Im Nord- und Südschwarzwald setzte die Nutzung von Urwäldern bereits im 1. Jahrtausend vor Christus ein. Im Mittelalter dominierten genutzte Kulturwälder, sowohl im Nord- als auch im Südschwarzwald. Die heutigen Wälder entstanden in den vergangenen 230 Jahren. Neue Ergebnisse zur Landschaftsentwicklung im Schwarzwald werden am Beispiel des Stadtwaldes von Freiburg im Breisgau erläutert.

Waldnutzung von 1000 v. Chr. bis 1000 n. Chr.

Landschaft und Wälder wurden in Mitteleuropa seit Jahrtausenden genutzt und von den Menschen gestaltet – auch im Schwarzwald. Eine großflächige Umgestaltung der Schwarzwaldlandschaft setzte ab etwa 1000 v. Chr. ein. In der Eisenzeit (600–50 v. Chr.) gab es bereits in den Hochlagen Kulturlandschaften mit künstlich durch Brand oder Nutzung offengehaltenen Flächen. Große Waldteile wiesen durch Viehweide und andere Nutzungen nur lockere Baumbestände auf. Im Nordschwarzwald gaben die vorhandenen Eisenerze den Ausschlag für die Nutzung. Bergbau, Besiedlung und extensive Landnutzung trieben die Erschließung voran. Der Südschwarzwald wurde in der Eisenzeit ebenfalls genutzt – an den Rändern stärker, in den Hochlagen schwächer.

Auch in der Römerzeit war der Schwarzwald keineswegs von der Nutzung ausgespart. Tannen-, Buchen- und Eichenholz wurde in erheblichen Mengen verwendet, beim Häuserbau, für Vorratsgefäße und als Brennholz. Tannen wurden vermutlich bereits vor knapp 2000 Jahren über den Rhein nach Mainz, Köln und Xanten geflößt. Der Holzbedarf war in der Römerzeit enorm. Aufgrund des hohen Verbrauchs in Verbindung mit einer entwickelten Landwirtschaft wird der Waldanteil im Oberrheintal für diese Zeit auf nur etwa 40 % geschätzt. Die Ansicht des römischen Schriftstellers Tacitus, die Römer hätten in Germanien eine unerschlossene Wald- und Sumpflandschaft erobert, gilt heute als überholt.

In der Völkerwanderungszeit (250–600 n. Chr.) kam die Nutzung des Schwarzwaldes nicht zum Erliegen, auch wenn ihr Umfang mancherorts geringer war als in der Römerzeit. Der Schwarzwald wurde also nicht erst im Mittelalter erschlossen, besiedelt und genutzt, sondern hatte im Hochmittelalter bereits eine rund 2000-jährige Nutzungsgeschichte hinter sich. Das Mittelalter baute auf der vorrömischen, römischen und alemannischen Nutzung auf. Mit der Gründung von Klöstern im Schwarzwald wurden Siedlung und Nutzung in verstärktem Umfang fortgesetzt.

Nutzung vom Mittelalter bis 1700

Die Umwandlung des Schwarzwalds vom Urwaldgebiet zur Kulturlandschaft mit lichten Weidewäldern, Wiesen, Äckern und Reutbergen war bis zum späten Mittelalter abgeschlossen. Der Schwarzwald war Teil der Kulturlandschaft Oberrhein. Dies zeigt die bekannte historische Karte von Martin Waldseemüller aus dem Jahr 1513 (Abb. 2). Die Berge des Schwarzwaldes und der Vogesen waren stark entwaldet oder wiesen umgeformte Kulturwälder auf. Die Karte zeigt in der Bearbeitung wichtige Details zu Waldgebieten im späten Mittelalter. Große Teile des Rheintals, etwa Bienwald, Hagenauer Wald und der Hardtwald südlich von Breisach, waren nicht vollständig bewaldet, sondern durch größere landwirtschaftlich genutzte Flächen aufgelockert. Zudem lagen innerhalb der damaligen Waldflächen Dörfer mit Wiesen, Feldern und Äckern.

