In letzter Zeit haben sich die Funde des Asiatischen Laubholzbockkäfers in der Schweiz gehäuft. Zusammen mit dem ähnlichen Chinesischen Laubholzbockkäfer ist er eine Gefahr für verschiedene Laubbaumarten. Bisher traten die beiden Käfer ausschliesslich im Siedlungsraum auf, eine Ausbreitung in den Wald ist jedoch nicht ausgeschlossen.

Eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten mit Schadenpotenzial sind kein neues Phänomen in Europa. In letzter Zeit sind dabei auch in der Schweiz zwei Laubholz-Bockkäfer aus Asien in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. Der Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis, ALB) ist einer der gefährlichsten Laubholzschädlinge weltweit. Die Bedeutung des Chinesischen Laubholzbockkäfers (Anoplophora chinensis, CLB), der auch Citrusbockkäfer genannt wird, ist im nicht-asiatischen Raum noch deutlich geringer. Beide Arten stellen für Bäume und Sträucher im Siedlungsraum eine Gefahr dar und könnten auch auf angrenzende Waldgebiete oder Obstkulturen übergreifen. Die möglichen Schäden und Kosten für die Massnahmen zur Überwachung und Bekämpfung der beiden Schadorganismen sind enorm.

Aussehen

Mit 20 bis 37 mm Körperlänge sind beide Bockkäfer sehr gross. Sie haben lange Fühler, die beim Männchen die doppelte Länge des Körpers erreichen können. Die Fühler der Weibchen sind gut körperlang (Abb. 1 und 2). Bei beiden Geschlechtern sind die Fühler abwechselnd schwarz und hellblau-grau geringelt. Auffällig sind die schwarzen, lackglänzenden Flügeldecken mit meist weissen, unregelmässigen Flecken. Der Halsschild trägt zwei spitze, seitliche Dornen.

Der Hauptunterschied der erwachsenen Käfer von ALB und CLB ist die Beschaffenheit der Flügeldeckenbasen: Beim CLB ist das vorderste Fünftel der Flügeldecken deutlich körnig, beim ALB erscheinen die ganzen Flügeldecken durchgehend glatt, sind aber fein punktiert (Abb. 3). Die japanische Form des CLB (Form malasiaca) hat zudem auf dem Halsschild zwei weiss-blau gefärbte Haarflecken, die beim ALB immer fehlen.

Die beinlosen Larven der beiden Arten werden rund 5 cm lang und sind auf dem Nackenschild mit einem zinnenförmigen Band gezeichnet (Abb. 4). Der Nackenschild der CLB-Larve hat ein zweites, mehr oder weniger deutliches Band. Sicher unterscheiden lassen sich vor allem junge CLB- und ALB-Larven allerdings nur mit einer genetischen Analyse.

Lebensweise

Der Entwicklungszyklus beider Laubholz-Bockkäfer verläuft sehr ähnlich. Stellvertretend für beide Arten wird nachfolgend der Zyklus des Asiatischen Laubholzbockkäfers vorgestellt (vgl. Abb. 5):

Für die Eiablage nagt das Weibchen am Stamm oder in den Kronenästen des Wirtsbaums einen Trichter oder einen Schlitz in die Rinde und schiebt jeweils ein einzelnes Ei zwischen Bast und Splintholz. Insgesamt legt ein Weibchen 30 bis 60 Eier, im Ausnahmefall bis zu 200. Nach 1 bis 2 Wochen schlüpft die Larve und beginnt im Bast zu fressen. Die Junglarve benötigt Rinde von lebenden Bäumen. Nach dem dritten Larvenstadium dringt die Larve ins Holz ein und nagt dort stammaufwärts einen ovalen Gang von 10 bis 30 cm Länge. Dabei werden anfänglich oft feine und später grobe Bohrspäne ausgestossen, die sich am Stamm, Stammfuss oder in Astgabeln ansammeln.

Die Larve verpuppt sich am Ende des Ganges. Nach einem 2- bis 3-wöchigen Puppenstadium (Abb. 6) verbleibt der entwickelte Käfer nach der Häutung noch 1 bis 2 Wochen in der Puppenwiege und nagt sich anschliessend durch ein kreisrundes Loch von rund 1 cm Durchmesser (Abb. 1) und meist oberhalb der Eiablagestelle aus dem Ast oder Stamm.

