“Wir haben nicht bemerkt, dass die alten Aufstiegshilfen aus Brettern verrottet waren. Daher sind viele Tiere in unseren Weiderosten verendet“, erzählt Michael Waldherr, Stellvertretender Forstbetriebsleiter am Forstbetrieb Wasserburg der Bayerischen Staatsforsten. ”Seit wir jetzt gemeinsam mit der Fachstelle Waldnaturschutz die einfachen Aufstiegshilfen eingebaut haben, sieht man, dass sie tatsächlich und viel dauerhafter funktionieren – und das mit minimalem Aufwand.“

Was der Forstpraktiker beschreibt, ist kein Einzelfall. Weideroste – diese robusten Gitter aus Stahl oder Eisen – sind an vielen Alm- und Forstwegen unverzichtbar. Sie verhindern, dass Weidetiere oder Wildtiere einfach über Grenzen wandern. Doch sie haben eine Schattenseite: Für viele kleine Waldbewohner sind sie tödliche Fallen.

Verborgene Falle im Weg

Amphibien, Reptilien, Laufkäfer und Kleinsäuger rutschen zwischen die Gitterstäbe und stürzen in die darunterliegenden Schächte – ohne Chance, wieder herauszukommen. Besonders in Bereichen, die Amphibien während ihrer Frühjahrswanderung zwischen Laich – und Sommerlebensräumen nutzen, zeigt sich immer wieder die ungewollte “Fallenwirkung” dieser Bauwerke. Die unscheinbaren Gitter haben es also in sich – und das Problem ist größer, als man meint. Viele Wege mit Rosten liegen in unmittelbarer Nähe zu Feuchtstellen oder kleinen Gräben – ideale Wanderkorridore für Amphibien.

Frühere Wanderzeiten durch mildere Winter

Die Amphibienwanderung beginnt durch den Klimawandel zunehmend früher: In manchen Regionen Bayerns schon im Februar, zwei bis drei Wochen früher als noch vor zehn Jahren. Wer also erst im Frühling an Schutzmaßnahmen denkt, kommt oft zu spät. Für die Praxis bedeutet das: Schutzmaßnahmen müssen rechtzeitig, am besten noch vor dem Winter, umgesetzt werden.

Zudem breitet sich seit einigen Jahren eine neue, für heimische Salamanderarten tödliche Pilzerkrankung aus: der sogenannte Salamanderpest-Erreger. Er führt bei Salamander- und Molcharten zu schweren Hautinfektionen, die meist innerhalb weniger Tage tödlich verlaufen. Je stärker die natürlichen Bestände ohnehin durch Lebensraumverluste und Falleneffekte wie Weideroste geschwächt sind, desto anfälliger werden sie auch für solche Erreger. Ein funktionierender Amphibienschutz ist daher nicht nur Artenschutz, sondern auch eine wichtige Vorsorgemaßnahme zur Stabilisierung gesunder, widerstandsfähiger Populationen.

Damit ist klar: Amphibienschutz ist längst keine rein “ökologische Zusatzaufgabe” mehr, sondern ein zentraler Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt im ländlichen Raum – und zwar direkt vor der eigenen Haustür.

Praxislösungen: Wie Sie Weideroste sicher machen

Erste Ideen zu einfachen Ausstiegshilfen für Amphibien entstanden im Austausch mit Kollegen aus der Schweiz. Dort werden bereits seit einigen Jahren Straßengullis mit speziellen Steighilfen ausgestattet. 

Diese Erfahrungen zeigen eindrucksvoll, dass sich derartige Systeme auch im Siedlungsbereich hervorragend bewähren, und gaben den Anstoß, ähnliche Lösungen für Weideroste in Bayern zu entwickeln.

Darauf aufbauend hat die Fachstelle Waldnaturschutz Oberbayern der Bayerischen Forstverwaltung ein Pilotprojekt gestartet. In Zusammenarbeit mit den Forstbetrieben der Bayerischen Staatsforsten sowie den Unteren Naturschutzbehörden Ebersberg und Garmisch-Partenkirchen wurden insgesamt 40 Weideroste mit Aufstiegshilfen aus Krallmatten nachgerüstet.

Die bisherigen Ergebnisse sind äußerst positiv: Frösche, Molche, Unken und selbst kleine Schlangen nutzen die eingebauten Matten zuverlässig, um aus den Schächten zu entkommen und zu überleben.

Zudem gingen erste private Waldbesitzer von sich aus auf die Fachstelle zu. Gemeinsam wurden auch auf ihren Flächen Aufstiegshilfen eingebaut – ein starkes Signal, dass der Amphibienschutz längst über den Bereich der Staatsforsten hinaus Wirkung zeigt.

Trotz dieser Erfolge bleibt noch viel zu tun: Oberbayernweit sind noch hunderte Weideroste ohne Schutzvorrichtung – sie sollen in den kommenden Jahren Schritt für Schritt mit geeigneten Aufstiegshilfen ausgerüstet werden. Erfreulicherweise haben bereits erste Projektpartner angekündigt, in den kommenden Monaten weitere Roste nachzurüsten und damit aktiv zum Amphibienschutz beizutragen.

Auslassrohre

Wo das Gelände es zulässt, sind Auslassrohre eine elegante Lösung. Sie werden in den Rostschacht integriert und dienen als Fluchtröhre, über die Amphibien wieder ins Freie gelangen können.

