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Artikel

Autor(en): Heino Konrad, Silvio Schüler, Thomas Geburek
Redaktion: BFW, Österreich
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Dynamische Generhaltung stellt Funktionen unserer Wälder sicher

Die Erhaltung der genetischen Vielfalt der österreichischen Waldbestände ist eine Grundvoraussetzung zur Sicherstellung der ökologischen und ökonomischen Funktionen unserer Wälder. Diese Vielfalt ist heute durch verschiedene Faktoren gefährdet, wie z. B. Klimawandel, Fragmentierung der Landschaft und der Ausbreitung eingeschleppter Forstschädlinge.

Die Erhaltung der forstgenetischen Vielfalt rückte erstmals im Zuge der Waldsterbens-Thematik ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde daher in vielen europäischen Ländern damit begonnen, Generhaltungsmaßnahmen für Waldbäume zu setzen. Neben der Anlage von Generhaltungssamenplantagen (ex situ) sind vor allem in situ-Generhaltungswälder eine wichtige Maßnahme, um die natürlichen Anpassungsprozesse auf genetischer Ebene im Wald zu erhalten.

In situ-Generhaltung in größeren Waldbeständen

Unter in situ-Generhaltung versteht man die Erhaltung einer genetischen Ressource in ihrem ursprünglichen Ökosystem. Diese Art der Generhaltung fokussiert auf die Erhaltung von großen Waldbeständen über Generationen hinweg, um deren natürliches Anpassungsvermögen zu erhalten. Voraussetzung dafür ist Naturverjüngung oder die Kunstverjüngung mit Saatgut aus demselben Bestand. Sämlinge anderer Herkünfte, die möglicherweise nicht an die lokalen Bedingungen angepasst sind, sollten keinesfalls verwendet werden.

Abbildung 1: Generhaltungswälder werden so bewirtschaftet, dass sich mehrschichtig aufgebaute Bestände entwickeln, in denen ständig Auslese- und Anpassungsprozesse stattfinden können.  Bild: BFW
Abbildung 1: Generhaltungswälder werden so bewirtschaftet, dass sich mehrschichtig aufgebaute Bestände entwickeln, in denen ständig Auslese- und Anpassungsprozesse stattfinden können.  Bild: BFW

Einerseits bleiben bei dieser dynamischen Methode die natürlichen Selektionsprozesse erhalten, andererseits aber auch die gesamten ökosystemaren Eigenschaften des betroffenen Waldes.

Überdies ist es im Vergleich zu ex situ-Erhaltungsmaßnahmen in Samenplantagen, Klonsammlungen und Samenbanken die sicherste und auch ökonomisch einfachste Möglichkeit, das genetische Material von Baumpopulationen lebensfähig zu erhalten.

339 Generhaltungswälder und Genreservate

Insgesamt sind derzeit in Österreich 339 Generhaltungswälder bzw. Genreservate registriert. Diese Flächen umfassen fast 9.800 ha Wald und bilden  die 21 österreichischen Waldgesellschaften ab. In diesen Wäldern sind gezielte waldbauliche Eingriffe zur Förderung der Naturverjüngung ausdrücklich erwünscht, denn ohne Reproduktion und Regeneration können die Gene nicht weitergegeben werden. Ideal sind lange Verjüngungszeiträume, an denen möglichst viele Baumindividuen unterschiedlichen Alters beteiligt sein sollten (Video zu Generhaltungswäldern, in dem der Lebensweg der Samen bis zum großen Baum erklärt wird).

Die Auswahl der Generhaltungswälder erfolgte auf der Basis der natürlichen Waldgesellschaften. Waldgesellschaften, die infolge ihrer Seltenheit, ihres reliktischen Charakters, ihrer Lage am Arealrand oder auf Sonderstandorten besonders erhaltenswert sind, wurden nach Möglichkeit besonders berücksichtigt.

Abbildung 2: Verteilung der Generhaltungswälder in Österreich. Einige Lücken und „Überbelegungen“ sind deutlich erkennbar. Bild: BFW
Abbildung 2: Verteilung der Generhaltungswälder in Österreich. Einige Lücken und "Überbelegungen" sind deutlich erkennbar. Bild: BFW

Einheitliche Datenbank für Europa

Auf europäischer Ebene wurden im Zusammenhang mit der Initiative Forest Europe zahlreiche Maßnahmen zur Erhaltung der genetischen Vielfalt der Wälder durchgeführt. Die Plattform EUFGIS bietet allen Interessierten die Möglichkeit, sich über die Generhaltungsbemühungen, insbesondere die Generhaltungswälder, in Europa zu informieren. Diese Datenbank dient auch als Informationsquelle für Forschungszwecke; außerdem wurden die Anforderungen an diese Genreservate europaweit vereinheitlicht.

