Aufbauend auf dem Vergleich des aktuellen Bestockungszustandes mit den in den Waldbaurichtlinien des Landes Brandenburg formulierten Zielen wurde ein Verfahren entwickelt, das hinreichend genaue Schätzwerte für das Waldumbaupotential liefert und praxistaugliche Kartendarstellungen ermöglicht. Durch die Ergebnisse sollen forstpolitische Entscheidungen, waldbauliche Planungen und forstliche Fördermaßnahmen eine objektive Basis erhalten.

Hintergrund und Zielstellung

Nach Bestandeszieltypen-Erlass (2006) sind "nicht standortsgerechte Bestandeszustände … so zeitnah als möglich in Richtung eines geeigneten Bestandeszieltyps (BZT) zu entwickeln." In diesem Sinne umfasst das Waldumbaupotential alle Waldbestände, die gegenwärtig noch nicht dem angestrebten Bestandesziel entsprechen.

Das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) wurde 2019 vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz Brandenburgs beauftragt, den aktuellen Waldumbaubedarf zu ermitteln und Waldumbauschwerpunkte zu lokalisieren.

Analyse des aktuellen Bestockungszustandes

Zur Analyse der aktuellen Bestockung wurde auf Daten des Datenspeichers Wald (DSW2), insbesondere auf das Merkmal „Bestandeszustandstyp“ (BT), das die aktuelle Baumartenvergesellschaftung eines Bestandes charakterisiert, zurückgegriffen.

Aufgrund der verschiedenen Baumartenmischungsvarianten werden derzeit 118 BT für Brandenburger Wälder ausgewiesen. Für die Vereinfachung der Abschätzung des Waldumbaupotentials wurden diese zu den drei Waldumbau-Gruppen (WU-Gruppe) Laub-, Misch- und Nadelwald zusammengefasst (Tab. 1). Die Hochrechnung der aktuellen DSW-Daten (Stand 2019) ergab für die drei WU-Gruppen Nadel-, Misch- und Laubwald die Flächenanteile von 66 %, 21 % bzw. 13 % (Abb. 1).

Zuordnung von Bestandeszielen

Die Zuweisung von Bestandeszielen (BZT) erfolgt auf der Basis von Standortsgruppen. Grundlage bildet der BZT-Erlass 2006, der insgesamt 46 BZT für die Brandenburger Wälder ausweist (28 Laubholz-Typen, 6 Laub-Nadel-Mischtypen, 10 Nadel-Laub-Mischtypen, 2 Nadelholz-Typen). Für Bestände mit Schutzgebietsstatus wurden darüber hinaus naturnahe BZT empfohlen, die dem natürlichen Waldaufbau auf dem jeweiligen Standort nahe kommen. Auch hier erfolgte die Zuordnung der BZT zu den drei WU-Gruppen, die in einem Ökogramm (Abb. 2) generalisiert wurden. Durch Verschnitt der digitalen Standortskarte mit der Forstgrundkarte war letztlich die Datenbasis für eine standörtliche Feinplanung bis auf Bestandesebene gegeben.

Identifikation von Waldumbauschwerpunkten

Die Abschätzung des Waldumbaupotentials erfolgte auf der Basis der IST-ZIEL-Abweichung.

Die sich aus den drei Bestandeszustandstypen-Gruppen (WU-Gruppen IST) und den drei Bestandeszieltypen-Gruppen (WU-Gruppen ZIEL) ergebenden neun Fallgruppen wurden dazu zu drei Schwerpunkt-Kategorien zusammengefasst:

  • IST≠ZIEL: Die WU-Gruppe IST ist Nadelwald und die WU-Gruppe ZIEL ist Laub- oder Mischwald.
  • IST≈ZIEL: Die WU-Gruppe IST stimmt annähernd mit der WU-Gruppe ZIEL überein oder kann waldbaulich zielkonform weiter entwickelt werden, d. h. die WU-Gruppe IST ist Laubwald- und die WU-Gruppe ZIEL ist Mischwald bzw. umgekehrt.
  • IST=ZIEL: Die WU-Gruppe IST stimmt mit der WU-Gruppe ZIEL überein.

