Der Klimawandel verändert zentrale Klima- und Bodenparameter für die Baumartenwahl

Deshalb wurden/werden in vielen Bundesländern die entsprechenden Entscheidungsunterstützungssysteme (ESS) überarbeitet. Deren Kernziel ist es, Waldbewirtschaftenden notwendige Informationen, Leitplanken und ggf. Empfehlungen für die Baumartenwahl und waldbauliche Entwicklung unter prognostizierten Klima-/Standortsbedingungen bereitzustellen. Welche grundlegenden Anforderungen sollten diese ESS angesichts der zukünftigen Rahmenbedingungen erfüllen?

  1. Modularer Aufbau und Dynamisierung: Der Trend der Treibhausgasemissionen, die unklare Wirksamkeit umgesetzter/geplanter Klimaschutzmaßnahmen und die Komplexität des globalen Klimasystems führen zu regelmäßigen Anpassung der globalen und regionalisierten Klimaprognosen. Gleichzeitig ändern sich mit dem Klima auch die Risikobewertungen für die Baumarten. Neue ESS sollten daher modular aufgebaut sein, um einzelne Komponenten dynamisch und unabhängig voneinander aktualisieren zu können. Werden Kerninhalte wie z.B. Risikobewertungen in Datenbanken vorgehalten, können Dokumente bei Abruf stets aktuell generiert werden (z.B. Baumartensteckbriefe).
  2. Transparenter Umgang mit Unsicherheiten: Ungeachtet der wissenschaftlichen Fortschritte in der Modellierung klimatischer und standörtlicher Entwicklungen sind alle Prognosen mit z.T. erheblichen Unsicherheiten verbunden. Wälder sind komplexe, nichtlineare Systeme, deren Reaktion und Anpassung auf bzw. an Umweltveränderungen nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann – insbesondere nicht in den Grenzbereichen der individuellen, artspezifischen und ökosystemtypischen ökologischen Amplituden. Diese Unsicherheiten sollten in den ESS transparent kommuniziert werden.
  3. Risikostreuung durch Vielfalt und Flexibilisierung: Wälder mit höherer Struktur- und Arten-Vielfalt können sich besser an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen als struktur- und artenarme Waldökosysteme. ESS sollten daher zukünftig mehr Flexibilität und Vielfalt bei der Baumartenmischung und potentiellen Entwicklungspfaden ermöglichen.

Entwicklungen in Brandenburg

Auch in Brandenburg wird durch das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde zurzeit die gültige „Baumartenmischungstabelle“ (BMT) überarbeitet und in neue „Waldentwicklungstypen“ (WET) weiterentwickelt. Die naturräumlichen Bedingungen in Brandenburg sind durch überwiegend nährstoffarme, sandige Böden mit geringer Wasserspeicherkapazität und ein trockenes, kontinentales Klima geprägt. Aktuelle Prognosen zeigen eine zunehmend negative Klimatische Wasserbilanz, was den Fokus von der Holzproduktion auf andere Ökosystemleistungen und Walderhalt lenkt, insbesondere auf Waldgrenzstandorten. 

Angesichts dieser Prognosen erschien eine aktualisierende Fortschreibung der bestehenden BMT in Brandenburg nicht zielführend. Über die o.g. grundsätzlichen Anforderungen hinaus wurden daher folgende Eckpfeiler für die neuen WET erarbeitet:

  1. Erweiterung der Baumartenpalette
  2. Verzicht auf baumartenspezifische Mischungsprozente
  3. Wenige ökologisch definierte WET
  4. Integration von Störungen in die Waldbewirtschaftung
  5. Vielfalt durch Flexibilisierung
  6. Eignung anstatt Empfehlung
  7. Fokus auf Überlebens- und Verjüngungsfähigkeit

Die in Erarbeitung befindlichen WET für Brandenburg zielen angesichts der klimawandelbedingten Unsicherheiten insbesondere auf die Erhöhung der Anpassungsfähigkeit der Waldökosysteme ab. Die oben skizzierten Eckpfeiler stellen in mehrfacher Hinsicht Paradigmenwechsel dar, die insgesamt die Entscheidungsfreiheit der Flächenverantwortlichen zugunsten von mehr Mischung und Vielfalt stärken – eine Abkehr vom traditionellen forstlichen Planungsdenken zur aktiven Begleitung von klimawandel- und störungsbeeinflusster Waldentwicklung. 

Lesen Sie die Langversion des Artikels, inklusive der Literaturhinweise hier:
http://www.bdf-online.de/fileadmin/user_upload/www_bdf-online_de/pdf/bdf_aktuell/2026/Hagemann_Engel_WET_2026.pdf