Die Amsel ist mit 8 bis 9,5 Millionen Brutpaaren einer der häufigsten Brutvögel in Deutschland. Ursprünglich war die Amsel ein Vogel des Waldes. Ende des 19. Jahrhundert begann sie in die Siedlungen vorzudringen und ist so zum Kulturfolger geworden. Heute umfassen ihre Lebensräume Gärten, Parks, Baum- und Strauchgruppen in Industriegebieten, Streuobstwiesen, Feldgehölze und Wälder. Überwiegend ist sie bei uns ein ganzjähriger Standvogel, aber es können auch Teile der Amselpopulationen im Winter wegziehen und nordische Vögel zuziehen. 

Schwarzdrossel mit markantem Gesang

Die Männchen sind schwarz gefärbt und besitzen einen gelben Schnabel, daher wird sie auch Schwarzdrossel genannt (Abb. 1). Das Gefieder der Weibchen ist größtenteils dunkelbraun (Abb. 2). Der melodiöse und laut vorgetragene Reviergesang der Männchen ist hauptsächlich zwischen Anfang März und Juli zu hören und kann bereits vor der Morgendämmerung beginnen. Für viele Menschen gehört der Gesang der Amsel unbedingt zum Frühlingserlebnis dazu. Während der Balzzeit liefern sich rivalisierende Männchen Kämpfe und Verfolgungsjagden. In dieser Zeit der Revierkämpfe reagieren Amselmännchen auch sehr aggressiv auf gelb blühende Krokusse, deren Färbung dem gelben Schnabel der Amselmännchen gleicht. Daher finden sich in den Gärten oft durch Amseln zerzupfte Krokusblüten. Amseln sind nicht sehr scheu und oft in Gärten zu beobachten.

Nahrungssuche am Boden

Ihre Nahrung suchen Amseln vorwiegend am Boden und bewegen sie sich dort hüpfend fort. Im Wald stöbern sie besonders gerne in der Laubstreu unter Sträuchern und im Unterwuchs. Ihre dunkle Gefiederfärbung ist im schattigen Wald und im Unterholz unauffällig. Sie ernähren sich meist von Regenwürmern, Schnecken und Insekten. Besonders im Herbst und Winter aber auch von Beeren und Früchten. Amseln sind in der Lage Früchte bis zu einem Durchmesser von 14 mm im Ganzen zu verschlucken. Diese Größe entspricht etwa einer Schlehenfrucht. Und tatsächlich werden die Schlehenfrüchte hauptsächlich von der Amsel gefressen und die Schlehenkerne dann mit dem Kot verbreitet. Bei Amseln besonders beliebte Früchte sind weiter die Beeren des Schwarzen Holunders und die Früchte der Vogelbeere (Abb. 3).

Noch heute ein Waldvogel

Ursprünglich war die Amsel in Wäldern beheimatet, wobei sie Laubwälder bevorzugt. Vor ca. 150 Jahren begannen einige Amseln in die Städte und Ortschaften zu ziehen und setzten damit einen Prozess in Gang, der bis heute anhält. Nach wie vor besiedeln Amseln aber auch unsere Wälder, v.a. Laub- und Mischwälder, in hoher Dichte. Die Amsel bewohnt in Städten und Ortschaften gerne Bereiche mit ausreichend Gehölzen. Daher leben die Stadtamseln besonders gerne in Parks, Anlagen, Friedhöfen, Villenvierteln und Gärten.

 

Vor- und Nachteile des Stadtlebens

Die Stadt bietet den Amseln große Rasenflächen und Gärten, die ihr die Suche nach Regenwürmern erleichtern. Höhere Durchschnittstemperaturen in der Stadt helfen den Vögeln beim Überleben im Winter. Parks, Gärten und Grünstreifen bieten zudem die nötigen Gehölze. Bei der Wahl ihres Niststandortes ist die Amsel sehr anpassungsfähig: in Bäumen auf waagrechten Ästen, in dichten Sträuchern und Hecken und in Kletterpflanzen. Stadtamseln nutzen aber auch Balkone, Fenstersimse, Leuchtreklamen oder Gebäudenischen zum Nestbau. Wichtig bei der Wahl des Brutplatzes ist für Amseln ausreichender Sichtschutz. Die Nestmulde wird mit feuchter Erde verstärkt.

Das Kunstlicht in Städten beeinflusst sowohl den Tages- als auch den jahreszeitlichen Rhythmus der Amseln. Durch die dauernde Beleuchtung in der Stadt sind Stadtamseln länger wach und beginnen noch vor Sonnenaufgang in den frühen Morgenstunden zu singen. Stadtamseln werden früher geschlechtsreif und brüten auch eher im Jahr als ihre Artgenossen in den Wäldern.

