Die Eichenwälder in Südwestdeutschland weisen derzeit teils starke Vitalitätsverluste und regional hohe Anteile absterbender Bäume auf. In den vergangenen Jahren waren hierfür insbesondere Dürreperioden, aber auch Kahlfraß durch die Eichenfraßgesellschaft ursächlich [1–3].
Geschwächte Eichen zeigen eine deutlich verringerte Abwehrbereitschaft, die es den Larven des Zweipunktigen Eichenprachtkäfers ermöglicht, sich erfolgreich unter der Rinde zu entwickeln. Bei einem Massenvorkommen führt dies in der Regel zu irreversiblen Schäden und dem Absterben der betroffenen Bäume, da bei einem intensiven Befall die Leitbahnen für den Saftfluss der Eichen unterbrochen und das Kambium zerstört werden.
Demgegenüber schädigt der Fraß einzelner Larven den Baum in der Regel nicht letal [4–6], auch der Reifungsfraß der Käfer an den Blättern der Eichen ist unproblematisch. Als schadensverstärkender biotischer Faktor spielt der Käfer im Schadgeschehen der Eichenkomplexkrankheit oft eine wesentliche Rolle [8–11].
Was ist die Eichenfraßgesellschaft?
Der Kahlfraß wird insbesondere durch Raupen folgender Arten, oft auch in Kombination miteinander, verursacht: Schwammspinner (Lymantria dispar), Frostspanner (Kleiner Frostspanner: Operophthera brumata, Großer Frostspanner: Erannis defoliaria), Eichenwickler (Tortrix viridana) und Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea).
Was ist die Eichenkomplexkrankheit?
Die Eichenkomplexkrankheit ist ein multifaktorielles Schadgeschehen, bei dem verschiedene abiotische und biotische Faktoren zusammenwirken. Prädisponierende Faktoren wie ungünstige Standortbedingungen führen dauerhaft zu einer verminderten Vitalität, wodurch der Baum anfällig für kurzzeitig auftretende Störungen wird. Diese Schadauslöser wie Kahlfraß, Mehltau oder Dürre schwächen die Abwehrmechanismen (weiter) und machen den Baum anfällig für schadverstärkende Faktoren wie den Zweipunktigen Eichenprachtkäfer oder Hallimasch, die dann letztendlich irreversible Schäden verursachen und zum Absterben des Baumes führen können [7].
Neben dem bekannten Kahlfraßgeschehen werden zukünftig bedingt durch den Klimawandel wohl auch Störungen durch wiederkehrende Dürreereignisse häufiger werden. So werden Eichen zunehmend Stresssituationen ausgesetzt, sodass auch das Schadpotenzial des Eichenprachtkäfers zunehmen wird – durch eine höhere Anfälligkeit der Eichen einerseits und verbesserte Entwicklungsbedingungen für die Larven andererseits aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen [12–15].
Biologie und Lebensweise
Der Zweipunktige Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus FABR., 1777) gehört zur Familie der Prachtkäfer (Buprestidae). Namensgebend sind die beiden auffälligen weißen Punkte im hinteren Drittel der Flügeldecken [16]. Die adulten metallisch grün oder blau glänzenden Käfer sind mit etwa 10–13 mm eine der größten Vertreter ihrer Gattung und zeigen eine schmale, längliche Form [4, 17].
Entwicklung
In gemäßigten Breitengraden kann die Entwicklung einjährig sein (Abb. 2). Eine zweijährige Entwicklung kommt bei ungünstigen Entwicklungsbedingungen wie einem zu geringen Wärmeangebot oder einer unzureichenden Wirtsschwächung vor [3, 14, 18, 19]. Generell wird die gesamte Entwicklung durch trocken-warme Bedingungen begünstigt [14].
Der Flug findet schwerpunktmäßig im Juni statt, grundsätzlich kann die Flugzeit aber zwischen Mai und August liegen [8, 16, 20, 21]. Die voll entwickelten Käfer hinterlassen dabei ein charakteristisches bis zu 4 mm langes und bis zu 3 mm breites D-förmiges Ausflugsloch (vgl. Abb. 4c) [19].
