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Artikel

Autor(en): Regina Petersen
Redaktion: WUH, Deutschland
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Kurzportrait Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina)

Die in Nordamerika beheimatete Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) ist aufgrund ihres hohen Reproduktions- und Ausbreitungspotenzials sehr invasiv. Allerdings besitzt der Baum Boden verbessernde Eigenschaften und eine hohe Anpassung an den Klimawandel.

Spätblühende Traubenkirsche
Abb. 1: Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) bei Reilingen, Rhein-Neckar-Kreis. Foto: AnRo0002, Wikimedia Commons

1 Allgemeines

Name (wiss.): Prunus serotina EHRH.

(deutsch): Spätblühende Traubenkirsche, Späte Traubenkirsche.

Familie: Rosengewächse (Rosaceae).

Natürliches Verbreitungsgebiet: Osten der USA, angrenzend Kanada sowie im südlichen Golf von Mexiko (P. serotina var. serotina). Weiterhin kommen im Süden der USA zwei Varietäten (var. exima und var. rufula) und in Zentralmexiko P. serotina var. salicifolia vor. Vorkommen bis in Höhenlagen von 1520 m bis 2290 m ü. NN.

Vorkommen und Anbaugebiete in Mitteleuropa: Erstmalig 1623 in französischen Gärten nachgewiesen. Die forstliche Relevanz der Baumart ist heutzutage jedoch sehr gering. Die hauptsächlichen Anbaugründe in früheren Jahren waren unter anderem die Waldbrandvorbeugung, der Windschutz sowie ökologische Interessen, wie die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit oder als Vogelschutzgehölz und zur Bienenweide. Praxisbeispiele befinden sich größtenteils in den Beneluxstaaten bis nach Polen/Ungarn.

2 Ökologie

2.1 Standortsansprüche

- Nährstoff- und Wasserbedarf: P. serotina eignet sich hervorragend für kühl-feucht temperierte Wälder mit gleichmäßig verteilten jährlichen Niederschlagssummen von 970-1120 mm. Natürlicherweise stockt sie auf allen sauren, nährstoffarmen und tiefgründigen Böden. Die Bodenart reicht von sandigen bis zu schluffig-tonigen Lehmen.

- Wärmebedarf: Die Jahresmitteltemperaturen bewegen sich im Optimum zwischen 7,5 und 11,5 °C. Die frostfreie Vegetationszeit beträgt dort 120-150 Tage. Dabei ist die Spätblühende Traubenkirsche relativ frosthart und anspruchslos.

- Ausschlussgründe: Auf staunassen, moorigen und extrem trockenen Standorten sowie auf Kalk.

2.2 Standortpfleglichkeit

Die Blattstreu ist gut zersetzbar und bildet beste Humusformen (Mull).

2.3 Wachstum

Prunus serotina kann ein Alter bis zu 200 Jahren, eine Höhe von bis zu 38 m und ein BHD von > 1 m erreichen.

- Wuchsverhalten: P. Serotina wächst in der Jugend sehr schnell und weist eine frühe Kulmination des Höhenwachstums auf. Die Abnahme des Durchmesserzuwachses sowie eine erhöhte Mortalität beginnt im Alter 80.

- Schattentoleranz: Im Jugendalter besitzt P. serotina eine hohe Schattentoleranz, benötigt aber für ein optimales Wachstum volles Sonnenlicht.

- Konkurrenzverhalten: Unter schattigen Verhältnissen sehr konkurrenzschwach; in lichten Bestandespartien und in jungen Jahren jedoch sehr vorwüchsig. Auf eine nachträgliche Einengung der Krone durch Konkurrenten reagiert sie empfindlich und kümmert.

- Wurzelsystem: Prunus serotina bildet i.d.R. ein breites, aber flaches Wurzelsystem aus, welches Tiefen bis zu 60 cm erschließen kann. Gelegentlich bilden sich Senkerwurzeln aus, die dann auch bis 90 und 120 cm in die Tiefe reichen können.

Prunus serotina, Blüten

Abb. 2: Blütenstand einer Spätblühenden Traubenkirsche (Prunus serotina) in der Schwetzinger Hardt. Foto: AnRo0002, Wikimedia Commons
Prunus serotina, Früchte
Abb. 3: Früchte einer Spätblühenden Traubenkirsche (Prunus serotina) in der Schwetzinger Hardt. Foto: AnRo0002, Wikimedia Commons
2.4 Verjüngung

- Ausbreitungsbiologie (generativ, vegetativ): Die Vermehrung der Pflanze findet sowohl generativ durch Endochorie (Verdauungsausbreitung) sowie vegetativ durch Wurzelbrut und Stockausschlag statt.

- Fruktifikation: Unter lichten Bestandesverhältnissen ist die Fähigkeit der Vermehrung bereits ab einem Alter von vier Jahren gewährleistet, unter Schirm erst ab ca. 20 Jahren. Die Zwitterblüten werden insektenbestäubt, die Fruchtreife liegt im August. Eine Vollmast gibt es alle ein bis zwei Jahre.

