Maßnahmen der waldbaulichen Vorsorge zur Vermeidung bzw. Reduzierung von Rüsselkäferschäden waren bereits Gegenstand in einem ersten Beitrag (AFZ 11/2024). Darin wurden auch Methoden der Schaderfassung und Kriterien zur Entscheidungsfindung für eine mögliche Bekämpfung aufgezeigt. Doch welche Abwehr- und Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es und wie wirksam sind diese unter welchen Bedingungen? Diesen Fragen sind die forstlichen Versuchsanstalten der Bundesländer nachgegangen. In diesem Beitrag werden ihre Erfahrungen und Forschungsergebnisse vorgestellt.

Lockstoff-Fallen, Lockstoffe und Fangkombinationen

Ein Einsatz von Lockstoff-Fallen ist zur Schadreduzierung oder zum Monitoring von Rüsselkäferaktivitäten denkbar. Für den Einsatz zur Schadreduzierung wäre jedoch eine amtliche Zulassung des Lockstoffs als Pflanzenschutzmittel notwendig, die bisher jedoch nicht gegeben ist. Ziele eines Falleneinsatzes zum Monitoring wären: 

  • Terminierung des Aktivitäts- und damit Fraßbeginns und 

  • bei Fang vieler Käfer, die zeitige Abschätzung des zu erwartenden Schadens als Grundlage für einen Insektizideinsatz (Gefährdungseinschätzung). 

Im Vergleich zu einer regelmäßigen Schadbonitur zur Festlegung der Bekämpfungsnotwendigkeit wäre damit eine zeitlich frühere Entscheidung möglich. Dadurch würde der Schadumfang insgesamt niedriger ausfallen. Die LWF untersuchte in einem Ringversuch mit der FVA-BW, Sachsenforst und dem Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha u. a. verschiedene Fangsysteme und Lockstoffe, die in der Literatur als erfolgversprechend beschrieben wurden. Die NW-FVA testete in einem eigenen Versuch ähnliche Kombinationen (vgl. Abb. 2).

Die verwendeten Lockstoffe fingen in Sachsen und Bayern in den verschiedenen Fangkombinationen über den Kontrollzeitraum kontinuierlich. Auf allen Flächen zeigte Alpha-Pinen mit Ethanol signifikant höhere Fangzahlen gegenüber dem Lockstoffdispenser und Ethanol mit Kiefernzweig. Auch die Untersuchungen aus Thüringen bestätigen diese Ergebnisse (Abb. 2). Bei den Versuchen der NW-FVA zeigte sich ein anderes Bild: Hier war der Lockstoffdispenser den frischen Rindenplättchen und der Kombination von Alpha-Pinen mit Ethanol überlegen.

In den durchgeführten Versuchen konnten Schäden an den Douglasien durch die Fallenfänge nicht verhindert werden. Der Fraß der Jungkäfer an den Pflanzen in Fallennähe war bei allen Fallenkombinationen hoch (BY: 30 % starke bis tödliche Fraßschäden an den umstehenden 5 nächsten Pflanzen, BW+RP: 10-40 %, Sachsen vgl. Abb. 3; NW-FVA keine Schadaufnahme).

Untersuchungen von Sachsenforst hinsichtlich der Entwicklung eines Monitoringverfahrens zur Gefährdungseinschätzung zeigten, dass der Aktivitätszeitraum des Großen Braunen Rüsselkäfers gut abgebildet werden kann. Für eine Fläche sind beispielhaft in Abbildung 3 die kumulierten Fangzahlen und die aufgetretenen Schäden in ihrem zeitlichen Verlauf dargestellt. Die Summenkurve verdeutlicht, dass es zu einer Erstbesiedelung kam und die Käferaktivität Ende Juni/Anfang Juli endete. Ab Anfang August waren keine neuen Fänge mehr zu verzeichnen. Auf dieser Fläche wiesen ca. 30 % der Pflanzen am Ende der Saison starke bis letale Schäden auf.

Zum Ende der Saison wurden an jeweils mindestens 50 Pflanzen pro Fläche Stichproben zur Bonitur der aufgetretenen Schäden durchgeführt. Im Ergebnis ließ sich die in Abbildung 4 dargestellte Käferfang-Schadensbeziehung ableiten. Sie deutet darauf hin, dass kein signifikanter Zusammenhang zwischen den Fangzahlen und der Fraßintensität an den Pflanzen besteht, da der Unsicherheitsbereich (graue Fläche in Abb. 4) durch die Streuung der Einzelwerte bedingt sehr groß ist. Erfahrungen anderer Bundesländer und Untersuchungen europäischer Institutionen zeigen ebenfalls keinen klaren Trend.

