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Dr. Andreas Hahn

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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In und an der Eiche

Die Eiche beleben nicht nur sehr viele Insektenarten, auch zahlreiche Pilzarten finden an und in ihr ein Zuhause. Diese Baumart ist besiedelt wie keine Zweite bei uns und damit wichtig für die Biodiversität in unseren Wäldern.

Von allen heimischen Baumarten leben in und an der Eiche die meisten Insektenarten. Sie hat wie kaum eine andere Baumart in den mitteleuropäischen Wäldern eine Vielzahl von pilzlichen Begleitern, die vom Keimling bis zum Baumstumpf zu beobachten sind.

Inhalt

Puppenräuber
Abb. 1: Der Große Puppenräuber verfolgt Schwamm- und Prozessionsspinnerraupen (Foto: H. Bußler).
 
Nashornkäfer
Abb. 2: Der Nashornkäfer entwickelt sich in hölzernen Nageresten anderer Käferarten an Alteichen (Foto: H. Bußler).
 
Heldbock
Abb. 3: Der Heldbock ist für Bayern nur noch aus Bamberg bekannt (Foto: L. Straßer).
 
Edelscharrkäfer
Abb. 4: Der Edelscharrkäfer ist die seltenste Rosenkäferart in Bayern (Foto: H. Bußler).
 
Breitschulterbock
Abb. 5: Der Breitschulterbock wurde 1997 zum letzten mal in Nordbayern nachgewiesen (Foto: H. Bußler).
 
Blauer Eichenzipfelfalter
Abb. 6: Der Blaue Eichenzipfelfalter entwickelt sich an Eichen (Foto: W. Schön).
 
Eichenseidenspinner
Abb. 7: Die Raupe des Japanischen Eichenseidenspinners entwickelt sich zum größten Schmetterling in Mitteleuropa (Foto: W. Schön).

Insekten – wärmeliebende Fauna an der Eiche

Allein von den beiden Ordnungen der Großschmetterlinge und der Käfer sind schon sehr viele Arten an Eichen nachgewiesen. Bekannt sind 179 Großschmetterlingsarten, über 500 holzbesiedelnde Käfer und etwa 500 weitere phytophage, mycetophage und räuberische Arten. Die Eiche darf damit als eine der artenreichsten Baumarten der heimischen Flora betrachtet werden, wobei bislang nicht zwischen der Fauna an Trauben- und Stieleiche unterscheiden wurde.

Faktoren für die Vielfalt

Diese Vielfalt begründet sich auf verschiedenen Faktoren. Die Gattung Quercus ist entwicklungsgeschichtlich wesentlich älter als beispielsweise unsere Rotbuche (Gattung Fagus). Auch sind die Eichen nach der letzten Eiszeit etliche tausend Jahre früher als die Rotbuche nach Deutschland zurückgekehrt, so dass eine längere Phase der Koevolution zwischen den Tierarten und den Eichen stattfinden konnte. Da Rinde, Holz, Blätter und Früchte der Eichen gerbstoffhaltig sind, musste eine spezielle Anpassung stattfinden, um diese chemische Abwehr zu überwinden. Deshalb finden sich auffällig viele monophage Arten unter den Schmetterlingen und Käfern an Eiche.

Die Eichen, insbesondere die Traubeneiche (Quercus petraea), ist in wärmeren und niederschlagsärmeren Landschaften vertreten. Sie dringt weiter als die Buche in submediterrane und subkontinentale Gebiete vor. Grundsätzlich sind wärmebegünstigte Landschaften insektenreicher als kühl-feuchte Standorte.

Als eine der langlebigsten heimischen Baumarten, mit Einzelbaumaltern über 1.000 Jahren, bietet die Eiche ein stabiles Habitat. Alte Eichen bilden somit eine Brücke in die Vergangenheit, was auch für höhlenbrütende Arten sehr vorteilhaft ist. Pilze zersetzten an älteren Eichen durch Braunfäule das Kernholz, ohne die lebenswichtige Versorgung mit Wasser und Nährstoffen zu beeinträchtigen. Somit schaffen sie langlebige Höhlenstrukturen für Insekten, Vogel- und Fledermausarten. Bäume mit großvolumigen Höhlen sind in unseren Wirtschaftswäldern die seltensten Strukturelemente.

