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Dr. Michael Petrak

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung

Pützchens Chaussee 228
D - 53229 Bonn

Tel.: +49 0228 97755 12
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Autor(en): Michael Petrak
Redaktion: WUH, Deutschland
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Schwarzwild – Gewinner in der Kulturlandschaft

Wildbiologische Grundlagen und Empfehlungen für die Praxis von Jagd und Naturschutz, Forstwirtschaft und Landwirtschaft

Bache im Sauerland
Abb. 1: Bache im Sauerland. Foto: A. Lange
Streckenentwicklung
Abb. 2: Die Entwicklung der Schwarzwildstrecke in der Bundesrepublik Deutschland
Adlerfarne
Abb. 3: Die Wurzeln der Adlerfarne zählen zur bevorzugten und im Winter vielfach einzigen energiehaltigen Nahrung. Foto: M. Petrak
Schlangenknöterich
Abb. 4: Nach den Wurzeln des Schlangenknöterich wird von den Sauen zielgerichtet gegraben. Foto: M. Petrak
Jahreszyklus
Abb. 5: Jahreszyklus des Schwarzwildes. Grafik: P. Schütz
Zuwachsraten
Abb. 6: Beitrag der einzelnen sozialen Altersklassen zum Zuwachs eines Bestandes, bezogen auf die Individuen.
Streckendichte
Abb. 7: Streckendichte als Maßstab für die Wilddichte des Schwarzwildes in den Bundesländern. NRW zeichnet sich unter den Flächenländern mit günstigen Schwarzwildlebensräumen durch eine relativ niedrige Wilddichte aus.
Wildkrankheiten
Abb. 8: Übertragungswege von Wildkrankheiten. Grafik: M. Petrak
Wildzäune
Abb. 9: In Rotwildgebieten hat es sich bewährt, das Risiko von Schwarzwildschäden im Grünland durch Zäune, die von den Wiederkäuern übersprungen werden können, zu reduzieren. Hohe Intelligenz und ein gutes Lernvermögen, eine hohe Zuwachsrate und eine ausgezeichnete Jungenfürsorge sind Grundlagen für den Erfolg des Schwarzwildes. Foto: M. Petrak
Bache und Überläufer
Abb. 10: Bache und Überläufer. Foto: A. Lange

Das Schwarzwild hat in den vergangenen Jahrzehnten seinen Aktionsraum ausgedehnt. Eine intensive Bejagung sowie gezielte Schutzmaßnahmen bilden die Grundlage für eine Balance zwischen Schwarzwild und Lebensraum in der Kulturlandschaft.

Das Schwarzwild hat in den vergangenen Jahrzehnten seinen Aktionsraum in Europa ausgedehnt. Eindrucksvoll spiegelt sich dies in der Streckenentwicklung in Deutschland wieder (Abb. 2). Das von den Wildschweinen potenziell besiedelbare Gebiet entspricht dem Areal von Hafer oder Roggen bzw. dem der Eiche. Es wird begrenzt durch die 50 cm-Schneehöhen-Isolinie.

Die Entwicklung der Schwarzwildbestände ist ein Beleg für die faszinierende Anpassungsfähigkeit und die hohe Lernfähigkeit dieser Wildart und stellt den Menschen vor neue Herausforderungen. Viele Bürger sind heute besorgt, weil sie den Eindruck haben, dass die Wildschweine in ihre Lebensräume eindringen. Eigentlich ist es jedoch umgekehrt: die Wildschweine wurden über Jahrhunderte massiv zurückgedrängt und wandern heute in ihre früheren Lebensräume, die vom Menschen eingenommen wurden, zurück.

Von der Bekämpfung zur Hege

Seit etwa 1930 breitete sich das Wildschwein langsam wieder in Räume aus, die über Jahrhunderte von ihm verwaist waren. Das Schwarzwild blieb die einzige Schalenwildart, die bis heute ohne Abschussplan bejagt wird.

Die Siegermächte des 2. Weltkrieges entzogen der deutschen Jägerschaft von 1945 bis 1952 die Jagdhoheit. In dieser Zeit nahmen die Schwarzwildbestände deutlich zu. Während das Rotwild gebietsweise durch ungeregelte Jagdausübung der Besatzungstruppen erheblich reduziert wurde, konnte sich das Schwarzwild diesen Nachstellungen aufgrund seiner Nachtaktivität und seiner Lern- und Anpassungsfähigkeit weitgehend entziehen. In der ersten Nachkriegszeit wurde das Schwarzwild dann von den Jägern eher bekämpft als bejagt.

