Das Jahr 2020 startete Dank einem überdurchschnittlich warmen und ausgesprochen trockenen Frühling – dem drittwärmsten seit Messbeginn – und einer grossen Menge stehengelassenem Käferholz aus dem Vorjahr mit günstigen Entwicklungsbedingungen für die Borkenkäfer. Obschon die gesamtschweizerische Menge an Sommerzwangsnutzungen leicht rückläufig ist, bleibt die Käferholzmengen auf einem hohen Niveau (Abb. 2).

So meldeten sieben Kantone weiterhin ansteigende Zwangsnutzungen von befallenem Fichtenholz im Vergleich zum Vorjahr. Allen voran die Kantone Graubünden und Appenzell Ausserrhoden mit über doppelt so viel anfallendem Käferholz als im Jahr zuvor. Auch aus den Kantonen Jura und Basel-Landschaft sowie aus dem Tessin wurde eine weitere Zunahme der Käferholzmengen verzeichnet. Im Mittelland waren die Werte leicht rückläufig oder blieben nahezu konstant. Seit 2018 zeigt sich eine stetige Zunahme des im Wald stehen gelassenen Käferholzes.

Mit durchschnittlich 29'000 Käfern pro Falle wurde der höchste Wert seit Beginn der Aufnahmen 1984 erreicht. Die höhere Zahl an gefangenen Käfern pro Fallen kombiniert mit einer leichten Abnahme der Anzahl Befallsherde (um 20%) lässt darauf schliessen, dass es sich um grössere Befallsherde handelt. 2019 nicht geräumte Befallsherde können sich rasch ausdehnen (Abb. 1). Auch erhöhte sich die Anzahl Lockstofffallen von 1615 auf 1961 in 22 Kantonen, was die Besorgnis der Forstbranche widerspiegelt. Hinweise, dass eine dritte Borkenkäfergeneration in Entwicklung ist, lagen nicht vor.

Ausblick

In Folge des anhaltenden Wärmetrends in Mitteleuropa, wird im Schweizer Mittelland künftig häufiger mit drei Buchdrucker-Generationen zu rechnen sein. In höheren Lagen oberhalb 1300 m ü. M., wo der Buchdrucker bisher nur eine Generation hervorbrachte, werden zumindest örtlich in Zukunft zwei Generationen möglich sein.

Viele Fichten waren in den letzten Jahren wiederholt Trockenstress ausgesetzt, was ihr Verteidigungspotenzial gegenüber Borkenkäferangriffen nachhaltig beeinträchtigt haben dürfte. 2020 war es vor allem der extrem trockene April, der dafür sorgte, dass bei vielen Bäumen bereits zu Beginn der Vegetationsperiode ein hohes Wasserdefizit herrschte (bis zum 27. April fielen nur 12 % des langjährigen mittleren Aprilniederschlags). Der folgende trocken-warme Sommer erlaubte kaum eine Regeneration, weshalb 2021 vielerorts eine erhöhte Anfälligkeit von Fichtenbeständen auf Buchdruckerbefall zu erwarten ist.

Das hohe Volumen an stehengelassenem Käferholz aus 2020 und das aus Sturm- und Schneebruchschäden während des schneereichen Winters 2020/21 resultierende hohe Angebot an Brutmaterial sorgen zudem für beste Voraussetzungen für ein weiteres Jahr mit intensivem Buchdruckerbefall.

(TR)