Der Asiatische Laubholzbockkäfer soll mit schärferen Maßnahmen ausgerottet werden

Der Asiatische Laubholzbockkäfer konnte trotz intensiver Monitoring- und Bekämpfungsmaßnahmen seit 2001 in Braunau nicht ausgerottet werden. Darum wurde ein neues Be­kämpfungsprojekt im Juli 2008 gestartet. Die wichtigsten Aktivitäten sind ein intensives rasterbezogenes Monitoring aller Bäume in ganz Braunau, insbesondere mit Baumsteigern, die Er­stellung eines Baumkatasters aller öffentlichen und privaten Bäume sowie deren Kennzeichnung und Präventivrodungen im Bereich ALB-befallener Bäume, um eine weitere Ausbreitung des Befalls zu verhindern.

Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) Anoplophora glabripennis gehört in China zu den zehn schädlichsten Käferarten an Pappel. In Europa wurde der Quarantäne­schädling in Österreich (Braunau 2001), Frankreich (Gien 2003, St.-Anne-sur-Brivet 2004), Deutschland (Neukirchen 2004, Bornheim 2005) und Italien (2007) nachgewiesen.

Der ALB befällt völlig gesunde Bäume, schädigt diese stark und kann sie innerhalb weniger Jahre zum Absterben bringen. Das Wirtsspektrum des ALB umfasst alle Laubgehölze, einschließlich Obstbäume, wobei in Braunau Ahorn, Rosskastanie, Birke, Weide und Pappel bevorzugt, aber auch Buche, Esche, Erle und Platane befallen werden. Um heimische Bäume sowohl im öffentlichen Grün als auch im Wald vor diesem Schädling zu schützen, muss alles getan werden, um den Käfer an jedem Befallsherd auszurotten.

Der ALB konnte trotz intensiver Monitoring- und Bekämpfungsmaßnahmen seit 2001 in Braunau nicht ausgerottet werden. Ganz im Gegenteil: Seit 2007 hat sich die Zahl der gefundenen Befallsbäume dramatisch erhöht. Da auch eine große Anzahl von Käfern unentdeckt aus Bäumen entkommen konnte, ist eine weitere Ausbreitung des gefährlichen Quarantäneschädlings wahrscheinlich.

Die bisherige Vorgangsweise beim Monitoring sowie bei der Bekämpfung war unzu­reichend: In den vergangenen Jahren kam es wiederholt an Befallspunkten, an denen befallene Bäume vernichtet worden waren, neuerlich zu einem Befall. Es liegt auf der Hand, dass hier durch die hohe Fehlerquote beim bisherigen Monitoring zahlreiche bereits befallene Bäume nicht rechtzeitig vor Ausflug der Käfer erkannt wurden.

Neues Bekämpfungsprojekt

Deshalb wurde auf Initiative der an der Bekämpfung beteiligten Institutionen (Landesforstdirektion Ober­österreich, Amtlicher Pflanzenschutzdienst Ober­öster­reich, Bezirkshauptmannschaft Braunau/Abteilung Forst, Stadtgemeinde Braunau und Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft, BFW Wien) ein Projekt ins Leben gerufen, das vom Land Ober­österreich-Amtlicher Pflanzen­schutzdienst mit 472.500 Euro auf die Dauer von dreieinhalb Jahren bis Ende 2011 finanziert wird. Die Projektleitung obliegt dem BFW Wien, Projektpartner sind die Stadtgemeinde Braunau und die Bezirkshauptmannschaft Braunau/Abteilung Forst. Ziel ist die Ausrottung des ALB in Braunau.

Folgende Arbeiten und Maßnahmen sind geplant:

