Der Hirschkäfer ist eine wichtige Art für den Waldnaturschutz. Er steht unter besonderem Schutz und ist in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) der Europäischen Union aufgeführt. Seine Bedeutung reicht jedoch weit über die Art selbst hinaus. Der Hirschkäfer steht stellvertretend für eine ganze Lebensgemeinschaft, die auf lichte, wärmebegünstigte Laubwälder mit alten Bäumen und Totholz angewiesen ist. Solche Wälder zeichnen sich dadurch aus, dass die Baumkronen weit auseinanderstehen und viel Licht bis auf den Waldboden gelangt. Die dadurch entstehende Wärme schafft ideale Bedingungen für zahlreiche Arten – darunter auch den Hirschkäfer.

Deutschland berichtet im Rahmen der FFH-Richtlinie alle sechs Jahre über den Zustand geschützter Arten und Lebensräume an die Europäische Union. Dafür gibt es ein bundesweit einheitliches Monitoring, zu dem auch Bayern Daten beisteuert. Ein wichtiger Bestandteil davon ist die Erfassung des Hirschkäfers. Doch obwohl der Käfer auffällig groß ist, lässt er sich nicht einfach systematisch erfassen. Oft wird er eher zufällig entdeckt. Deshalb setzt die LWF auf die Mithilfe der Bevölkerung. Im Rahmen eines Citizen-Science-Projekts werden möglichst viele Beobachtungen gesammelt, um die Verbreitung des Hirschkäfers besser zu dokumentieren und eine aktuelle Verbreitungskarte zu erstellen.

Solche Bürgerbeobachtungen müssen zwar mit Bedacht ausgewertet werden, bieten aber entscheidende Vorteile. Mit klassischen Kartierungen wäre es kaum möglich, innerhalb kurzer Zeit eine so große Fläche wie Bayern abzudecken. Hinzu kommt, dass die erwachsenen Hirschkäfer nur für wenige Wochen im Jahr aktiv sind. Die Hauptsaison reicht meist von Mitte Mai bis Ende Juli, vereinzelt auch schon im April bis in den August hinein. Jede einzelne Meldung hilft deshalb dabei, das Bild über die Verbreitung der Art zu vervollständigen. Besonders wertvoll ist dabei auch lokales Wissen, das auf anderem Weg kaum zugänglich wäre.

Wer sich auf die Suche machen möchte, sollte vor allem an warmen Abenden die Augen und Ohren offen halten. Die Larven des Hirschkäfers verbringen drei bis sieben Jahre im Boden und ernähren sich von pilzbefallenem, moderndem Holz (Weißfäule), insbesondere von Eichen, aber auch von anderen Laubbäumen wie Buche, Weide, Schwarzpappel oder Obstbäumen. Nach der Verpuppung im Herbst schlüpft der Käfer noch im selben Jahr, überwintert jedoch unterirdisch und erscheint erst im folgenden Frühjahr an der Oberfläche. Besonders aktiv ist er in der Dämmerung, an warmen Abenden und häufig auch vor Gewittern.

Wer einen Hirschkäfer einmal fliegen gesehen hat, vergisst das Erlebnis kaum. Aufgrund seiner Größe bewegt er sich eher schwerfällig durch die Luft. Dabei hängt der Hinterleib deutlich nach unten und schon ein Grashalm kann zum Hindernis werden. Meist hört man ihn sogar, bevor man ihn sieht: Sein tiefer, brummender Flug ist unverwechselbar.

Seine Zeit über der Erde ist kurz und dient vor allem der Fortpflanzung. Dafür benötigt der Hirschkäfer viel Energie. Diese gewinnt er aus zuckerreichem Baumsaft, der aus Verletzungen an Bäumen austritt. Besonders Eichen und Obstbäume werden dabei bevorzugt. Der Saft liefert nicht nur die nötige Energie für die Tiere, sondern ist auch wichtig für die Reifung von Spermien und Eizellen. Manchmal haben die Käfer dabei sogar Kontakt mit leicht vergorenem Baumsaft oder überreifen Früchten. Das kann dazu führen, dass einzelne Tiere etwas taumelig wirken – ein Verhalten, das Beobachterinnen und Beobachter gelegentlich mit Schmunzeln verfolgen können.

Wer einen Hirschkäfer melden möchte, findet auf der Homepage der LWF ein eigenes Meldeformular. Dort können Fundort, Datum und weitere Beobachtungen eingetragen sowie ein Foto hochgeladen werden. Das Bild hilft den Fachleuten dabei, die Art sicher zu bestimmen und Verwechslungen auszuschließen. Gerade die Weibchen, die deutlich kleiner sind und keine auffälligen “Geweihe” tragen, können mit anderen Käferarten verwechselt werden.

Um die Suche zu erleichtern, hat die LWF zum Start der Hirschkäfer-Saison außerdem das LWF-Merkblatt “Hirschkäfer erkennen und schützen” veröffentlicht. Das LWF-Merkblatt beschreibt die wichtigsten Merkmale der Art, mögliche Verwechslungsarten sowie Lebensraum und Lebenszyklus des Käfers. Darüber hinaus enthält es praktische Hinweise, wie jede und jeder zum Schutz des Hirschkäfers beitragen kann.

Wer bis zum Sommer die Augen offen hält und einen Hirschkäfer entdeckt, kann mit einer Meldung einen wertvollen Beitrag dazu leisten.