Nach einem ein- bis zweiwöchigen Reifungsfraß an den Blättern in der Eichenkrone erfolgt die Eiablage einzeln oder gruppiert in Eigelegen von bis zu 30 Eiern in Rindenspalten. Dabei werden besonnte Stammbereiche von Baum- und Althölzern ab einem Durchmesser von etwa 30 cm bevorzugt [19], seltener wählt er auch schwächere Stämme und Starkäste aus.
Temperaturabhängig schlüpfen in der Regel nach ein bis zwei Wochen die cremefarbenen Larven [16], die auf der Rückseite mit einer bräunlichen Linie gezeichnet sind, am letzten Abdominalsegment zwei hornartige Fortsätze besitzen und zum Ende der Larvalentwicklung bis zu 43 mm lang werden können [5, 17, 19].
Die Larven bohren sich nach dem Schlupf durch die Rinde in die nährstoffreiche Kambialzone, zwischen inneren Rindenschichten und äußerem Splintholz, und fressen dort flache, zick-zack-förmige, bis zu 3,5 mm zunehmend breiter werdende, fest mit Bohrmehl gefüllte Gänge quer zur und längs der Faserrichtung [5, 16, 18, 19]. Die Gangsysteme einzelner Larven überlagern sich häufig [4] und können bis zu 1,5 m lang werden [19]. Bei geringer Abwehrbereitschaft verlaufen die Fraßgänge auch horizontal um den Stamm herum [16, 19].
Zum Ende der Larvenentwicklung wandern sie in die äußere Rinde, um dort bereits in einer Puppenkammer zu überwintern [14, 16]. Nach einer Puppenruhe im Frühling von etwa zwei Wochen schlüpfen die adulten Käfer [16].

Abb. 4: Beim charakteristischen Fraßbild der Prachtkäfer-Larven verlaufen die Larvengänge erst zick-zack-förmig und können bei massivem Befall auch stammumfassend werden (a, b) (Fotos: FVA BW/Delb); die Ausfluglöcher der Käfer zeigen eine typisch D-förmige Form (c) (Foto: Landesforsten RLP/Burkhardt).
Wirtsbäume, Vorkommen und natürliches Ausbreitungspotenzial
Für seine Entwicklung ist der Käfer an Eichenarten (Quercus spp.) gebunden – in Südwestdeutschland demnach vor allem an Stiel- (Q. robur L.) und Trauben-Eiche (Q. petraea (MATT.) LIEBL.). Andere Eichenarten wie etwa Zerr- (Q. cerris L.), Flaum- (Q. pubescens WILLD.), Kork- (Q. suber L.) oder Stein-Eiche (Q. ilex L.) können ebenfalls befallen werden.
An der Rot-Eiche (Q. rubra L.) wurde er in Deutschland vereinzelt bereits beobachtet, doch ist er an dieser Baumart in Südwestdeutschland noch nicht auffällig in Erscheinung getreten. Vereinzelt sind auch Funde an Rotbuche (Fagus sylvatica L.) und Esskastanie (Castanea sativa L.) nachgewiesen [19, 22].
In Deutschland muss davon ausgegangen werden, dass der Zweipunktige Eichenprachtkäfer in allen Eichenwäldern vorhanden sein kann. Die wärmebedürftige Art bevorzugt dabei aufgelichtete Bestände oder besonnte Einzelbäume [8], tritt aber zunehmend auch flächig und in dichteren Beständen in Erscheinung.
Als Sekundärschädling ist der Bruterfolg eng an geschwächte Eichen gebunden, bereits vollständig abgestorbene Bäume stellen keinen geeigneten Brutraum für die Larvalentwicklung mehr dar. Populationsdichten können erst merklich steigen, wenn die Abwehrkräfte der Eichen nach ausgeprägten Störungen wie zum Beispiel Kahlfraß oder Dürre deutlich geschwächt sind [5, 20].
