Waldbericht 2015: Zustand und Nutzung des Schweizer Waldes

Der Waldbericht informiert über den Zustand des Schweizer Waldes. Die Datengrundlagen stammen aus einem umfassenden Waldmonitoring, das in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut wurde und eine vertiefte Zustandsanalyse erlaubt. Der Bericht vermittelt Einblicke in den Wald in all seinen Facetten und dient als Nachschlagewerk für Fachleute und Laien.

Wie geht es dem Schweizer Wald? Welche Leistungen erbringt er? Und wie steht es um seine Nachhaltigkeit? Der Waldbericht 2015, erstellt von Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis, geht diesen Fragen nach. Er informiert über den Wald und legt dessen Entwicklung seit dem letzten Waldbericht von 2005 dar.

Die Antworten fallen je nach Fokus der Fragestellung verschieden aus und verweisen auf den Zustand des Schutzwaldes, die Entwicklung der Biodiversität oder den Erfolg der Waldwirtschaft. Dabei lässt der vorliegende Bericht zwei umfassende Folgerungen zu:

  1. Der Zustand des Waldes ist nie statisch, denn dieser passt sich laufend den sich verändernden Umweltbedingungen an. Diesen Wandel, der für das menschliche Auge nicht immer leicht erkennbar ist, zeigt der Bericht dank der langfristigen Waldbeobachtung eindrücklich auf.
  2. Die Autorinnen und Autoren beurteilen den Zustand des Schweizer Waldes insgesamt und momentan als verhältnismässig gut. Doch im Wissen um die Veränderungen in der Vergangenheit und die sich für die Zukunft abzeichnenden grossen Herausforderungen stellt sich die Frage: Bleibt dies auch in den nächsten 10 Jahren so, oder beobachten wir zurzeit die Ruhe vor dem Sturm? Einige der anstehenden Herausforderungen sind jetzt schon spürbar. Dazu zählen der Klimawandel oder hierzulande bislang unbekannte und gefährliche Schadorganismen. Daneben zeigt die Vergangenheit, dass immer wieder neue Gefahren hinzukommen können, mit denen wir heute nicht rechnen.

Datengrundlagen

Der Waldbericht 2015 untersucht, wie sich der Zustand des Schweizer Waldes seit dem Erscheinen des letzten Waldberichts im Jahr 2005 entwickelt hat. Beide Waldberichte basieren auf den Indikatoren von Forest Europe. Ihre Resultate sind deshalb direkt vergleichbar und können mit denen der internationalen Berichterstattung verglichen werden. Die Ergebnisse der Indikatormessungen ermöglichen eine Beurteilung, ob der Schweizer Wald nachhaltig genutzt wird. Voraussetzung dafür sind langjährige Datenreihen zum Zustand des Ökosystems Wald. Diese stammen aus dem umfassenden Waldmonitoring, das seit den 1980er-Jahren durchgeführt wird. Im Weiteren müssen langfristige Ziele definiert werden. Diese hat der Bund in der Waldpolitik 2020 festgesetzt.

AUSGEWÄHLTE ERGEBNISSE

1) Ressourcen

Schweizer Wald bedeckt knapp ein Drittel der Landesfläche. Die Waldfläche nimmt im Alpenraum seit 150 Jahren zu, allein seit dem Waldbericht 2005 um 7 Prozent. Die Bestände sind vielerorts dichter geworden. Auch der Holzvorrat hat um weitere 3 Prozent zugenommen, wenn auch nicht mehr so stark wie in der Vorperiode. Im Mittelland hat der Vorrat sogar abgenommen, hauptsächlich bei der Fichte um fast ein Drittel. Mit der Zunahme des Vorrates ist auch die CO2-Senkenleistung des Waldes gestiegen.