- Hybridisierung: Über die Gefahr der Hybridisierung ist nichts bekannt.

- Invasivität: Aufgrund des hohen Reproduktions- und Ausbreitungspotenzials ist die Spätblühende Traubenkirsche sehr invasiv.

2.5 Waldschutz (Risiken)

- abiotische Risiken: Auf staunassen Standorten besteht ein Windwurfrisiko.

- biotische Risiken: Durch Pilze (z.B. Hallimasch, Zunderschwamm, Rotrandiger Baumschwamm, Schwefelporling) können an vorgeschädigten Bäumen Stamm- und Wurzelfäulen ausgebildet werden.

In Deutschland blieben bisher nennenswerte Kalamitäten bei der Spätblühenden Traubenkirsche aus.

3 Bedeutung für die Artenvielfalt/Biodiversität

- Auswirkungen auf Ökosysteme (Beispiele): Aufgrund der hohen Invasivität von Prunus serotina wird in vielen Teilen des Verbreitungsgebietes sowohl die Artenzusammensetzung als auch die Struktur der Ökosysteme negativ beeinflusst.

- Dauerhaftigkeit der Auswirkungen: Aufgrund der Fähigkeit zu Stockausschlag und Wurzelbrut ist die Art sehr dauerhaft.

- Ökologische Integration: Eine ökologische Integration in natürliche oder naturnahe Waldökosysteme ist aufgrund der starken Invasivität nicht möglich.

4 Wuchsleistung

4.1 Zuwachs

Siehe 2.3 Wuchsverhalten.

4.2 Gesamtwuchsleistung

Da P. serotina i.d.R. nicht in Reinbeständen angebaut wird, kann hierzu keine Aussage getroffen werden.

5 Qualität

5.1 Formigkeit

Bei entsprechender Pflege sind gute Schaftformen auf den untersten Stammabschnitten bis etwa 6-8 m Höhe erzielbar.

5.2 Astreinigung

Zur Erzielung von Furnier- bzw. Sägeholz muss P. serotina geästet werden (Totasterhalter).

5.3 Sortimente

In den USA zählt P. serotina zu den begehrtesten Möbelhölzern, in Europa wird sie vor allem zur Herstellung von Furnieren benutzt.

5.4 Herkunftsabhängigkeiten

Für den Anbau von qualitativ hochwertigen Spätblühenden Traubenkirschen (furniergeeignet) wird Saatgut von örtlichen Herkünften empfohlen. Hierzulande ist dies aufgrund des differenzierten Erscheinungsbildes (Busch- oder Hochstamm) und unsicherer Herkünfte nur schwer zu realisieren. Neueste Untersuchungen belegen, dass die Populationen im Nordwesten Europas aus dem Ursprungsgebiet der Appalachen (vornehmlich Allegheny Plateau) stammen.

5.5 Saat- und Pflanzgutversorgung

In den Waldbaurichtlinien der einzelnen Bundesländer ist ihr Anbau nicht vorgesehen, in den Niedersächsischen Landesforsten ist ihre Verwendung sogar durch einen ministeriellen Erlass seit 1989 verboten.

Spätblühende Traubenkirsche
Abb. 4: Spätblühende Traubenkirschen in den Ravensbergen bei Potsdam. Foto: Botaurus, Wikimedia Commons

6 Waldbauliche Behandlung

6.1 Bestandesbegründung

Nicht aktiv vorgesehen.

6.2 Mischungsformen

Meist finden sich Dominanzbestände unter lichtdurchlässigen Kiefern- und Lärchenbeständen.

6.3 Pflege- und Nutzungskonzepte

Aufgrund der Beständigkeit der Spätblühenden Traubenkirsche wird diese inzwischen als Zeitmischung akzeptiert und verschieden genutzt (Biomasseproduktion, Wertholzproduktion). Gerade die Wertholzerziehung ist unter lichten Schirmen in 50-80 Jahren möglich. Hierfür nötig ist eine in der Dickungsphase stattfindende evtl. mehrmalig stattfindende starke Förderung der 200 bestveranlagten Bäume. Ab einer Trockenastzone von 5 bis 6 m erfolgt die Auswahl, Ästung und weitere Pflege von 40 bis 50 Z-Bäumen, die dann je nach Standort im Alter zwischen 50 und 80 Jahren einen BHD von 50 bis 60 cm erreichen können.

7 Holzverwendung

7.1 Holzeigenschaften

Das Holz ist zerstreutporig. Das Kernholz ist hell rötlichgelb bis blass rötlichbraun und dunkelt nach. Es gehört zu den mittelschweren Holzarten. Die Witterungsbeständigkeit ist gering, es können Gummiadern vorkommen.

7.2 Wertholztauglichkeit

Furnierholz.

7.3 Verwendungsbereiche in der Holzindustrie

Möbelholz, Furnierholz.