Zusammenhängende Waldgebiete sind auf der Karte bei Pforzheim (Hagenschieß) verzeichnet. Weitere Studien zeigen, dass der Hagenschieß auch um 1700 noch ein großes Waldgebiet war – allerdings mit zahlreichen Lücken und einem Waldaufbau, der sich deutlich von heutigen Wäldern unterschied. Diese Merkmale von Kulturwäldern prägten alle Wälder des Schwarzwaldes im Mittelalter und in der frühen Neuzeit: im Feldberggebiet, in Hinterzarten, in Todtnau, in St. Peter und St. Märgen sowie im Nordschwarzwald von Enzklösterle bis Pforzheim und im Nationalpark Schwarzwald um den Ruhestein. Heutige Wälder weisen im Vergleich zu den großflächigen historischen „Wäldern“ des Mittelalters – wie Reutbergwald, Hutewald, Niederwald oder Weidewald – sehr unterschiedliche Aufbauformen auf. Solche „Wälder“ gab es auch in den Freiburger Wäldern.

Der Stadtwald von Freiburg

Spuren der Waldnutzung lassen sich heute weiter zurückverfolgen, als dies im Standardwerk zur Waldgeschichte der Stadt Freiburg im Breisgau möglich war. Archäologie, Archäobotanik und Geschichtswissenschaft haben für die überregionale Nutzungsgeschichte des Oberrheins und des Schwarzwaldes seit 1000 v. Chr. belastbare Fakten ermittelt. In die Regionalgeschichte sind diese Erkenntnisse jedoch noch nicht vollständig eingeflossen. Dort wird teilweise weiterhin die Auffassung vertreten, die Urwaldzeit habe bis ins 11.–13. Jahrhundert angedauert. Wie dargelegt, wurden die Wälder im Südschwarzwald jedoch bereits in der Antike genutzt.

Die Funde von Siedlungsresten aus der Zeit von 1000 v. Chr. bis 700 n. Chr. am Schwarzwaldrand sind inzwischen so zahlreich, dass von einer frühen Besiedlung des Rheintals mit Freiburg sowie der Schwarzwaldtäler ausgegangen werden kann. Für Freiburg liefern keltische und frühalemannische Funde auf der Zähringer Burg Hinweise auf flächige Eingriffe in die Wälder. Bedeutend sind auch Funde römischer Keramik sowie einer Münze in Freiburg-Günterstal, die auf eine Besiedlung in der Römerzeit hindeuten. Waldverlust und Waldaufbau des rund 5.200 ha großen Freiburger Stadtwaldes erstreckten sich somit über Jahrtausende.

Alter und Ausmaß der Nutzung seit rund 1000 Jahren wurden am Beispiel des „Bohrerwaldes“ bei Freiburg-Günterstal näher untersucht. Der Wald erstreckt sich von Günterstal (330 m) bis zum Schauinsland (1283 m) über mehr als 900 Höhenmeter. Der Name Bohrerwald erinnert an den Bergbau, der dort vermutlich schon vor über 1000 Jahren betrieben wurde und dem Freiburg im Mittelalter Bedeutung verlieh. Freiburg konnte den Wald vor fast 600 Jahren erwerben. Bereits die Vorbesitzer, die Grafen von Freiburg, nutzten den Bohrerwald. In der Geschichte des Stadtwaldes wird er als entlegener Wald beschrieben. Die größere Entfernung zur Stadt und die Steilheit des Geländes bis zum Schauinsland bedeuteten jedoch nicht, dass der Wald bis ins Mittelalter unberührt blieb. Wahrscheinlich fanden Bergbau und Waldnutzungen im Bohrerwald bereits im frühen Mittelalter statt.