Unabhängig davon hält sich ein gewisser Grundstock als sogenannter „eiserner Bestand“ an lokal eng begrenzten Schadstellen, wie sie zum Beispiel durch Blitzeinschläge verursacht werden [5]. Die wichtigsten (natürlichen) regulativen Mechanismen sind abiotische Bedingungen und die natürlichen Abwehrmechanismen der Wirtsbäume selbst. Aber auch Prädatoren, wie beispielsweise Spechte und verschiedene Schlupfwespenarten, können Mortalitätsfaktoren darstellen [5, 20, 23].
Nicht zuletzt sind aber für Vorkommen und Ausbreitung die Waldstrukturen und das Vorhandensein geeigneter Wirtsbäume entscheidend [24–27]. Das natürliche Ausbreitungspotenzial wird außerdem durch mögliche Flugdistanzen von bis zu mehreren Kilometern mitbestimmt [28], nimmt jedoch mit zunehmender Entfernung von der Befallsquelle deutlich ab.
Management
Das Management des Eichenprachtkäfers zielt mit seinen Maßnahmen darauf ab, in Schwächephasen möglichst viele Eichen vor einem Befall zu schützen. Damit wird den Eichen mittelfristig die Revitalisierung erleichtert, mit dem Ziel, weitgehend geschlossene Eichenwälder zu erhalten.
Durch die rechtzeitige gezielte Sanierung befallener Eichen kann eine lokal steigende Käferabundanz frühzeitig abgesenkt, der Befallsdruck reduziert und verbleibenden Eichen die Regeneration ermöglicht werden. Mit zeitlichem Abstand zu Störungen wie Kahlfraß oder Dürre erholen sich die Bäume zunehmend. Dann sind die erholten Eichen in der Regel wieder in der Lage, einen Befall durch Eichenprachtkäfer abzuwehren.
Die Handlungsempfehlungen beruhen auf umfangreichen Untersuchungen nach einer Schwammspinner-Massenvermehrung, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1993/94 fand. Hier sind unter Beteiligung des Zweipunktigen Eichenprachtkäfers gravierende Folgeschäden entstanden, wobei Eichen ab einem Blattverlust von 80 % erhebliche Mortalitätsraten aufgewiesen haben [6].
Nach Beobachtung von Kronenverlichtungen, auffälligen Blattverfärbungen oder ersten Ausfallerscheinungen bei gleichzeitig deutlich wahrnehmbarem Vorkommen des Eichenprachtkäfers an stehenden oder liegenden Eichen, sollten Bäume mit starkem Blattverlust gezielt entnommen werden.
Diese Individuen sind mit großer Wahrscheinlichkeit entweder bereits befallen oder können den Befall aufgrund einer verringerten Abwehrbereitschaft nicht mehr abwehren, womit sie bevorzugten Brutraum darstellen und eine Massenvermehrung begünstigen können. Bei vorhandenem Befallsdruck fallen die Eichen mit schwacher Belaubung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin aus, so dass bei der Entnahme keine unbegründete Auflichtung des Bestandes und eine damit einhergehende Erhöhung des Wärmeangebots befürchtet werden muss [16].
Durch die Entnahme und rechtzeitige Abfuhr befallenen Stammholzes oder befallstauglicher Eichen wird der lokale Befallsdruck zugunsten der verbleibenden Eichen gesenkt [6, 16, 29, 30]. Solche Sanierungshiebe zum Schutz benachbarter, noch unbefallener oder abwehrfähiger Eichen sind jedoch nur zielführend, wenn auf Bestandesebene bislang nur vereinzelt Bäume betroffen sind.
Vor der Durchführung von Sanierungshieben ist deshalb eine einzelfallbezogene Abwägung erforderlich, die gleichzeitig standörtliche, waldbauliche, forstbetriebliche und naturschutzfachliche Belange berücksichtigt.
Entscheidungsmatrix im Abwägungsprozess einer Sanierungsmaßnahme
Die empfohlenen Maßnahmen im Management des Eichenprachtkäfers sind im Folgenden systematisch aufbereitet.
Das Befallsrisiko durch den Zweipunktigen Eichenprachtkäfer steigt nach Störungen wie Kahlfraß oder Dürre als schadensauslösende Ereignisse in den betroffenen Eichenbeständen erheblich an. Deutliche Kronenverlichtungen, auffällige Blattverfärbungen und möglicherweise bereits erste Ausfallerscheinungen auf das Störungsereignis folgend weisen auf ein Befallsgeschehen hin.
