Der bärenstarke Finne: Der Kesla 10 ND ist leicht an der silbergrau-schwarzen Lackierung zu erkennen. Kesla ist nach eigenen Angaben weltweit führender Hersteller von Forstanhängern und -kränen, darunter 12 verschiedene Anhänger für Traktoren mit Nutzlasten von 7 bis 15 t.

Greifer und Holzladekräne stammen gleichfalls aus eigner Produktion. Als Testgerät wurde der 10 ND mit einer zulässigen Nutzlast von 10 t und Zweirad Nabenantrieb kombiniert mit dem Kesla Kran 305 T bereitgestellt. Die Generalvertretung in Österreich unterhält die Leopold Lunzer Ges.m.b.H. in Kaumberg, Niederösterreich.

Kurbelwinde für Deichselstütze empfehlenswert

Die als Wunschausrüstung erhältliche Kurbelwinde sollte man jedenfalls mitbestellen, da sie das Ankuppeln des Anhängers deutlich erleichtert. Fehlt diese, muss man zum Ankuppeln des Anhängers zunächst die Hydraulikpumpe mit der Gelenkwelle in Betrieb setzen, um das Anhängeauge mittels Kranstützfüßen in die richtige Position bringen zu können. Das An- und Abkuppeln von Gelenkwelle, Hydraulikschläuchen und Elektroleitungen gelingt problemlos.

Die Lenkachsfixierung mit einem Sicherungsbolzen erfüllt zwar die gesetzliche Vorschrift und ist einigermaßen gut erreichbar. Sie hat jedoch den Nachteil, dass die Arretierung ohne Helfer schwierig ist. Dies kann dazu verleiten, mit ungesicherter Deichsel auf öffentlichen Straßen zu fahren. Auch bei diesem Anhänger fehlen die vorgeschriebenen Unterlegkeile. Sehr gut gelöst ist die in stabilen, leicht aus- und einklappbaren Schutzklappen integrierte Lichtanlage.

Scheibenbremsen auf allen vier Rädern

Der Krananhänger 10 ND ist mit hydraulischen Scheibenbremsen auf allen vier Rädern ausgestattet. Diese können über die Bremsanlage des Zugfahrzeuges angesteuert werden. Entsprechend gut war die Verzögerung beim Bremstest: 3,74 m/sec.2 beim zulässigen Gesamtgewicht von 12.250 kg. Der Anhänger erfüllt von dieser Seite die Vorraussetzung für die 25 km/h Zulassung. Leider fehlte beim Testgeräte die (optional erhältliche) mechanische Feststellbremse. Somit konnten wir bei Straßenfahrten nicht schneller als 10 km/h fahren.

Die Sicherheitsausstattung, die für den Straßenverkehr vorgeschriebene Beleuchtung sowie die Rückstrahler entsprechen den Vorschriften. Das Fahrverhalten des Anhängers im leeren wie im beladenen Zustand ist bei 25 bis 40 km/h (im Testgelände) sehr ruhig und spurtreu.

Die Bodenfreiheit mit 64 cm wurde mit sehr gut bewertet, auch das Überfahren von Kuppen (Kuppenradius 4,9m) erhielt den Bestwert. Der Pendelweg der Bogieachsen, 360 mm vorne und 277 mm hinten, bietet für das gefahrlose Überfahren von Stöcken und ähnlichen Hindernissen eine gute Voraussetzung. Kabel und Schläuche sind gut geschützt verlegt sodass eine Beschädigung durch Äste und andere Hindernisse weitgehend ausgeschlossen ist. Positiv hervorzuheben ist, dass die Stützbeine des Kranes in Fahrstellung auf 77 cm Bodenfreiheit hochgezogen werden.

Die Lenkdeichsel erlaubt einen effektiven Lenkeinschlag von 11°, im Vergleich eher ein geringer Wert. Die Einfahrt in die simulierte Rückegasse beim Test erfordete ein einmaliges Reversieren. Andererseits wird dadurch der Kran bei vollem Lenkeinschlag nur um 60 cm seitlich aus der Gespannachse bewegt.

Das bedeutet eine geringere Kippgefahr. Der breite Radstand des Kesla-Anhängers und die niedrige Schwerpunktlage bei voller Beladung sorgen für eine gute Standsicherheit. Der übersteigbare Böschungswinkel bei Rückwärtsfahrt erreicht Dank großer Bodenfreiheit und kurzem Abstand der Achse zum Heck (ohne Ladeflächenverlängerung) den Spitzenwert von 97 %.

Der kräftige und stufenlos wirkende (proportional gesteuerte) Zweirad-Nabenantrieb hat eine maximale Schubkraft von 3,1 t. Dies verbessert die Geländegängigkeit des Rückegespanns deutlich. Damit können bei normalen Bodenverhältnissen Steigungen bis ca. 35 % befahren werden. Der Antrieb wirkt auf die vorderen zwei Räder der Bogieachse.