Außerdem ist die Eiche ein Totasterhalter, man findet an lebenden Eichen größere Mengen an abgestorbenem Ast- und Kronenholz. An lebenden Mittelwaldeichen wurden bis zu 20 Festmeter Totholz pro Hektar gemessen. Somit konnte die Eichenfauna auch in extrem totholzarmen Zeiten, beispielsweise nach den Weltkriegen, an den Biotopbäumen überdauern.

Käfer – die größten an der Eiche

An Eichen wurden bisher in Mitteleuropa über 1.000 Käferarten nachgewiesen. Auch Einzelbäume sind extrem artenreich und Lebensraum seltener Reliktarten. Von den 115 Urwaldreliktarten Deutschlands nutzen 66 Arten Eichen als Habitatbaum. Viele der größten Käferarten Mitteleuropas entwickeln sich am und im Eichenholz:

  • Hirschkäfer (Lucanus cervus)
  • Heldbock (Cerambyx cerdo, Abb. 3)
  • Breitschulterbock (Akimerus schaefferi, Abb. 5)
  • Eremit (Osmoderma eremita)
  • Großer Goldkäfer (Protaetia aeruginosa)
  • Veränderlicher Edelscharrkäfer (Gnorimus variabilis, Abb. 4)
  • Nashornkäfer (Oryctes nasicornis, Abb. 2)

Einer der farbenprächtigsten Laufkäfer Europas, der Große Puppenräuber (Calosoma sycophanta), ist als Raupenjäger ebenfalls eng an Eichen (Abb. 1) und das Vorkommen der assoziierten Schmetterlingsarten Schwammspinner (Lymantria dispar) und Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) gebunden.

16 Borkenkäferarten leben an Eichen. Die häufigste heimische Art ist der Eichensplintkäfer (Scolytus intricatus). Im Kronenstratum nordbayerischer Eichenwälder ist der aus Ostasien eingeschleppte Amur-Borkenkäfer (Cyclorhipidion bodoanum) die häufigste Art. Im bodennahen Bereich von Eichenmischwäldern ist ebenfalls der aus Asien stammende Schwarze Nutzholzborkenkäfer (Xyleborus germanus) die häufigste Borkenkäferart.

Auch etliche Arten der Rüsselkäfergattung Curculio entwickeln sich in den Eicheln (Curculio glandium, venosus, pellitus und elephas) oder in den Gallen von Gallwespen auf Blättern und Eicheln (Curculio pyrrhoceras und villosus).

Prachtkäfer sind ständige Mitglieder der Eichenfauna. Im forstlichen Fokus steht hier der Zweipunkt-Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus) als Sekundärschädling. 16 weitere, zum Teil hochgradig gefährdete Prachtkäferarten, leben ebenfalls an den Eichen.

Großschmetterlinge – prachtvoll und reizend

179 Großschmetterlingsarten, darunter 30 monophage, sind an der Gattung Quercus bekannt. Bei vielen handelt es sich um thermophile bzw. xerothermophile Reliktarten, die in Deutschland gefährdet sind.

Nur zwei Tagfalterarten entwickeln sich an Eichen, der Braune (Satyrium ilicis) und der Blaue Eichen-Zipfelfalter (Quercusia quercus, Abb. 6).

Zu den Eulenfaltern, von denen 63 Arten an Eichen vorkommen, gehören auch die Ordensbänder. Monophag an Eiche entwickeln sich das Große Eichenkarmin (Catocala sponsa), das Kleine Eichenkarmin (Catocala promissa) und das Braune Ordensband (Minucia lunaris).

Spanner sind mit 59 Arten, Spinner mit 55 Arten an Eichen vertreten, darunter sechs bzw. zehn monophage Arten. Der Japanische Seidenspinner (Antheraea yamamai) wurde in Slowenien zur Seidengewinnung eingeführt und entkam von hier ins Freiland (Abb. 7). Massenvermehrungen von Schwammspinner (Lymantria dispar) und Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) sind keine Erscheinungen der neueren Zeit, große Gradationen wurden bereits 1853 dokumentiert.

Pilze – vielfältig geformte Begleiter vom Keimling bis zum Baumstumpf

Eichenmehltau
Abb. 8: Der Eichenmehltau bildet sein Myzel auf der Oberseite der Blätter und sorgt für eien frühzeitige Blattwelke.
 
