Krananhänger mit Radantrieb

Immer mehr Kleinwaldbesitzer setzen auf Krananhänger. Das Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) hat zehn Geräte im praktischen Einsatz getestet. In Teil 2 werden die Ergebnisse für die Krananhänger mit Antrieb beschrieben.

Vorab hier noch einige wichtige grundsätzliche Tipps zur Auswahl des idealen Gerätes. Grundlage dafür sind die Erfahrungen mit den getesteten Krananhängern sowie umfassende Gespräche mit Herstellern, Händlern und Anwendern.

Antrieb kostet Geld

Ob ein teurer Antrieb erforderlich ist, entscheiden die Einsatzbedingungen des Gespannes. Wird der Anhänger überwiegend für (Forst)Straßenfahrten und nur gelegentlich in einfachem Gelände eingesetzt, ist der Antrieb nicht erforderlich. Unter diesen Voraussetzungen ist er vielmehr unnötiger physikalischer und finanzieller Ballast.

Ist jedoch ein forstlicher Einsatz in Rückegassen – womöglich nach Harvesterarbeit – und im unruhigen oder geneigten Gelände bis 35 % angedacht, ist ein Antrieb unbedingt empfehlenswert. Es sollte hier nur darum gehen, welchen Antrieb man wählt:

  • Mit Radnabenmotoren,
  • Friktionsantrieb oder
  • Triebachse.

Ohne Radantrieb am Anhänger muss der gesteigerte Kraftbedarf vom Zugfahrzeug aufgebracht und auf den Boden übertragen werden. Dies führt in den meisten Fällen zu unverhältnismäßigen Bodenschäden und erhöhtem Kraftstoffverbrauch bei geringerer Leistung.

Radnabenmotoren werden mittlerweile von fast allen Herstellern angeboten, im Idealfall stufenlos angesteuert und kombiniert mit Trommel- oder Scheibenbremse. Mit entsprechender Ölversorgung sind diese flexibel einsetzbar. Eine gegenüber der "schwarz/weiß"-Steuerung etwas teurere Proportionalsteuerung macht sich meist rasch bezahlt. Sie ermöglicht weiches Anfahren und schont dadurch nicht nur das Material, sondern auch in hohem Maße den Boden.

Dies gilt auch für den ölmotorgetriebenen Sternrad- oder Friktionsantrieb. Dieser ist eine günstige Variante für den Vierradantrieb mit besserer Kraftübertragung auf den Waldboden. Allerdings hat er den gravierenden Nachteil, dass er nicht mit Ketten verwendet werden kann.

Die früher sehr verbreiteten Triebachsantriebe sind in der Regel die günstigste Variante. Sie bedürfen allerdings dem höchsten Wartungsaufwand und brauchen die Zapfwelle. Damit ist die Eigenölversorgung des Kranes meist ausgeschlossen. In Anhängergemeinschaften ist dies aber unbedingt erforderlich.

Worauf Sie bei den Bremsen achten sollten

Die Ausnahmebestimmungen der Straßenverkehrsordnung für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge verführen leider oft dazu, bei wesentlichen Sicherheitseinrichtungen den Sparstift anzusetzen. Offenbar fehlt das Bewusstsein für die Gefahren, die von dem 10 bis 15 t schweren Gefährt für den Traktorfahrer ausgehen.

Häufig wird ein Kran mit unnötiger Kraftreserve aufgebaut und dafür auf eine ordentliche (Druckluft)-Bremsanlage verzichtet, um die Mehrkosten zu kompensieren. Das Gerät kann damit im Extremfall zur tödlichen Mausefalle werden. Eine gemeinsam mit der Betriebsbremse des Zugfahrzeuges wirkende, hydraulische oder pneumatische Bremse an mindestens zwei, besser aber an allen Rädern des Anhängers sollte selbstverständlich sein. Für den Ladevorgang sollte das ganze Gespann mit der Handbremse des Zugfahrzeuges mitgebremst werden, um das gefährliche Abgleiten während des Ladevorganges zu vermeiden.

