Die Waldbewirtschaftung prägt nicht nur Baumarten und Struktur unserer Wälder, sondern formt auch die ökologischen Wechsel­wirkungen. Die Wald­nutzung und dadurch ent­stehende offene Wald­strukturen und Lücken beeinflussen Fleder­mäuse, indem sie den freien Luft­raum erhöhen und damit die Jagd­bedin­gun­gen für schnell fliegende Arten verbessern. 

Eine neue Studie aus dem Schwarz­wald zeigt nun zudem, dass diese Wald­strukturen auch das Insekten­vorkommen beeinflussen und sich so auch indirekt über das Nahrungs­angebot auf Fleder­mäuse auswirken. 

Gleichzeitig verringern Baum­entnahmen die Verfüg­barkeit von Bäumen mit Mikro­habitaten wie Höhlen, Spalten oder abstehender Borke, die mit zu­neh­men­dem Baum­alter entstehen und wichtige Quartier­möglichkeiten bieten.

Das Dilemma: Einerseits fördern Auf­lich­tun­gen die Jagd – doch je stärker der Eingriff, desto knapper werden wichtige Fleder­maus­quartiere.

Für die Förderung von Fleder­mäusen, die in Wäldern erheblich zur Reduzierung von Schäd­lingen beitragen können (Beilke und O’Keefe 2023; Charbonnier et al. 2014), müssten daher sowohl mehr Tot- und Alt­holz­strukturen erhalten werden als auch das Portfolio an Maß­nahmen genutzt werden, um Lücken und halboffene Wälder zu gestalten.

Wer jagt wo? Verschiedene Fledermausgilden

Fledermäuse können in drei ökologische Gilden eingeteilt werden, die sich aus Unter­schieden im Körperbau und in der Echo­ortung ergeben und ihr Flug­verhalten bestimmen: Auf kurze Distanzen ortende Fleder­mäuse (short-range echolocators = SRE), auf mittlere Distanzen ortende Fleder­mäuse (mid-range echolocators = MRE) und auf lange Distanzen ortende Fleder­mäuse (long-range echolocators = LRE; Tab. 1). Diese Einteilung hilft auch, unterschiedliche Reaktionen auf Struktur­verände­rungen zu erklären, denn die drei Betriebs­modi bedingen, was als «guter» Wald wahrgenommen wird: Dichte Bestände begünstigen das wendige Navigieren der SRE, offene Kronen und Korridore erweitern den Aktions­raum der MRE, LRE benötigen große, zusammen­hängende offene Bereiche oder breitere Waldschneisen.

GildeGattungenFlugraum und Jagdweise
Auf kurze Distanzen ortende Fledermäuse (short-range echolocators = SRE)Myotis (Mausohren), Plecotus (Langohren), Barbastella (Mopsfledermäuse)Wendiger Flug nahe der Vegetation, Jagd auch in dichteren Wäldern
Auf mittlere Distanzen ortende Fledermäuse (mid-range echolocators = MRE)Pipistrellus (Zwergfledermäuse), Hypsugo (Alpenfledermäuse)Flug in halboffene Waldlebensräumen, wie Waldwegen und Waldrändern
Auf lange Distanzen ortende Fledermäuse (long-range echolocators = LRE)Nyctalus (Abendsegler), Eptesicus (Breitflügelfledermäuse), Vespertilio  (Zweifarbfledermäuse)Schneller Flug im freien Luftraum z.B. über den Kronen, entlang von Schneisen und Waldlichtungen
Tab. 1. Funktionelle Fledermaus-Gilden nach Echoortungstyp, Fledermaus-Gattungen, Flugraum und Jagdweise.

Durch die naturnahe Waldwirtschaft, die Dauer­wald­strukturen und geschlossene Kronen­dächer fördert, stehen die Bäume dicht und es gibt oft nur wenige lückige Bereiche. Da diese geschlossenen Wälder für viele Fleder­maus­arten zu dicht sind, konzentrieren sich deren Aktivitäten oft entlang von Wald­rändern und Wegen oder nehmen nach Durchforstungen zu. Wird die Durch­forstung ausgesetzt, dauert es mitunter über 30 Jahre, bis Wälder wieder geeignete offene Strukturen zeigen und die Fleder­maus­aktivitäten steigen (Carr et al. 2020).

Gilden­spezifische Reaktionen der Fleder­maus­aktivität auf die Kronen­struktur wurden in zahl­reichen Studien nach­ge­wie­sen. Wie diese jedoch mit Nahrungs- und Quartier­ressourcen zusammen­hängen, ist bislang nur unzureichend verstanden. Daher nutzte die aktuelle Studie aus dem Schwarz­wald Struktur­gleichungs­modelle, um direkte und indirekte Zusammen­hänge zwischen der Intensität der forstlichen Bewirt­schaf­tung, der Wald­struktur, Insekten und Fleder­mäusen zu untersuchen.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Bewirt­schaftung Fleder­mäuse sowohl über die Habitat­struktur als auch über Verände­run­gen der Insekten­angebots beeinflusst (Abb. 2).