2) Waldgesundheit und Vitalität

Seit 2005 ist der Schweizer Wald von verheerenden Stürmen verschont geblieben. Die atmosphärischen Schwefeleinträge haben weiter abgenommen. Hingegen wird das Nährstoffgleichgewicht von Bäumen nach wie vor durch hohe Stickstoffeinträge und zunehmende Bodenversauerung gestört. Kronenverlichtung und Mortalität verhalten sich im langjährigen Mittel stabil, zeigten aber infolge von Trockenheit und Insektenbefall zeitweise eine starke Zunahme. Die Einschleppungsrate von fremden Tier-, Pflanzen-und Pilzarten ist seit 2005 weiter deutlich gestiegen. Der fortschreitende Klimawandel wird für den Wald und die Waldwirtschaft in Zukunft eine wachsende Herausforderung darstellen.

3) Nutzung

Seit dem Waldbericht 2005 haben sowohl der Holzzuwachs wie der Holzvorrat kontinuierlich zugenommen, während die verkaufte Holzerntemenge zurückging. Im selben Zeitraum ist die Ernte von Stamm-und Industrieholz gesunken und diejenige von Energieholz gestiegen. Im Wald werden neben Holz auch Nichtholzprodukte wie Waldhonig, Wildbret oder Pilze genutzt beziehungsweise geerntet. Bei den Nichtholzprodukten fällt die Esskastanie auf: Ihre Ernte ist aufgrund des Befalls durch die Edelkastanien Gallwespe regelrecht eingebrochen. In der Schweiz regelt das Waldgesetz die Waldnutzung. Die Waldplanung setzt es um und stellt die Nachhaltigkeit aller Waldfunktionen sicher.

4) Biodiversität

Der Wald spielt für die Erhaltung der Biodiversität in der Schweiz eine zentrale Rolle. Seit dem Waldbericht 2005 wurde bereits rund die Hälfte der bis 2030 geplanten Waldreservate eingerichtet, und die Bestände der Waldvögel, der Grossraubtiere und des Schalenwildes sind angestiegen. Trotz dieser positiven Entwicklungen bestehen weiterhin einige Defizite. So sind im Tiefland lichte Wälder und späte Phasen der Waldentwicklung mit alten Bäumen und Totholz selten,und die Anzahl der gefährdeten Arten hat gesamthaft nicht abgenommen.

5) Schutzwald

Wälder schützen das Grundwasser als wichtige Trinkwasserressource vor Verunreinigungen, indem ihre Böden die Schadstoffe zurückhalten und das gereinigte Wasser in die Tiefe sickern lassen. Die Qualität des Trinkwassers aus Waldgebieten ist daher gut. Wälder bieten den Menschen auch Schutz vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag und Murgängen. Die Schutzwirkung hat sich gegenüber 2005 zwar verbessert, indem die Wälder dichter wurden. Der zunehmende Mangel an Verjüngung und der vermehrte Verbiss der jungen Bäume durch wilde Huftiere stellen aber langfristig die Schutzwirkung in Frage.

6) Sozioökonomie

Das Kriterium Sozioökonomie stellt den Bezug der Wald- und Holzwirtschaft zur Gesellschaft dar. Im Vordergrund stehen hierbei ökonomische und soziale Aspekte der nachhaltigen Waldbewirtschaftung in der Schweiz. Seit dem letzten Waldbericht von 2005 haben die Bedeutung und die Verflechtung dieser Aspekte offenbar weiter zugenommen – so zum Beispiel der Einfluss der Bevölkerung auf die Bewirtschaftung des Waldes. Nutzungskonflikte sind dabei vermehrt Ursache und Folge. Die Holzproduktionsleistung und die Dienstleistungen des Waldes wie Schutz oder Erholung werden zunehmend integraler betrachtet, wobei die Erstere wieder an Bedeutung gewinnt. Verursacht wird diese Entwicklung unter anderem durch die Energiewende, aber auch durch die allgemein schwierige wirtschaftliche Situation der Betreiber und Partner der Schweizer Waldwirtschaft.

Interne Links