Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

Simon Birrer

Schweizerische Vogelwarte Sempach

Schweizerische Vogelwarte
Leiter der Abteilung "Förderung
der Vogelwelt"
CH - 6204 Sempach

Tel. +41 462 97 38 (Mo, Mi-Fr)

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Schweizerische Vogelwarte
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 54.3354.3354.3354.3354.33 (38)

Einheimische Waldvögel: Das Haselhuhn (Bonasa bonasia)

Das Haselhuhn gehört zu den heimlichsten Bewohnern unserer Wälder. Es hält sich viel am Boden auf und versteckt sich geschickt. Bei Gefahr fliegt es schon früh auf, statt sich an den Boden zu drücken. Das kleine Waldhuhn bewohnt abwechslungsreiche, grosse Wälder mit einer gut ausgebildeten Kraut- und Strauchschicht, die eine gute Deckung bieten.

Das Haselhuhn (Bonasa bonasia)
Foto: Claude Morerod

Lebensraum
Bewohnt stark strukturierte, grosse Nadel- und Mischwälder mit Weichholzarten und ausgeprägter Strauch- und Krautschicht. Nahrung und Deckung sind die bestimmenden Faktoren. Nadelwälder werden besiedelt, wenn mindestens 10–15% Nahrung bietende Laubhölzer beigemischt sind. Deckung sollte auch nach dem Laubfall im Winter vorhanden sein (z.B. tiefbeastete Tannen und Fichten).

Grünerlenbestände, einschichtige Wirtschaftswälder sowie homogene dichte Bestände ohne Lichtungen werden gemieden. Buschwald wird nur besiedelt, wenn er sehr deckungsreich ist und Weichholzarten enthält. Stark verbuschte Weiden, die an Wald grenzen, werden gerne genutzt. Stehen Winter- und Sommernahrung nicht auf kleinem Raum nebeneinander zur Verfügung, verschieben sich Haselhühner bis zu 1 km zwischen Sommer- und Wintergebiet.

Anspruch an Fläche
Aktionsraum eines Haselhuhnpaares: 30–80 ha. In günstigen Habitaten leben bis 8 Brutpaare/km2. Deckungsreiche Bestände müssen vorhanden sein, damit ein heimliches Wechseln zwischen günstigen Flächen möglich ist.

Nahrung
Ernährt sich fast ausschliesslich vegetarisch. Im Sommerhalbjahr sind Früchte (Holunder, Brombeere, Himbeere, Heidelbeere, Mehlbeere, Vogelbeere, Ahornsamen) sowie Gras- und Seggensamen die Hauptnahrung, im Winterhalbjahr Beeren und Knospen von Vogelbeere und Mehlbeere sowie Kätzchen von Haselstrauch, Birke und Erle, sofern zugänglich auch Heidelbeertriebe. Die Jungvögel ernähren sich in den ersten Lebenswochen hauptsächlich von Insekten und Spinnen.

Verhalten
Wird aufgrund seines stark ausgeprägten Deckungsbedürfnisses und der Tarnfärbung meistens erst bemerkt, wenn es aufgescheucht wird und davonfliegt. Kann bei Schneelagen in Schneehöhlen übernachten. Junge Haselhühner siedeln sich 1–2 km Distanz vom Geburtsort an.

Gefährdung

  • Rückgang grösserer Jungwaldflächen mit artenreicher Strauch- und Baumschicht.
  • Aufgabe der Niederwald- und Mittelwaldwirtschaft.
  • Reduktion der Nahrungspflanzen durch Änderung der Bewirtschaftung.
  • Eliminierung von beeren- und kätzchentragenden Pflanzen zugunsten wirtschaftlich interessanterer Baumarten.
  • Beschattung lichtbedürftiger Nahrungspflanzen infolge erhöhter Holzvorräte.
  • Lebensraumverlust infolge Reduktion der Übergangszonen zwischen Wald und Weide auf schmale Grenzlinien (Wald- Weide-Ausscheidung).


Förderung
Das Haselhuhn ist eine jener Arten, deren Ansprüche mit dem naturnahen Waldbau allein nicht genügend gedeckt werden können. Als notwendige Ergänzung zu den übrigen Naturschutzinstrumenten ist das Haselhuhn auf ein Artenförderungsprogramm angewiesen. Die Planung und Ausführung von Förderungsmassnahmen für das Haselhuhn muss für mehrere Quadratkilometer erfolgen:

  • Dafür sorgen, dass dauernd Jungwaldstadien (bis 30-jährig) vorhanden sind.
  • Ausscheiden von breiten Übergangszonen zwischen Wald und Weide, die gezielt im Verbuschungsstadium gehalten werden.
  • Hochwaldbetrieb: Schonung der Nahrungspflanzen bei der Dickungs- und Jungwaldpflege, d.h. von beerentragenden Gehölzen (Vogelbeere und Mehlbeere, Weissdorn und wilde Rose) sowie Pioniergehölzen (Zitterpappel, Weiden, Birken, Erlen, Hasel).
  • In vorratsreichen Wäldern: Fördern der lichtbedürftigen Nahrungspflanzen (Vorratsabbau).
  • Verjüngungsflächen auf mindestens 1 ha vergrössern.
  • Naturverjüngung fördern.
  • Keine forstlichen Arbeiten während der Brut- und Aufzuchtzeit (April–Mitte Juli).
  • Landwirtschaft: Verbuschung (Juraweiden) und Vordringen der Waldrandgebüsche (nicht des Waldes!) temporär zulassen.

In Laub- und Mischwaldgebieten des Juras und der Voralpen ist das Schwergewicht auf die jungen Waldstadien zu legen. In Nadelwaldgebieten der höheren Lagen kann die Lebensraumsituation auch mit kleinflächigen Eingriffen verbessert werden.

Verbreitung in der Schweiz
Im Jura westlich von Olten (SO) sowie in den nördlichen und südlichen Voralpen. In der Nordostschweiz fehlend. Höhenverbreitung montan bis subalpin mit Verbreitungsschwerpunkt zwischen 1000–1600 m.

Verbreitung des Haselhuhns

Wichtigste Merkmale: Braun, rostbraun und weiss gemustert, Schwanz mit schwarzer Endbinde (Flug!). Hahn mit schwarzer Kehle. Bei Erregung aufgestellte Federhaube. Durch Tarnfärbung gut an Vegetation und Waldboden angepasst. Stimme hoch und dünn pfeifend. Füsse teilweise befiedert. Gehört wie Alpenschneehuhn, Birkhuhn und Auerhuhn zu den Raufusshühnern.

Grösse und Gewicht: 40 cm, 300–500 g

Ähnliche Arten: Waldschnepfe: Viel längerer Schnabel. Weibchen von Birkhuhn, Auerhuhn und Alpenschneehuhn: Im Flug ohne schwarze Schwanzendbinde. Auer- und Birkhenne zudem grösser. Alpenschneehuhn mit weissenn Flügeln.

Brutort: Boden

Gelege: 21 Gelege à 7–11 Eier

Brutdauer: 25 Tage

Flugfähigkeit: nach 14 Tagen

Zugverhalten: Standvogel

Bestand in der Schweiz: 7'500–9'000 Brutpaare

Trend: Ursprünglich auch in Wäldern der Tieflagen. Langfristiger Bestandsrückgang und Arealverlust im Mittelland und im Jura.

Rote Liste Schweiz: Verletzlich

Mehr im Web

Mehr auf waldwissen.net