1977 erfolgte mit der Einführung des "Lüneburger Modells" ein Wandel in der Jägerschaft: die Bekämpfung des Schwarzwildes wich dem Hegegedanken. Die sachgerechte Umsetzung des "Lüneburger Modells" verlangt jedoch auch eine Bejagung von Bachen.

Seit 1980 haben die Schwarzwildbestände durch Hegemaßnahmen, die Häufung von Waldmasten als Folge der düngenden Wirkung der Luftschadstoffe, die Intensivierung des Maisanbaus und auch die Fütterung in den Hochlagen allgemein zugenommen. Faszinierend ist die Fähigkeit der Wildschweine, Siedlungsrandbereiche - selbst Verkehrsflächen im Autobahnbereich - zu erschließen. Auch die Industrialisierung in der Landwirtschaft, charakterisiert durch sehr große Schlageinheiten und Fruchtfolgen aus Mais, Raps und Weizen, begünstigt die Zunahme der Wildschweinbestände. Die hohe Lernfähigkeit und ein ausgeprägtes Sozialverhalten, vor allem aber ein effektiver Schutz der Jungtiere, bieten die Grundlage für die Ausbreitung der Wildschweine.

Während bis in die Nachkriegszeit die Konkurrenz zu den Feldfrüchten in der Landwirtschaft die entscheidende Rolle spielte, ist heute die Konkurrenz zur Schweinehaltung – vor dem Hintergrund des Risikos einer Einschleppung der Schweinepest in den Schwarzwildbestand – der Schlüsselfaktor für den notwendigen Ausgleich zwischen Wildschweinbeständen und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die Bekämpfung der vom Menschen in die Schwarzwildbestände eingeschleppten Schweinepest erfordert eine Bejagung zur Absenkung des Bestandes und auch eine Impfung.

Lebensräume bieten Deckung und Fraß

Im ursprünglichen Lebensraum des Wildschweins überwogen vom Klima geprägte Laubwaldgesellschaften, in denen Buche und Eiche vorherrschten. In den großen Flusstälern konnten sich Auwaldgesellschaften mit Silberweiden, Stieleichen, Eschen und Ulmen entwickeln.

Die Engpasssituation im Winter bedeutete für das Schwarzwild den Rückzug in die klimatisch günstigen Bereiche. In höheren Lagen sind die Wurzeln des Adlerfarns (Abb. 3) eine wichtige Nahrungsgrundlage. Das Brechen dient zum einen dem Erschließen der tierischen Nahrung im Boden, aber auch dem Ausgraben von nahrhaften Pflanzenwurzeln. Auch heute lässt sich noch sehr gut beobachten, dass in Mittelgebirgen das Schwarzwild im Winter im Bereich des Adlerfarns systematisch gräbt und auf diese Weise die Wurzeln durch "oberirdischen Tagebau" immer zugänglich erhält.

Diese Art der Nahrungsbeschaffung ist typisch für Sauen. Das Offenhalten kleiner Bodenpartien kommt bestimmten Arten wie z. B. dem Großen Blaupfeil zugute (Petrak 2005). Das Brechen fördert in bestimmten Pflanzengesellschaften die Initialstadien der Sukzession und auch lichtbedürftige Arten wie z. B. die Habichtskräuter. Unter Naturschutzaspekten ist das Brechen also durchaus förderlich. Entscheidend ist jedoch das Ausmaß: In Mittelgebirgen stößt großflächiges Brechen die Sukzession sonst stabiler Wiesengesellschaften, wie z. B. der bärwurzreichen Magertriften mit Ginstergebüsch an. Somit ist auch unter Naturschutzaspekten eine Begrenzung des Schwarzwildbestandes in jedem Fall angezeigt. Das selektive Graben nach Wurzeln, wie denen des Schlangenknöterich, ist eindrucksvoll (Abb. 4). Faszinierend ist die Fähigkeit der Sauen, in Grünlandflächen gewissermaßen assoziationsscharf oder eng orientiert an den Bewirtschaftungsgrenzen zu brechen.