Eichenfeuerschwamm
Abb. 9: Unter dem extrem harten Fruchtkörper des Eichenfeuerschwamms bauen Spechte gern ihre Höhlen.
 
Eichenwirrling
Abb. 10: An seiner lederartigen, langgestreckten Röhrenschicht ist der Eichewirrling gut zu erkennen.
 
Schmutzbecherchen
Abb. 11: Schmutzbecherchen auf der Rinde einer frisch gefällten Eiche.
 
Eichenmosaikschichtpilz
Abb. 12: Der Eichenmosaikschichtpilz ist im Spessart noch häufiger an Eichentotholz zu finden.
 
Ochsenzunge
Abb. 13: Leberschierling oder Ochsenzunge am Stammfuß einer alten Eiche.
 
Tropfender Schillerporling
Abb. 14: Alter Fruchtkörper des Tropfenden Schillerporlings an einem Eichenstamm.
 
Spindeliger Rübling
Abb. 15: Fruchtkörper des Spindeligen Rüblings deuten auf eine weit fortgeschrittene Wurzelfäule (Fotos 8-15: M. Blaschke).

Schon die auf dem Boden liegenden Eicheln können unangenehm mit Pilzen in Kontakt kommen. Die Schwarze Eichelfäule (Ciboria batschiana) kann ganze Eichensaaten zerstören. Der Pilz bildet kleine trompetenartige Fruchtkörper, die im Herbst aus den mumifizierten Eicheln des Vorjahres hervorbrechen.

In den ersten Jahren und ganz besonders unmittelbar nach der Pflanzung sind Eichen sehr empfindlich gegenüber einem Befall durch Pilze der Gattung Hallimasch Armillaria sp.

Jungen Eichen wird auch die Eichenwurzelfäule oft zum Verhängnis, weil die Bäume in dem Alter kaum in der Lage sind, einen Schaden zu kompensieren. Diese Wurzelfäule kann durch mehrere Pilzarten hervorgerufen werden. Am auffälligsten ist ein Befall durch Cylindrocarpon destructans. Seine cremefarbenen Sporenlager sind auf der Wurzeloberfläche mit bloßem Auge gut erkennbar. Diese Pilzarten treten aber erst nach einer Vorschädigung der Eichen, beispielsweise nach zu starkem Wurzelschnitt oder extremen Trocken- bzw. Nassphasen, vermehrt auf.

An der Wurzel der Eiche können auch verschieden Arten der Gattung Phytophthora zu massiven Schäden führen. Die Parasiten zerstören insbesondere viele Feinwurzeln und stören somit die Wasser- und Nährstoffaufnahme der Bäume. An der Eiche sind oberirdische Symptome durch Phytophthora nur selten zu beobachten.

Auf den Blättern der Eiche finden sich zahlreiche Blattpilze. Viele von ihnen leben endophytisch in den Blättern, ohne zunächst groß aufzufallen. Zu den häufigsten Vertretern zählt die Blattbräune der Eiche Apiognomonia quercina. Zunächst entstehen auf den Blättern unregelmäßige, hellbraune Blattflecken. Die Hauptfruchtform wird erst im folgenden Jahr auf den abgeworfenen Blättern am Boden gebildet, wenn wieder frische Blätter an den Bäumen ausreifen und neu infiziert werden können.

Bekanntester Blattpilz überhaupt ist sicherlich der Eichenmehltau Erysiphe alphitoides Syn. Microsphaera alphitoides (Abb. 8). Als Besonderheit bildet er sein Hyphensystem nicht im Verborgenen, sondern entwickelt einen Großteil seiner Pilzfäden auf dem Blatt und sticht von dort immer wieder mit Infektionshyphen in die Blattzellen hinein. Durch die Unmengen an Hyphen entsteht der typische weiße Belag auf den Blättern und Trieben. Daran ist der Eichenmehltau im Sommer und Herbst gut zu erkennen. Eichenmehltau ist ausgesprochen wirtsspezifisch und streng an die Eiche gebunden.

Einer der ersten Zersetzer fehlt in keinem Eichenbestand, der über das Kulturstadium hinausgewachsen ist. Auf dünnen Eichenzweigen finden sich regelmäßig lippenförmige Fruchtkörper des Eichen-Schildbecherlings (Colpoma quercinum).