Nach dem Schlüpfen vollziehen die Käfer in der Baumkrone einen Reifungsfrass an der noch unverholzten Rinde von jungen Trieben oder gelegentlich an Blättern und Blattstielen (Abb. 7). Wenn der Baum noch genügend vital ist, bleiben die Tiere zur Eiablage meist an ihrem Brutbaum. Die Käfer sind ziemlich träge und fliegen nur an sonnigen Tagen bei hohen Temperaturen. Meist verbleiben sie aber in der unmittelbaren Umgebung, wenn geeignete Brutbäume vorhanden sind. Die Flugzeit der Käfer erstreckt sich über die ganze Vegetationsperiode von April bis Oktober, mit Schwerpunkt von Juni bis August. In Mitteleuropa braucht es üblicherweise 2 Jahre für eine Generation.

Abweichend von der Biologie des Asiatischen Laubholzbockkäfers fertigt das Weibchen des Citrusbockkäfers für die Eiablage T-förmige Schlitze oder kleine Trichter meistens am Stammfuss oder an oberflächlichen Wurzeln. Während der Larvenentwicklung ist gerade an Wurzeln häufig ein markanter Austritt von Bohrmehl zu beobachten: Rund 90 Prozent einer Population entwickeln sich in den Wurzeln unterhalb der Erdoberfläche. Die Ausbohrlöcher des CLB sind mit 10 bis15 mm Durchmesser im Schnitt etwas grösser als beim ALB und befinden sich an der Stammbasis und an den Wurzeln (Abb. 8). Der Flug der Käfer erfolgt mit Schwerpunkt Mai bis Juli.

Wirtspflanzen und ökonomischer Schaden

Beide Käferarten befallen ausschliesslich lebende Laubgehölze. Praktisch alle Arten von Laubbäumen und -sträuchern in allen Altersklassen und Dimensionen ab rund 3 cm Durchmesser können befallen werden, in Europa am häufigsten Ahorn, Birke, Weide, Rosskastanie und Pappel. Der Citrusbockkäfer schädigt in China vor allem Bäume verschiedener Citrusfrüchte (Name!).

Im Gegensatz zu den meisten einheimischen Bockkäfern befallen die beiden asiatischen Arten gesunde Pflanzen. Die im Gewebe fressenden Larven beschädigen die Leitgefässe des Rindenbastes und des Splintholzes und unterbrechen damit den Saftstrom. Ist der Unterbruch vollständig, stirbt der Baum ab. Frassstellen in der Rinde verursachen Saftfluss und dienen als Eintrittspforte für Pilzbefall. Bei jüngeren Bäumen mit kleinem Stammdurchmesser bedeutet schon ein geringer Befall den Tod der Wirtspflanze. Ältere Bäume überstehen den begrenzten Frass einzelner Larven gut. Starker oder über längere Zeit und mehrere Käfer-Generationen anhaltender Befall schwächt aber auch ausgewachsene Bäume so sehr, dass sie absterben können.

Der ALB ist mittlerweile weltweit einer der gefährlichsten Laubholzschädlinge. Die klimatischen Bedingungen sind in Europa günstig, und die Einschleppungsgefahr ist aufgrund des umfangreichen Warenhandels mit China gross (Verpackungsholz, Ziergehölze, Abb. 9 und 10). Fast alle bisherigen Befälle in den USA und in Europa betreffen Stadt- und Parkbäume in Siedlungs- oder Industriegebieten. Das Schadenpotenzial wird generell als hoch eingestuft, da der Käfer vitale Laubbäume verschiedenster Arten befällt und in unterschiedlichen Klimaregionen vorkommt. Es gibt keine einheimische Bockkäfer-Art mit vergleichbarem Schadenpotenzial.

In den USA mussten bisher in Siedlungsgebieten zehntausende von Bäumen gefällt und vernichtet werden. Die Höhe des Schadens beläuft sich bereits auf über eine halbe Milliarde Dollar. In einer Studie wird geschätzt, dass bei einer Ausbreitung des ALB auf sämtliche Stadtgebiete der USA bis 30 Prozent der Bäume absterben und eine Schadensumme von mehreren hundert Milliarden Dollar entstehen würden.