Lebensraumnutzung und Zuwachsdynamik

Die Zuwachsdynamik des Schwarzwildes (Abb. 5) wird unter naturnahen Bedingungen vor allem durch den Wechsel von Mastjahren und Fehlmastjahren bestimmt: In Lebensräumen mit potenzieller Mast ist die Frischlingsquote nach Mastjahren um etwa 60 % höher als nach Fehlmastjahren. In Lebensräumen ohne Baummast sind die Zuwachsraten generell niedriger. Dies belegt die hohe Verantwortung der Jäger auch für die Bestandszunahme von Schwarzwild: Ablenkungsfütterungen machen nur Sinn in großen Waldgebieten für die Zeit, in der die Sauen im Feld zu Schaden gehen. Ablenkungsfütterungen sollen das Schwarzwild im Wald binden und lange beschäftigen, dürfen jedoch energetisch keinen wesentlichen Anteil zur Ernährung des Bestandes leisten, wenn sie nicht das gesamte Zuwachsgefüge durcheinander werfen sollen.

Dort, wo Waldgesellschaften überwiegen, die keine Mast bieten, d.h. Nadelholzbestände, führt eine falsche und zu reichliche Fütterung dazu, dass die natürliche Balance zwischen Zuwachssteuerung und Energieangebot im Lebensraum nachhaltig gestört wird. Die Fütterung wird somit zu einer wesentlichen Ursache für ein beinahe über das ganze Jahr verteiltes Rauschig werden und Frischen. Auch aus Tierschutzsicht wird eine derartige Fütterungspraxis dann fragwürdig, wenn sie die Sauen in den höheren Lagen der Mittelgebirge bindet und somit die winterlichen Talwanderungen ausschaltet. Angesichts der Tatsache, dass die Sauen bei hoher Schneelage in Verbindung mit der Harschschneegefahr an diese Lebensräume nicht angepasst sind, ist eine derartige Praxis nicht verantwortbar.

Durch Siedlungen und Verkehrswege wurden in den letzten Jahrzehnten viele Flächen langfristig dem Naturhaushalt entzogen sowie die Lebensräume des Wildes zerschnitten und isoliert. Die betriebswirtschaftliche Ausrichtung der Landwirtschaft auf die Ernährung von Mensch und Nutztier führte automatisch dazu, dass der Landwirt mit seinem Anbau auch den Speisezettel des Wildschweins bereichert.

Eingriffe in den Lebensraum sind wesentliche Ursachen für den Bestandsanstieg und die Ausbreitung des Schwarzwildes. In Folge der Emissionsbelastung der Wälder ist in den letzten Jahrzehnten zudem eine Häufung der Waldmasten zu verzeichnen. Milde Winter und günstige Witterungen im Frühjahr führen zu einer geringen Frischlingssterblichkeit, gleichzeitig wird die Bejagung durch schneearme Winter erschwert.

Als Allesfresser nehmen die Wildschweine alle verdaulichen pflanzlichen und tierischen Stoffe einschließlich Fallwild und Aas auf. Beim Finden des Fraßes an der Bodenoberfläche oder in geringer Tiefe spielt das außerordentlich gute Riechvermögen eine sehr wichtige Rolle ("Trüffelschwein"). Favorit auf dem Speiseplan des Wildschweins ist die Baummast. Erwachsene Stücke nehmen täglich bis zu 5 kg Eicheln, Bucheckern und Nüsse auf. Hinzu kommen ober- und unterirdische Teile vieler anderer Waldpflanzen wie Adlerfarn, Weidenröschen, Wegerich, Gräser, Seggen, Simsen und Binsen, daneben Blätter und Früchte von Heidelbeere und Himbeere. Feldfrüchte wie Kartoffeln, Mais, Hafer, Gerste, Rüben, Bohnen, Erbsen, Wicken, Klee und Luzerne wie auch der Raps sind sehr beliebt.

Faszinierend ist das Unterscheidungsvermögen für bestimmte Sorten: Bei den Kartoffeln werden eindeutig die fest kochenden und damit teureren Sorten bevorzugt. Weintrauben werden erst dann geerntet, wenn sie aus Sicht des Winzers die optimale Reife erreicht haben, d. h. in der letzten Nacht vor der geplanten Lese. Auf Grünland führt die Suche nach Engerlingen im Boden (bis 900 Larven wurden im Magen einer Sau gefunden) zu Wildschäden, während im Wald die Bodenauflockerung erwünscht ist. Allerdings darf die Schwarzwilddichte nicht so hoch sein, dass praktisch keine Eicheln und Bucheckern mehr übrig bleiben.