Am Stammholz der Eiche gibt es eine Vielzahl von Pilzfruchtkörpern mit enormer Formenvielfalt. Da sind die extrem harten, allseits braunen, dauerhaften und auch mehrjährigen Fruchtkörper des Eichenfeuerschwamms (Phellinus robustus, Abb. 9). Auch unverwechselbar sind die Konsolen des Eichenwirrlings (Daedalea quercina, Abb. 10). Ganz im Gegensatz dazu steht das Schmutzbecherchen (Bulgaria inquinans) mit seinen geleeartigen, schwarzen Becherchen (Abb. 11).

Der Eichenmosaikschichtpilz (Xylobolus frustulatus) setzt seinen mehrjährigen, aufgerissenen Rindenpilz-Belägen jedes Jahr eine neue Schickt auf (Abb. 12). Der Pilz bevorzugt stärkeres Eichenholz und tritt gerne an im Wald verbliebenen Stammabschnitten auf. Daher gilt er als Zeiger naturnaher Wälder wie auch der Igelstachelbart (Hericium erinaceus). Letzterer bildet seine Fruchtkörper an alten anbrüchigen Eichen und Buchen oder an starkem, liegendem Totholz dieser beiden Baumarten aus.

Eichenbesiedler sind auch der seltene Klapperschwamm (Grifola frondosa) oder der Eichenhase (Dendropolyporus umbellatus). Der Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) gilt gut durchgegart sogar als Speisepilz, allerdings nehmen die Konsolen bei der Eiche so viele Gerbsäuren auf, dass diese Exemplare bitter schmecken. Auch der Pilz mit dem größten Fruchtkörper in Deutschland, der Riesenporling (Meripilus giganteus) kann an der Eiche auftreten. Durch die Fäule, die dieser Pilz an den Wurzeln der Eichen verursacht, kann der Baum unvermittelt umstürzen.

Einen ganz charakteristischen Fruchtkörper bildet Ochsenzunge oder Leberschierling (Fistulina hepatica, Abb. 13). Die fleischigen, rötlichen Konsolen des Pilzes sehen nicht nur wie eine Zunge aus, das Fruchtfleisch hat auch eine faserige Konsistenz und gibt bei Verletzungen eine blutrote Farbe ab.

Der Tropfende Schillerporling (Inonotus dryadeus) beginnt als faustgroße Knolle, die mit hunderten von Tropfen übersät ist, im Sommer aus der Rinde herauszuwachsen. Später kann er eine Größe von über 60 Zentimetern erreichen und erinnert im Winter oft an die mehrjährigen Konsolen von Lackporlingen (Abb. 14).

Zahlreiche Lamellenpilze finden im weiteren Verlauf der Holzzersetzung ihr Auskommen auf der Eiche. Ein charakteristischer Vertreter unter ihnen ist der Buntstielige Helmling (Mycena inclinata). Am Stammfuß der Eichen kann auch der Spindelige Rübling (Collybia fusipes) auftreten (Abb. 15). Treten seine Fruchtkörper auf, ist das ein Hinweis auf Schäden am Wurzelsystem.

Unter den Schlauchpilzen ist der gefürchtete Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta) auch an der Eiche hin und wieder ein Problem. Seine schwarzen, kohleartigen Fruchtkörper sind zwischen der dickborkigen Rinde der Eiche nur schwer auszumachen. Wenn sie erscheinen, hat der Pilz schon eine massive Fäule im Holzkörper verursacht.

Viele Arten besitzen als Mykorrhiza-Pilze eine ganz enge Bindung an die Eichen. Dazu gehören die Eichenrotkappe (Leccinum quercinum), der Purpurschwarze Täubling (Russula atropurpurea), der Eichenmilchling (Lactarius quietus), der Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) oder der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). 

Eichen – wichtig für die Biodiversität

Eichen sind in Bayerns Wäldern wichtige Träger der Artenvielfalt und liefern einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in Bayern. Häufig ist dabei ihre künstliche Verjüngung durch Saat oder Pflanzung erforderlich, in Laubwaldgebieten gegebenenfalls auch gegen die Dominanz der Rotbuche.

Literatur

Artikel aus der LWF Wissen 75:

Mehr im Web

Podcast: Die Traubeneiche – Baum des Jahres 2014 auf www.forstcast.net

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