Die Analyse der - nun einheitlich definierten - dynamischen Generhaltungswälder zeigt, dass das gegenwärtige Netzwerk an Erhaltungseinheiten noch Lücken im Hinblick auf ökologische und genetische Repräsentativität aufweist und dass zahlreiche Einheiten aufgrund des rasch fortschreitenden Klimawandels stark gefährdet sind.

Abbildung 3: Verteilung der Generhaltungswälder am Beispiel der Rotbuche in Europa. Grün hinterlegt: natürliche Verbreitung. Sterne zeigen die Lage der Generhaltungswälder an. Auch hier gibt es viele Lücken. Bild: Bioversity International
Abbildung 3: Verteilung der Generhaltungswälder am Beispiel der Rotbuche in Europa. Grün hinterlegt: natürliche Verbreitung. Sterne zeigen die Lage der Generhaltungswälder an. Auch hier gibt es viele Lücken. Bild: Bioversity International

Forstliche Generhaltungsmaßnahmen versus Naturschutzkonzepte

In ganz Europa stellt die fehlende Anbindung von forstlichen Generhaltungsmaßnahmen an andere Naturschutzsysteme ein Problem dar. Die Hauptursache dafür liegt vermutlich in den unterschiedlichen Bewirtschaftungssystemen: Während bei Generhaltungswäldern Bewirtschaftungsmaßnahmen ausdrücklich erwünscht sind, dürfen in Naturschutzgebieten oder den Kernzonen der Nationalparks keinerlei Eingriffe durchgeführt werden, denn sie "stören" die Ziele dieser Schutzgebiete.

Auch hier sollte es möglich sein, einen Mittelweg zu finden, da in vielen Fällen auch andere Organismengruppen von strukturgebenden Eingriffen (Durchforstung, Gruppenhiebe, etc.) profitieren können.

Bestandesdaten unvollständig

Eine weitere Schwierigkeit vieler Generhaltungseinheiten in Europa besteht darin, dass aktuelle Daten über den Zustand der Bestände nicht vorhanden sind; beispielsweise gibt es für rund 50 Prozent aller Generhaltungswälder in Europa keine Informationen über ihren Verjüngungszustand. Bei der Anlage wurde oft nicht bedacht, dass entsprechende Pflegekonzepte entwickelt, implementiert und auch kontrolliert werden und dass dafür langfristig finanzielle Mittel bereitgestellt werden müssen.

Generhaltungsprogramm wird evaluiert

Die Erhaltung forstlicher genetischer Ressourcen wird oft einseitig als notwendige Schutzmaßnahme betrachtet, die mit zusätzlichem Aufwand verbunden ist. Dabei werden die genetischen Ressourcen ja dringend benötigt, um unsere Wälder zu stabilisieren und deren ökonomische und ökologische Funktionen sicherzustellen.
Derzeit wird das Programm evaluiert – "überzählige" Schutzgebiete in gut abgedeckten Regionen sollen aufgelassen werden, Lücken sollen gefüllt werden.

In Österreich konnten zum Beispiel bisher nur wenige Generhaltungswälder im Voralpenraum und im Osten des Landes ausgewiesen werden. Künftig soll es auch wieder Förderungen für die angepasste Bewirtschaftung der Generhaltungswälder geben (wie etwa Unterstützung für waldbauliche Eingriffe); die regionale Forstbehörde berät hier gerne.

Anzahl und Fläche der Genreservate in natürlichen Waldgesellschaften Österreichs.
Natürliche Waldgesellschaft
Anzahl
Fläche [ha]
Subalpiner Fichtenwald
44
1.819,5
Montaner Fichtenwald
12
263,4
Fichten-Tannenwald
41
1.226,7
Lärchen-Zirbenwälder
20
847,0
Fichten-Tannen-Buchenwald
92
3.149,4
Berg-Spirkenwald
5
59,8
Latschengebüsche
1
15,0
Karbonat-Lärchenwald
5
130,5
Buchenwald
29
564,7
Bergahorn- und Bergahorn-Eschenwald
11
62,0
Eichen-Hainbuchen-Wald
21
554,0
Lindenmischwald
6
27,0
Schwarzerlen-Eschenwald
1
5,7
Harte Au
5
55,4
Birken-Spirken-Moorwald
3
39,0
Grauerlen(-busch)wald
1
15,0
Bodensaurer Kiefern-Eichenwald
13
165,5
Karbonat-Kiefernwald
9
281,0
Silikat-Kiefernwald
1
83,0
Schwarzkiefernwald
4
214,9
Hopfenbuchen-Blumeneschen-Wald
2
22,0
Sondergesellschaft - Edelkastanie
1
6,6
Sondergesellschaft - Eibe
11
157,6
Sondergesellschaft - Spierling
1
2,0
Summe
339
9.766,7

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