Säugetiere wie der Siebenschläfer, in Höhlen brütende Vögel oder wärmeliebende Reptilien – alle sind auf Totholz angewiesen oder profitieren davon. Auch unzählige Pilze, Insekten und Wirbellose leben vom und im Totholz; sie sind bei der Zersetzung des Holzes von grösster Bedeutung. Wissenschafter haben herausgefunden, dass mindestens 20% der hiesigen Waldarten von Alt- und Totholz abhängen. Daneben trägt Totholz vor allem in Gebirgswäldern wesentlich zur Naturverjüngung bei und kann vorübergehend eine gute Schutzwirkung gegenüber Lawinen und Steinschlag bieten.

Wieviel Totholz braucht es im Wald?

Dies ist eine schwierige und bislang weitgehend unbeantwortete Frage. Die Menge an totem Holz hängt einerseits von der Wüchsigkeit des Standortes und von der Zersetzungsgeschwindigkeit des Holzes, andererseits von der Bewirtschaftungsform ab. In osteuropäischen Urwäldern haben WaldforscherInnen Totholzmengen von 50-200 m3 pro Hektare gemessen. In sehr alten Beständen können sich vorübergehend sogar 400 m3 ansammeln. In unseren mitteleuropäischen Wirtschaftswäldern gibt es hingegen weniger Totholz. Im Schweizer Mittelland sind es durchschnittlich immerhin 10-17 m3 pro Hektare.

Interessenkonflikt: Holznutzung vs. Totholzförderung

Zu früheren Zeiten, als praktisch jeder Ast fürs Küchenfeuer oder zum Heizen der Stube verwendet wurde, dürfte es kaum Totholz in den Wäldern gegeben haben. Heute, bei tiefen Holzpreisen und häufig unrentabler Forstwirtschaft, nehmen die Totholzvorräte vielerorts wieder zu. Mit der Diskussion über erneuerbare Energiequellen verstärken sich jedoch die Bestrebungen, den CO2-neutralen Baustoff und Energieträger Holz stärker zu nutzen, um gleichzeitig die hohen Vorräte in den Wäldern zu senken. Eine intensivere Holznutzung birgt das Potential für einen Interessenkonflikt mit der ebenfalls angestrebten Förderung von Totholz. Daher gilt es, einen klugen Kompromiss zwischen gesteigerter Holzernte und ausreichender Totholzmenge zu finden.