Die Frage, wie unsere Wälder in Zeiten des Klimawandels aussehen sollen, hat in den zurückliegenden Jahren noch einmal deutlich an Dringlichkeit gewonnen. Dürresommer, Schädlingsbefall und Sturmereignisse haben nicht nur der Fichte und Kiefer zugesetzt, sondern mancherorts auch heimische Baumarten wie Buche oder sogar Eiche geschwächt. Bei der Suche nach wärme- und trockenheitstoleranten Waldbäumen kommen daher auch andere Baumarten in den Blick – darunter die Roteiche aus Nordamerika. Sie ist längst mehr als nur ein Zierbaum in Parks: Mit rund 64.000 Hektar Anbaufläche ist sie heute die am weitesten verbreitete, nichtheimische Laubbaumart Deutschlands. Doch wie geeignet ist sie wirklich für die Wälder der Zukunft? Und welches Risiko birgt ihr Anbau?

Die Roteiche ist eine Amerikanerin

Die natürliche Heimat der Roteiche ist das östliche Nordamerika. Ihr gewaltiges Verbreitungsgebiet erstreckt sich über 20 Breitengrade – von den Südstaaten der USA bis nach Kanada nördlich der Great Lakes. Entsprechend groß ist die klimatische Spannweite: Winter mit mittleren Temperaturen von -10 Grad werden ebenso toleriert wie Sommer mit über 25 Grad Durchschnittstemperatur. Die Jahresniederschläge liegen in diesem Gebiet bei 760 bis über 2.000 Millimeter. 

Der Anbauschwerpunkt in Europa reicht vom Baskenland bis nach Südschweden. Hier sind die Winter viel milder und die Sommer trockener als in der natürlichen Heimat der Roteiche. Diese große klimatische Spanne spricht für eine hohe Toleranz der Roteiche – macht es aber auch schwer, sie einzuschätzen.

Die Roteiche wächst schnell und kommt auch mit nährstoffarmen, sauren Böden gut zurecht. Im Vergleich zu den heimischen Eichen zeichnet sie sich vor allem durch eine höhere Schattentoleranz aus. Letztere ermöglicht einen Voranbau z.B. in lichten Kiefernwäldern – sowohl auf sauren als auch auf günstigeren Standorten, wo eine starke Auflichtung die Brombeere begünstigen würde. Ihre Schattentoleranz erlaubt aber auch Mischungen mit Buche, Hainbuche oder Linde. Als Mischbaumart trägt sie zur Risikosenkung bei – ganz nach dem Motto: “Wer streut, rutscht nicht”. 

Außerdem wissen wir aus dem nordamerikanischen Verbreitungsgebiet, dass sie höhere Temperaturen toleriert, als für Mitteleuropa im Klimawandel zu erwarten sind - unter dem Vorbehalt, dass auch die Niederschläge in diesen Gebieten höher sind als bei uns. 

Nicht übersehen: die Kehrseite der Medaille

Kritiker warnen vor allem vor ökologischen Risiken von Roteichenbeständen. Als nichtheimische Baumart verändert die Roteiche die Flora und Fauna unserer Wälder. Solange sie in Mischbeständen auftritt, sind aber keine Nachteile für die Biodiversität zu befürchten. Allerdings wurde beobachtet, dass die Roteiche durch ihre Wüchsigkeit und Schattentoleranz die heimischen Eichen mit ihrer reichhaltigen Fauna auf extremen Standorten wie den trocken-sauren Kuppenlagen der Sächsischen Schweiz zurückdrängen kann.

Die häufig angeführte schlechte Zersetzbarkeit der Streu ist eines von mehreren Argumenten gegen Roteichenreinbestände. Beim Einbringen in Nadelholzbeständen kann die Roteiche allerdings sogar zu einer Streuverbesserung beitragen. 

Aus Waldschutzsicht, also mit Blick auf die Anfälligkeit von Baumarten gegenüber Krankheiten und Schädlingen, zeigt sich die Roteiche in Mitteleuropa bislang erfreulich robust. Sie wird nur von wenigen blattfressenden Insekten wie Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner befallen und zeigt ein höheres Regenerationsvermögen als Stiel- und Traubeneichen. In Nordamerika verursachen holzbrütende Käfer wie der Roteichenbock (Enaphalodes rufulus) und pilzliche Erreger wie die Eichenwelke (Ceratocystis fagacearum) große Schäden. Beide sind in Europa zum Glück noch nicht nachgewiesen. Bei uns sind Wurzelfäulen das größte Waldschutzthema: Besonders der Spindelige Rübling (Gymnopus fusipes) gefährdet Bestände auf kalkreichen, trockenen Standorten. Er sollte daher bei Anpflanzung und Bewirtschaftung beachtet werden.