Wirbeltiere wie Frösche und Eidechsen werden eher zufällig erbeutet, aber auch Kleinsäuger und Jungwild wie Hase, Kaninchen und Rehkitz sowie Gelege von Bodenbrütern werden als Nahrung genutzt. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Wildschweine nicht in die Lebensräume von Auer- und Birkwild einwandern. Durch rasche Beseitigung von Fallwild, Aufbrüchen und Aas betätigen sich die Sauen wie auch der Fuchs als "Gesundheitspolizei" in der Natur, sind jedoch selbst auch damit gefährdet.

Lebenszyklus und Zuwachsdynamik

Das Wildschwein ist unter allen Paarhufern in Mitteleuropa die Art mit der höchsten Zuwachsrate. Die effektive Zuwachsrate, bezogen auf Grundbestand und Jagdjahr, bewegt sich zwischen 200 und 300 %. Unter heutigen Bedingungen tragen bereits die Frischlinge in erheblichem Umfang zum Zuwachs bei. Dies macht auch die intensive Bejagung der Frischlinge notwendig. Die biologisch normale Rauschzeit fällt in den Dezember bzw. Januar. Hinzu kommt eine zweite Rauschzeit im September/Oktober, gewissermaßen zur Rothirschbrunft.

Nach einer Tragzeit von 108 bis 120 Tagen kommen die Frischlinge im April zur Welt. Die Wurfgröße liegt meist bei fünf bis acht Frischlingen, das Geburtsgewicht liegt zwischen 740 und 1.090 g. Bei gutem Fraßangebot und frühem Frischen können die Bachen im gleichen Jahr ein zweites Mal rauschig werden. Frischlinge nehmen bereits ab einem Alter von acht Monaten und einem Gewicht von 30 kg, gelegentlich auch 20 kg an der Fortpflanzung teil. Frischlinge und Überläufer bestreiten heute rund 80 % des Zuwachses. Die Säugezeit beträgt zweieinhalb bis drei Monate, während der die Bachen nicht paarungsbereit sind.

Die Rotten sind ortstreu und verteidigen ihr Revier gegen fremde Rotten. Die Rottenstärke (max. 30 bis 40 Stück) ist von Jahreszeit, Ernährungslage und Wilddichte sowie Zuwachs abhängig. Die hohe Zuwachsrate und der hohe Beitrag der Frischlinge und Überläufer zum Zuwachs sind der Grund dafür, dass neben einer anziehend hohen Strecke ein Frischlingsanteil von 70-80 % zur Begrenzung von Beständen notwendig ist (Abb. 6). 

Diskurs um die Jagdzeit im Sommer: Schonzeit für Überläufer

Wer Schwarzwildbestände wirksam begrenzen will, ist gut beraten, im Sommer eine Schonzeit für die älteren Sauen einzuhalten. Je nach der Definition von Frischlingen und Überläufern ist auch eine Schonzeit für die Überläufer sinnvoll. In NRW gelten als Frischlinge alle Stücke, die jünger als ein Jahr sind, unabhängig von ihrem Geburtstermin. Sie werden also gewissermaßen nicht zum 1.4. in die nächsthöhere Altersklasse der Überläufer befördert.

Ein bundesweiter Vergleich der Strecken macht deutlich, dass NRW im Vergleich zu den Nachbarländern mit deutlich längeren Jagdzeiten für die Überläufer oder auch ausgewachsenen Sauen die geringste Dichte aufweist (Abb. 7). Eine generelle Freigabe mit Ausnahme führender Stücke führt eher dazu, dass die Schwarzwildbestände zunehmen. Wer Überläufer jagen darf, erlegt im Zweifel lieber den "lohnenden" Überläufer als den Frischling. Eine zu geringe Frischlingsbejagung fördert jedoch das Anwachsen der Bestände, da damit auch der Beitrag der Frischlinge zum Zuwachs steigt.