Hinweis: Fehlen an abgestorbenen oder stark geschwächten Bäumen Befallssymptome des Eichenprachtkäfers, sind die Bäume beispielsweise durch eine beträchtliche Trockenheit offenbar zu rasch abgestorben, so dass eine Entwicklung nicht mehr möglich war. Dort besteht bezüglich des Eichenprachtkäfers kein erhöhtes Risiko.
1. Prüfung – Vorkommen einer Eichenprachtkäfer-Population
Befallstaugliche Eichenbestände ab Stangenholzalter und besonders ab einem Brusthöhendurchmesser von mehr als 30 cm mit vereinzelt abgestorbenen oder absterbenden Eichen werden im unteren Stammbereich auf das Vorkommen des Eichenprachtkäfers kontrolliert.
Schleimfluss, D-förmige Ausfluglöcher, Spechtabschläge sowie gegebenenfalls Fraßgänge mit und ohne Larven unter sich teils ablösender Rinde sind typische Symptome (vgl. Abb. 4 und Abb. 5). Diese können auch an liegenden Stämmen kontrolliert werden. Sind Bäume mit relevanten Nachweisen vorhanden, werden die potenziell zu entnehmenden Eichen markiert.
2. Auswahl potenziell zu entnehmender Eichen
Nach Feststellung einer örtlich relevanten Population des Eichenprachtkäfers werden diejenigen Bäume markiert, bei denen aufgrund des Kronenzustandes (vgl. Abb. 6) von einer sehr hohen Absterbewahrscheinlichkeit auszugehen ist. Davon ist ab einem Blattverlust von mehr als 80 % auszugehen [16] – bei der Beurteilung des Blattverlustes ist die Aufnahmeanweisung der Waldzustanderhebung (WZE) zu beachten.
In Zweifelsfällen sollten die Baumindividuen zur gezielten weiteren Beobachtung entsprechend gekennzeichnet werden.
Wichtig: Schleimfluss ist in erster Linie eine Abwehrreaktion der Eichen, die bei noch vitaler Krone in der Regel von Erfolg begleitet ist. Solange die Baumkrone weitgehend intakt ist, sollten solche Individuen nicht entnommen werden.
Frisch abgestorbene Eichen mit stammumfassend vorhandenen Ausfluglöchern können im Bestand verbleiben.

Abb. 6: Beispiele von Kronenzuständen an Eichen, die bei Prachtkäfervorkommen entnommen werden sollten: Blattverluste > 80 % nach den Kriterien der Waldzustandserhebung mit hohem Totastanteil und starkem Feinreisigverlust (a), einseitig abgestorbene Kronen mit Pilzfruchtkörpern oder abblätternder Rinde an Starkästen (b), starke Vergilbungserscheinungen und akut rötlich bis braun werdendes oder bereits verdorrtes Laub im Sommer (c). (Foto a: FVA BW/Wonsack, Fotos b–c: FVA BW/Delb)
3. Entscheidung zur Sanierung des Bestandes
Im letzten Schritt wird abgewogen, ob Anzahl und Verteilung der ausgewählten potenziellen Entnahmebäume das waldbauliche Ziel und eine Fortführung der entsprechenden Behandlung auf Bestandesebene noch ermöglichen.
Kann das bisherige waldbauliche Ziel prinzipiell weiter verfolgt werden, sollte der Sanierungshieb zur Erhöhung der Erholungschancen der verbleibenden Eichen in Betracht gezogen werden. Da die Käfer weitere Distanzen zurücklegen können, sind bei der Entscheidung gegebenenfalls auch Nachbarbestände mit einzubeziehen.
Insgesamt lassen sich keine festen Grenzwerte definieren, da viele Aspekte wie Waldbau, Betriebsziel, Holzverwertung und nicht zuletzt der Naturschutz bei der Entscheidung berücksichtigt werden müssen.