7.4 Vermarktung

In Deutschland gewachsenes Stammholz wird bisher nur selten auf Versteigerungen angeboten. Meist wird es als Brennholz genutzt.

8 Nebennutzungen

Das Kirschfleisch wird in Nordamerika zur Herstellung von Sirup, Mus, Gelee und Wein genutzt.

9 Literatur

  • Annighöfer, P. et al. (2012): Biomass functions for the two alien tree species Prunus serotina Ehrh. and Robinia pseudoacacia L. in floodplain forests of Northern Italy. European Journal of Forest Research 131: 1619-1635.
  • Booth, J. (1907): Die Versuche mit ausländischen Holzarten in den bayerischen Staatswaldungen. Forstwissenschaftliches Centralblatt 29: 531-541.
  • Bundesforst (2007): Spätblühende Traubenkirsche (TKs). Merkblatt zu GA Waldbau, Version 1.0, ZEBF, PA.
  • Chabrerie, O. et al. (2010): Impact of Prunus serotina invasion on understory functional diversity in a European temperate forest. Biological Invasions 12(6): 1891-1907.
  • Grundler, A. (2011): Zu Wachstum von Krone und Schaft der Spätblühenden Traubenkirsche (Prunus serotina) im Käfertaler Wald, Mannheim. Bachelorarbeit, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.
  • Haag, C.; Wilhelm, U. (1998): Arbeiten mit der "unerwünschten Baumart" oder Verschleppung einer Katastrophe? Allgemeine Forstzeitschrift 53: 276-279.
  • Holst, A. (2004): Die Spätblühende Traubenkirsche – Wirtschaftsbaumart oder Unholz? Diplomarbeit an der Fakultät Ressourcenmanagement der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen.
  • Juhász, M. (2008): Black cherry (Prunus serotina Ehrh.). In: Botta-Dukát, Z.; Balogh, L. (eds.): The most important invasive plants in Hungary. Institute of Ecology and Botany, Hungarian Academy of Science, Vácrátót, pp. 77-84.
  • Klemm, G.; Ristow, M. (1995): Floristisch-vegetationskundliche Untersuchungen im NSG Wilhelmshagen-Woltersdorfer Dünenzug (Berlin-Köpenick). Verh. Bot. Ver. Berlin Brandenburg 128: 193-228.
  • Kowarik, I. (2010): Biologische Invasionen; Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. 2. Aufl. Stuttgart.
  • Liesebach, M. (2005): Prunus serotina EHRH., 1788. In: Schütt, P. et al. (Hrsg., 2008): Enzyklopädie der Holzgewächse. Landsberg am Lech.
  • Marquis D. A. (1990): Prunus serotina Ehrh. Black Cherry. In: Burns, R. M; Honkale, B. H. (eds): Silvics of North America. Vol 2. Hardwoods, Handb. 654, USDA Forest Service Washington DC, pp. 594-604.
  • Nyssen, B.; den Ouden, J.; Verheyen, K. (2013): Amerikaanse vogelkers. Van bopest tot bosboom. Zeist.
  • Olsthoorn, A. F. M.; Hees, van A. F. M. (2002): 40 years of Black Cherry (Prunus serotina) control in the Netherlands: lessons for management of invasive tree species. In: Kowarik, I.; Starfinger, U. (Hrsg.): Biologische Invasionen. Herausforderung zum Handeln? Neobiota 1: 339-341.
  • Otto, H.-J. (1993): Fremdländische Baumarten in der Waldbauplanung. Forst und Holz 48: 454-456.
  • Pairon, M. et al. (2010): Multiple introductions boosted genetic diversity in the invasive range of Black Cherry. Annals of Botany 110: 881-890.
  • Retter, S. (2004): Wachstum der Spätblühenden Traubenkirsche (Prunus serotina) in Niedersachsen. Forstamt Lingen. Diplomarbeit FH Hildesheim/Holzminden/Göttingen.
  • Schepker, H. (1998): Wahrnehmung, Ausbreitung und Bewertung von Neophyten: eine Analyse der problematischen nichteinheimischen Pflanzenarten in Niedersachsen. Stuttgart.
  • Smith, A. J. (1975): Invasion and ecesis of bird-disseminated woody plants in a temperate forest sere. Ecology 56: 19-34.
  • Spellmann, H. (1998): Empfehlungen der NFV zum Umgang mit der Spätblühenden Traubenkirsche in den Landesforsten. Bericht an das Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
  • Wein, K. (1930): Die erste Einführung nordamerikanischer Gehölze in Europa. Teil I. Mitteilung der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft 42: 137-163.

Zusammenfassende Beurteilung der Anbauwürdigkeit

Ampel 1 Standort/Bodenzustand, ökologische Bedeutung, Klimaanpassung
Ampel 2 Massen-/Wertleistung; Abiotische/Biotische Risiken
Ampel 3 Invasionspotenzial

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