Darüber hinaus wurde bei der Auswertung nach drei Eigentumsarten-Gruppen ("Gesamtwald", "Landeswald" sowie "Privat- und Kommunalwald") sowie vier waldbaulichen Behandlungsphasen unterschieden:

  • Verjüngungsphase I: Alter des Oberstandes >100 Jahre
  • Verjüngungsphase II: Alter des Oberstandes 81-100 Jahre
  • Verjüngungsphase III: Alter des Oberstandes 61-80 Jahre
  • Waldpflegephase: Alter des Oberstandes 1-60 Jahre

Ergebnisse

Im Ergebnis der Waldumbaupotentialschätzung konnten die Flächenanteile für alle Waldeigentumsarten, waldbauliche Behandlungsphasen und Waldumbau-Kategorien in Zahlen, Grafiken und Karten veranschaulicht werden.

Beispielhaft zeigt Abb. 3 die Verteilung der Flächen auf die einzelnen Altersphasen und Kategorien für den Gesamtwald Brandenburgs.

Insbesondere die Flächen der Kategorie IST≠ZIEL mit einem Alter des Oberstandes von mehr als 80 Jahren erfordern ein dringendes Handeln. Im Wald aller Eigentumsarten betrifft das 194 Tha (113+81 Tha; 23 % der betrachteten Waldfläche). Aber auch in den unter 60jährigen Beständen ergibt sich umfangreicher Handlungsbedarf. Insgesamt weicht noch bei 62 % der Waldfläche der aktuelle Bestandeszustand (BT) vom angestrebten Bestandesziel (BZT) ab.

Abb. 4 zeigt die Flächenanteile Laubwald / Mischwald / Nadelwald des geplanten Zielzustands (siehe zum Vergleich auch den aktuellen Bestandeszustand 2019 in Abb. 1).

Der derzeitige reine Nadelwald-Anteil von 66 % ist durch zielkonformen Waldumbau auf 5 % zu verringern. Dagegen sind der Laubwald-Anteil geringfügig von 13 auf 19 % und der Mischwald-Anteil erheblich von 21 auf 83 % zu erhöhen.

Durch die bestandesweise Auswertung wurde eine sehr detaillierte Kartendarstellung möglich. Beispielhaft zeigt Abbildung 5 in verschiedenen Rottönen dargestellt die Waldflächen der Kategorie IST≠ZIEL. Die abgeleiteten Karten sind im internen Geoportal des LFB veröffentlicht und stehen damit allen Mitarbeitern des Landesbetriebes Forst Brandenburg zur Verfügung.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Ergebnisse beruhen auf derzeit vorliegenden Karten- und Datengrundlagen (Stand 2019). Insgesamt konnten 833.000 der 1.100.000 ha Waldfläche Brandenburgs bei der Waldumbaupotentialschätzung berücksichtigt werden.

Im Zuge der Verfahrensentwicklung, Plausibilitätsprüfung und Ergebnisanalyse hat sich gezeigt, dass die im DSW abgelegten Walddaten vielfach nicht mehr die für die Fragestellung ausreichende Aktualität aufweisen. Um die hier dargestellten Ergebnisse unvoreingenommen in Entscheidungen, Planungen sowie Fördermaßnahmen einfließen lassen zu können, ist über Möglichkeiten zur Verbesserung der Datengrundlagen nachzudenken.

Da das aktuell ermittelte Waldumbaupotential einen Handlungsbedarf auf mehr als 50 % der Waldflächen aufdeckt, sind Prioritäten für den Waldumbau festzulegen. Dabei ist ein Ranking nach standörtlichen Erfolgschancen, eine Konzentration auf den unbedingten Walderhalt oder die Sicherung ausgewählter Ökosystemleistungen zu überlegen.

Aufgrund der klimatischen Standortsveränderungen wird aktuell an verschiedenen Modellen zur Ableitung klimawandelangepasster Bestandeszieltypen (BZT-K) gearbeitet. Die strategische Ausrichtung zielt dabei auf eine Baumartenvielfalt im Sinne einer Risikostreuung ab, was zu einer weiteren Zunahme des Misch- und Laubwaldanteils führt.

Darüber hinaus bedürfen dynamische Waldentwicklungen auch weiterhin einer regelmäßigen Evaluierung, die sowohl Ziele als auch Maßnahmen des Waldumbaus kritisch beurteilt und bei Bedarf neu ausrichtet.