In Mehrtrichter-Fallen, die mit einer Lockstoffmischung aus Monochamol, Ipsenol, Methyl-Butenol und α-Pinen beködert waren, wurden vier Arten der Gattung gefangen, namentlich M. galloprovincialis, M. sutor, M. sartor und M. saltuarius. Dieser Versuch zeigt die Tauglichkeit der vorhandenen, für M. galloprovincialis entwickelten Fallen und Lockstoffpräparate zum Fang aller Arten der Gattung.

Die durch den Kiefernholznematoden Bursaphelenchus xylophilus verursachte Kiefernwelke stellt eine der größten Bedrohungen für die europäische Forstwirtschaft dar. Seit ihrem ersten Auftreten in Portugal 1999 verursacht die Krankheit enorme Schäden in den Kiefernwäldern. Einzelne Einschleppungsherde in Spanien konnten bislang mit größtem Aufwand immer wieder bekämpft werden. Dennoch muss eine Ausbreitung der Kiefernwelke am europä­ischen Kontinent befürchtet werden. Die EU-Mitgliedstaaten haben jeweils Notfallpläne entwickelt, um für den Ernstfall gerüstet zu sein (Tomiczek 2014), ebenso werden systematische Surveys durchgeführt.

Ein zentraler Punkt im Krankheitsgeschehen ist die Übertragung der Nematoden von infizierten auf gesunde Wirtsbäume. Hier dienen adulte Käfer der Gattung Monochamus als Vektoren: Die Nematoden besiedeln den noch in der Puppenwiege im Holz liegenden, gerade entwickelten Käfer. Wenn dieser nach seinem Schlupf zum Reifungsfraß und auch später zur weiteren Ernährung an die Zweige gesunder Bäume geht, verlassen die Nematoden ihren Vektor und dringen durch die Fraßwunden in den neuen Wirtsbaum ein.

Die Ausrottung der Nematoden in Neueinschleppungsgebieten und die Eindämmung der Ausbreitung in Befallsgebieten sind ganz wesentlich von der Kontrolle der Vektoren abhängig.

Vektoren der Nematoden

In Portugal und Spanien sind nur Kiefernarten von der Welke betroffen, es gelten jedoch ebenso andere Nadelhölzer wie Fichten oder Lärchen als empfindliche Wirte für B. xylophilus. Sollte es an der Fichte in Mitteleuropa auch zu keiner letalen Form der Welke kommen, ist zu erwarten, dass diese dennoch von den Nematoden befallen werden und so ein Reservoire für die Krankheitserreger darstellen kann.

Alle in Europa heimischen Monochamus-­Arten entwickeln sich bevorzugt entweder an Kiefer oder Fichte, somit sind alle als potenzielle Vektoren in Betracht zu ziehen. Sie sind sekundäre Holz-/Rindenbrüter, die ihre Eier an geschwächten, besonders liegenden (z.B. windgeworfenen), von Borkenkäfern befallenen oder von Feuer geschädigten Wirtsbäumen ablegen. Entsprechend gelten sie in ers­ter Linie als technische Schädlinge (Grundzüge der Biologie und Entwicklung).

Europäische Monochamus-Arten und Lockstoffentwicklung

In Europa kommen fünf Arten der Gattung Monochamus vor, namentlich M. galloprovincialis, M. sutor, M. sartor (M. sartor sartor und M. sartor urussowi), M. saltuarius und M. impluviatus (Wallin et al. 2013). Die ersten vier Arten kommen in Österreich vor (Abbildung 1 und 2), M. impluviatus erreicht seine westliche Verbreitungsgrenze im europä­ischen Russland. Von den bei uns heimischen Arten geht M. galloprovincialis bevorzugt auf Kiefern (Pinus sylvestris und P. nigra), wo Äste und dünnrindige Bereiche der Stämme befallen werden, die anderen drei auf Fichte.

Die am weitesten verbreitete Art, der Schusterbock, M. sutor, ist in den Pyrenäen sowie in Skandinavien in erster Linie an Kiefern anzutreffen, in den Alpen ist die Fichte der bevorzugte Wirt. Dort geht der Schusterbock in schwache Stämme (Stangenhölzer) bzw. Stammbereiche geringerer Dimension.

Der Schneiderbock, M. sartor sartor, bevorzugt dagegen die unteren Bereiche großer Fichten. Die Unterart wird im nördlichen und östlichen Europa von M. sartor urussovi abgelöst. Der samtfleckige Fichtenbock, M. saltuarius, entwickelt sich in stärkeren Ästen und Wipfeln von Fichten. Er kommt auch in Ostasien vor, wo er als ein Vektor von B. xylophilus nachgewiesen wurde (Hellrigl 1971 und 1974, Akbulut und Stamps 2011, Wallin et al. 2013).

