nicht nur Vorteile; es gibt auch negative Auswirkungen. Manche Baumarten, allen voran die Robinie, vermehren sich unter günstigen Bedingungen rasant und vermögen an geeigneten Orten die einheimische Flora zu verdrängen. Grundsätzlich gilt eine gebietsfremde Art, die einheimische Ökosysteme, Lebensräume oder Arten gefährdet, als invasive Art.

In letzter Zeit ist eine vermehrte Diskussion darüber aufgekommen, inwiefern die in mitteleuropäischen Wäldern angepflanzten Gastbaumarten ein Invasivitätspotenzial aufweisen. Es geht dabei vor allem um die Douglasie, die Robinie und um die Roteiche. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen unter Einbeziehung bisheriger Anbauerfahrungen werden mithelfen, die Kenntnisse zu erweitern und somit die Invasivität von umstrittenen gebietsfremden Baumarten besser beurteilen zu können.

Ganz abgesehen davon geht es schlussendlich auch um die Grundsatzfrage, wie stark der Mensch in den heimischen Wald und in die natürlichen Abläufe eingreifen soll – nicht zuletzt im Hinblick auf die erwartete Klimaerwärmung.

Dieses Dossier fasst die wichtigsten Beiträge zu gebietsfremden Baumarten auf waldwissen.net zusammen. Für eine ausgewogene Übersicht über die Thematik sei zusätzlich auf externe Quellen verwiesen.