Krananhänger mit Antrieb sind bei überlegtem Einsatz bezüglich Bestandes- und Bodenpfleglichkeit günstig zu beurteilen. Vielfach kann durch zugeschalteten Hilfsantrieb ein Durchdrehen und Graben der Antriebsräder des Zugfahrzeuges vermieden werden. Bemerkenswert ist der geringe Bodendruck bei maximaler Beladung von 1,69 bar (= kg/cm²).

Auch der nach oben deutlich verjüngte Rungenkorb macht diesen Anhänger für die Durchforstung besonders geeignet. Die Sicht vom Fahrersitz auf die Vorderräder ist konstruktionsbedingt eher schlecht, auf die Hinterräder und den Gefährdungsbereich hinter dem Anhänger sehr gut.

Kran: Griff in die Profi-Schublade

Kesla griff in die Profi-Schublade und bestückte sein Testgerät mit einer Danfoss EHC Joysticksteuerung. Die Bedienung des Kranes erfolgt vom Wendesitz der Traktorkabine aus. Das spart Zeit und bietet dem Fahrer die bestmögliche Sicherheit.

Der Nachteil besteht in der schlechteren Sicht auf den Manipulationsvorgang bei der Beladung. Für die Bedienung des Kranes von der Traktorkabine aus braucht man jedenfalls einen Wendesitzes. Bei dem uns zur Verfügung gestellten N 101 Hightech mit Forstausrüstung war dies der Fall. Ohne den Wendesitz kann der Kran nur unter ungünstiger Körperhaltung bedient werden. Dies sollte allein aus ergonomischen Gründen unbedingt vermieden werden.

Der Kesla 305 T erhielt in allen wichtigen Beurteilungskriterien die Bestnote sehr gut. Das Ansprechen sowie die Mischbarkeit der Funktionen sind ausgezeichnet, alle Funktionen sind proportional gesteuert und die Kranbewegungen endlagengedämpft. Bei 2 m Auslegerlänge beträgt das Hubvermögen 1 988 kg und bei maximaler Reichweite von 8,50 m noch 315 kg. Das Drehmoment des 4-Zylinder-Schwenkwerkes ist mit 17,8 kNm sehr gut. Der Teleskopausschub erreicht eine Länge von 3,2 m und eine horizontale Zuzugskraft von 1 630 kg.

Ein Auflager für den Kran bei der Lehrfahrt fehlt, das wurde als Mangel notiert. Bei Lastfahrt kann der Kran gestreckt oder ganz zusammengelegt auf der Ladung abgelegt werden. Die Flap-Down-Abstützung erhielt insgesamt zwar ein sehr gut. Anzumerken ist aber, dass bei stärker unebenem Gelände die beidseitige Abstützung nicht immer gewährleistet ist. Alle Schläuche in der Nähe des Bedieners sind mit einem Sicherheitsschlauch abgedeckt. Die Hydraulikleitungen und -schläuche des Kranes sind sauber verbaut und friktionsfrei geführt.

Zu Ladevolumen und Wirtschaftlichkeit

Die stabile Konstruktion von Anhänger und Kran bedingen ein relativ hohes Eigengewicht von 4 960 kg. Die verbleibende Ladekapazität mit 7 290 kg ist ausreichend, um den 9,19 fm fassenden Rungenkorb mit frischem Fichtenblochholz
(800 kg/fm) auszuladen. Mit der von 3,87 bis 4,77 m variablen Ladelänge, verschiebbarer Stirnwand und der Bestückung mit sechs Rungenstockpaaren (davon vier verschiebbar) präsentiert sich der Anhänger sehr flexibel.

Zum Preis

Der Test-Anhänger kostet inklusive Vierrad-Bremse, Zweirad-Nabenantrieb, Lenkdeichsel, Eigenölversorgung, Kran 305T mit Danfoss EHC Joysticksteuerung 66.890 €. Für den gleichen Hänger und Kran, allerdings mit Zweihebel-Eurosteuerung zahlt man 58.130 €. Das Einstiegsmodell Kesla 10 H mit hydraulischer Scheibenbremsen an zwei Rädern, Kran 303 mit 6,8 m, 400-er Forstbereifung ist um 27.926 (alles exklusive 20% MwSt.) erhältlich.

Der von uns getestete ND 10 mit dem leistungsfähigen Kran und die zufriedenstellende Ladekapazität ermöglichen trotz hoher Anschaffungskosten den wirtschaftlich erfolgreichen Einsatz bei geringen Bringungsentfernungen. Für weitere
Transporte ist allerdings der Einbau einer Feststellbremse für den 25 km/h-Betrieb dringend zu empfehlen. Die solide Verarbeitung lässt eine hohe Lebensdauer und geringe Reparaturanfälligkeit erwarten.

Fazit

Ein robust gebauter Anhänger mit geringem Bodendruck und leistungsstarkem, stufenlos regelbarem Antrieb zur maximalen Bodenschonung. Der perfekte Kran ermöglicht professionelles Arbeiten. Allerdings hat die Qualität auch ihren Preis. -> tabellarische Bewertung