Einleitung

Die Herausforderungen des Klimawandels und seine dramatischen Auswirkungen auf den Waldzustand in Deutschland verlangen eine Neuausrichtung forstlicher Strategien. Mit dem Orkan “Kyrill” (2007) und den folgenden Ereignissen wie “Friederike” (2018 ff.) wurden allein in Nordrhein-Westfalen über 190.000 Hektar Wald geschädigt. Gleichzeitig stehen 63 % der Waldfläche in NRW im Eigentum von Privatwaldbesitzenden – mit einem Nadelholzanteil von 68 %. Die Pflege und Wiederbewaldung dieser Flächen stellt enorme Anforderungen an Personal, Technik und Finanzierung. Ein Lösungsansatz kann in der hochmechanisierten Bestandespflege liegen. 

Im Folgenden wird berichtet, wie hochmechanisierte Technik insbesondere auf Sturmwurfflächen wie jenen nach Kyrill erfolgreich eingesetzt werden können – mit Blick auf Ökonomie, Produktivität und Nachhaltigkeit. 

Klimawandel und forstliche Strategien: Zukunft gestalten statt nur reagieren

Die Auswirkungen extremer Wetterereignisse führen zu einem nicht zu bewältigen Pflege- und Arbeitsaufwand bei gleichzeitigem Fachkräftemangel. Laut Bundeswaldinventur 4 haben die Hälfte aller Wälder in Nordrhein-Westfalen zwischen 2012 und 2024 keine Pflegemaßnahmen erfahren. Der Verlust von 60 % der Fichtenvorräte des Bundeslandes hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Ertragslage der Forstbetriebe, sondern verschärft die Ressourcensituation für die in Südwestfalen stark vertretene Sägeindustrie erheblich.

Für viele forstliche Dienstleister in den betroffenen Schadregionen Nordrhein-Westfalens, Thüringens oder Niedersachsens stellt sich die Frage der Neuausrichtung. Wird die Heimatregion aus Beschäftigungsgründen verlassen, droht der Verlust lokal gebundener Fachkräfte. Zur Auslastung vorhandener Maschinenkapazitäten ist über zusätzliche Investitionen in die Laubholzaufarbeitung genauso nachzudenken wie über das Erschließen neuer Geschäftsfelder in der Wiederbewaldung oder Bestandespflege.

Es bleibt das Problem des Fachkräftemangels. Es bleibt die Frage, inwieweit hier Mechanisierung und Digitalisierung als Gamechanger helfen können.

Klimawandel verändert gerade den Markt. Unternehmen, die auf moderne Techniken und neue Geschäftsfelder setzen, sichern ihre Zukunft. Wer Maschinen strategisch einsetzt, sichert sich einen Platz in einem wachsenden Segment: Der Pflege jung aufgeforsteter oder natürlich verjüngter Kalamitätsflächen.

Studie zur innovativen Bestandespflege auf Kyrill-Folgeflächen

Das zum Zentrum für Wald und Holzwirtschaft NRW gehörende Forstliche Bildungszentrum in Arnsberg führte im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW zusammen mit der Abteilung Arbeitswissenschaft und Verfahrenstechnologie der Universität Göttingen eine Verfahrensanalyse zum Einsatz kleiner und mittlerer Harvestersysteme in der Qualifizierungsphase von Sturmfolgeflächen durch. Die Untersuchung erfolgte in Kooperation mit John Deere, Komatsu Forest. Beide Forstmaschinenhersteller stellten für die Tests jeweils ihre Einstiegsmodelle als Harvester und Forwarder zur Verfügung.

Die Bestandespflege, die zukunftsorientierte Pflege der Kalamitätsflächen hin zu klimastabilen Mischwäldern, ist eine große Herausforderung der Zukunft für den nordrhein-westfälischen Waldbesitz. Die Leitfragen für die Untersuchung lauteten:

  • Wie wirtschaftlich ist der Einsatz von Harvestern bei Pflegeeingriffen?
    Kann die Ertragslage vor allem der privaten Waldbesitzenden ebenso verbessert werden, wie die Ressourcensituation der Holzwirtschaft in NRW? 
  • Kann die Mechanisierung in diesem Arbeitsfeld einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten?
  • Gelingt es durch innovative Konzepte und technische Lösungen Einsatzmöglichkeiten für Forstunternehmen zu schaffen und damit Arbeitsplätze zu sichern?

Untersuchungsort war ein nach „Kyrill“ entstandener Fichtenbestand (20–25 Jahre) im Privatwald Kulturstiftung Fürstenberg-Herdringen mit Birkenanteil aus Naturverjüngung mit 13 m Oberhöhe. In einem Bestandesblock wurde 2013 mit Freischneider eine Mischwuchsregulierung durchgeführt. Birken wurden entnommen und die Stammzahl der Fichte auf 2.000 Bäume pro ha reduziert. Ferner wurden Pflegepfade angelegt. Der zweite Bestandesblock blieb bis dato gänzlich unbehandelt.