Schutzüberzüge aus Wachs

In einem Praxisversuch der NW-FVA im Jahr 2014 wurden gewachste Douglasien mit unbehandelten verglichen. Dafür wurden die Pflanzen in der Baumschule mit einem Wachsüberzug vom Wurzelhals bis in ca. 20 cm Höhe versehen. Zum Teil reichte die Wachsschicht bis deutlich in die beasteten Bereiche der Pflanzen hinein. Es wurde im Versuch oftmals beobachtet, dass Rüsselkäfer an den Pflanzen über die Wachsschicht liefen, um an dem oberen, ungeschützten Pflanzenteil zu fressen. Die Wachsschicht wurde auch durchfressen, um an die darunter liegende Rinde zu kommen. Es gab zwischen den Behandlungsvarianten aber trotzdem deutliche Unterschiede (siehe Abb. 5).

Von den bonitierten unbehandelten Pflanzen wiesen 75 % starken bis letalen Fraß auf. In der gewachsten Variante lag dieser Anteil bei 28 %. Mäßig oder schwach befressene Pflanzen wurden bei der unbehandelten Variante bei 21 % und bei der gewachsten bei 53 % festgestellt. Auffällig war die Rate der im Untersuchungszeitraum durch andere Ursachen abgestorbenen Pflanzen, die in der unbehandelten Variante bei 4 % lag, in der gewachsten bei 19 %. Als Hauptursache für dieses nicht fraßbedingte Absterben wird in diesem Versuch die Wachsbehandlung vermutet, die entweder durch direkte Hitzeschäden oder indirekt im weiteren Verlauf zum Absterben der Pflanzen führte. Die Wachsbehandlung erzielte in diesem Versuch eine Wirkung, die nicht annähernd an die regelmäßig sehr hohe Schutzwirkung chemischer Pflanzenschutzbehandlungen heranreicht.

Ähnliche Untersuchungen der LWF in den Jahren 2014 und 2016 mit Ekowax bestätigen die Ergebnisse der NW-FVA in weiten Teilen. Die Beobachtung des Fraßes innerhalb und oberhalb der Wachsschicht wurden hier ebenfalls gemacht (Abb. 6a). Auch die augenscheinlich schlechtere Vitalität der gewachsten Pflanzen war in den Versuchen auffällig. Die FVA-BW führte ab 2021 Versuche an unbehandelten, mit chemischem Pflanzenschutzmittel behandelten Douglasien und vor der Pflanzung angebrachter Wachsschicht (Ekowax) in zwei Varianten durch. Eine Gruppe wurde vom Wurzelhals bis zur Terminalknospe vollständig gewachst (Abb. 6b), die andere nur bis in ca. 20 cm Stammhöhe.

Der Wirkungsgrad war bei der Anwendung des chemischen Pflanzenschutzes sowie bei den vollständig gewachsten Pflanzen nach den Ergebnissen der FVA-BW sehr hoch: (starke) Fraßschäden wurden vermieden. Die Schutzwirkung der Wachsung der unteren 20 cm konnte auftretende Fraßsschäden etwas verringern.

Schutzüberzüge aus Sandgemisch/Latex

Woodcoat besteht aus einer harten, dehnbaren Beschichtung aus Latex mit einer Beimischung von feinem Quarzsand. Dieser wurde in einem Versuch der NW-FVA im Jahr 2023 an Douglasie, Lärche und Kiefer auf seine Schutzwirkung hin getestet. Das Aufbringen des Schutzbelages erfolgte an den Containerpflanzen durch den Hersteller auf den unteren 15-20 cm des Stammes.

Auffällig war, dass für alle drei getesteten Baumarten die Anzahl vertrockneter Pflanzen mit Woodcoat-Behandlung gegenüber den unbehandelten Pflanzen doppelt so hoch ausfiel. Fraßbedingte Ausfälle wurden an unbehandelten Douglasien dreimal häufiger bonitiert als an behandelten (25 % statt 8 %; Abb. 7). Fraßschäden traten an den unbehandelten Pflanzen knapp doppelt so häufig auf (78 % statt 44 %). Keine oder nur leichte Fraßschäden wurden bei den behandelten Douglasien etwa 2,5-mal häufiger bonitiert als bei den unbehandelten (56 % statt 22 %).

Schutzkragen

In Sachsen wurden Schutzkragen auf zwei Douglasien-Verjüngungsflächen getestet. Trotz einer deutlich geringeren Käferdichte wiesen auf der Fläche in Revier Bielatal mit einer ausgeprägten Vergrasung am Ende der Saison mehr als ein Drittel letale Schäden auf; nur 12 % der Douglasien zeigten keine Schäden (Abb. 8). Für die andere Fläche mit den höheren Fallenfängen, aber kaum Bodenvegetation ergibt sich – mit Berücksichtigung des Ausfalls ohne Fraß - ein Wirkungsprozent von 69 %.