Hinweis: Führt die Entnahme der im Rahmen eines Sanierungshiebes vorausgewählten Eichen zu einer deutlich veränderten Bestandessituation, ist der Nutzen des Sanierungshiebes für das Erreichen des waldbaulichen Betriebsziels kritisch zu hinterfragen. Eine veränderte Bestandessituation liegt beispielsweise bei einer deutlichen Verlagerung der Baumartenanteile oder Herabsetzung des Bestockungsgrades vor. Die Entnahme der Eichen kann aber aus anderen Gründen wie Vermeidung der Holzentwertung oder Einleitung einer Verjüngung für den Forstbetrieb dennoch sinnvoll sein.
Zeitpunkt der Kontrollen und Fristen für die Stammholzabfuhr
Die Auswahl der potenziell zu entnehmenden Eichen erfolgt idealerweise im Spätsommer bis Frühherbst. Die Vitalität des Baumes kann dann bereits durch beginnenden Larvenfraß beeinflusst sein, sodass in der Krone erste Reaktionen sichtbar werden. Ohne Prachtkäferbefall sind die Kronen zu diesem Zeitpunkt in der Regel noch nicht von Herbstfärbung und Laubfall geprägt.
In Hitze- und Dürrejahren können Veränderungen in der Krone, wie frühzeitige Blattverfärbungen und Welkeerscheinungen, zu dieser Zeit oft nicht eindeutig dem Eichenprachtkäfer zugeordnet werden. Treten diese Symptome allerdings nur halbseitig oder in Verbindung mit Schleimfluss am Stamm auf, ist ein Befall durch Eichenprachtkäfer dennoch sehr wahrscheinlich.
Eine Vitalitätsbeurteilung ist grundsätzlich auch im Winterzustand anhand von Merkmalen der Kronenstruktur und Verzweigungsmuster über Vitalitätsstufen-Schlüssel möglich [31]. Gegenüber der Beurteilung im belaubten Zustand nach den Kriterien der Waldzustandserhebung hat diese Ansprache jedoch einen deutlichen Nachteil.
Erst in der vorangegangenen Vegetationsperiode vom Prachtkäfer befallene und dadurch abgestorbene oder stark geschädigte Eichen verlieren ihr Feinreisig mitunter erst mit zeitlicher Verzögerung und können deshalb im darauffolgenden Winter irrtümlich als noch verhältnismäßig vital angesprochen werden. So können befallene Eichen als Infektionsquelle für das nächste Jahr übersehen werden, aus denen aber fertig entwickelte Käfer im folgenden Frühjahr noch ausfliegen. Daher ist die Kontrolle der Eichen im belaubten Zustand im Regelfall zielführender.
Im Rahmen des Sanierungshiebes angefallenes Stammholz sollte rechtzeitig bis spätestens Ende April abgefahren werden. Das Einhalten dieser Frist entscheidet maßgeblich über die Wirksamkeit der Maßnahme. Ist die Abfuhr in diesem Zeitraum aus betrieblichen Gründen nicht absehbar möglich, muss die Durchführung der Maßnahme grundsätzlich hinterfragt werden.
Der Zweipunktige Eichenprachtkäfer legt den Großteil seiner Bruten im Stammbereich an, daher gefährden verbleibendes Kronenmaterial und Starkäste die Effektivität der Sanierung erfahrungsgemäß nicht maßgeblich [32].
Alternative Maßnahmen
Eine Entrindung der Stämme vor Ort kann eine sinnvolle ergänzende Maßnahme sein, wenn das befallene Holz nicht rechtzeitig abgefahren werden kann. Dabei sollte die anfallende Rinde aber möglichst zeitnah abgefahren oder zumindest mit reißfester Folie abgedeckt werden – abhängig von der Größe der Rindenstücke können weiterhin Käfer ausfliegen (Abb. 8).
Die Zwischenlagerung befallenen Holzes in Trockenlager kann die Abfuhr im Frühjahr ebenfalls erleichtern. Da zu den Flugdistanzen, bei denen befallsrelevante Individuen-Anzahlen erreicht werden, kaum belastbare Erkenntnisse vorliegen, ist eine Einschätzung nur näherungsweise analog zu eng verwandten Arten möglich. Es wird daher empfohlen, einen Mindestabstand von 1.000 m zu den nächsten Eichenbeständen einzuhalten [28].
