Das Mauswiesel (Mustela nivalis) ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder und steht in der Schweiz auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten und landesweit unter Schutz.

Verbreitung und Biologie

Das Mauswieselist das kleinste Raubtier in der Schweiz. Der Schwanz ist kürzer als beim Hermelin und die Spitze nie schwarz. Auch das Mauswiesel kann je nach Region in ein weisses Winterfell wechseln. Beim winterbraunen Mauswiesel ist die Trennungslinie zwischen der braunen Ober- und der weissen Unterseite meist wellenförmig. Beim winterweissen Mauswiesel hingegen verläuft die Linie im Sommerkleid wie beim Hermelin gerade.

Das Mauswiesel ist vor allem tagsüber und in der Dämmerung aktiv, im Winter zum Teil aber auch nachts. Das Mauswiesel kann von der Ebene bis in die Berge vorkommen, sofern es ausreichend Deckung und genügend Wühlmäuse oder andere Kleinnager findet. Ob offene Landschaft oder Wald spielt dann keine grosse Rolle. Ruheplätze liegen oft in Hecken, Gebüschen, Steinmauern, Steinhaufen, Hochstauden- und Unkrautfluren. Die Nester legt es jedoch meist in Baumhöhlen, Stein- oder Holzhaufen an, im Sommer auch in unterirdisch in Wurzelhöhlen, erweiterten Wühlmausnestern, oderHamstergängen. Im Winter trifft man die Tiere an geschützteren Plätze wie zum Beispiel in Scheunen und Ställe oder Dachböden an.

In freier Wildbahn können Mauswiesel zwischen drei und fünf Jahren alt werden. Allerdings ist ihre Sterblichkeit im ersten Lebensjahr sehr hoch. Zu ihren natürlichen Feinden zählen unter anderem Greifvögel, Eulen, Füchse oder Hermeline - eine grössere Wieselart. In Gefangenschaft werden Mauswiesel bis zu neun Jahre alt.

Nahrung

Aufgrund seiner kleinen Körpergrösse muss das Mauswiesel im Verhältnis zum eigenen Körpergewicht viel Nahrung zu sich nehmen. Der durchschnittliche Nahrungsbedarf liegt etwa bei einem Drittel seines Körpergewichts, während der Säugezeit verdoppelt er sich. Vor allem Wühlmäuse stehen auf dem Speiseplan, aber auch Spitzmäuse, Vögel, Eidechsen, Insekten, Würmer oder sogar Aas werden bei Gelegenheit gefressen. Ist viel Nahrung vorhanden, legt das Mauswiesel Vorräte an. Das Mauswiesel ist in hohem Grad von den Wühlmäusen abhängig. Je nach Beuteangebot können die Populationen stark schwanken und das Mauswiesel kann sehr häufig, dann aber auch wieder selten sein.

Vorkommen

Das Mauswiesel ist auf der nördlichen Halbkugel weit verbreitet. In den subtropischen und tropischen Gebieten fehlt es. In der Schweiz kommt es von der Ebene bis in Höhen von etwa 2700 m ü.M. vor. Von offenen Landschaften bis hin zu Wäldern kann das Mauswiesel beinahe alle Biotope besiedeln, vorausgesetzt es findet genügend Nahrung und Deckung. In landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen werden Flächen besiedelt, wenn sie genügend Deckung gebende Strukturen wie Hecken, Gebüsche, Steinmauern und -haufen, Hochstauden- und Unkrautfluren enthalten.

Vom Mauswiesel gibt es im Kanton Luzern mit einer Ausnahme Nachweise aus allen Regionen. Nur aus den Luzerner Rigi-Gemeinden ist uns bis jetzt keine Beobachtung bekannt. Die wenigen Nachweise und die grossen Lücken widerspiegeln vermutlich vor allem die schwere Beobachtbarkeit des Mauswiesels, da es sich häufig unterirdisch in den Mausgängen fortbewegt. Im Winter, wenn man anhand von Spuren die anderen Marder recht gut nachweisen kann, ist es beim Mauswiesel wiederum schwierig. Es bewegt sich bei tiefem Schnee meist unter dessen Oberfläche fort.

Im Kanton Thurgau wurde 2023 mithilfe von Freiwilligen das Vorkommen des Mauswiesels erforscht. Dabei wurden neben Sichtbeobachtungen auch mit Spurentunneln und Fotoboxen gearbeitet. Die so erhobenen Daten helfen mit, das Bild über die aktuelle Verbreitung der Art im Thurgau zu vervollständigen. Neben den Feldarbeiten fanden zusätzlich diverse Anlässe und Exkursionen über diese interessante Tierart statt, um die Aufmerksamkeit und das Verständnis auf dieses kleine Raubtier zu lenken. 

Auch in anderen Kantonen wurden Anstrengungen unternommen, den Mauswieselbestand festzustellen und die Lebensräume zu sichern und zu vernetzen.

Gefahren

  • Verlust von Lebensraum infolge Zersiedelung, Zerstückelung und intensiver, großflächiger Landwirtschaft.
  • Fressfeinde sind Füchse, Hermeline, Katzen, Greifvögel und Eulen.
  • Verkehr: Das Strassennetz ist in Mitteleuropa oft sehr dicht. Fehlen Wildtierunterführungen oder Grünbrücken, können Strassen den Mauswieseln zum Verhängnis werden.