Bestandespflege ist eine lohnende Investition in die Zukunft

Die Auswirkungen einer effizienten Bestandespflege auf Zuwachs, Stabilität und Risikominimierung ist unumstrittene waldbauliche Lehrmeinung. Diese wurde auch bei unserem Versuch eindrucksvoll bestätigt. Der einmalige Pflegeeingriff hatte schon deutliche Effekte auf BHD und Qualität des entnommenen Holzes. Der nach 2013 nachweisbar deutlich gesteigerte Zuwachs führte zu einer Zunahme des durchschnittlichen Brusthöhendurchmessers (9,0 cm gepflegt vs. 7,2 cm ungepflegt) und besseren h/d-Verhältnissen. Trotz geringerer Entnahmemenge (16 m³/ha gepflegt vs. 25 m³/ha ungepflegt mit Rückegassenanlage) war die Qualität des Holzes aus gepflegten Beständen deutlich besser. Der Anteil wesentlich besser preislich bewerteter marktfähiger Sortimente (Sägeholz, Industrieholz) lag bei 40 %. Die Durchschnittserlöse beider gepflegter Varianten waren mit 47 €/m³ um 5 Euro höher als bei der sehr energieholzlastigen, ungepflegten Versuchsvariante.

Technik im Fokus: Welche Maschine ist die richtige?

Der Einsatz kompakter, geländetauglicher Lösungen für Pflegeeingriffe in Jungbeständen mit entsprechender Kranreichweite (bis zu 11 m) und Leistungsfähigkeit erschienen für die Durchführung geeignet. Die Einstiegsmodelle der Marktführer (Harvester mit 130–170 KW und Forwarder mit 10–11 t Nutzlast) deckten diese Anforderungen optimal ab.

Als Versuchsmaschinen wurden eingesetzt: Komatsu 901 XC und 825 TX und John Deere 1070 G und 1110 G. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass in der Praxis von den forstlichen Dienstleistern bereits vorhandene bewährte Technik eingesetzt wird, Harvester mit ca. 200 KW Motorleistung bzw. Forwarder mit 12 bis 14 t Nutzlast. Die zusätzliche Adaption eines kleineren Durchforstungsaggregates – wie dem Komatsu Ecooiler C 93 oder dem John Deere H 212 – an eine bereits abgeschriebene vorhandene Maschine ist die vergleichsweise geringere Investition als eine Maschineneuanschaffung. Bei Baumabständen unter 1,50 m in den oft sehr dichten Beständen sind die kleinen sehr leistungsfähigen Harvesterköpfe mit offenen Arbeitsbreiten von ca. 130 bis 140 cm, Gewichten von ca. 800 kg und einem maximalen Fälldurchmesser bis zu ca. 50 cm sehr gut einzusetzen. Durch die Anschaffung eines solchen Aggregates für bereits vorhandene Harvester ist man mit einer überschaubaren Investition gut für die Bestandespflege aufgestellt.

Der Einsatz hydraulischer Scheraggregate nimmt die Möglichkeit der Aushaltung von Industrie- und Sägeholz und er begrenzt die Fälldurchmesser.

Abb. 3a und 3b: Der Einsatz hydraulischer Scheraggregate (rechts) stellt eine produktive Möglichkeit der Bereitstellung von Energieholz dar. Im Vergleich zum leichten Harvesteraggregat (links) besteht keine Möglichkeit der Aushaltung von Industrie- und Sägeholz; zudem sind die Fälldurchmesser begrenzt. Fotos: Thilo Wagner Wald und Holz NRW 

Die Ergebnisse zeigen, dass die zusätzliche Ausrüstung zur Mehrfachstamm-Bearbeitung (MTH Multi-Tree-Holder) zu einer deutlichen Effizienzsteigerung führt. So konnten im gepflegten Bestand bis zu 156 Bäume pro Maschinenarbeitsstunde (MAS) bearbeitet werden, gegenüber 132 Bäumen ohne MTH. Die zusätzliche Greifeinrichtung oberhalb des Aggregates bietet die Möglichkeit, mehrere Bäume hintereinander zu ernten und gemeinsam in einem Arbeitsschritt aufzuarbeiten. Dies ermöglicht die Aufarbeitung von Energieholz im Paket (Anschaffungskosten ca. 5.000 Euro).

Unterschiede zwischen den beiden Herstellern Komatsu und John Deere konnten bei der Untersuchung nicht festgestellt werden. Alle eingesetzten Modelle der beiden Hersteller haben sich bei der Arbeit in gleichem Maß optimal bewährt.

Produktivität und Wirtschaftlichkeit

Die Produktivität bei Fällung und Aufarbeitung lag durchschnittlich bei 4,6 m³/Stunde – variiert nach Bestand (5,05 vs. 4,06 m³/MAS, 132 Bäume pro MAS). Die Rückung erreichte 6,0 m³/Stunde. Überwiegenden Einfluss auf die vergleichsweise niedrige Produktivität hat das geringe Stückvolumen in den zur Pflege anstehenden jungen Beständen.

