Die quantitative Erfassung von Baum-Mikrohabitaten und Totholz an Einzelbäumen und in Baumgruppen kann genutzt werden, um sich der ökologischen Wertigkeit von Einzelbäumen und Baumgruppen in bewirtschafteten Wäldern anzunähern. Aber wie können diese Strukturen praktisch erfasst werden? Welche Zusatzinformationen sind wichtig? In welchem Umfang sollten sie erfasst werden? Und wie könnten die Erhebungsflächen aussehen?

Im vorliegenden Methodenleitfaden werden zwei Aspekte in den Fokus gestellt:

  1. Möglichkeiten zur baumbezogenen Erfassung von biodiversitätsrelevanter Strukturen, dies sind insbesondere Baum-Mikrohabitate und Totholz.
  2. Erfassung von Einzelbäumen oder Baumgruppen variierender Flächengröße (im Gegensatz zu herkömmlichen Inventurverfahren mit festen Flächengrößen).

Die nachfolgenden Erläuterungen sollen als Anregung und Grundlage verstanden werden und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die hier vorgestellten Methoden können an die jeweilig individuellen Zielsetzungen anderer Biodiversitätsprojekte angepasst werden. Der vorliegende Methodenleitfaden ist eine Anleitung zur Kartierung von Einzelbäumen und Baumgruppen, am Beispiel von Elementen des in Baden-Württemberg umgesetzten Alt- und Totholzkonzepts. Einzelne Bestandteile und die hier beschriebenen Größen sollten situationsbedingt abgeändert, ergänzt und reduziert werden. Eine Übertragung der hier vorgestellten Methodik auf ein Erhebungsverfahren mit festgelegten Probeflächengrößen (etwa Probekreisinventuren) ist ebenso möglich.

Hintergrund

Ein wesentliches Instrument zur Biodiversitätsförderung im Wald ist die Stilllegung oder der vorübergehende Nutzungsverzicht von Wäldern und Waldteilen. Nutzungsfreie Wälder im Sinne von Prozessschutzflächen sind ein wesentliches Element des Waldnaturschutzes, welches im Staatswald Baden-Württembergs durch unterschiedliche, teils segregative (Bannwälder, Großschutzgebiete) und teils integrative (Alt- und Totholzkonzept) Konzepte umgesetzt wird. In großen Prozessschutzflächen auf Landschaftsebene wird die Walddynamik in Form von systematischen Wiederholungsinventuren, basierend auf einem Stichprobenraster mit kreisförmigen Stichprobenflächen untersucht. Auch bei Waldrefugien, im Rahmen der Forsteinrichtung ausgewiesene Prozessschutzflächen auf der Ebene von Waldbeständen, kann ein Vorgehen mit Stichprobenflächen gleicher Größe als Grundlage zur Erfassung dienen. Als integrative Prozessschutzelemente werden in diesem Kontext einzelne Habitatbäume und auch Habitatbaumgruppen (Abb. 1) bezeichnet. Dies können lebende oder tote Bäume sein, die einzeln oder gruppiert als Prozessschutzelement markiert und dauerhaft von der forstlichen Bewirtschaftung ausgenommen sind.

Die Herausforderung von Probeflächen unterschiedlicher Größe

Im Gegensatz zu flächigen Prozessschutzelementen wird eine systematische Inventur von integrativen Prozessschutzelementen variabler Größe und Gestalt mit einem Probekreisverfahren nicht möglich sein. Kleinere Prozessschutzelemente benötigen ein anderes Aufnahmedesign. Im Folgenden werden die im Rahmen dieses Projekts für gut befundenen und erprobten Aufnahmemethoden für Habitatbaumgruppen vorgestellt. Sie lassen sich jedoch problemlos auf andere Probeflächen oder Einzelbäume übertragen. Habitatbaumgruppen (HBG) sind Prozessschutzelemente welche im Rahmen der Waldbewirtschaftung in den Beständen durch die Revierleitungen ausgewiesen, markiert und kartiert werden. Sie variieren in ihrer Größe und Form. Die Begrenzung einer HBG wird über die Randbäume, welche im baden-württembergischen Staatswald in der Regel mit einer Wellenlinie markiert sind, definiert (Abb. 2).

Ausblick

Die Erhebungen der im Methodenleitfaden vorgestellten biodiversitätsrelevanten Waldstrukturen, Baum-Mikrohabitate und Totholz, stellen einen Ansatz dar, die ökologische Wertigkeit an Bäumen und in Wäldern für waldbewohnende Organismen zu quantifizieren. Dieser Methodenleitfaden soll als Anhaltspunkt dienen, wie eine solche Erhebungen auch für Einzelbäume und unterschiedlich großen Baumgruppen durchgeführt werden kann. Das Einbeziehen aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, als auch die Verwendung von Definitionen und Erfassungskriterien stellt eine solide Grundlage für zielgerichtete und reproduzierbare Inventuren dar. Zudem soll die Verwendung von Open-Source-Software die Anwendbarkeit erleichtern. Langzeitdaten im Kontext von biodiversitätsrelevanten Waldstrukturen sind bislang spärlich verfügbar und decken oftmals eine vergleichsweise grobe Detailschärfe ab. Umso wichtiger ist es, Inventuren in diesem Kontext auf eine fundierte Basis zu stellen, um gegebenenfalls zukünftige Wiederholungskartierungen zu erleichtern und eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen.