Mechanisierte Holzernte in Hanglagen

Die steigende Nachfrage nach Holz, insbesondere Energieholz, und die Sicherstellung der Schutzwirkungen des Waldes können dazu führen, dass vermehrt Holz aus topografisch schwierigeren Gebieten mobilisiert werden muss, wo in den letzten Jahrzehnten aus wirtschaftlichen Gründen nur noch wenig Holz genutzt wurde. In der Logistikkette vom Wald ins Werk sind Holzernte und Holztransport nach wie vor die bedeutendsten Kostenfaktoren.

Vor diesem Hintergrund entstand bei den Ausbildungsleitern der französischsprachigen Kantone die Idee, den Forstdienst und die Forstunternehmer im Rahmen eines Weiterbildungstages für den Einsatz effizienter Holzernteverfahren in Hanglagen zu sensibilisieren.

Vier Holzernteverfahren im praktischen Einsatz

Anhand von vier Holzschlägen wurde den Teilnehmern aufgezeigt, wie mechanisierte Holzernteverfahren in Hanglagen optimal angewendet werden, wie hoch die Kosten liegen und welches die Anforderungen an Planung, Organisation und Durchführung der Einsätze sind.

Für die Wahl eines optimalen Arbeitsverfahrens braucht es einerseits Kenntnisse zur eingesetzten Technik, zum Arbeitsablauf, zum Einsatzspektrum sowie zu den Vor- und Nachteilen der Verfahren. Andererseits wird die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der Holzkette immer wichtiger: Damit steigen die Ansprüche an Kommunikation, Organisation und Qualitätskontrolle. Besonders hervorgehoben wurde auch der Aspekt "Technik im Dienste des Waldbaus": In den vier Holzschlägen wurde aufgezeigt, dass sich die unterschiedlichen waldbaulichen Ziele durchaus unter Einsatz von modernen Holzernteverfahren erreichen lassen.

Potenziale zur Kostensenkung vorhanden

Der Vergleich mit Holzerntekosten aus vergleichbaren Verhältnissen in Süddeutschland und Österreich zeigt, dass in der Schweiz insbesondere die Maschinenstundenkosten wesentlich höher sind. Aufgrund der kleinflächigen Besitzesstrukturen müssen die Maschinen häufig von einem Holzschlag zum nächsten umgesetzt werden. Dies verursacht einerseits Transportkosten, viel bedeutender ist jedoch, dass die jährliche Maschinenauslastung zu gering ist.

Um die Nachteile des kleinflächigen Waldbesitzes zu überwinden, braucht es Massnahmen auf der organisatorischen Ebene: vermehrte Zusammenarbeit der Waldbesitzer, grössere Holzmengen pro Holzschlag oder pro Einsatzort. Den Chancen der Mechanisierung (Kostenvorteile, Zeitvorteile, Arbeitssicherheit, körperliche Belastung der Arbeitskräfte) können bei unzweckmässigem Einsatz der Mittel auch Risiken gegenüberstehen (Schäden an Bestand, Boden und Wurzeln).

Das "Bestverfahren"

In den letzten Jahren ist im Zusammenhang mit Holzernteverfahren vermehrt der Begriff "Bestverfahren" aufgetaucht. Darunter wird häufig das für den Waldbesitzer kostengünstigste Holzernteverfahren verstanden. Die Kosten sind wohl in vielen Fällen ein wichtiger, oft der wichtigste Faktor, jedoch nicht der einzige. Ein "Bestverfahren" kann man auch als optimales Verfahren bezeichnen, das heisst ein Verfahren, das die Ziele unter den herrschenden Rahmenbedingungen am besten erfüllt. Zu diesen Rahmenbedingungen gehören:

  • das Gelände
  • der Boden
  • die Erschliessung
  • der Bestand
  • der geplante Eingriff
  • die einzusetzende Technik
  • der arbeitende Mensch
  • die Risiken für Bestandes- und Bodenschäden
  • die Witterung

Der richtigen Wahl des Arbeitsverfahrens kommt eine grosse Bedeutung zu. 60–80% der Endkosten werden nämlich bereits mit der Verfahrenswahl und der Planung festgelegt. Durch eine gute Arbeitsausführung lassen sich dann nur noch die verbleibenden 20–40% der Kosten beeinflussen. Es ist also entscheidend, in welche Richtung man "einspurt".