Die ständige Geräuschkulisse und der Verkehrslärm in der Stadt zwingt die Amseln dazu, lauter und in höheren Tonlagen zu singen, um sich Gehör zu verschaffen. Das Männchen singt besonders am frühen Morgen oder späten Abend von einem Dachfirst oder Baumwipfel.  Die Amsel zeigt große Variation im Gesang mit individuellen und regionalen Unterschieden.  

Das Leben in der Stadt ist für Tiere mit Stress und zusätzlichen Gefahren verbunden. So legen Amseln in der Stadt weniger Eier und der Bruterfolg fällt meist niedriger aus. Viele Amseln und andere Vögel fallen Verkehr, Katzen, dem Anflug an Fensterscheiben und Umweltgiften zum Opfer. Auch das häufigere Auftreten von leuzistischen, d.h. gescheckten oder weißen Amseln in Städten ist auffällig (Abb. 4).

 

Amselsterben - Auftreten und Verbreitung des Usutu-Virus in Deutschland

In den letzten Jahren war immer wieder von Amselsterben in verschiedenen Regionen Deutschlands zu lesen. Verantwortlich ist das Usutu-Virus. Das Virus wird von Stechmücken auf die Vögel übertragen. Nach dem ersten Nachweis des Usutu-Virus in Deutschland im Jahr 2010 kam es zu einem großräumigen Ausbruch in Südwestdeutschland. Ein auffälliges Amselsterben wurde wieder in den Jahren 2016/2017 beobachtet. 2024 gab es deutschlandweit wieder vermehrt Meldungen über tote Amseln. Besonders Niedersachsen und Schleswig-Holstein waren betroffen. Auch in Bayern wurden 2024 einige hundert tote Amseln gemeldet. 

Erkrankte Amseln zeigen oft struppiges Kleingefieder am Hals und im Kopfbereich. Sie verhalten sich auffällig, sind weniger scheu, taumeln und torkeln. Das Usutu-Virus stammt ursprünglich aus dem tropischen Afrika und wurde nach dem Usutu-Fluss im südlichen Afrika benannt. Obwohl über 30 Vogelarten, z.B. Eulen und Käuze, Haussperlinge, Kohlmeisen, Blaumeisen, Singdrosseln und Kleiber nachweislich an Usutu-Infektionen sterben können, ist bei uns merklich nur der Bestand der Amseln betroffen. Über die Nahrung wird das Virus nicht übertragen. Sobald die sommerliche Mückensaison vorbei ist, flauen auch die Erkrankungen mit dem Usutu-Virus ab und in der kälteren Jahreszeit tritt keine Infektion mehr mit dem Virus auf. Ergebnisse bisheriger Erfassungen haben gezeigt, dass die Amselbestände in Landkreisen mit Usutu-Ausbruch stärker zurückgegangen sind als in Landkreisen ohne Usutu. Trotz hoher Befalls-Zahlen kann aber davon ausgegangen werden, dass die Amselbestände nicht gefährdet sind. Mit dem Aufbau einer individuellen Immunität in der Amselpopulation wird eine örtliche und regionale Bestandserholung eintreten.

Der Klimawandel begünstigt sowohl das Virus selbst als auch die Entwicklung der Stechmücken, die es übertragen. Die ersten Nachweise des Usutu-Virus stammen in Deutschland nicht zufällig aus dem wintermilden Rheintal in Baden-Württemberg. 

Die Amsel repräsentiert das Thema "Beeren statt Beton!“ und tritt für naturnahe Gärten mit heimischen beerentragenden Gehölzen, z.B. Holunder, Vogelbeere, Weißdorn, Wildrosen, ein. Mit solchen naturnahen Gärten lässt sich nicht nur für die Amseln, sondern für viele insektenfressende Vogelarten und für Insekten Gutes tun.

Literaturverzeichnis

  • Bezzel, E. (2017): Fleischige Früchte als Vogelnahrung - ein Beitrag zur Gartenökologie, Ökol. Vögel 35/36, S. 231 - 250
  • Pfeifer, R. (2017): Vögel und Beeren - Überblick über eine Vogel-Pflanze-Interaktion, Orn. Anz. 56 (1), S. 1 - 28
  • Stephan, B. (1999): Die Amsel, Neue Brehmbücherei NBB 95
  • Wallrapp, M. (2004): Neuartiger Virus verursacht Amselsterben in Österreich, LWF-aktuell 45, S. 48
  • Schmidt, O. (2026): Was hinter dem Amselsterben steckt. BLW 9, S. 71