Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

Alois Zollner

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Biodiversität,
Naturschutz, Jagd
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

Telefon: +49 (8161) / 71 - 4156
Telefax: +49 (8161) / 71 - 4971

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 92.6792.6792.6792.6792.67 (9)

LWF-Merkblatt Nr. 42 – Mulmhöhlen – für die Artenvielfalt im Wald

Mulmhöhlen bieten einer Vielzahl von Tierarten über Jahrzehnte hinweg einen Lebensraum. Somit gelten sie als Schlüsselstrukturen für eine hohe Artenvielfalt. Bei einer integrativen Waldbewirtschaftung sollte man diese erhalten und fördern.

Mulmhöhlen und ihre Entstehung

Mulmhöhle
Abb. 1: Eingang zu einer Mulmhöhle (Foto: H. Bußler).

Mulmhöhlen sind Höhlen im lebenden Baum. Sie können in verschiedenen Baumarten entstehen. Voraussetzung sind Verletzungen wie Astabbrüche, Rindenschädigungen oder Spechthöhlen. Hier können verschiedene Organismen – Bakterien, Pilze und Insekten – eindringen und das Holz zersetzen. Durch die Aktivitäten der verschiedenen Organismen sammelt sich am Boden dieser Höhlen ein Lockersubstrat: der namensgebende Mulm. Die Höhlen bilden sich über viele Jahrzehnte und können sehr langlebig sein, abhängig von der Baumart.

Mulmhöhlen erkennen

Das auffälligste Merkmal einer Mulmhöhle ist der Höhleneingang. Er kann nur wenige Zentimeter Durchmesser haben, aber auch sehr groß sein. Aber auch hinter kleinen Höhleneingängen können sich Höhlen mit viel Volumen verbergen. Die Höhlen können nur faustgroß sein oder auch mehrere Kubikmeter fassen und am gesamten Baum, also bodennah bis in den Kronenraum, entstehen.

Bedeutung der Mulmhöhlen für die Artenvielfalt

Großer Abendsegler
Abb. 2: Ein Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) schaut aus einer Baumhöhle (Foto: A. Zahn).

Mulmhöhlen sind Lebensgrundlage für viele verschiedene Tierarten. Sie nisten hier, finden darin Unterschlupf und Nahrung. Jede Mulmhöhle ist in ihrer Struktur einmalig, unterscheidet sich in ihren Eigenschaften ganz wesentlich von allen anderen, beispielsweise in Volumen, Mikroklima oder wie stark der Mulm zersetzt ist. Da die Arten, die Mulmhöhlen nutzen ganz mannigfaltige Ansprüche haben, ist das Vorkommen von verschiedenen Mulmhöhlen für die Biodiversität im Wald sehr bedeutsam.

Die meisten Waldfledermausarten benötigen ein hohes Angebot an Höhlen, um ihre Quartiere häufig wechseln zu können (Vermeidung von Parasiten und Fressfeinden). Rund 40 % der heimischen Waldvögel zählen zu den Höhlen- und Nischenbrütern, wie z.B der Raufußkauz oder die Dohle. Sie sind für ihre Brut unmittelbar auf Höhlen angewiesen. Mulmhöhlen sind vor allem auch für Insekten bedeutend – 50 seltene und bedrohte Käferarten sind auf diesen über Jahrzehnte stabilen Lebensraum angewiesen, darunter der Eremit und der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer.

Die Mulmhöhlen so vielen verschiedenen Arten als Lebensraum dienen, sind sie ein besonders bedeutsames Element im Wald und tragen dort zu einer hohen Artenvielfalt bei.

Insektenvielfalt in Mulmhöhlen
Abb. 3: Insektenvielfalt in Mulmhöhlen

Mulmhöhlen fördern und erhalten

Einerseits dauert es sehr lange, bis Mulmhöhlen entstehen, andererseits zersetzen sie sich im Lauf der Jahre immer weiter und zerfallen letztendlich. Um die Vielfalt von Mulmhöhlen und damit auch deren Bewohner im Wald zu erhalten und zu fördern, ist Folgendes zu berücksichtigen:

Raufußkauz
Abb. 4: Die Höhle in einer Buche hat der Raufußkauz für sich entdeckt (Foto: N. Wimmer).
  • Mulmhöhlen erhalten, sofern es aus sicherheitsrelevanten Aspekten möglich ist.
  • Bäume mit bestimmten Habitatstrukturen (großflächige Verletzungen, Astabbrüche, Zwieselabrisse, Spechthöhlen) so weit möglich im Bestand belassen; sie sind die potenziellen Mulmhöhlen von morgen.
  • Wo entsprechende Strukturen fehlen, kann die Bildung von Mulmhöhlen aktiv gefördert werden, z.B. durch gezielte Rindenverletzungen oder Kappung der Krone über einem vitalen Ast.

Achten Sie als Waldbesitzer in ihrem Wald ganz generell aufmerksam auf Habitatstrukturen und deren Erhalt. Damit unterstützen Sie die Artenvielfalt sehr einfach und wirkungsvoll.

Mehr im Web

Mehr auf waldwissen.net