Gestützt wird diese Vermutung durch neue Forschungen zu einer Burg auf dem Kybfelsen in unmittelbarer Nähe des Bohrerwaldes (Abb. 3 oben). Die Burg lag auf etwa 820 m ü. NN in exponierter Felsenlage und wird in das 11. Jahrhundert datiert. Solche Bauwerke wurden in der Regel in waldfreiem Gelände errichtet. Auch im Bohrerwald ging der Urwaldcharakter daher früh verloren. Der ursprüngliche Wald wich einer großflächigen Nutzung als Weidewald, Wiese und Acker sowie als Rohstoffquelle für Bau, Heizung und Bergbau.

Die Landschaft am Ende des 18. Jahrhunderts

Um 1790 stellte sich die Wald-Feld-Situation im Bohrerwald wie folgt dar: Etwa 40 % des „Waldes“ (Abb. 3) waren nach heutigen Maßstäben landwirtschaftlich genutzt. Dabei handelte es sich entweder um Viehweiden mit nur wenigen Bäumen, um Wiesen entlang des Bohrerbachs oder um Ackerflächen im Bereich der Hofgüter (Abb. 3 unten). Heute kaum noch bekannt ist, dass 1781 vom Ochsenberg über die Holzschlägermatt bis zur Eduardshöhe bei Horben auf großer Fläche Landwirtschaft betrieben wurde und dort kein Wald vorhanden war. Die meisten dieser Flächen wurden später aufgeforstet. Sie befinden sich heute infolge sachgerechter Waldpflege im Übergang vom Reinbestand zum Mischwald. Lediglich der Rodelhang an der Holzschlägermatt ist bis heute als Wiese erhalten geblieben.

Die Agroforst-Situation mit großen, nicht bewaldeten Flächen innerhalb des Waldes sowie lichtgestellten Weidewald-Strukturen prägte um 1790 den gesamten Freiburger Stadtwald. Die Stadtgemarkung und die umliegenden Gemeinden waren stark agrarisch geprägt. Der Wald hatte lediglich einen Anteil von 28 %, während die bebaute Fläche nur 2 % einnahm. Rund 70 % der Fläche wurden differenziert landwirtschaftlich genutzt (Abb. 5).

Wenig Wald vor 230 Jahren

Die Waldarmut wird deutlich, wenn man sich gedanklich Spaziergängern anschließt, die um 1790 die Gegend durchwanderten (vgl. Abb. 5). Der Aufstieg von Zähringen über die Zähringer Burg zum Uhlberg und in die Herderner Eichhalde führte damals über freies Feld. Unterhalb des Roßkopfs setzte sich der Weg durch Offenland nach St. Ottilien fort und von dort über eine breite, entwaldete Landschaft bis nach Ebnet. Der gesamte Schlossberg, heute dicht bewaldet, wies lediglich randliche Galeriewälder auf. Wanderer aus der Wiehre und aus Günterstal, die heute im dichten Wald nach Horben gelangen, legten den Weg damals über waldfreies Weideland zurück.

Auf dem Weg über den Kunacker (vgl. Abb. 5) fehlte zudem eine heutige Besonderheit: der höchste Baum Deutschlands mit 66 m Höhe. Es handelt sich um eine Douglasie, die erst 1913 gepflanzt wurde. Auch die Karte von 1790 zeigt die ausgeprägte Waldarmut um den Schönberg und bei Kappel im Umfeld des Schauinslands (Abb. 5).

Seit 1790 sind in Freiburg im Breisgau umfangreiche neue Wälder entstanden. Der Waldanteil stieg von 28 % auf 48 %. Die Stadt wurde daher zeitweise als Stadt des Waldes, des Weines und der Gotik bekannt. Die große Bedeutung der Wälder für das Stadtklima wird durch den Landschaftsvergleich von 1790 bis 2021 deutlich (Abb. 5 und 6). Die Waldvermehrung wirkt sich positiv auf Umwelt- und Lebensqualität aus: Gleichzeitig ist die Einwohnerzahl stark gestiegen, und die bebaute Fläche umfasst heute rund 33 % der Gemarkung. Freiburg ist damit durch ein enges Zusammenspiel von Stadt und Wald geprägt.

