In der Forstwirtschaft lassen sich zwei Produktionsstufen unterscheiden: Zur ersten Produktionsstufe zählen die Bestandesbegründung, die Jungwaldpflege, der Forstschutz, die Wildschadenverhütung oder die Schlagräumung. Die zweite Produktionsstufe umfasst die Holzernte, das Einmessen, den Holzschutz sowie den Holztransport.

Als Ergänzung der bestehenden Holzernteproduktivitätsmodelle HeProMo hat die Forschungsanstalt WSL Produktivitätsmodelle zu folgenden Bereichen der ersten Produktionsstufe entwickelt:

  1. Pflanzung
  2. Wertastung
  3. Z-Baum-Durchforstung
  4. Austrichtern im Jungwuchs
  5. Wildschutz (Einzelschutz und Zaun)
  6. Massnahmen gegen Schneegleiten
  7. Begehungswege erstellen

Die Auswahl der Modelle erfolgte aufgrund einer 2018 durchgeführten Umfrage bei allen forstlichen Revier- und Betriebsleitern in der Schweiz. Diese konnten bestimmen, welche Arbeiten der ersten Produktionsstufe von der Praxis als wichtig erachtet und durch Kalkulationsgrundlagen unterstützt werden sollten. Mit der Software JuWaPfl (abgekürzt für Jungwaldpflege), die alle sieben Produktivitätsmodelle beinhaltet, lassen sich anhand einiger wichtiger Eingangsgrössen Zeit­aufwand, Produktivität und Kosten für die verschiedenen Prozesse der ersten Produktionsstufe schätzen resp. vor­kalkulieren.

Bentuzeroberfläche

Die Abbildung 2 zeigt die grafische Benutzeroberfläche am Beispiel des Modells für die Wertastung. Die Benutzeroberflächen aller Modelle sind grundsätzlich gleich aufge­baut. Im grau hinterlegten Feld werden die jeweiligen Eingabegrössen eingegeben oder in den Drop-down-Feldern ausge­wählt. Im gelb hinterlegten unteren Teil erscheinen die Ergebnisse zu Zeiten und Kosten für die jeweils wichtigen Positio­nen sowie das Total. Zeiten und Kosten werden in der Regel sowohl pro Einheit (Baum, Bauwerk, etc.) wie auch pro Fläche ausgewiesen. Bei Veränderung einer Eingangsgrösse werden die Ergebnisse automatisch nachgeführt. Damit lässt sich der Einfluss einer bestimmten Eingangsvariablen auf die Zeiten und die Kosten einfach und rasch überprüfen.

Am oberen Rand der Benutzeroberflä­che unter "Datei" findet sich das Grundla­gendokument zum jeweiligen Modell als PDF-Datei. Darin ist ersichtlich, wie die Arbeitsverfahren definiert sind, welche Daten dem Modell zugrunde liegen, wie das Modell aufgebaut ist und welchen Anwendungsbereich es hat. Am selben Ort befindet sich die Möglichkeit, ein Datenblatt mit allen Eingabewerten und Ergebnissen als PDF-Datei zu erstellen. Damit kann eine Kostenschätzung elektronisch archiviert oder auch ausgedruckt werden. Unter "Wäh­rungseinheit" können die Anschriften der entsprechenden Ein- und Ausgabefelder von CHF auf EUR umgestellt werden. Bei Bedarf ist die Aufnahme weiterer Währungseinheiten möglich.

Bei denjenigen Eingabefeldern, bei denen Unklar­heiten auftreten könnten, wurden runde blaue Info-Buttons eingefügt, hinter denen sich ein Textfeld mit Erläuterungen findet. Solche Info-Buttons dienen stellenweise auch dazu, Zusammenhänge im Modell zu erläutern, um damit dem Benutzer die Anwendung des Modells zu erleichtern.

Anwendungsbereiche

Primäre Anwender der Modelle werden die Forstbetriebe sein. Die Forstpraxis verfügt mit der Software wie­der über eine verlässliche Quelle, um ihre für die erste Produktionsstufe verwendeten Ressourcen mit einer Referenz zu verglei­chen. In der Lehre kann mit dem Instru­ment zum Beispiel anschaulich aufgezeigt werden, welches die kostenverursachen­den Prozesse in der ersten Produktionsstufe sind und von welchen Faktoren die Kosten hauptsächlich abhängen. Auch Verfahrens­vergleiche als Grundlage betrieblicher Entscheidungen bieten sich als Übungs­aufgaben an. Den Verwaltungsstellen bei Bund und Kantonen wird das Instrument nützliche Dienste bei der Festlegung und der Überprüfung von Subventionsansätzen leisten können, bei Aufwandberechnungen im Rahmen von Waldwertschätzungen und für weitere ähnliche Anwendungen.

Schliesslich steht mit JuWaPfl auch eine weitere Grundlage für wissenschaftliche Anwendungen zur Verfügung. So werden beim Landesforstinventar beispielswei­se die Holzernteproduktivitätsmodelle HeProMo eingesetzt, um Zeit- und Kos­tenaufwände zu berechnen. Die neuen Ju­WaPfl-Modelle könnten hier eine wertvolle Grundlage für quantitative Analysen der ersten Produktionsstufe bilden.

Ausblick

Im Laufe der Projektbearbeitung hat sich gezeigt, dass es sinnvoll wäre, einzelne Berechnungsmodelle mit weiteren Teilar­beiten zu ergänzen. Als Beispiel sei hier das Modell Wildschutz erwähnt, bei welchem der Einzelschutz mit Kunststoffmanschette aufgenommen werden könnte. Dies Methode hat in der Praxis in den letzten Jahren eine grössere Verbreitung gefunden.

Gegenwärtig ist die Benutzeroberflä­che der Software nur in deutscher Sprache verfügbar. Die Autoren streben an, dass JuWaPfl bald auch in französisch, ita­lienisch und englisch verfügbar sein wird.

Download

Produktivitätsmodelle für die Jungwaldpflege: JuWaPfl.jar (18 MB). Falls Sie beim Herunterladen Probleme haben, so verwenden Sie bitte die zip-Datei: JuWaPfl.zip (18 MB). Diese enthält die jar-Datei. Die Software benötigt keine Installation. Sie läuft sowohl auf Windows- wie auch auf Apple-Systemen. Die jar-Datei kann direkt und ohne Installation per Doppelklick gestartet werden. Auf Ihrem Computer muss dazu eine aktuelle Java-Version installiert sein.

Windows-Nutzer: Falls der Start mittels Doppelklick auf JuWaPfl.jar nicht funktioniert, obwohl Java auf dem Computer installiert ist, können Sie die Datei JuWaPfl.exe ins gleiche Verzeichnis wie JuWaPfl.jar kopieren und anschliessend JuWaPfl mittels Doppelklick auf JuWaPfl.exe starten.

 

(TR)