  1. Intensives, rasterbezogenes Monitoring im gesamten Stadtgebiet Braunau durch speziell geschulte Fachkräfte: kleine Bäume vom Boden aus oder mit Leitern, größere Bäume durch Baumsteiger.
  2. Erstellung eines Baumkatasters aller öffentlichen und privaten Bäume und deren Kennzeichnung mit Nummernplättchen während der ersten Phase.
  3. Durchführung der Kontrollmaßnahmen mehrmals pro Jahr in und außerhalb der Vegetationsperiode, damit auch Bäume mit ruhender Larvenaktivität erkannt werden.
  4. Schulung des Kontrollpersonals und der Baumsteiger durch das BFW Wien. Zweierteams führen die Kontrollmaßnahmen durch, wobei ein Teammitglied ein ausgebildeter Baumsteiger sein sollte. Die Kontrollen sind bei guten Lichtverhältnissen - keines­falls bei Regen - durchzuführen.
  5. Vernichtung der ALB-befallenen Bäume wie bisher durch Fällen, Verhäckseln des gesamten biogenen Materials und Verbrennen des Hackguts.
  6. Präventivmaßnahmen: Bei massivem Befall werden unabhängig vom Besitzstatus Präventivrodungen/-fällungen im Umkreis von vermutlich 100 - 200 m um jeden befallenen Baum in Erwägung gezogen. Die rechtliche Grundlage wäre eine entsprechende Notverordnung durch den Amtlichen Pflanzenschutzdienst Oberösterreich.
  7. ALB verdächtige Insektenfunde in Braunau werden zur Verifizierung im Labor des BFW Wien morphologisch und molekulargenetisch untersucht.
  8. Zur Verfeinerung der molekulargenetischen Diagnosemethode werden weitere Arten der Gattung Anoplophora und einheimische Insektenarten einbezogen, um die (Quarantäne)Schädlinge bereits in einem frühen Entwicklungsstadium an Verpackungs­hölzern oder Holzimporten nachweisen zu können.

Die Präventivrodungen (siehe Punkt 6) beruhen auf Ergebnissen der ALB-Bekämpfung in Kanada, bei der um ALB-befallene Bäume in einem Umkreis von 400 - 600 m jeder befallsfähige Baum vorsorglich gerodet wurde. Auf diese Weise konnte der Befall von einigen Tausenden auf wenige befallene Bäume pro Jahr reduziert werden.

Auf einem internationalen Anoplophora-Symposium im November 2006 in Wageningen/ Nieder­lande wurden diese Präventivrodungen von Experten als eine der erfolgreichsten Maßnahmen bei der Bekämpfung von ALB hervorgehoben. Bei Präventivrodungen werden potenziell auch Bäume vernichtet, die Eiablagen oder Junglarvenstadien aufweisen. Diese werden bei den Kontrollmaßnahmen leichter über­sehen, und aus diesen Bäumen können später wieder Käfer ausschlüpfen. Diese Methode wurde auch in den Niederlanden 2007 zur Bekämpfung des Citrusbock­käfers (CLB) Anoplophora chinensis angewendet.

EU-Kommission begutachtete ALB-Bekämpfungsmaßnahmen

Im November 2008 wurden die Bekämpfungsmaßnahmen gegen den ALB in Braunau von einer Expertenkommission der Europäischen Union (EU) begut­achtet. Das Monitoring und die bisherige Bekämpfung wurden im Großen und Ganzen positiv bewertet, weil sich der Befall bisher nicht außerhalb von Braunau ausgedehnt hat und sich die Befallsintensität auf einem mittleren Niveau hält. Aber auch die EU-Experten forderten weiter reichende Rodungen (Präventiv­rodungen), als bisher durchgeführt.

Präventivrodungen im Winter 2008/2009

Im Winter 2008/2009 soll ein Teil dieser Präventiv­rodungen durchgeführt werden. Es werden die Baumbestände auf den Böschungen der Bundesstraße B148 (beidseitig zwischen der Mattigsenke im Osten und Ranshofen im Westen) sowie entlang des AMAG-Werksgleises auf Stock gesetzt werden (Abbildung 1). Am 25.11.2008 wurde bereits mit den Schlägerungen entlang der B148 bei der Mattigsenke begonnen. Die Arbeiten werden im Dezember sowie Januar und Februar bei geeigneten Wetterbedingungen fortgesetzt.

Bei der Umsetzung dieser Präventivmaßnahmen wird an das Verständnis der Braunauer Bevölkerung appelliert, damit der ALB in einer möglichst kurzen Zeitspanne ausgerottet werden kann und die Forstschutz-Experten nicht Jahr für Jahr den Befallsherden "hinterher laufen". Sonst müssten schlussendlich ebenso viele oder sogar noch mehr Bäume vernichtet werden.

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