Vor diesem Hintergrund ist die Rolle der Wälder als Klimaschützer kaum zu überschätzen. Die CO₂-Bindung der Wälder und die Holznutzung, die diesen Effekt verstärkt, sind von großer Bedeutung für den Klimaschutz – ein Aspekt, der in der aktuellen Diskussion wenig berücksichtigt wird. Die Landschaftsforschung liefert hierzu neue Grundlagen für die Klimadebatte in Freiburg, die vom Stadtforstamt fachlich begleitet wird.

Ähnliches gilt für den Wasserschutz: Schätzungen zufolge stammen mindestens 30 % des Trinkwassers von Freiburg aus dem Stadtwald und seiner Umgebung. Der Anteil könnte sogar höher liegen, da neben den Wäldern von Kappel und dem Ottilienwald auch der Kybfelsenwald und weitere Waldgebiete wichtige Einzugsgebiete der Wasserwerke im Dreisamtal sowie bei Kappel und Ebnet darstellen (Abb. 6).

Ein dritter zentraler Aspekt ist die Erholungsfunktion: Die Nutzung der Wälder zur Freizeitgestaltung hat insbesondere während der Corona-Krise stark zugenommen. Nach allgemeinem Eindruck waren Waldbesuche zu Fuß oder mit verschiedenen Fortbewegungsmitteln noch nie so zahlreich wie in den vergangenen Jahren.

Strategie Lebens- und Umweltqualität Wald

Die Begeisterung der Menschen für die Wälder kann zu einer strategischen Grundlage im Forst- und Umweltbereich werden, um den Wert der Waldnutzung sichtbar zu machen. Eine erste Stufe bildet die Forschung, deren Ergebnisse für den Schwarzwald in fünf Serien veröffentlicht wurden (alle Beiträge sind unten unter „Mehr auf Waldwissen.net“ verlinkt). 

Ziel ist es, die in Nationalparken, Biosphärenreservaten und europäischen Schutzgebieten verankerte Naturwaldlehre (z. B. natürliche Waldgesellschaften, potenzielle natürliche Vegetation) durch eine gleichwertige Lehre von den Kulturwäldern zu ergänzen. Diese betrachtet die jahrtausendelange Nutzung der Wälder nicht als Fehlentwicklung, sondern als wesentliche Voraussetzung für die Lebens- und Umweltqualität der Gesellschaft. Die Leistungen vieler Generationen seit dem 18. Jahrhundert, die in einer extrem waldarmen Landschaft innerhalb von 230 Jahren neue Wälder aufgebaut und gepflegt haben, erhalten so die verdiente Anerkennung.

Die Bedeutung der Kulturwälder für Klima-, Wasser- und Erholungsschutz sollte im Forstwesen sowie in den beteiligten Disziplinen – darunter Geschichte, Geografie, Forstwissenschaft, Archäologie und Archäobotanik, Geobotanik und Ökologie – stärker verankert und als zentraler gesellschaftlicher Beitrag diskutiert werden. Impulse für eine breite Akzeptanz sollten vom Forstbereich ausgehen und auf nationale wie internationale Ebenen übertragen werden.

In einer dritten Stufe folgt die Umsetzung in die Praxis. Ziel ist es, die Kulturlandschaftsgeschichte der Wälder und ihre nachhaltige Nutzung auf Ebene der Landkreise und großer öffentlicher Waldbesitzer darzustellen. Dadurch kann eine Plattform für den Austausch mit Verbänden und Verwaltungen entstehen. Zugleich wird das forstliche Engagement für Klimaschutzwald, Wasserschutzwald und Erholungsfunktionen stärker in der Öffentlichkeit sichtbar.

Autor des Originalartikels: Dr. Helmut Volk war Leiter der Abteilung Landespflege der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg. Zurzeit arbeitet er für die Arbeitskreise Flussauen und Auewälder sowie für den Arbeitskreis Kulturwälder.