Naturschutzfachliche Belange
Das Artenschutzrecht ist bei der Abwägung von Sanierungshieben zwingend zu beachten. Aus den Vorgaben des § 44 Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) ergibt sich, dass auch im Rahmen eines Sanierungshiebes Beeinträchtigungen geschützter Arten zu vermeiden sind.
Daraus folgt eine Sorgfaltspflicht in der Vorbereitung und Durchführung einer solchen Maßnahme. Dabei sollten die an den zu entnehmenden Bäumen vorkommenden Arten sowie das Bestandesumfeld berücksichtigt werden.
In Natura 2000-Gebieten ist wegen der Projekteigenschaft eines Sanierungshiebes nach § 34 BNatSchG im Vorfeld zudem die Verträglichkeit der geplanten Maßnahme zu prüfen. Dies umfasst eine sogenannte Vorprüfung und abhängig vom Ausgang ebendieser gegebenenfalls eine anschließende Verträglichkeitsprüfung.
Es ist hierbei durchaus möglich, dass die Maßnahme auch dem Erhalt der zu schützenden Lebensräume und damit auf längere Sicht auch der daran gebundenen Arten dienen kann.
Beeinträchtigung der Holzqualität durch Eichenprachtkäfer
Das vom Eichenprachtkäfer befallene Stammholz weist verwertungstechnisch zunächst keine direkten Qualitätseinbußen auf, da sich die Larven ausschließlich zwischen Rinde und Holzkörper entwickeln.
Dem rindenbrütenden Prachtkäfer folgen aber meist auch Holzbrüter wie Eichenholzbohrer (Xyleborus monographus FABR., 1792) oder Eichenkernkäfer (Platypus cylindrus FABR., 1792) [32–34]. Ein Holzbrüterbefall kann jedoch nicht zwangsläufig angenommen werden und muss vor Ort situativ geprüft werden.
Im Bestand verbleibende Eichen, die einen Befall abwehren konnten, weisen an den betroffenen Stellen nekrotische Bereiche auf, die künftig als Holzfehler zurückbleiben. Demnach kann die Absenkung des Befallsdrucks auch zur Werterhaltung der Eichenbestände zielführend sein.
Weiterführender Hinweis: Maßnahmen zur Behandlung bei festgestelltem Holzbrüterbefall sind in der Waldschutz-Info 01/2021 „Holzbrüterbefall an gelagertem Eichenholz – Wissenswertes zur Risikominderung“ ausführlich erläutert.
Fazit und Ausblick
Die Abwägung und erfolgversprechende Durchführung von Sanierungshieben ist für die Forstpraxis eine herausfordernde Aufgabe und bedarf einer fundierten Einschätzung vor Ort unter Berücksichtigung waldbaulicher, forstbetrieblicher und rechtlicher Aspekte.
Die Möglichkeit, geschwächten Eichen durch eine Absenkung der lokalen Käferabundanz zur Regeneration zu verhelfen, sollte jedoch nicht ungenutzt bleiben. Die Abwägung zwischen Waldbau, Holzverwertung und Naturschutz sowie anderen Aspekten kann, neben der hier dargestellten waldschutzfachlichen Perspektive, nur einzelfallbezogen vor Ort durch forstliches Fachpersonal erfolgen.
Unabhängig von der Vorbereitung und komplexen Beurteilung im Vorfeld jeder Sanierungsmaßnahme muss der allgemeine Gesundheitszustand der Eichenwälder langfristig im Blick behalten werden. Im Klimawandel werden langanhaltende Dürreperioden regelmäßiger auftreten, deren Folgen für die Eichen auch im Zusammenhang mit dem Eichenprachtkäfer noch näher untersucht werden müssen.
Um mit dem Ziel der Erhaltung der Eichen handlungsfähig zu bleiben, ist das Beobachten bereits jetzt vitalitätsgeschwächter Bestände essentiell – nur so lassen sich Dynamiken frühzeitig erkennen und Lösungsansätze entwickeln.