Monochamus-Arten bedienen sich zur Wirtsbaumfindung wie zur innerartlichen Kommunikation einer Reihe volatiler Substanzen. Männliche wie weibliche Käfer reagieren auf baumbürtige Duftstoffe, wie z.B. das Monoterpen α-Pinen, und vor allem auf Komponenten von Borkenkäfer-Pheromonen (Allison et al. 2001, Ibeas et al. 2007). Letztere weisen verlässlich auf befallstaugliche Bäume hin.

Zusätzlich produzieren Monochamus-Männchen 2-Undecyloxy-Ethanol (als Monochamol bezeichnet), das als Aggregationspheromon wirkt und bei verschiedenen Monochamus-Arten nachgewiesen wurde (Pajares et al. 2010, Teale et al. 2011, Pajares et al. 2013). So konnten für M. galloprovincialis wirksame Lockstoffgemische entwickelt werden, die aus den Borkenkäfer-Pheromonkomponenten Ipsenol und Methyl-Butenol sowie Monochamol bestehen, allenfalls noch ergänzt durch α-Pinen. Diese Mischung der Komponenten erweist sich auch fürSchneider- und Schusterbock als fängisch (Halbig et al. 2014).

Monitoring in Österreich

In Österreich starteten wir 2013 eine Untersuchung über das Vorkommen und die Flugaktivität von Monochamus spp. An neun Standorten (Lagekarte siehe Originalartikel) auf unterschiedlicher Seehöhe und in unterschiedlichen Waldtypen wurden während der vermuteten Flugperiode von Mai bis Oktober 2013 Lockstoffallen installiert und wöchentlich geleert.

 

Fallenstandort (Polit. Bezirk) Seehöhe Hauptbaumarten
B Baden Mitterberg I (Baden)330 mPinus nigra
B Baden Mitterberg II (Baden)330 mPinus nigra
W Weyersdorf (St. Pölten Land)458 u. 508 mPicea abies, Pinus sylvestris
N Naßwald Waldeben (Neunkirchen)1240 mPicea abies, Larix decidua
N Naßwald Rainerboden (Neunkirchen)1239 mPicea abies, Fagus sylvatica
OSt. Oswald (Murtal)1490 mPicea abies, Larix decidua
PPöls Reiterberg (Murtal)930 mPicea abies, Larix decidua, Pinus sylvestris
RRagglbach (Wolfsberg)583 mPicea abies, Pinus sylvestris
GGerlitzen (Feldkirchen)1490 mPicea abies, Larix decidua

Es wurden Mehrtrichter-Fallen (Econex, Spanien) verwendet. Diese für M. galloprovincialis entwickelten Fallen sind teflonbeschichtet und haben große, belüftete Fangbecher, so dass sie auch für Lebendfang geeignet sind. Um in unserem Fall Totfang zu ermöglichen, wurden die Fangbehälter mit Stücken von pyrethroidhältigen Insektizidnetzen (Storanet® von BASF, Deutschland) ausgestattet.

Die Standorte ersteckten sich von tieferen Lagen am Rand des Wiener Beckens, über montane Standorte in den Alpen bis zu tieferen Lagen in Unterkärnten. Als Lockstoff wurde Galloprotect-2D (SEDQ, Spanien) verwendet, ein Gemisch bestehend aus Monochamol, Ipsenol und Methyl-Butenol, verstärkt durch α-Pinen (SEDQ, Spanien). Die Lockstoffe wurden alle sechs Wochen erneuert. Das Monitoring wurde 2014 mit teils geänderten Fallenstandorten wiederholt; hier ist die Auswertung der Daten noch nicht abgeschlossen.

Insgesamt zeigten sich für 2013, das erste Jahr des Flugmonitorings, große Unterschiede im Vorkommen und der Häufigkeit der Monochamus-Arten (Tabelle 1).

