Die Buche galt lange Zeit als weitgehend resistent gegenüber Schadwirkungen. Sie wird jedoch in der Literatur schon seit den 2000ern als empfindlich gegenüber diversen abiotischen Faktoren beschrieben. In dem Artikel zeigen wir eine Auswahl von Schäden an der Rotbuche durch das Zusammenspiel verschiedene Tier- und Pilzarten mit den abiotischen Einflüssen auf. 

Die Rotbuche im Klimawandel

Seit 2019 haben sich die Flächen mit Absterbeerscheinungen an Rotbuchen in Brandenburg mehr als verhundertfacht. Einzelne absterbende Buchen im Wald und Forst sind ein typisches Bild über die letzten Jahrzehnte. Aber die Jahre 2018 bis 2020 mit aufeinanderfolgend höheren Jahresmitteltemperaturen und geringeren Jahresniederschlägen als im langjährigen Mittel verursachten ab 2019 deutliche Vitalitätseinbußen und Absterbeerscheinungen. Die Rotbuche benötigt mindestens 500-600 mm Jahresniederschlag sowie ein relativ mildes Klima im Winter. Die jährliche Summe an Niederschlag in Brandenburg in diesen Jahren hat diesen Wasserbedarf nicht bzw. nur noch unzureichend gedeckt. Die daraus resultierende Vorschädigungen erleichtern holz- und rindenbrütenden Insektenarten sowie potenziell schädlichen Pilzen die Besiedlung ihres Wirtsbaumes.

Schäden durch Insekten und abiotische Ursachen

Beispielhaft wollen wir hier nur eine Insektenart näher vorstellen, die an Rotbuchen Schäden verursachen kann. Weitere ausgewählte Schadursachen werden in der Tabelle am Ende des Artikels aufgeführt.

Der Buchenrotschwanz (Calliteara pudibunda  L.) entwickelte in Mitteleuropa nicht selten lokale Massenvermehrungen. Die Raupe mit ihrem breiten Nahrungsspektrum frisst in Mitteleuropa hauptsächlich an Rot- und Hainbuchen, kann jedoch nahezu alle Laubbaum- und Straucharten befressen. Auslöser der von den oben genannten Autoren beschriebenen Massenvermehrung im Hainich waren die trockenen und warmen Sommer 1982/1983. Die Fraßschäden erscheinen oft desaströs, entstehen jedoch erst im Spätsommer, so dass die Entwicklung der Knospen für das Folgejahr nicht mehr beeinträchtigt wird.  Einjährige Jungpflanzen überleben Kahlfraß zumeist nicht, ältere Pflanzen werden in der Regel nicht wesentlich beeinträchtigt.

Komplexe Erkrankungen der Rotbuche

Rotbuchen können aufgrund wechselnder Kombinationen abiotischer und biotischer Ursachen mit fließenden Übergängen so weit geschädigt werden, dass sie über kurz oder lang absterben. Die seit Jahrzehnten bekannte Buchenrindennekrose, eine komplexe Erkrankung unter Beteiligung der Buchenwollschildlaus, des Pilzes Neonectria coccinea sowie gegebenenfalls. weiterer Pilzarten und holzbrütender Insektenarten entwickelt sich nach milden Wintern mit großen Niederschlagssummen sowie anhaltend hoher Feuchtigkeit und nach starkem Befall durch die Buchenwollschildlaus, die durch warme, trockene Sommer gefördert wird.

Typisch für Brandenburg sind im aktuellen Krankheitsgeschehen eher Trocken- und Hitzeschäden mit Folgebesiedlern bzw. die Buchenvitalitätsschwäche (Abb. 3). Seit 2019 zeigen hier viele Altbuchen Zopftrocknis, das Absterben von Kronenteilen oder der ganzen Oberkrone. Die Buchenvitalitätsschwäche tritt bevorzugt in aufgelichteten Beständen, an relativ freistehenden Altbuchen und an südexponierten Rändern auf. Es entstehen durch Hitze und Trockenheit ausgelöste Schädigung, die durch Bestandesauflichtung gefördert und oft durch rindenbrütende Käferarten verstärkt wird. Auch in Nordwestdeutschland wird seit Herbst 2018 hauptsächlich das Schadbild der Buchenvitalitätsschwäche beobachtetet, das anfangs prädisponierte oder vorgeschädigte Rotbuchen betrifft, jedoch später alle Altersklassen und auch günstige Standorte erfasst. Die beschriebene Vitalitätsschwäche wird von einer Vielzahl von Pilzarten begleitet. Aus Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen wird über massive Trockenschäden an Rotbuchen und die zum Teil nachfolgende Besiedelung durch Rindenbrüter berichtet. 

Zusammenfassung

Die wiederholte überdurchschnittliche Trockenheit und Wärme in 2018 und den Folgejahren haben die Eignung der Rotbuche für phytophage Folgebesiedler erhöht. Die Entwicklung dieser Arten ist nicht ausschließlich von Rotbuchen abhängig, bei einer Schwächung von Einzelbäumen und Beständen sind sie aber “schnell zur Stelle”. Folgebesiedler tragen dann zum Absterben von Zweigen, Ästen, Kronenbereichen und ganzen Altbäumen und Jungpflanzen bei. Forschungsergebnisse aus Nordwest-Deutschland deuten schon länger darauf hin, dass die Rotbuche anfälliger gegenüber abiotischen und biotischen Schadfaktoren ist, als lange Zeit angenommen wurde , aber In Nordost-Deutschland zeigt die Rotbuche im Hinblick auf Waldschäden erst seit 2018 starke Vitalitätseinbußen. Die Rotbuchen in Brandenburg werden zusätzlich mit zum Teil komplexen Schadbildern der Buchenvitalitätsschwäche, seltener der Buchenrindennekrose und durch extremen Trockenstress geschädigt.

“Aus Waldschutzsicht müssen Rotbuchen, die unter der Vitalitätsschwäche und Pilzbefall leiden, nicht beseitigt werden. Generell sollten Rotbuchenbestände nicht oder nur schwach aufgelichtet werden, da sonnenexponierte Bäume stärker durch Trockenheit, Hitze, Sonneneinstrahlung und Wärme liebende Folgebesiedler bedroht sind.”

KATI HIELSCHER

Fazit für den Praktiker

Sanitärhiebe sind wesentlich schwieriger als in Beständen anderer Baumarten umzusetzen. Grund dafür sind die 

  • Verteilung der Käferarten im Bestand,
  • der optisch und jahreszeitlich schwierigen Befallserkennung,
  • der schnellen Holzentwertung,
  • der Probleme der Arbeitssicherheit durch die starke Bruchgefahr und 
  • die durch schadensverstärkende Wirkung neu entstandene Bestandeslücken.

Vor dem Hintergrund der auch in Zukunft kaum zu verhindernden abiotischen Vorschädigungen und komplexen Erkrankungen sollte abgewogen werden, wo eine zügige Holznutzung vor Einsetzen der bei der Rotbuche schnell verlaufenden Holzentwertung und wo das Belassen geschädigter und absterbender Bäume zur Anreicherung von Habitatbäumen und Totholz auch im Hinblick auf den Schutz von Insekten erfolgen soll. 

 

Weitere Informationen über die Gefährdung der Buche finden Sie in der Eberswalder Forstlichen Schriftenreihe Band 71.

Die Quellenangaben finden Sie im Originalartikel.