Will man den Anhänger im Straßenverkehr mit 25 km/h (zul. Gesamtgewicht > 5 t) verwenden, müssen alle Räder des Anhängers mit der Betriebsbremse des Zugfahrzeuges mitgebremst sein. Dies muss auch bei Ausfall des Motors des Zugfahrzeuges durch Feder- oder Druckspeicher gewährleistet sein. Darüber hinaus ist eine rein mechanisch wirkende Feststellbremse erforderlich. Sonst darf der Anhänger nur mit 10 km/h gefahren werden. Achtung, auch hier gilt: Bei Überschreitung um mehr als 50 % ist der Führerschein weg! Wichtig auch: Bei jedem Anhänger ab 750 kg müssen Unterlegkeile mitgeführt werden. Das weiß scheinbar kaum jemand.

Einsatz entscheidet über Ausstattung

Für den echten Waldeinsatz mit kurzen Ladeintervallen sollten die Überlegungen aber schon beim Traktor ansetzen. Um in der Rückung wirtschaftliche Ergebnisse zu erreichen und das Sicherheitsrisiko durch das häufige Auf- und Abklettern zu umgehen, ist ein Traktor mit Forstausrüstung sowie Wendesitz samt Rückfahreinrichtung und guter Sicht empfehlenswert. Dann lohnt sich auch der zusätzliche Aufwand für eine EHC-Steuerung des Kranes. Ob diese mit mobiler Funk- oder Kabelsteuereinheit oder an den Armlehnen montierten Joysticks ausgerüstet sein soll, ist Geschmackssache.

Ansonsten sollte auf einen sicher und unkompliziert erreichbaren, ergonomisch gut gestalteten Kranführerstand geachtet werden. Hier wird eine feinfühlige Zweihebel- Eurosteuerung vollauf genügen. Wir haben einige positive Beispiele für Hochsitz- und Stehpodestlösungen bei unserem Test gefunden. Bei Anhängern, die überwiegend für Straßentransporte von Rund- und Brennholz eingesetzt werden, ist die Hochsitzsteuerung die erste Wahl. Eine EHC-Steuerung mit Funksteuereinheit kann für zusätzlichen Komfort sorgen. Allerdings wird dieser Komfort mit hohen Zusatzkosten erkauft.

Eine starre Deichsel ist nur im reinen Straßeneinsatz zu empfehlen. Sobald auch nur gelegentlich in den Wald gefahren werden soll, ist man ohne Lenkdeichsel oder Lenkachse (nur Igland) auf verlorenem Posten. Denn die engen Rückegassen lassen nur geringe Lenkmanöver mit dem rückwärts schiebenden Traktor zu. Hier hilft die Lenkung des Anhängers mehr oder weniger effektiv. Abhängig ist dies von Lenkgeometrie und Lenkeinschlag.

Nutzlast ist nicht alles!

Das Ladevolumen und die Gewichtsverteilung sind von der Ausführung des Rungenkorbes und der Stirnwand abhängig. Nur wenige Hersteller bieten Geräte, bei denen die Gewichtsverteilung durch verschiebbare Elemente wie Achsschemel, Stirnwand oder Rungenstöcke auf eine von 4 bis 5 m abweichende Hauptlänge justiert werden kann. Die größte Rahmenverlängerung bringt höchstens ein Sicherheitsrisiko, wenn das Zugfahrzeug bei entsprechender Ausladung von der Deichsel ausgehoben wird.

Das Preisband vom einfachsten bis zum bestausgestatteten Anhänger ist gewaltig, aber wo beginnt der Luxus? Die Frage nach den erforderlichen Ausstattungsmerkmalen sollte vor dem Einholen eines Angebotes geklärt sein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass einem der "Beste" eingeredet wird. Eine wirksame, von der Betriebsbremse des Zugfahrzeuges angesteuerte Bremsanlage – sprich Sicherheit und Schutz des Lebens – darf bei diesem Entscheidungsprozess aber niemals als Luxus in Frage gestellt werden.

Die fünf Krananhänger mit Radantrieb

Direkter Vergleich als Tabelle (Download, 150 kB)