Tabelle 1: Gesamtfang von Käfern der Gattung Monochamus an den Fallenstandorten im Jahr 2013
 FangperiodeM. galloprovincialisM. sutorM. sartorM. saltuarius
Baden I22.5.-30.10.13143000
Baden II22.5.-30.10.1391000
Weyersdorf (2 Fallen)16.5.-17.10.134004
Nasswald, Waldeben24.5.-1.11.130195920
Nasswald, Rainerboden24.5.-1.11.130265573
Pöls6.5.-14.10.13411400
St. Oswald6.5.-14.10.13021200
Gerlitzen3.6.-28.10.13019410
Ragglbach3.6.-28.10.1321900


Der Gesamtfang pro Falle lag zwischen acht Käfern der Gattung in Weyersdorf im Dunkelsteiner Wald und 325 Käfern am Standort Rainerboden in Naßwald. Am häufigsten ging, nicht zuletzt aufgrund der gewählten Untersuchungsgebiete, M. sutor in die Fallen, die Art war in Hochlagen häufiger und fehlte in den tieferen Lagen im östlichen Österreich. An diesen Standorten wurde nur M. galloprovincialis – besonders im Schwarzkieferngebiet bei Baden – und in Weyersdorf mit wenigen Exemplaren auch M. saltuarius gefangen.

Flugverlauf

Der früheste Fang der Gattung waren zwei M. galloprovincialis am 5. Juni in Baden, die mittlere Temperatur in der dem Fang vorangegangenen Woche betrug 12,3 °C. In der Folgewoche stieg die Temperatur auf 18,8 °C, was zu einem deutlichen Anstieg der Fangzahlen führte. Das Maximum wurde zwischen Ende Juni und Anfang Juli erreicht.

Der Fang von M. sutor setzte nur unwesentlich später ein. Die ersten Exemplare wurden am 10. Juni in der auf 1490 m hoch gelegenen Falle auf der Gerlitzen gefunden (mittlere Temperatur der vorangegangenen Woche war 11,1 °C). Auch auf den anderen Standorten setzte der Fang Mitte Juni ein. Über die Standorte hinweg lässt sich kein klarer Flughöhepunkt für M. sutor festlegen; hohe Fangzahlen gab es von Sommerbeginn bis Anfang August.

Der Fang von M. sartor begann zugleich oder bis zu einer Woche nach M. sutor, allerdings zeigte die Art einen späteren Flughöhepunkt (Mitte Juli bis Mitte August).

Alle Arten waren ab Flugbeginn die ganze Fallensaison hindurch anzutreffen, die letzten Exemplare wurden Ende Oktober gefangen. Kurze Unterbrechungen lassen sich durch Temperatureinbrüche, wie z.B. Ende Juni, und niederschlagsreiche Perioden erklären. An allen Standorten war ein signifikanter Zusammenhang zwischen mittlerer Temperatur und Fangzahlen erkennbar, besonders für M. sutor waren diese beiden Variablen meist eng korreliert (mehr zur Interpretation siehe Originalartikel).

Resümee

Der vorliegende, erste mehrmonatige Einsatz von Fallen zur Überwachung des Fluges bestätigt die Attraktivität des Lockstoffgemisches nicht nur für M. galloprovincialis, sondern auch für die anderen in Österreich heimischen Monochamus-Arten.

Wie die Zusammensetzung aus baumbürtigem α-Pinen und Borkenkäfer-Pheromonkomponenten allerdings erwarten lassen, ist dessen Spezifität nicht sehr hoch. Neben Monochamus reagierten auch andere Bockkäfer, besonders Zangenböcke (Rhagium spp.), der Waldbock Spondylus buprestoides und der Halsgrubenbock Arhopalus rusticus, stark, ebenso weitere xylobionte Käfer, wie Prachtkäfer (Buprestidae) und Stachelkäfer (Mordellidae).

Durch die Borkenkäfer-Duftstoffe wurden auch Prädatoren angelockt, allen voran die Ameisenbuntkäfer-Arten Thanasimus formicarius und T. rufipes. Besonders dürfte α-Pinen die Lockwirkung für viele Nichtzielarten erhöhen (Halbig et al. 2014). Dieses baumbürtige Monoterpen steigert zwar auch den Fang von Monochamus, da dieser Effekt aber nicht immer signifikant ist, sollte vom Einsatz bei Fallen zu Monitoringzwecken davon Abstand genommen werden. Die Kombination von Monochamol, Ipsenol und Methyl-Butenol ist ausreichend fängisch.

Mit dem hier getesteten Fallentyp und Lockstoff steht ein sehr wirksames Werkzeug für die Überwachung des Fluges der bei uns heimischen Monochamus-Arten zur Verfügung. Dieses wird schon jetzt im Rahmen der Kiefernholznematoden-Surveys eine wichtige Rolle spielen, da so potenzielle Vektoren lebend gefangen und auf die Präsenz der Nematoden untersucht werden können. In Einschleppungsgebieten der Kiefernwelke stellt der Vektorfang eine zentrale Maßnahme im Bekämpfungskonzept dar.

Originalartikel und Literaturverzeichnis