Neue Erkenntnisse über die Beziehungen zwischen Fledermäusen und Insekten

Wird der Bestand kleinräumig, beispiels­weise durch forstliche Maß­nahmen, geöffnet, erhöht sich die Deckung der Boden­vegetation, welches Nachfaltervorkommen und somit die Nahrungs­ressourcen für Fleder­mäuse fördert. Von den gestiegenen Nachtfalter­vorkommen profitieren auch SRE-Fleder­maus­arten, die als an geschlossene Wälder angepasst gelten. Während frühere Studien zeigten, dass die Häufig­keit von Nacht­faltern mit der Baum­dichte oder mit der Zeit seit dem Ende der Bewirt­schaf­tung zunimmt (Carr et al. 2020), identifiziert die neue Studie die Unter­wuchs­vegeta­tion als einen zen­tralen Treiber der Nacht­falter­häufig­keit in Dauer­wäldern.

Abb. 3. Die hohe Deckung der Boden­vege­ta­tion in lich­teren Wäl­dern erhöhte die Zahl gefangener Nachtfalter. Das Foto zeigt die paral­lele Er­fas­sung von Nacht­faltern mit Licht­fallen und Fleder­mäusen mit Hilfe von auto­ma­ti­schen akus­ti­schen Auf­nahme­gerä­ten. Zusätzlich wurden Wetter­daten auf­ge­zeich­net. Foto: Anna-Lena Hendel

Während die SRE-Aktivität in Wäldern mit steigender Baum­dichte abnimmt, kann sie in Wald­lücken geringer sein als in geschlossenen Wäldern (Froidevaux et al. 2016). Der Effekt von Wald­lücken auf SRE-Fleder­mäuse, darunter viele spezialisierte Myotis-Arten, hängt vermutlich stark von der Größe der Öffnungen ab: Kleine Lücken bieten den Tieren noch ausreichend Deckung (Jung et al. 2025). In den kleinen Lücken im Schwarz­wald hatte nicht die Offenheit selbst, sondern die Boden­vegetation einen negativen Effekt: Sie erhöht zwar das Vorkommen der Nacht­falter, erschwert aber gleichzeitig jenen SRE-Arten die Jagd, die freien Zugang zum Wald­boden brauchen. Dies ist besonders für das Große Mausohr (Myotis myotis) wichtig, das Laufkäfer vom Boden aufsammelt und in Buchen­hallen­wäldern geeignete Jagd­habitate findet.

Mit der Intensität der forstlichen Eingriffe in den Wäldern steigt zudem die Häufigkeit von Lauf­käfern, die von einer größeren Struktur­vielfalt der bodennahen Lebens­räume profitieren und wiederum von spezialisierten Fleder­maus­arten gefressen werden.

Neben den Effekten von Insekten auf Fleder­mäuse zeigt die Studie zudem «top-down» Effekte, die zeigen, dass Fledermäuse nicht nur auf die Waldstruktur reagieren, sondern auch die Nahrungsnetze im Wald beeinflussen: In Nächten mit hoher Aktivität von MRE  und Zwerg­fleder­mäusen (Pipistrellus pipistrellus) nahm die Häufig­keit der Nacht­falter deutlich ab (siehe Abb. 2, gestrichelte Linien). Die Fleder­mäuse haben die Nacht­falter entweder gefressen, oder diese könnten den Fleder­mäusen ausgewichen sein: Immerhin hören viele Nacht­falter­arten Ultra­schall und reagieren mit abrupten Kurs­wechseln, Abtauchen oder dem Meiden ganzer Bereiche auf diese Signale. Dies könnte zu dynamischen Verschiebungen von Insekten-Ansammlungen führen und weniger konkurrenzfähige SRE-Arten benachteiligen.

Die Ergebnisse der Studie im Schwarz­wald liefern eine wichtige Grundlage für weitere Unter­suchungen und zeigen, dass die Verfügbarkeit von Insekten stark von der Bewirtschaftungsintensität, der Waldstruktur und der Baumartenzusammensetzung beeinflusst wird – häufig indirekt über die Unterwuchsvegetation.  Erstmals dokumentiert werden zudem Reaktionen von SRE-Fledermäusen auf Insektenhäufigkeit, jedoch nicht auf die Insekten­vielfalt.

Quartiere als limitierender Faktor

Die Jagdlebensräume sind aber nur ein wichtiger Teil des Fleder­maus­habitats. Für viele Fleder­maus­arten sind Baum­höhlen, Spalten und abstehende Rinden­taschen wichtige Lebens­stätten (Abb. 4). Auch schon kleinere Höhlen, wie solche, die durch Spechte oder Ast­ab­brüche entstehen, sind nach einiger Zeit als Fleder­maus­quartier geeignet. In den Baum­quartieren ziehen Fleder­mäuse ihren Nach­wuchs auf, finden wohl­temperierte Verstecke und Winter­quartiere. Solche Quartiers­strukturen nehmen mit zunehmender Bewirt­schaftungs­intensität ab und sind in nadel­holz­reichen Beständen seltener. Positiv wirkt sich der Stamm­durch­messer aus: Wo mächtige Bäume stehen, steigt die Chance geeignete Quartiere zu finden. Ebenso können tote Bäume und Pionier­baum­arten, die auch bei geringeren Durch­messern eine größere Vielzahl an Mikro­habitaten aufweisen (Spînu et al. 2022; 2023) und die Quartier­verfügbarkeit erhöhen.