Nach der Installation sind sie grundsätzlich langlebig und wartungsarm – allerdings nur, solange sie frei und durchgängig bleiben. In der Praxis zeigt sich, dass Auslassrohre häufig durch Laub, Erde oder Feinteile verstopfen und dadurch ihre Wirkung verlieren können.

Daher ist eine regelmäßige Kontrolle – mindestens einmal, besser zweimal im Jahr – unbedingt erforderlich, um die Funktionsfähigkeit sicherzustellen. Besonders nach Starkregen oder im Herbst, wenn viel Laub fällt, sollte der freie Abfluss überprüft und gegebenenfalls gereinigt werden.

Schräg eingelegte Lochbleche

Bei bestehenden Rosten helfen schräg eingebaute Lochbleche oder perforierte Platten. Sie bilden eine Art Rampe, über die Amphibien nach oben klettern können. 

Wichtig: Die Oberfläche muss rutschfest sein und eine kleine Führung am Rand verhindern, dass die Tiere wieder abrutschen. Zusätzlich darf die Neigung nicht zu steil sein – ideal sind etwa 30 bis 45 Grad.

Da jeder Weiderost anders gebaut ist, müssen die Lochbleche immer individuell angepasst werden – eine Serien- oder Vorproduktion ist also nicht möglich. Das führt dazu, dass die Kosten deutlich höher liegen und auch der Zeitaufwand pro Rost stark variiert. Der Aufwand ist daher im Vorfeld nur schwer kalkulierbar und hängt von den jeweiligen baulichen Gegebenheiten ab.

Krallmatten – der einfache Weg

Das einfachste und flexibelste System besteht aus sogenannte Krallmatten: Sie bestehen aus robustem Kunststoffgeflecht, das in den Ecken befestigt wird. Beobachtungen aus dem Pilotprojekt zeigen, dass insbesondere Kröten und Frösche bevorzugt entlang der Wände des Weiderosts versuchen, einen Ausweg zu finden. Die Anbringung der Matten an zwei gegenüberliegenden Ecken erhöht deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere die Aufstiegshilfe finden und nutzen.

Die Matten werden oben eingehängt und unten fixiert – entweder durch Verschraubung an der Rostwand oder durch eine einfache Befestigung am Boden mit Erde und Steinen. Das Geflecht bietet den Tieren Halt, sodass sie daran senkrecht nach oben hochklettern können.

Der einzig nennenswerte Aufwand bei dieser Maßnahme besteht darin, dass die Weideroste selbst für den Einbau aus den Gräben gehoben werden müssen. Je nach Modell sind sie sehr schwer, sodass dafür in der Regel ein Traktor oder anderes Gerät erforderlich ist.

Daher bietet sich der Einbau der Krallmatten besonders im Rahmen der turnusmäßigen (ca. alle fünf bis acht Jahre) Reinigung der Weideroste an – ein Arbeitsschritt, bei dem die Gitter ohnehin herausgehoben und der Schacht von Laub, Erde und Ästen befreit wird. Auf diese Weise kann der Einbau der Aufstiegshilfe mit minimalem Zusatzaufwand erfolgen.

Die Matten sind robust, einfach zu montieren und über die Fachstelle erhältlich. Wer also seine Roste auf einfache Weise entschärfen möchte, kann das ohne großen Aufwand tun.

Darauf kommt es bei der Umsetzung an

  • Ausstiegskante nicht vergessen: Oft scheitern Tiere auf den letzten Zentimetern – die Tiere erreichen den Rostrand, finden aber keinen Halt. Eine kleine Überkletterhilfe genügt, damit sie sicher ins Freie gelangen.

  • Regelmäßige Kontrolle: Wie jede technische Einrichtung brauchen auch Aufstiegshilfen Pflege. Blätter, Erde oder Gras können die Matten verstopfen oder Rohre blockieren. Eine Sichtkontrolle im Frühjahr und Herbst reichen meist aus, um Funktion und Wirksamkeit sicherzustellen.

Ein Blick genügt – und Sie sehen, wie wichtig das Thema ist

Wer bei der nächsten Fahrt einmal anhält und in einen Weiderost blickt, wird überrascht sein: Oft wimmelt es dort von Insekten, Fröschen oder kleinen Reptilien. Viele überleben nicht. Mit einer einfachen Aufstiegshilfe kann jeder Land- oder Forstwirt einen direkten Beitrag leisten – sichtbar, wirksam und sofort umsetzbar.

Gerade auf Almen und in Gebirgslagen, wo zahlreiche Weidegatter und Viehsperren mit Rosten gesichert sind, lohnt sich ein genauer Blick besonders: Hier kreuzen sich häufig die Wanderwege von Fröschen, Kröten oder Molchen mit den Wirtschaftswegen der Almbauern.

Ein kleiner Eingriff an der richtigen Stelle kann unzähligen Tieren das Leben retten, ohne den Weidebetrieb oder die Wegenutzung zu beeinträchtigen.

Fazit: Kleine Maßnahme, große Wirkung

Weideroste sind notwendig – aber sie müssen keine Todesfallen sein. Mit Krallmatten, schrägen Blechen oder Auslassrohren lässt sich der Artenschutz ganz praktisch umsetzen. Die Projekte in Oberbayern zeigen, dass es funktioniert und der Aufwand minimal ist.

Wer selbst aktiv werden möchte, kann sich an die Fachstelle Waldnaturschutz Oberbayern am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg-Erding wenden. Dort erhalten Interessierte fachliche Unterstützung bei Planung und Einbau.