Auch das Erlegen führender Bachen führt z.B. dazu, dass trotz sinkender Anzahl die Schäden zunehmen, da die Frischlinge nicht lernen, gefährdete Flächen zu meiden. Umgekehrt gehen stabile Raumnutzungsmuster verloren, so dass durch vagabundierende Jugendgruppen das Risiko der Ausbreitung der Schweinepest steigt.

Wildschadenverhütung

Die wesentlichen Wildschäden werden vom Schwarzwild in Weiden durch Umbrechen auf der Suche nach Larven, Würmern und Käfern verursacht. Durch eine fachliche, gute Grünlandbewirtschaftung mit ausreichender Kalkung und vor allem Abschleppen der Wiesen im Herbst lässt sich das Schadensrisiko mindern.

Unter den Feldfrüchten ist der Mais besonders gefährdet. Eine Wildschweinrotte, die in ein Maisfeld eindringt, arbeitet es von innen nach außen auf und lässt die äußeren Pflanzenreihen stehen, so dass der Schaden häufig erst während der Ernte bemerkt wird. Große Schlaggrößen erschweren die Bejagung besonders. Dies gilt vor allem dann, wenn schadensträchtige Kulturen unmittelbar an den Waldrand angrenzen. Hier ist eine Kooperation von Grundeigentümern, Landwirten und Jägern gefordert: Werden große Feldschläge nicht innen durch z. B. Zonen mit niedrigerem Bewuchs jagdlich erschlossen, ist eine Bejagung dort gar nicht möglich.

Bejagung und Wildschadenverhütung beim Schwarzwild müssen stets auch die anderen Wildarten einbeziehen. In Rotwildgebieten mit einer engen Verzahnung von Grünland und Wald, ist eine Konzentration der Jagdausübung auf das Grünland unter dem Aspekt der Wildschadenverhütung im Wald nachteilig, da dadurch das Rotwild an der Äsungsaufnahme gehindert wird und damit die Schäden im Wald steigen. Hier hat es sich bewährt, dem Wald vorgelagerte Weiden durch ca. 1 m hohe Zäune mit Baustahlgeflechtmatten, die oben durch Holzlatten abgeschlossen sind, vor den Sauen zu schützen (Abb. 9). Rotwild und Rehwild überfallen diese Zäune; starke Sauen schaffen dies zwar auch, die größten Schäden gehen jedoch von Rotten aus. Da die jüngeren Wildschweine nicht über den Zaun gelangen, wird diese Maßnahme sehr effektiv. Der Elektrozaun kann bei sachkundiger Pflege und Wartung Flächen vorübergehend schützen. Optische und akustische Maßnahmen und auch die viel gepriesenen Verwitterungsmittel helfen bei der Lernfähigkeit der Wildschweine nur vorübergehend.

Ausblick

Eine intensive, eng an der Sozialstruktur und dem Verhalten orientierte Bejagung, eine revierübergreifende Abstimmung, die dem hohen Sozialniveau des Schwarzwildes Rechnung trägt, das Begrenzen der Populationen und gezielte Schutzmaßnahmen sind die Grundlage für eine Balance zwischen Schwarzwild und Lebensraum in der Kulturlandschaft.

Literatur

Happ, N. (2002): Hege und Bejagung des Schwarzwildes. Stuttgart.

Hennig, R. (1998): Schwarzwild: Biologie, Verhalten, Hege und Jagd. 5. Aufl. München, Wien, Zürich.

Kaden, V.; Petrak, M. (2008): Eine besondere Herausforderung für Jäger und Tierärzte: Schweinepestbekämpfung beim Schwarzwild. AFZ 63: 716-719.

Petrak, M. (2005): Tierwanderung und Tiere als Habitatbildner. Nat.schutz. Biol. Vielfalt 17: 81-99.

Petrak, M. et al. (2003): Schwarzwild: Biologie – Bestandsreduktion – Sozialstrukturen – Wildschadenseindämmung - Schweinepest. Wild und Hund Exklusiv, H. 22.

Petrak, M.; Frielingsdorf, F.; Reichelt, B. (2009): Hege und Bejagung des Schwarzwildes in Nordrhein-Westfalen: Die Herausforderung bleibt. Rheinisch-Westfälischer Jäger 63: 6-8.

Sodeikat, G. et al. (2005): Populationsdynamik und Raumnutzung des Schwarzwildes (Sus scrofa L.). In: Schwarzwild aktuell. Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern e.V., H. 12, S. 11-21.

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