Klimawandel: Was kann die Roteiche in Bayern bieten?

Die LWF erforscht seit Jahren, unter welchen klimatischen und standörtlichen Bedingungen heimische und nichtheimische Baumarten mit geringem Anbaurisiko gedeihen. Unter den heutigen Klimabedingungen ist die Roteiche in fast ganz Bayern gut geeignet, Ausnahmen bilden nur die Höhenlagen in den Alpen und ostbayerischen Mittelgebirgen sowie stau-, grundnasse oder sehr kalkhaltigen Standorte

Knackpunkt: Wie verträgt sie warm-trockenes Klima?

Geht man im Klimawandel von einer Temperaturerhöhung um 2 bis 3 Grad und einer Abnahme der Sommerniederschläge um bis zu 10 % aus, so ändert sich ihre Anbaueignung vor allem in Unterfranken. Auf der fränkischen Platte und am Untermain erhöht sich das Risiko dann merklich, weshalb dort nur eine Beimischung in geringen Anteilen empfohlen wird. Weder in Nordamerika noch in Europa gibt es bisher gesicherte Erfahrungen zum Anbau der Roteiche in einem warm-trockenen Klima. 

Die Einschätzung eines höheren Anbaurisikos bei warm-trockenem Klima beruht daher auf einer vorsichtigen und datenbasierten Bewertung. Einzelbeobachtungen aus vergangenen Dürrejahren könnten allerdings auf eine höhere Trockentoleranz hinweisen.

Ihre Wüchsigkeit, Schattentoleranz und ihre geringen Nährstoffansprüche sowie ein bislang unauffälliges Schadgeschehen und ihre Wärmetoleranz machen die Roteiche in weiten Teilen Bayerns zu einer attraktiven Alternative im Klimawandel. Schon heute wird sie beispielsweise beim Umbau von Kiefernreinbeständen verwendet. Um negativen Auswirkungen auf die Biodiversität und Streuqualität zu vermeiden und möglichen Waldschutzrisiken vorzubeugen, sollte die Roteiche nur im Mischbestand angebaut werden. Die Einbringung sollte in Trupps oder Gruppen erfolgen, da sie sich in Mischungen mit heimischen Baumarten zum Teil dominant verhält, was zu einem höheren Pflegeaufwand führen kann. Standorte mit hohem Kalkgehalt oder hoch anstehendem Grund- und starkem Stauwasser sollten gemieden werden.

Wo die Gefahr besteht, dass die Roteiche aufgrund ihrer Wuchskraft heimische Eichen verdrängt, sollten die einheimischen Eichenarten bevorzugt werden. Die heimischen Eichen sind für die Artenvielfalt unverzichtbar. Durch getrennte Bestandsbegründung, in räumlicher Nähe zu heimischen Eichen, lassen sich aber die Effekte der geringeren Artenausstattung der Roteiche abmildern. In Schutzgebieten ist die Roteiche nur unter Einhaltung der Schutzziele und gebietsspezifischen Vorgaben einsetzbar. 

Unsicherheiten bestehen noch hinsichtlich der Trockenheitstoleranz. Weder das natürliche Verbreitungsgebiet in Nordamerika noch das europäische Anbaugebiet zeichnen sich durch eine ausgesprochene Sommertrockenheit aus. Die bisherigen Beobachtungen der Wuchsreaktionen nach den Dürrejahren 2018 bis 2020 geben zwar erst einen begrenzten Einblick, aber auch Anlass zur Hoffnung. Alles in allem ist die Roteiche weder Allheilmittel noch Schreckgespenst. Beachtet man die oben genannten Einschränkungen, so kann sie in weiten Teilen Bayerns als eine attraktive Mischbaumart unsere Bestände bereichern.

LWF Wissen 89 – Beiträge zur Roteiche: Die Roteiche – Baum des Jahres 2025 – steht im Mittelpunkt der neuen Ausgabe von LWF Wissen. Ist Quercus rubra eine klimaresiliente Chance für den Waldumbau oder eine naturschutzfachliche Risikobaumart? Die Beiträge beleuchten botanische und genetische Grundlagen ebenso wie waldbauliche Erfahrungen aus 300 Jahren Anbau in Europa. Fachautorinnen und -autoren widmen sich Fragen der Biodiversität, der Eignung für neue Anbauräume in Bayern und der Nutzung auf Störungsflächen. Auch mögliche Risiken, etwa im Hinblick auf Bodenvegetation und Invasivität, werden differenziert betrachtet. Die LWF Wissen können sie hier bestellen oder downloaden.