Die Holzerntekosten der eingesetzten Versuchsmaschinen lagen je nach Variante “bisher ungepflegter Bestandesteil” versus “Arbeitsblock einmalig gepflegt” zwischen 59 und 63 €/m³. Der flächenbezogene Deckungsbeitrag lag je nach Variante zwischen -200 €/ha und -530 €/ha. 

Tab. 1: Übersicht der Holzerntekosten und Erlöse des Versuchseinsatzes (Kalkulationsgrundlagen: Harvester: 188 €/MAS, Forwarder: 115 €/MAS)

Beim Einsatz von Harvestern (> 200 KW Motorleistung) und Forwardern (> 12 t Nutzlast) ist mit einer Erhöhung der Holzerntekosten zwischen 12 bis 15 % zu rechnen.

Wie gestaltet sich die zukunftsorientierte Pflege von Kalamitätsflächen zur nachhaltigen Wiederbewaldung aus Sicht der aktuellen Ertragslage der 150.000 Waldbesitzenden in Nordrhein-Westfalen? Die in Tabelle 2 dargestellte Betrachtung geht von der Grundannahme aus, dass zumindest ein Pflegeeingriff (schematische Reduktion der Stammzahl, Auskesselung der Wertträger mit Motorsäge) notwendig ist. Optimal wären mindestens zwei Maßnahmen. 

Tab. 2: Ökonomische Einordnung hochmechanisierter Bestandespflegemaßnahmen aus Sicht des privaten Waldbesitzes in NRW

Eine im frühen Alter durchgeführte Stammzahlreduktion bzw. Mischwuchsregulierung mittels Spacer oder Freischneider gilt als waldbaulich sinnvoll und wird in NRW mit 480 Euro pro ha gefördert. Danach kann hochmechanisiert gepflegt werden. Im Vergleich zu dem waldbaulich notwendigen motormanuellen Eingriff mit Motorsäge mit über 1.000 Euro pro ha halbieren sich die notwendigen Aufwendungen bei zwei Eingriffen für den Waldbesitz. Die Bestandespflege ist alternativlos, der vermeintlich ökonomische Nachteil wird später schon bei der ersten Durchforstung durch mechanisierte Holzernte wieder relativiert durch bessere Holzqualität und höhere Effizienz (wesentlich höhere Behinderungen im Dichtstand).

Pflege kostet – aber schafft stabile, werthaltige Bestände, die sich wirtschaftlich schneller rechnen.

Der Einsatz dieser hochinvestiven Maschinensysteme erscheint auf den ersten Blick wenig ökonomisch sinnvoll. Doch die dringend anstehenden und waldbaulich notwendigen Pflegearbeiten werden erledigt – bei Halbierung der Kosten. Auch hier ersetzt Maschineneinsatz 10 bis 14 manuelle Fachkräfte und sorgt für Auslastung sofort einsetzbarer, bewährter Technologie bei gleichzeitiger Sicherung von Arbeitsplätzen. 

Es heißt hier Bestandespflege und Maschineneinsatz neu zu denken und zu bewerten.

Fazit und Perspektiven: Mechanisierte Bestandespflege als Zukunftsinvestition

Die hochmechanisierte Bestandespflege zeigt sich als integrativer Bestandteil einer zukunftsorientierten Forstwirtschaft:

  • Ökonomische Effizienz: reduziert Pflegekosten langfristig, insbesondere bei Kalamitätsflächen.
  • Stärkung der Forstunternehmen: erschließt neue Geschäftsfelder und schafft und sichert Arbeitsplätze vor Ort durch Einsatz vorhandener Technik.
  • Beitrag zur Fachkräftesicherung: kompensiert Personalengpässe durch Technik.
  • Wertschöpfungskette Holz: liefert qualitativ hochwertiges Rohholz für die regionale Industrie. 

Moderne Technik schafft somit Win-win-Lösungen für Praxis, Waldbau und Holzwirtschaft. Die Studie belegt eindrucksvoll, dass hochmechanisierte Pflegeverfahren – trotz anfänglicher Investitionen – sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll sind. Sie fördern nicht nur die Waldstabilität, sondern stärken auch die betriebliche Resilienz forstlicher Dienstleistungsunternehmen. Die Waldpflege, einst als Kostenfaktor betrachtet, erweist sich unter Einsatz moderner Technik als tragende Säule einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Quellenhinweis

  • Dr. Marian Schönauer und Prof. Dr. Dirk Jaeger (2026): Abschlussbericht zum Projekt „Verfahrensanalyse in der Qualifizierungsphase auf Sturmfolgeflächen”. Universität Göttingen, Abteilung Arbeitswissenschaft und Verfahrenstechnologie; unveröffentlicht.