Ein Drittel der Schweiz ist bewaldet. Wälder sichern Biodiversität, regulieren das Klima, filtern Trinkwasser, schützen vor Naturgefahren und liefern nachwachsende Rohstoffe. Gleichzeitig verändern sich die Wälder sichtbar und messbar: Trockenheit, Stürme, neue Nutzungsansprüche und der Klimawandel stellen uns vor neue Herausforderungen im Umgang mit dem Wald. Um diese Veränderungen zu verstehen und tragfähige Lösungen zu entwickeln, forscht die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL direkt im Wald. Ein Teil dieser Arbeit wird im Waldlabor Zürich erlebbar: Der Rundgang «WSL-Forschungshighlights» macht aktuelle Forschung mit Quizfragen und Erklärungen direkt im Wald für ein breites Publikum zugänglich.

Waldlabor Zürich: Freiluftlabor im stadtnahen Wald

Das Waldlabor Zürich verbindet Erholungsraum, genutzten Kulturwald und Forschungsstandort. Als öffentlich zugängliches Freiluftlabor zeigt es, wie Forschung im Wald stattfindet und welche Fragen sie leiten. Im Zentrum steht die Frage, wie der Wald auch unter veränderten Umweltbedingungen gesund und leistungsfähig bleiben kann. 

Getragen wird das Waldlabor von einem gemeinnützigen Verein mit breiter Abstützung im Kanton Zürich. Zur Trägerschaft gehören die Forschungsinstitutionen ETH Zürich und WSL sowie zentrale Akteure aus Waldeigentum und Forstpraxis: Grün Stadt Zürich, der Kanton Zürich, WaldZürich als Verband der Waldeigentümer und der Verband Zürcher Forstpersonal. Diese Zusammenarbeit verbindet Forschung, Praxis und gesellschaftliche Ansprüche an den Wald. 

Grosser Artenreichtum

Im Waldlabor sind unterschiedlichste Tiere und Pflanzen zuhause – von sel­tenen Insekten über Vögel und Wild­schwei­ne bis hin zu besonderen Baum­arten. Ein Highlight ist das Arboretum – eine Sammlung mitteleuropäischer Gehölzarten. Insgesamt soll es rund 400 Baum- und Straucharten zeigen, davon wachsen etwa 250 direkt im Waldlabor. Über 200 Arten können Sie bereits heute bestaunen.

Um das Walderlebnis nicht zu beeinträchtigen, vermittelt die Waldlabor App Wissen digital – ergänzt durch Führungen und thematische Rundgänge. Die App unterstützt die Orientierung im Gebiet, informiert über Waldtypen, Bewirtschaftungsformen, Baumarten und laufende Projekte und macht Infrastruktur wie Feuerstellen oder Brunnen sichtbar. So bleiben Informationen gezielt dort verfügbar, wo sie gebraucht werden, während der Wald als Erlebnisraum erhalten bleibt. Gezielt positionierte Infotafeln ermöglichen aber auch den Besuch ohne digitalen Medien. 

Warum die WSL im Wald forscht

Wälder erfüllen viele Funktionen. Sie liefern Holz, schützen vor Naturgefahren, speichern Kohlenstoff, fördern die Biodiversität und bieten Raum für Erholung. Der globale Wandel und Extremereignisse wie Dürren oder Stürme gefährden mancherorts diese Funktionen.

Die WSL erforscht im Waldlabor unter realen Bedingungen, wie Wälder auf Umweltveränderungen reagieren, wie Bewirtschaftung und Biodiversität zusammenhängen und wie sich Wälder langfristig nachhaltig nutzen lassen. Die Erkenntnisse fliessen direkt in Beratung, Praxisempfehlungen und Werkzeuge für die Forstpraxis ein.

Rundgang «WSL-Forschungshighlights»

Forschung beginnt beim Hinschauen. Der Rundgang «WSL-Forschungshighlights» macht die Forschung im Waldlabor sichtbar und zugänglich. Entlang eines Weges führen acht Stationen zu acht zentralen Forschungsthemen der WSL – von Baumwachstum und Biodiversität bis zur nachhaltigen Nutzung des Waldes.

Acht Forschungsthemen entlang des Rundgangs

Die folgenden Themen zeigen exemplarisch die Breite der WSL-Forschung im Waldlabor und machen deutlich, wie eng Forschung und Praxis miteinander verknüpft sind.

1. Baumalter und Wachstum

Baumscheibe mit Jahrringen© © WSL

Bäume wachsen nicht gleichmässig. Klima, Wasserverfügbarkeit, Konkurrenz und Standort prägen ihr Wachstum. Jahrringe speichern diese Informationen und erlauben Rückschlüsse auf die Umweltbedingungen zur Zeit als sie gewachsen sind.
Praxisrelevanz: Wer weiss, wie das Baumwachstum von der Umwelt und von Ereignissen beeinflusst wird, kann Nutzung und Pflege fundierter planen.

