In der Schweiz sind 117 Borkenkäferarten bekannt. Der Buchdrucker (Ips typographus) gilt als wichtigste Art, da er die ökonomisch schwersten Waldschäden verursacht. Zusammen mit der Praxis erfasst Waldschutz Schweiz jährlich die Menge des Käferholzes und Anzahl der Befallsherde (Käfernester) in der Schweiz seit 1984 – eine eindrückliche Zeitreihe.
Zeitreihe Borkenkäfermonitoring

Abb. 1. Buchdrucker: Menge des Käferholzes und Anzahl der Befallsherde (Käfernester) in der Schweiz von 1998 – 2025. * = Werte geschätzt (werden erst im Herbst 2026 abgefragt). Grafik: Waldschutz Schweiz
Borkenkäfer-Befall im Jahr 2025
Die Buchdruckerschäden haben sich 2025 schweizweit weiter reduziert. Das Volumen der Sommerzwangsnutzungen nahmen um rund 34 % ab und lag bei 253 856 m³, gleichzeitig wurde auch ein Rückgang der Anzahl Befallsherde von 24 % registriert. Zusammen mit den Schätzungen für die Winterzwangsnutzungen 25/26 und dem stehengelassenen Käferholz wird für das Jahr 2025 ein Schadvolumen von insgesamt 414 835 m³ erwartet. Währenddessen sich die Situation in vielen Gebieten der Schweiz also weiter entspannt hat, wurde in den Alpen aufgrund von verschiedenen Windwurf- und Schneedruckereignissen eine Zunahme der Schäden beobachtet.
Auf kantonaler Ebene zeigte sich im Jahr 2025 ein differenziertes Bild. In 18 Kantonen gingen die Sommerzwangsnutzungen im Vorjahresvergleich zurück, wobei die Spannweite der Abnahmen von rund -3 % bis -81 % reichte. Demgegenüber wurden in 7 Kantonen Zunahmen der Sommerzwangsnutzungen registriert. Auch hier zeigte sich eine sehr grosse Spannweite, mit Zunahmen zwischen +3 % und +297 %.
Hinter den Vorjahren 2022–24 reiht sich 2025 als viertwärmstes Jahr in die Messgeschichte ein (MeteoSchweiz). Dabei war vor allem die Periode Januar bis April, sowie der Monat Juni von überdurchschnittlich hohen Temperaturen geprägt. Auffallend war zudem eine dreimonatige niederschlagsarme Periode auf der Alpennordseite zwischen Februar und April, von welcher insbesondere die Ostschweiz besonders stark betroffen war. Trotzdem führte eine kräftige Südostströmung Mitte April auf der Alpensüdseite, im Berner Oberland, und im Wallis zu starken Niederschlägen. Im Wallis und dem Berner Oberland fiel der Niederschlag in Form von Schnee, lokal wurden sogar neue Rekorde der 1-Tages-Neuschneesummen aufgezeichnet.
Buchdrucker-Modell: Wann und wo fliegt er?
Das Buchdrucker-Modell der Eidg. Forschungsanstalt WSL ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Planung von Überwachungs- und Bekämpfungsmassnahmen der Käfer und eignet sich für Forschungs- und Ausbildungszwecke.
Eckpunkte der Borkenkäfermonitoring-Zeitreihe
2022–2024
Mit 1,6 °C über der Norm von 1991–2020 war 2022 das wärmste Jahr seit dem Messbeginn 1864. Teilweise ermöglichte das den Käfern, eine zusätzliche Generation anzulegen. Eine weitere Ursache für die stärkere Vermehrung des Buchdruckers sind schwere Hagelschäden am Wald im Juni 2021 in vielen Regionen der Schweiz. 2023 mussten die Forstverantwortlichen nochmals mehr vom Buchdrucker befallene Fichten fällen als im Vorjahr. 2024 hat sich die Buchdruckersituation in der Schweiz vielerorts beruhigt. Dieser Trend der Entspannung zeigte sich allerdings nicht in allen Gebieten der Schweiz.
Waldschutz aktuell 1/2025
2019–2020
Das Schweizer Mittellandes litt 2018 besonders stark unter der Trockenheit. Der Befall durch den Buchdrucker ist 2019 regelrecht explodiert, als knapp 1,5 Millionen Kubikmeter Käferholz angefallen sind . Das ist der höchste Wert seit 2003, als die Käferholzmengen nach dem Sturm Lothar neue Rekorde erreichten.
Waldschutz Aktuell, 1/2021.
2018
Die durch Ips typographus verursachte Käferholzmenge betrug 2018 landesweit 735'000m3 befallenes Fichtenholz. Mehrere Sturmereignisse und die extreme Sommertrockenheit haben die Entwicklung des Borkenkäfers begünstigt.
Waldschutz Aktuell 01/2019.
2008 ff
Die durch den Buchdrucker befallene Menge Fichtenholz ging seit dem Hauptschadenjahr 2003 stetig zurück und betrug im Jahr 2008 noch 85'000m3. Sie lag damit wieder in der Grössenordnung der Jahre vor dem Sturm Lothar vom Dezember 1999.
Waldschutz aktuell 1/2009.
2005
Die durch Ips typographus befallene Menge Fichtenholz ging weiter zurück und belief sich im Jahr 2005 noch auf 0,95 Mio. m3.
Waldschutz aktuell 1/2006.
2003
Seit dem Sturm Lothar 1999 war in der Schweiz eine Massenvermehrung des Buchdruckers (Ips typographus) im Gang, deren Ausmass frühere Epidemien um ein Mehrfaches übertraf. Der heisse, trockene Sommer 2003 verschärfte die Borkenkäfer-Situation zusätzlich. So erreichte der Befall im Jahr 2003 mit 2,1 Mio. m3 Fichten ein bisher noch nie registriertes Ausmass.
Forstschutz-Überblick 2004.
Ausblick

Abb. 2. Käfernest im Fichtenwald: Mit Befällen durch den Buchdrucker wird auch in hohen Lagen immer häufiger zu rechnen sein. Foto: Beat Wermelinger
Fichten sind die Hauptwirtspflanzen des Buchdruckers. Normalerweise können gesunde Fichten durch Abwehrreaktionen wie Harzfluss die Borkenkäfer abwehren. Störungsereignisse wie Windwurf, Lawinen- und Schneedruck schaffen Brutplätze für die Käfer, wodurch in Folge auch vitale Bäume gefährdet werden. Durch Klimawandel bedingte Temperaturerhöhungen und häufigere Trockenperioden führen zu kürzeren Entwicklungszyklen des Käfers, schwächen die Fichten und fördern damit die Vermehrung des Schädlings. Damit ist langfristig zu erwarten, dass die Fichte in tieferen Lagen ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets immer stärker von Buchdruckern befallen wird. Auch in den Voralpen und Alpen muss im Rahmen des Klimawandels immer häufiger mit Buchdruckerbefall gerechnet werden. Diese Entwicklung wird einen Waldumbau nötig machen, der wegführt von reinen Fichtenbeständen.