Vorgehen bei der Verfahrenswahl

Die Abbildung 5 zeigt eine konkrete Möglichkeit, wie man bei der Wahl eines den Rahmenbedingungen angepassten Arbeitsverfahrens vorgehen kann. Im ersten Schritt wird abgeklärt, welche Holzernteverfahren aufgrund von Gelände, Erschliessung, Bodentragfähigkeit, Bestand und anfallender Holzsortimente und -mengen überhaupt in Frage kommen. Diese aus technischer Sicht machbaren Verfahren werden im zweiten Schritt hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit beurteilt. Die Holzerntekosten werden mittels Vorkalkulation, Offerten oder Erfahrungswerten ermittelt. Der Erlös wird anhand der aktuellen Marktpreise geschätzt.

So ergibt sich der mögliche holzerntekostenfreie Erlös. Das resultierende technisch machbare und kostengünstigste Verfahren muss nun noch bezüglich der nur schwierig in Franken und Rappen zu erfassenden Wirkungen auf Mensch und Umwelt (Boden und Bestand) beurteilt werden. Je nach Situation könnte dann auch ein weniger kostengünstiges Verfahren das optimale sein. Beispielsweise kann bei kritischer Bodentragfähigkeit ein wohl teureres seilgestütztes Verfahren (Prozessorkippmast) insgesamt besser abschneiden als ein bodengestütztes Verfahren (Rad-, Raupen- oder Schreitvollernter) mit dem Risiko grosser Beeinträchtigungen des Bodens.

Günstige Rahmenbedingungen für die Holzproduktion schaffen

Das Umfeld für die Nutzung von Holz aus Wäldern in Hanglagen entwickelt sich gegenwärtig aufgrund der gestiegenen Nachfrage sowohl beim Rundholz wie auch beim Industrie- und Energieholz günstig. Moderne Arbeitsverfahren für eine effiziente Holzernte sind vorhanden, ihr Einsatzpotenzial wird jedoch noch nicht ausgeschöpft.

Hinter hochmechanisierten Arbeitsverfahren stehen hohe Investitionskosten, was sich in relativ hohen Systemkosten (Stundenkosten des gesamten Arbeitssystems) ausdrückt. Grosse Holzmengen pro Schlag können entscheidend zur Senkung der Holzerntekosten beitragen. Die Waldbesitzer sind aufgerufen, vermehrt zusammenzuarbeiten und grössere Holzmengen anzubieten. Dies können grössere Einzelschläge, aber auch mehrere Schläge im gleichen Gebiet sein. Vorteilhaft für die Disposition der Unternehmer ist auch, wenn die Holzschläge zur Ausführung innerhalb eines längeren Zeitraumes angeboten werden.

Die Weiterbildungsveranstaltung im Kanton Freiburg hat anhand von eindrücklichen Beispielen aufgezeigt, dass die Holzanzeichnung im konkreten Fall durchaus den Arbeitsverfahren angepasst werden kann, ohne die Waldbauziele zu gefährden. Eine wichtige Voraussetzung dazu ist, dass das Arbeitsverfahren vor der Holzanzeichnung festgelegt werden muss. An einem Beispiel konnte gezeigt werden, dass es auch mechanisierte Holzernteverfahren gibt, die sich für Massnahmen im klassischen Schutzwald mit seinen spezifischen Anforderungen gut eignen.

Aufgrund der benötigten spezifischen Kenntnisse und Erfahrungen, der hohen Investitionskosten und der damit erforderlichen hohen jährlichen Auslastung werden hochmechanisierte Holzerntesysteme überwiegend von Forstunternehmungen oder entsprechend wie Unternehmungen auftretenden öffentlichen Forstbetrieben angeschafft und eingesetzt. So kommt es in Zukunft immer mehr zur Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren der Holzkette, insbesondere zwischen Waldbesitzern beziehungsweise Forstdienst und Forstunternehmungen. Damit steigen die Anforderungen an Planung, Organisation, Kommunikation und Qualitätskontrolle.

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