2. Erholungsnutzung und Waldgefallen

Spaziergängerin mit Hunden im Waldlabor© © Tessa Hegetschweiler (WSL)

Der Wald ist Erholungsraum, besonders im stadtnahen Umfeld. Forschende der WSL unter­suchen, wie un­ter­schied­liche Bewirt­schaf­tungs­formen von Wald­besuche­rin­nen und -besuchern wahr­genom­men werden, etwa Dauer­wald und schlag­weiser Hoch­wald.
Praxisrelevanz: Akzeptanz von Bewirt­schaf­tungs­formen ist ent­schei­dend für eine multi­funk­tio­nale Wald­nutzung.

3. Habitatbäume

Dendrotelm-Baummikrohabitat© © Rita Bütler (WSL)

Habitatbäume sind Schlüsselstrukturen für die Biodiversität im Wirtschaftswald. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten, von Vögeln bis zu Insekten. 
Praxisrelevanz: Der gezielte Erhalt von Habi­tat­bäu­men erhöht die Artenvielfalt des Wal­des mit über­schau­barem Auf­wand.

4. Holzproduktion

Holzpolter© © Thomas Reich (WSL)

Holz ist ein zentraler nachwachsender Rohstoff. Das Schweizerische Landesforstinventar (LFI) liefert Daten zu Holzvorrat, Zuwachs und Nutzung. Im Waldlabor wird sichtbar, wie viel Holz tatsächlich jährlich nach­wächst – Zahlen, die oft überraschen. 
Praxisrelevanz: Sachliche Grund­la­gen zur Pla­nung nach­hal­ti­ger Nut­zung, Ver­sor­gungs­sicher­heit und Im­port­ab­hän­gig­keit. 

5. Vegetationshöhen und Walddynamik

Grafik: Modellierte Vegetationshöhe des Waldes in der Schweiz© © LFi | BAFU | swisstopo

Fernerkundung und Modelle ermöglichen den Blick von oben auf den Wald. Vege­tations­höhen­mo­del­le zeigen Lücken, Struk­tu­ren und Dy­na­mi­ken im Wald, etwa nach Stö­run­gen oder durch Bewirt­schaftung.
Praxisrelevanz: Vegetations­höhen­modelle unterstützen Planung, Moni­to­ring und die Be­ur­tei­lung lang­fris­ti­ger Wald­entwicklung.

6. Totholz im Wald

Totholz im Waldlabor© © Kathrin Streit (WSL)

Totholz ist kein Abfall, sondern Lebensgrundlage für viele Arten. Sein Abbau verläuft je nach Baum­art, Standort und Holzstärke unter­schied­lich und beeinflusst die Artenvielfalt stark.
Praxisrelevanz: Totholz gezielt belassen heisst Artenvielfalt fördern – auch im wirtschaftlich genutzten Wald.

7. Artenvielfalt

Pinselkäfer (Trichius fasciatus) auf Blüte© © Beat Wermelinger (WSL)

Die Artenvielfalt im Waldlabor ist gross – und längst nicht vollständig erfasst. Citizen-Science-Projekte helfen, Beobachtungen zu sammeln und Wissenslücken zu schliessen.
Praxisrelevanz: Langfristige Daten zeigen, wie sich Artenzusammensetzungen verändern und wo Handlungsbedarf besteht.

8. Waldklima und Lebensraumvielfalt

Grafik: Temperaturunterschiede zwischen lichtem und dichten Wald

Unterschiedliche Waldstrukturen schaffen un­ter­schiedliche Wald­klimata. Licht, Tem­pe­ra­tur und Feuch­tig­keit variieren klein­räumig und bilden vielfältige Lebens­räume.
Praxisrelevanz: Strukturreiche Wälder sind wider­stands­fähiger und bieten Lebens­räume für unter­schied­liche Arten und fördern die Biodiversität.

An jeder Station

  • liefert die Waldlabor-App Hintergrundinformationen,
  • testet ein kurzes Quiz das eigene Waldwissen,
  • und führt bei Interesse zu vertiefenden Inhalten und Projekten der WSL.

Der Rundgang lässt sich über die App oder durch Scannen eines QR-Codes starten und dauert – je nach Vertiefung – rund 1 bis 1,5 Stunden.

Rundgang mit acht Stationen
Dauer: ca. 1–1,5 Stunden

Startpunkt
Der Rundgang beginnt beim Eingang Ost des Waldlabors.

Anreise
Mit ÖV: Bus bis Haltestelle
ETH Hönggerberg
Mit Auto: Parkmöglichkeiten an
der ETH Hönggerberg

Vor dort ein kurzer Spaziergang zum Eingang Ost.

Im Wald markieren dezente Stelen die Standorte der Posten. Der Rundgang lässt sich über die App oder durch Scannen eines QR-Codes starten; eine Wegbeschreibung unterstützt bei der Orientierung zwischen den Stationen. Je nach Vertiefung dauert der Rundgang rund eine bis eineinhalb Stunden.

Vom Rundgang zur Praxis

Der Rundgang im Waldlabor ist kein Selbstzweck. Er zeigt exemplarisch, wie die WSL im Waldlabor forscht – und wie diese Forschung Grundlagen für Empfehlungen, Modelle und Entscheidungshilfen für die nachhaltige Waldbewirtschaftung liefert.

Waldwissen.net greift diese Erkenntnisse auf, ordnet sie ein und macht sie für Praxis, Ausbildung und Beratung nutzbar. Eine Auswahl davon unter «Mehr in Waldwissen.net»