Zwischen 2015 und 2019 testeten das LFE in Brandenburg und die NW-FVA Schutzkragen aus Plastik sowie aus biologisch abbaubarem Material. In Brandenburg zeigte sich, dass nach wenigen Wochen nur noch ca. 76 % der Kragen korrekt saßen. Etwa 14 % der Kragen waren offen, saßen schräg, zu hoch oder waren ganz verschwunden.

Die Ergebnisse der NW-FVA wiesen am Ende der Vegetationsperiode einen Anteil der starken bis letalen Schäden von 35 % bei HyloPro konventionell und 48 % bei HyloPro Bio  gegenüber 80 % in der unbehandelten Kontrolle auf. Hier war kurioserweise die abbaubare Variante haltbarer als die nicht abbaubare.

Versuche der LWF und FVA-BW bestätigten die Beobachtungen der anderen Versuchsanstalten: Fraßschäden traten trotz Schutzkragen besonders dort auf, wo die Rüsselkäfer über die hohe Begleitvegetation in den Kragen gelangten oder Kragen nicht korrekt ausgebracht wurden. Die sorgfältige Anbringung ist daher ebenso wichtig wie die Regulierung der Begleitvegetation. Zudem sind die Schutzkragen nur für kleine Sortimente geeignet, da es sonst zu Problemen beim Verschluss kommen kann. Kleinere Sortimente können jedoch Fraßschäden schlechter ausheilen. Zudem kann es beim Eindrücken der Schutzkragen in den Boden zu Wurzel- und Stammbeschädigungen kommen. Beobachtet wurde auch ein scheinbar selbstständiges Öffnen vormals geschlossener Schutzkragen bzw. ein Aufdrücken der Kragen mit der Ausbreitung der Äste im Zuge des Wachstums.

Auf ungezäunten Flächen wurden Schutzkragen wiederholt vom Wild ausgerissen. Es muss auch beachtet werden, dass Plastik im Wald nach Maßnahmenbeendigung wieder abzubauen und zu entsorgen ist – die Schutzkragen zerfallen jedoch häufig nach einer Nutzungsdauer von 2 bis 3 Jahren in kleinere Bruchstücke.

Nematoden

2016 wurden in Laborversuchen der NW-FVA Fangbretter mit einem Gel behaftet, das die Nematodenart Steinernema carpocapsae enthielt. Beim Aufsuchen dieser Fangbretter infizierten sich 60 bis 100 % der Rüsselkäfer mit den Nematoden. Die Nematoden vermehrten sich anschließend innerhalb der Käfer, was zum Tode der Rüsselkäfer führte. Diese Ergebnisse ermutigten zu Feldversuchen, die im Jahr 2018 wiederum mit S. carpocapsae durchgeführt wurden.

In verschiedenen Typen von Fangeinrichtungen konnten allerdings nur wenige Individuen erfolgreich infiziert und anschließend untersucht werden. Aufgrund des geringen Umfangs waren die Ergebnisse nicht aussagekräftig. Gründe für das Scheitern der Feldversuche waren wohl vor allem mangelnde Anlockung und Bindung der Käfer an die Fangsysteme sowie ein unter Freilandbedingungen zu schnelles Austrocknen der Gele, so dass die enthaltenen Nematoden vorzeitig abstarben. Weitere Feldversuche mit methodischen Verbesserungen erscheinen notwendig.

Zusammenfassung und Empfehlung

Allgemeine Korrelationen von Fallenfängen mit auftretenden Fraßschäden konnten nicht festgestellt werden. Schwellenwerte zur Vorhersage des Schadausmaßes konnten nicht ermittelt werden. Die Wirksamkeit aller aufgeführten mechanischen und biotechnischen Bekämpfungsmethoden hängt von den Rahmenbedingungen ab (u.a. Pflanzengröße, Begleitvegetation). Alle beschriebenen Behandlungsmethoden haben Vor- und Nachteile, die bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten (z.T. hoher Arbeits- und Kontrollaufwand, erhöhte Mortalität nicht befressener Pflanzen, Abfallthematik, vgl. Abb. 9).

Der beste Schutz vor Schäden durch den Großen Braunen Rüsselkäfer liegt in der waldbaulichen Vorsorge: im Waldumbau hin zu Laub- und Mischwäldern sowie in Vorausverjüngung oder Voranbau unter bald hiebsreifen Nadelholzbeständen. Je nach Witterung, Standorteignung und vorhandener Käferdichte können kräftige Pflanzen starke Fraßschäden besser ausheilen, weshalb der Pflanzenvitalität ebenfalls besondere Bedeutung zukommt. Gefährdete Kulturen sollten stichprobenartig mindestens zweimal im Jahr überprüft werden. Auch “vorbeugende” biotechnische Maßnahmen wie Schutzkragen und Schutzüberzüge entbinden nicht von einer Kontrolle, auch wenn sie bei akuter Gefährdung Fraßschäden reduzieren.