Waldumbau und Jagd sind im Klimawandel eng miteinander verknüpft. Doch wie kommen Waldbesitzende, Jagende und Forstleute zu tragfähigen Lösungen? In der neuen Folge des FVA-Podcasts „astrein – Wald.Mensch.Wissen“ spricht FVA-Direktor Prof. Dr. Ulrich Schraml mit Max Kröschel und Stefanie Thoma aus dem FVA-Wildtierinstitut über Wildverbiss, Zielvereinbarungen und die große Bedeutung des Dialogs im Wald.
Die Episode können Sie hier anhören:
Wenn Verjüngung nicht automatisch Erfolg bedeutet
Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Junge Bäume sollen nachwachsen, gleichzeitig darf Wildverbiss die waldbaulichen Ziele nicht gefährden. In der Praxis ist die Lage jedoch differenzierter. Je nach Baumart fällt die Situation unterschiedlich aus. Während sich bestimmte Verjüngungsziele bei Fichte oder Buche häufiger erreichen lassen, ist die Lage etwa bei Tanne und besonders bei den heimischen Eichenarten deutlich schwieriger. Gerade dort zeigt sich, wie stark Waldumbau und Wildmanagement zusammenhängen.
Forstliches Gutachten als Grundlage für den Austausch
Ein zentrales Thema der Podcast-Folge ist das forstliche Gutachten. Es liefert in Baden-Württemberg eine wichtige Grundlage, um einzuschätzen, ob die waldbaulichen Ziele auf einer Fläche erreichbar sind. Entscheidend ist dabei nicht allein eine Zahl zum Verbiss, sondern vor allem der Anlass zum Gespräch: Waldbesitzende, Jagdpächterinnen und Jagdpächter sowie Forstleute sollen gemeinsam auf die Fläche schauen und Lösungen entwickeln. Genau darin liegt die Stärke des Verfahrens.
Forstliches Gutachten – bundesweit, aber unterschiedlich umgesetzt
Das forstliche Gutachten ist kein ausschließlich baden-württembergisches Instrument. In mehreren Bundesländern wird der Einfluss von Schalenwild auf die Waldverjüngung regelmäßig bewertet.
Allerdings unterscheidet sich die Ausgestaltung: Während in einigen Bundesländern stärker mit statistischen Verfahren und festen Verbissprozenten gearbeitet wird, setzt Baden-Württemberg bewusst auf eine qualitative Einschätzung im Gelände.
Ziel ist weniger eine exakte Prozentzahl als vielmehr die Frage: Können die waldbaulichen Ziele auf der Fläche erreicht werden?
Im Mittelpunkt steht daher der Dialog vor Ort, etwa im gemeinsamen Waldbegang zwischen Waldbesitzenden, Jagenden und Forstleuten.
Zielvereinbarungen wirken nur, wenn sie gelebt werden
Die Folge macht auch deutlich: Instrumente wie Zielvereinbarungen helfen nur dann, wenn sie mehr sind als eine formale Pflicht. Besonders wirksam werden sie dort, wo sie den gemeinsamen Prozess unterstützen. Das kann ganz unterschiedliche Inhalte haben – von jagdlichen Maßnahmen bis hin zu Vereinbarungen über Schussschneisen oder Äsungsflächen. Entscheidend ist, dass beide Seiten Verantwortung übernehmen und die Vereinbarungen konkret auf die jeweilige Situation zugeschnitten sind.
Warum der Waldbegang oft der entscheidende Moment ist
Als eigentlicher „Gamechanger“ wird in der Episode der gemeinsame Waldbegang beschrieben. Draußen auf der Fläche lassen sich Probleme, Ziele und Handlungsmöglichkeiten oft viel besser vermitteln als im Sitzungsraum. Wenn sichtbar wird, welche Baumarten gebraucht werden, wo Verbiss tatsächlich problematisch ist und welche jagdlichen oder waldbaulichen Voraussetzungen fehlen, verändert sich häufig auch der Ton des Gesprächs. Aus Gegensätzen kann so Schritt für Schritt Zusammenarbeit werden.
Dialog statt Polarisierung
Die Episode zeigt insgesamt, dass erfolgreiches Wildtiermanagement nicht nur eine Frage von Rehen, Bäumen und Abschusszahlen ist. Es geht ebenso um Kommunikation, Vertrauen und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. Gerade dort, wo Forst und Jagd regelmäßig miteinander sprechen und die vorhandenen Instrumente aktiv nutzen, verbessern sich oft nicht nur die Arbeitsbeziehungen, sondern auch die Chancen für eine klimastabile Waldverjüngung.
Zur Podcastreihe FVA Baden-Württemberg
„astrein: Wald.Mensch.Wissen“ ist die Podcastreihe der FVA Baden-Württemberg. In regelmäßigen Gesprächen geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte und erläutern, welche Bedeutung neue Erkenntnisse für Waldbewirtschaftung, Waldschutz und Wildtiermanagement haben.
Alle Episoden finden Sie auf der Website der FVA Baden-Württemberg sowie auf gängige Plattformen wie Apple Podcasts und Spotify.