Schutz

Die erste internationale Schutzbemühung für diese gefährdete Tierart erfolgte 1979 durch die Berner Konvention, in deren Anhang III das Mauswiesel zu den schutzbedürftigen Tierarten gezählt wurde, die nur im Ausnahmefall bejagt oder auf andere Weise genutzt werden dürfen. 

In der Schweiz wird das Mauswiesel auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten aufgeführt und steht landesweit unter Schutz. Dem Populationsrückgang wird hier mit diversen Wieselförderprojekten begegnet. Auf der Webseite von Wieselnetz können sie dazu nähere Details zu bereits abgeschlossenen oder aktuellen Projekten erfahren.

Verlässliche Daten über das Vorkommen dieser Wieselart fehlen leider vielerorts, so auch im Schweizer Mittelland, im Jura und im Alpenraum kann die Art dagegen häufiger nachgewiesen. Nur durch systematische wissenschaftliche Untersuchungen könnte festgestellt werden, wie häufig die beiden Wiesel heute noch vorkommen und ob es allenfalls grössere oder kleinere Verbreitungslücken gibt. Darüberhinaus sind aber auch Zufallsbeobachtungen interessant.
Auch im benachbarten Ausland fehlen genauere Angaben über Verbreitung und Häufigkeit der Mauswiesel weitgehend.

Um dem Rückgang der Mauswiesel in der Schweiz entgegenzuwirken und Populationen gesamtschweizerisch zu sichern fördert WIN Wieselnetz die Art mit dem Projekt “Wiesellandschaft Schweiz” systematisch. Dazu wird in je einem ost-west-Band und einem nord-süd-Band durch die ganze Schweiz mit Hilfe von intensiven Förder- und Vernetzungsmassnahmen eine Reihe von Populationsräumen aufgewertet oder geschaffen, in denen Mauswiesel auch unter ungünstigen Bedingungen (z.B. bei geringem Nahrungsangebot) nie vollständig aussterben. Im Rahmen des Projekts wurde auch ein Konzept für Erfolgskontrolle entwickelt, um mit diesem Instrument festzustellen, ob die Ziele der Massnahmen erreicht wurden. Zwischen 2012 und 2017 wurden die folgenden regionalen Wieselförderprojekte lanciert , die nun von den angeführten Institutionen getragen werden:

  • Kt. Aargau: Wieselförderprojekt “Jurapark Aargau”, Jurapark Aargau
  • Kt. Zürich: Wieselförderprojekt “Irchel”, Verein Naturnetz
  • Kt. Bern: Wieselföderprojekt “Seeland” Biotopverbund Grosses Moos
  • Kt. Thurgau: Wieselförderprojekt “Kemmental”
  • Kt. Schaffhausen: Wieselförderprojekt “Schaffhausen”: Naturpark Schaffhausen
  • Kt. Basel-Landschaft: Wieselförderprojekt “Tafeljura”: Erlebnisraum Tafeljura
  • Kt. Solothurn: Wieselförderprojekt “Thal”: Naturpark Thal– Kantone Zürich und Aargau: – Wieselförderprojekt “Studenland-Bachsertal”: IG lokaler Naturschutzvereine
  • Kantone Zürich und Thurgau: Wieselförderprojekt “Weinland-Seerücken”: Verein für eine lebendige Landschaft
  • Kantone Luzern, Bern, Aargau: Wieselförderprojekt “Pfaffern-, Rot- und Wiggertal”: natur region zofingen
    Weitere Gebiete in der Schweiz, in welchen Institutionen Förderprojekte für Wiesel und andere Bewohner der Kulturlandschaft durchführen, sind das Bündner Rheintal (Pro Natura Graubünden); die Gemeinden Schänis, Weesen und Amden Graubünden (Stiftung Lebensraum Linthebene); das Unterbaselbiet Basel-Landschaft (Solidago Naturschutz); Gros-de-Vaud VD (Pro Natura Schweiz); die Naturpärke Gantrisch Bern/Fibourg; Parc du Doubs Bern/Jura/Neuenburg; Parc régional Chasseral Bern/Neuenburg; Parc Jura Vaudois Waadt, arc naturel régional Gruyère – Pays-d’Enhaut Fribourg/Waadt und UNESCO Biosphäre Entlebuch Luzern; die Reussebene Uri (WWF Uri) und das Gebiet am Zimmerberg Zürich (Wiesel & Co am Zimmerberg).

Fördermassnahmen

Die wichtigsten Fördermassnahmen: Lebensräume strukturieren und vernetzen. 

Mauswiesel sind auf gut strukturierte Lebensräume mit dichter Vegetation angewiesen. Neben einem guten Nahrungsangebot brauchen die Tiere ausreichend Versteckmöglichkeiten. Liegende, hohle Baumstämme, Ast- und Laubhaufen, Steinhaufen- und Mauern oder auch Hecken können solche Verstecke bieten. Da die Art erheblichen Bestandsschwankungen unterliegt, können lokale Bestände erlöschen. Neu einwandernde Tiere sind aber in der Lage, diese Gebiete wieder besiedeln. Daher ist die Vernetzung der bestehenden Lebensräume enorm wichtig.

Dieser Beitrag ist Teil des umfassenden Beitrags Marder im Kanton Luzern (2005), ergänzt und aktualisiert von der Redaktion waldwissen.net der WSL.