Im Zentrum steht die Frage, wie sich Landwirtschaft unter veränderten klimatischen Bedingungen stabilisieren lässt. Denn vielerorts werden die Herausforderungen spürbarer: Längere Trockenphasen, höhere Temperaturen und häufigere Starkregenereignisse setzen Böden und Kulturen zunehmend unter Stress. Gleichzeitig sind landwirtschaftliche Flächen in den vergangenen Jahrzehnten oft strukturärmer geworden – Hecken, Baumgruppen oder Gehölzstreifen wurden zugunsten einer effizienteren Bewirtschaftung zurückgedrängt. Damit fehlen jedoch wichtige Elemente, die Mikroklima und Wasserhaushalt positiv beeinflussen können.

Hier setzen Agroforstsysteme an. Bäume wirken auf Ackerflächen wie eine natürliche “Klimaanlage”: Sie spenden Schatten, reduzieren Windgeschwindigkeit und Verdunstung und erschließen durch ihre tiefreichenden Wurzeln zusätzliche Wasserressourcen. Zudem verbessern sie die Bodenstruktur, fördern die Humusbildung und erhöhen die Wasserversickerung. Gerade bei Starkregen können Baumstreifen Erosion verringern, indem sie wie Barrieren wirken und den Abfluss von Bodenmaterial reduzieren.

Man kann also sagen: Agroforstsysteme können die Auswirkungen des Klimawandels auf landwirtschaftlichen Flächen abmildern – durch bessere Wasserverfügbarkeit, stabilere Böden und ein ausgeglicheneres Mikroklima.

Neben diesen standörtlichen Effekten bieten Agroforstsysteme auch ökologische Vorteile. Sie erhöhen die Strukturvielfalt der Landschaft und schaffen Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Untersuchungen zeigen, dass Baumstreifen artenreicher sind als angrenzende Ackerflächen und wichtige Rückzugsräume für Insekten, Spinnen und andere Organismen bieten. Damit leisten sie einen positiven Beitrag zum Biotopverbund und zur Biodiversität in intensiv genutzten Agrarlandschaften.

Gleichzeitig eröffnen sie auch wirtschaftliche Perspektiven: In landwirtschaftlichen Kulturen kann langfristig Holz produziert werden – je nach Baumart sowohl Energieholz als auch hochwertiges Wertholz. 

Ein Forschungsprojekt der LWF hat untersucht, wie sich Agroforstsysteme gezielt in trockenen Lagen etablieren lassen. Auf mehreren Versuchsflächen in Bayern wurden unterschiedliche Baumarten und Pflanzmethoden getestet. Dabei zeigte sich, dass die Etablierung grundsätzlich gut gelingt: Ein Großteil der gepflanzten Bäume wuchs erfolgreich an, auch unter vergleichsweise trockenen Bedingungen. Besonders gute Zuwächse zeigten etwa Flatterulme und Vogelkirsche. Entscheidend ist die richtige Baumartenwahl – trockenheitstolerante Arten erhöhen die Erfolgschancen deutlich.

Ein weiterer wichtiger Befund betrifft den Boden: In den Baumstreifen war die Wasserversickerung höher und die Bodenfeuchte im Jahresverlauf ausgeglichener als auf den angrenzenden Ackerflächen. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Bodenruhe unter den Bäumen – also der Verzicht auf Bearbeitung und Befahrung – positive Effekte auf Bodenleben und -struktur hat.

Trotz der vielen Vorteile bleibt die Umsetzung von Agroforstsystemen eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Integration von Bäumen in landwirtschaftliche Abläufe erfordert Planung, Anpassung der Bewirtschaftung und eine sorgfältige Abstimmung auf den jeweiligen Betrieb. Daher bestehen Beratungs- und Förderangebote, die Landwirtinnen und Landwirte bei der Umsetzung unterstützen.

Die Podcastfolge macht deutlich: Agroforst ist kein neues Konzept, aber unter den Bedingungen des Klimawandels hochaktuell. Es verbindet produktive Landwirtschaft mit ökologischen Funktionen und kann dazu beitragen, Agrarlandschaften widerstandsfähiger zu machen.

Wer tiefer in das Thema eintauchen möchte, findet in der Forstcast-Folge fundierte Einblicke in Forschung und Praxis – anschaulich erklärt und mit konkreten Beispielen aus Bayern.