Abb. 4. Mit zunehmender Nutzung werden Mikro­habitate wie Fäulnis­höhlen, Specht­höhlen, Spalten oder abstehende Rinden­taschen seltener – und damit sichere Fleder­maus­quartiere rar. Fotos: Taschenführer Baummikrohabitate

Auf den den Untersuchungs­flächen im Schwarz­wald zeigt sich kein Zusammen­hang zwischen der Mikro­habitat­dichte und der Fleder­maus­aktivität. Deshalb sind erstere aber nicht weniger wichtig. Fleder­mäuse sind sehr wählerisch, wechseln häufig ihre Baum­quartiere und brauchen deshalb eine große Auswahl an Baum­quartieren. Alte Bäume, Habitat­baum­gruppen und stehendes Totholz sichern Mikro­habitate, deren Fehlen die ökologische Funktionalität des Waldes für Fleder­mäuse erheblich einschränkt.

Warum Fledermausschutz wichtig ist

Alle in Mitteleuropa heimischen Fleder­maus­arten nutzen den Wald und reagieren sensibel auf Umwelt­ver­än­de­run­gen. Fledermäuse sind hocheffiziente Insektenjäger, die zur Regulierung von Insektenschädlingen beitragen und dadurch eine wertvolle Unterstützung für die Forstwirtschaft leisten. Da sie geringe Repro­duk­tions­raten haben, kann der Verlust einzelner Quartiere erhebliche Aus­wirkungen auf lokale Popula­tionen haben. Schutzmaßnahmen in Wäldern sind daher entscheidend für ihren Erhalt und nach nationalem sowie europäischem Recht verbindlich vorgeschrieben. Alle in Europa vor­kom­men­den Arten sind in Anhang IV der FFH-Richt­linie aufgeführt, einige zusätzlich in Anhang II. Die Richtlinien schreiben auch den Er­hal­t ihrer Fort­pflan­zungs- und Ruhe­stätten verbindlich vor.

Konsequenzen für die Praxis

Mit zunehmender Intensität der Wald­bewirtschaf­tung verschiebt sich das Verhältnis zwischen offenen und geschlos­senen Strukturen. Damit entsteht ein ökologischer Zielkonflikt: Eingriffe, welche die Jagd­lebens­räume der Fleder­mäuse verbessern, verringern gleichzeitig das Quartier­angebot. Die Bewirt­schaf­tung kann zu einer räumlichen Entkoppelung von Jagd­habitaten und Quartier­standorten führen, sodass die Funktionen «Jagd» und «Quartier» nicht mehr auf derselben Fläche vorkommen. Insbesondere Wald­fleder­mäuse mit kleinen Aktions­radien sind aber auf die räumliche Nähe beider Lebens­raum­komponenten angewiesen. 

In bewirt­schafteten Wäldern kann die Ausweisung von Habitat­baum­gruppen und Wald­refugien, die über das Alt- und Totholz­konzept gefördert werden, Quartiers­strukturen in räumlicher Nähe zu den Jagd­habitaten bewahren. Weil die Entwicklung von Mikro­habitaten und geeigneten Quartiers­strukturen längere Zeit­räume erfordert, ist der zusätzliche Erhalt von Totholz und Habitat­bäumen, zum Beispiel nach natürlichen Wald­störungen, sinnvoll, um die mittel­fristigen Defizite an Mikro­habitaten in Wirtschafts­wäldern zu kompensieren.

Um die Nahrungs- und Quartier­habitate der verschiedenen Fledermaus­arten und -gilden zu fördern, braucht es eine größere Vielfalt an Strukturen und Sukzessions­phasen in der Wald­landschaft. Durch räumliche und zeitliche Staffelung von Eingriffen kann eine enge Verzahnung zwischen den Jagd- und Quartier­bereichen der Fleder­mäuse erreicht werden. 

Auch Gestaltungs­maßnahmen entlang von Wald­rändern haben großes Potential, die Jagd­habitate für Fleder­mäuse zu verbessern. Da die derzeitige Bewirtschaftung das Spektrum der strukturellen Elemente in Wäldern nach wie vor einschränkt, sollte das Portfolio der waldbaulichen Optionen genutzt werden, um fehlende Lebens­raum­strukturen zu ergänzen.

Wissenschaftliche Originalpublikation

Hendel, A.-L., Douma, J. C., Klingenfuß, S., Pereira, J. M. C., Ruppert, L., Spînu, A. P., Frey, J., Denter, M., Liu, X., Storch, I., Klein, A. M., & Braunisch, V. (2025). Disentangling direct and indirect effects of forest structure on biodiversity: Bottom-up and top-down effects between forestry, bats and their insect prey. Journal of Applied Ecology, 62, 93–105. https://doi.org/10.1111/1365-2664.14822.

Weitere Verweise zur im Text verwendeten Literatur finden sich in der wissenschaftlichen Originalpublikation (PDF).