In Braunau (Österreich), wo der erste ALB-Befall in Europa auftrat, wurden zwischen 2001 und 2006 etwa 2 Millionen Euro für die Bekämpfung und das Monitoring aufgewendet. In der Region Mailand gibt es ein Befallsgebiet des CLB auf einer Fläche von 400 km2. Bis 2011 wurden rund 25'000 Bäume gefällt, 17'000 davon waren befallen. Die Bekämpfung und das Monitoring kosteten dort bisher etwa 18 Millionen Euro.

Gefahr für natürliche Wälder?

Über das Schadenpotenzial des ALB in natürlichen Wäldern ist bisher wenig bekannt. Sowohl in China als auch in Europa blieb bisher im Gegensatz zu den USA ein Übergreifen des Befalls auf angrenzende, natürliche Waldgebiete weitgehend aus. Eine Risikoanalyse für Europa zeigte aber das Potenzial des Käfers zum Befall von Waldbäumen.

Überwachungs- und Bekämpfungsmassnahmen werden äusserst aufwendig, wenn sich der Käfer in Wälder ausbreitet. Könnte er sich dort etablieren, würde dies den Holzhandel im In- und Ausland massiv einschränken. Über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte hinaus stellt sich die Frage, welche ökologischen Folgen eine grossflächige Ausbreitung dieser Käfer hätte. Aufgrund des heutigen Kenntnisstandes bleibt eine Antwort spekulativ. Möglich wäre ein gebietsweiser Rückgang des Anteils der Hauptwirtsbaumarten, was aber auch für von diesen Baumarten abhängige Organismen kaum schwerwiegende Folgen hätte.

Massnahmen

Die wichtigste Massnahme besteht darin, die Einschleppung von Quarantäneorganismen zu verhindern. Dies erfolgt einerseits durch Vorschriften und Bestimmungen hinsichtlich des Warenimports, andererseits durch Kontrolle der importierten Güter.

Sind die Käfer erst einmal da, so ist für eine erfolgreiche Bekämpfung entscheidend, dass man den Befallsherd möglichst frühzeitig erkennt. Da der ALB ein träger Flieger ist und für seine Entwicklung im Holz meist zwei Jahre benötigt, besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich kleinere Befallsherde tilgen lassen. Jedes befallene Gehölz, aber auch befallene Holzprodukte wie Lattenkisten, Paletten oder Brennholz müssen umgehend vernichtet werden. Dies hat durch Häckseln (Abb. 11) und/oder Verbrennen zu erfolgen. Bei einem Citrusbockkäfer-Befall sind auch die Wurzelstöcke zu vernichten.

Idealerweise sollte man nicht nur befallene Gehölze entfernen, sondern als vorbeugende Massnahme auch angrenzende, potenzielle Wirtspflanzen. Ist eine solche Präventiv-Massnahme nicht durchführbar, müssen die stehen gelassenen Bäume mehrmals jährlich genauestens überprüft werden (Abb. 12). Weiter darf kein Laubholz das Befallsgebiet verlassen, das nicht vorgängig behandelt und sorgfältig kontrolliert worden ist. Dies betrifft nicht nur Nutzholz, sondern auch Brennholz, Baumschnittmaterial oder Baumschulpflanzen.

Bitte nicht mit einheimischen Käfern verwechseln!

Es ist wichtig, dass nicht jeder Baum, der Frassspuren oder Löcher aufweist, aus übertriebener Vorsicht vernichtet wird. Viele, teils seltene und gefährdete einheimische Käferarten und andere Holzinsekten sind auf alte, geschwächte oder absterbende Bäume angewiesen.

Besteht kein begründeter Verdacht auf ALB- oder CLB-Befall, sollen speziell ältere, strukturreiche Bäume mit Löchern, Frassgängen, Bohrmehl oder Wunden als unverzichtbare Lebensgrundlage für eine Vielzahl von Insekten, Vögeln, Pilzen, Pflanzen und Flechten unbedingt stehen gelassen werden (siehe www.totholz.ch).

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