Der Alpensalamander (Salamandra atra) ist die einzige heimische Amphibienart, deren Lebenszyklus vollständig unabhängig vom Wasser ist. In Deutschland kommt die Art nur in den nördlichen Kalkalpen, im bayerischen Voralpenland (600 bis 2.100 m Höhe) sowie in der Adelegg im Südosten Baden-Württembergs in strukturreichen, feuchten Habitaten vor. Rund zwei Drittel der Fundorte in den bayerischen Bergen liegen oberhalb von 1.000 m ü. NHN. Bayern hat daher eine besondere Verantwortung für diese Art. Das Verbreitungsgebiet der Art reicht vom Rhonetal im Westen über den gesamten Alpenbogen bis nach Slowenien und rund 50 km vor Wien im Osten. 

Je nach Höhenlage ist der Alpensalamander in Laub- und Laubmischwäldern, auf Almwiesen, in Latschengebüschen, in Zwergstrauchheiden oder Felsfluren zu finden. Alpensalamander verbringen einen Großteil ihres Lebens in Verstecken und sind am häufigsten zwischen Mai und Oktober zu beobachten. Da sie sich meist erst bei Regenwetter zeigen, tragen sie im Allgäu den Namen “Reagamändle” und in Oberbayern “Regenmanndl”.

Alpensalamander sind einfarbig pechschwarz gefärbt. Die dunkle Färbung absorbiert die Sonnenstrahlung besonders effizient. Dadurch kann er sich in den kühlen Hochlagen schneller aufwärmen und länger aktiv bleiben. Schwarz macht ihn zudem schwerer erkennbar für Fressfeinde. Die Art erreicht ausgewachsen eine Körperlänge von etwa 12 bis 15 cm, wobei die Weibchen größer werden als die Männchen. Die Tiere ernähren sich von Schnecken, Regenwürmern, Spinnen, Asseln und Insekten.

Einmalige Fortpflanzungsstrategie

Die große Besonderheit des Alpensalamanders unter den Amphibien ist seine Fortpflanzung. Das Weibchen gebiert als Anpassung an ihren alpinen Lebensraum nach zwei bis vier Jahren Tragzeit immer zwei bereits völlig entwickelte, lebende Jungtiere. Diese Strategie vermindert das Risiko, dass in dem rauen Gebirgsklima die Eier durch Frost oder Austrocknung geschädigt werden oder Fressfeinden zum Opfer fallen. Das Muttertier kann zudem die Entwicklung der Embryonen verlangsamen, wenn wenig Nahrung verfügbar ist. Das ist ein enormer Vorteil in einem Lebensraum, in dem Ressourcen schwanken.

Im Körper des Alpensalamander-Weibchens befinden sich ca. 40 bis 50 Eizellen, die teilweise hüllenlos sind und, bis auf zwei befruchtete Eizellen, alle zerfallen. Die beiden verbliebenen Larven ernähren sich zunächst vom Zellbrei ihrer ehemaligen “Geschwister”. Nachdem dieser Dotterbrei aufgebraucht ist, nehmen sie wachsendes Gewebe aus der Bauchwand der Mutter als Nahrung auf. Die Larven werden also direkt von der Mutter mit eigenem Gewebe ernährt – eine außergewöhnliche biologische Besonderheit unter den Amphibien. Bei der Geburt sind die kleinen Alpensalamander bereits 40 bis 55 mm lang, vollkommen entwickelt und völlig selbständig.

Schutzstatus, Gefährdung und Hilfs­maßnahmen

Der Alpensalamander ist im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitate (FFH)-Richtlinie gelistet und damit europaweit streng geschützt. Während die Art in der deutschen und bayerischen Roten Liste noch als ungefährdet gilt, wird ihr Erhaltungszustand im aktuellen nationalen FFH-Bericht von 2025 – der alle sechs Jahre an die EU-Kommission übermittelt wird – sowohl in der alpinen als auch in der kontinentalen Biogeografischen Region insgesamt als ungünstig bewertet. Hauptgrund hierfür sind die negativ bewerteten Zukunftsaussichten, da davon auszugehen ist, dass der Klimawandel zu Lebensraumverlusten führen wird. Eine wirksame Schutzmaßnahme für den seltenen Bergbewohner ist daher vor allem die Bewahrung und Entwicklung der Qualität seines Lebensraums. Dazu zählen der Erhalt naturnaher, strukturreicher Laub- und Laubnadelmischwälder mit hohen Anteilen an liegendem Totholz sowie – soweit möglich – eine extensive Bewirtschaftung von Almwiesen mit geringem Viehbesatz.

Da ein beträchtlicher Anteil der Alpensalamander dem Verkehr zum Opfer fällt, sollte diese Art bei Erschließungsplanungen besonders berücksichtigt und Biotopzerschneidungen vermieden werden. Bei der Nutzung von Forststraßen in Vorkommensgebieten ist insbesondere bei feuchter Witterung Achtsamkeit geboten. Aus Monitoringdaten ist bekannt, dass auf bestimmten Waldwegen bis zur Hälfte der nachgewiesenen Tiere der örtlichen Population zertreten oder überfahren wurden. Vor allem der zunehmende E-Mountainbike-Verkehr fordert vermehrt Opfer.

Eine weitere potenzielle und sehr ernstzunehmende Gefahr stellt zudem der Salamanderpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) dar. Dieser aus Asien eingeschleppte Hautpilz befällt insbesondere Schwanzlurche und führt innerhalb weniger Tage zum Tod der Amphibien. In Bayern ist der Pilz bisher an drei Fundorten beim Feuersalamander und verschiedenen Molcharten nachgewiesen – der Alpensalamander ist bisher nicht betroffen. Die Angst ist jedoch groß, weshalb regelmäßig Tiere beprobt werden.

Zusammenfassung

Der Alpensalamander wurde von der DGHT zum Lurch des Jahres 2026 ernannt und steht für die Vielfalt alpiner Lebensräume. Bayern trägt besondere Verantwortung für die Art, die in unterschiedlichen Höhenlagen vorkommt und sich durch lebendgebärende Fortpflanzung auszeichnet. Trotz aktuell noch ungefährdetem Status gilt ihr Zustand als kritisch, vor allem wegen des Klimawandels. Schutzmaßnahmen und Citizen-Science-Projekte sind daher wichtig.

Fundorte melden: Um einen aktuellen Überblick über die Alpensalamander-Populationen in den bayerischen Alpen zu gewinnen, können sich alle interessierten Bergwandernden im Rahmen von Citizen-Science-Aktivitäten am Monitoring dieser Art beteiligen und ihre Fundorte über die Website des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) melden: www.lbv.de/alpensalamander-melden