Das Bild vom Moor ist häufig von offenen, baumfreien Landschaften geprägt. In Bayern ist dieses Bild jedoch nur ein Teil der Wirklichkeit. In der süddeutschen Moorregion kommen Bäume natürlicherweise in vielen Moortypen vor. Fichte und Waldkiefer gehören ebenso dazu wie besonders angepasste Arten und Formen wie Spirke, Karpatenbirke und Moorwaldkiefer. Sie haben sich über Jahrtausende an die besonderen Bedingungen angepasst.
Das Wasser bestimmt den Wald
Die wichtigste Botschaft lautet: Nicht die Bäume steuern den Wasserhaushalt des Moores, sondern der Wasserhaushalt bestimmt die Vegetation. Ein naturnaher Moorwald ist meist licht, sodass ein großer Teil des Niederschlags den Boden erreicht. Gleichzeitig sorgen die Gehölze durch Transpirationskühlung und Windbremsung für einen günstigen Effekt auf das Mikroklima. In trockeneren, bereits entwässerten Mooren können Bäume sogar als “Ammengehölze” wirken und darunter verbliebene Moorpflanzen wie Torfmoose, Moosbeere oder Rauschbeere schützen.
Für die Praxis bedeutet das: Bäume sollten nicht allein deshalb entfernt werden, weil sie Wasser verbrauchen. Ein Kahlschlag ersetzt keine wirksame Wiedervernässung. Steht das Wasser beispielsweise noch 70 oder 80 Zentimeter unter der Geländeoberfläche, steigt es nach dem Fällen des Altbestands nur vorübergehend und nur um wenige Zentimeter an. Auf der Fläche kann sich anschließend wieder ein oft sogar dichterer Gehölzbestand entwickeln. Erst wenn der Wasserstand dauerhaft bis nahe an die Geländeoberfläche angehoben wird – Dr. Müller-Kroehling nennt als Richtwert maximal etwa 15 Zentimeter unter der Geländeoberfläche im Jahresmittel –, werden Gehölze weitgehend zurückgedrängt.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Torfmoose. Sie sind an sehr nährstoffarme Bedingungen angepasst und können insbesondere Phosphor besonders effizient aufnehmen. Dadurch begrenzen sie das Wachstum der Gehölze zusätzlich und tragen zu einem natürlichen Gleichgewicht zwischen Torfmoosen, anderen Moorpflanzen und Bäumen bei. Werden Torfmoose wieder etabliert, können sie somit selbst dazu beitragen, dass Gehölze nicht überhandnehmen.
Moor ist nicht gleich Moor
Bei der Planung von Moorschutzmaßnahmen gibt es deshalb kein Patentrezept. Bayern besitzt eine große Vielfalt an Moortypen – von Quell- und Talmooren über basenreiche und basenarme Moore bis hin zu Hochmooren. Je nach Moortyp funktioniert der Wasserhaushalt unterschiedlich und auch Bäume und ganz unterschiedliche torfbildende Pflanzen spielen jeweils eine spezifische Rolle. Maßnahmen müssen deshalb an den jeweiligen Moortyp angepasst werden.
Auch das Umfeld des Moores darf dabei nicht aus dem Blick geraten. Das Verschließen von Entwässerungsgräben im Moor ist häufig nur der erste Schritt. Damit sich der Wasserhaushalt dauerhaft stabilisiert, müssen auch die Wasserzuflüsse und der Grundwasserstand im Umfeld berücksichtigt werden. Das macht je nach Situation eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich. Eine sorgfältige Planung sollte jeder größeren hydrologischen Maßnahme im Moor vorangehen.
Bewirtschaftung an Wasser und Standort anpassen
Für Waldbesitzer stellt sich die Frage, welche Ziele auf der Fläche erreicht werden können und sollen. Wo eine vollständige Wiedervernässung möglich ist, wird die forstliche Nutzung stark erschwert und muss unter Umständen ganz aufgegeben werden. Auf Flächen, auf denen nur eine Teilwiedervernässung möglich ist, sollte dagegen weiterhin steuernd eingegriffen und dafür die Bewirtschaftung an die veränderten Bedingungen angepasst werden.
Dabei kommt es besonders auf den Kleinstandort an: Die Baumarten sollten so an die Kleinstandorte angepasst werden, dass sie eher auf leicht erhöhten Bereichen stehen, während tiefe Senken gehölzfrei bleiben. Besonders moortypische und vernässungsgeeignete Baumarten können gezielt eingebracht werden, wenn sie auf der Fläche fehlen.
Auch Erschließung und Holzernte müssen angepasst werden. Möglich sind beispielsweise sog. Knüppelwege, Seilkranbringung, die Holzbringung zu geeigneten, trockeneren Zeiten sowie Vorlieferungssysteme wie der Einsatz von Pferden. Entscheidend ist, den Torf und die torfbildende Vegetation durch die Bewirtschaftung möglichst wenig zu beeinträchtigen.
Moorschutz wird gefördert
Eine angepasste Bewirtschaftung bedeutet allerdings höhere Kosten, geringere Erträge und teilweise erhebliche Bewirtschaftungserschwernisse. Deshalb sollten Waldbesitzer prüfen, welche Fördermöglichkeiten für ihre Fläche infrage kommen. Inzwischen können entsprechende Maßnahmen zum Teil bis zu 100 % gefördert werden. Auch Bewirtschaftungserschwernisse und Einkommenseinbußen können unter bestimmten Voraussetzungen vollständig ausgeglichen werden.
Intakte Moore speichern Kohlenstoff, doch ist Moorschutz natürlich nicht nur eine Frage des Klimaschutzes. Sie halten auch Wasser in der Landschaft zurück und wirken bei Hitze durch Transpirationskühlung ausgleichend. Zudem sind sie wichtige Lebensräume für eine vielfältige, hochspezialisierte Pflanzen- und Tierwelt. Gerade angesichts von Starkniederschlägen, Hitze und Trockenheit gewinnen diese Funktionen an Bedeutung.
Die zentrale Empfehlung für die Praxis lässt sich deshalb einfach zusammenfassen: Wasserhaushalt des konkreten Moores verstehen, Moortyp und Kleinstandorte im Moor differenziert betrachten und die Bewirtschaftung an die natürlichen Bedingungen anpassen. Wer ein Moor erhalten oder wiederherstellen möchte, sollte Wald und Moor nicht als Gegenspieler betrachten. In vielen Mooren gehören die richtigen Bäume am richtigen Ort von Natur aus zum Lebensraum.
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet im Forstcast “Moor & Wald: Das Ende einer tausendjährigen Lovestory?” weitere Hintergründe zu den Besonderheiten bayerischer Moorwälder, zur Wiedervernässung und zu den Möglichkeiten einer moorangepassten Waldbewirtschaftung.


