Hochbetrieb im Zapfenlager

Die Zapfenernte ist eingefahren: jetzt wird sie getrocknet und weiter verarbeitet. Der Beitrag beschreibt den Weg des Saatguts vom Baum bis hin zum wertvollen Endprodukt für Forstbaumschulen oder Saatguthändler.

Die letzten Fichtenzapfen des Jahres sind im Forstrevier Küstelberg in der Nähe des sauerländischen Städtchens Medebach geerntet worden. Die Zapfen der bereits im August in verschiedenen Regionen beernteten Douglasien sind schon da, wo die der Fichte auch bald liegen werden - in den Arnsberger Zapfenlagern des Lehr- und Versuchsforstamtes.

Weil sich die Ernteprognosen des Frühjahrs bestätigt haben und Rekordmengen an Saatgut aus den Erntebeständen in den Wäldern Nordrhein-Westfalens eingefahren werden konnten, mussten die Arnsberger Saatgutspezialisten zusätzliche Hallen anmieten. In denen lagern zurzeit auf mehr als 2.500 m² Zapfen von Küstentanne, Weißtanne, Edeltanne und eben der Douglasie. Die wenigen Erntebestände (insgesamt 165 Hektar in drei forstlichen Herkünften) in Nordrhein-Westfalen schenkten nach mageren Jahren über 22 Tonnen Douglasiensaatgut, die allein durch den Landesbetrieb Wald und Holz geerntet werden konnten. Daneben haben private Unternehmer wie Forstbaumschulen oder Saatguthändler Zapfen pflücken lassen, die jetzt auf die Weiterverarbeitung zum Forstsaatgut warten.

Rund 20 Kilogramm Zapfen (Frischgewicht) lagern auf einem Quadratmeter. Ingo Hamm, Forstwirtschaftsmeister im Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald, kann sich in 23 Berufsjahren nicht an eine derartige Douglasienernte erinnern. Er selbst ist ausgebildeter Zapfenpflücker und hat im Spätsommer etliche der an die 50 Meter hohen Stämme erklettert und in den Kronen gepflückt. "Die grünen Zapfen haben noch geschlossene Zapfenschuppen und geben den Samen nicht frei", erklärt Hamm. Allerdings entlässt die Douglasie ihre Samen bei 30 Prozent Feuchte deutlich früher aus den Zapfen als die Fichte (15 Prozent Feuchte).

Damit das Öffnen der Zapfen nicht unkontrolliert am Baum erfolgt und die Samen für den Menschen verloren gehen, werden die noch unreifen Zapfen vorher gepflückt und dann drei Monate unter Dach gelagert. So können sie trocknen und öffnen dadurch die Zapfenschuppen.

Damit nichts schimmelt, wird in dieser Zeit aus dem Baumkletterer Ingo Hamm ein "Zapfenpfleger". Täglich wird die Qualität der nicht nur waldbaulich wertvollen Ernteprodukte überprüft. Jede Partie ist auch in der Halle mit einem Begleitzettel versehen. Denn obwohl sie alle gleich aussehen, stammen sie aus verschiedenen zugelassenen Erntebeständen und unterscheiden sich im Genpool. Mindestens 20 Bäume pro Bestand müssen im Rahmen einer Ernteaktion abgepflückt werden. Dabei können die Menge und die Qualität der Zapfen von Baum zu Baum oder auch innerhalb einer Baumkrone erheblich schwanken. Daher prüfen schon die Zapfenpflücker in der Baumkrone die Erntewürdigkeit jedes Baumes durch so genannte Zapfenschnitte.

Reiche Ernte mit guter Qualität

In den Wochen nach der Ernte steht mit der Weiterverarbeitung des Douglasiensaatgutes eine Mammutaufgabe an. Erste Probemengen haben bereits die Darre, die Saatgutreinigung und die Entflügelung sowie den Windsichter durchlaufen. Ingo Hamm und seine Kollegen sind zufrieden: "Die Qualität ist gut und wir erwarten aus zehn Kilogramm Zapfen etwa 100 Gramm Saatgut, was etwa 2.000 Pflanzen entspricht", erklärt Hamm die Ausbeute bei der Douglasie. Im Vergleich dazu brauchen die Fachleute für 2.000 Fichtenpflanzen etwa 40 Gramm Samen aus ca. sieben Kilogramm Zapfen, bei der Europäischen Lärche reichen 60 Gramm (1,2 Kilogramm Zapfen) für 2.000 Pflanzen.

Doch der Weg zum fertigen Saatgut, das der Landesbetrieb Wald und Holz NRW an Forstbaumschulen verkauft oder dorthin als Lohnanzucht für den Staatswald abgibt, ist aufwendig und durch mehrere Arbeitsschritte in Spezialmaschinen geprägt. Anders als andere Bundesländer verfügt Nordrhein-Westfalen über keine großen Saatgutbearbeitungsmaschinen in öffentlicher Hand. Die Maschinen des Lehr- und Versuchsforstamtes Arnsberger Wald sind von der Dimension so gehalten, dass insbesondere kleinere Mengen Saatgut gut verarbeitet werden können. Denn oft handelt es sich bei den Früchten um seltene Gehölzarten wie dem Wildobst oder ganz bestimmte Herkünfte in eher geringen Mengen. In den nächsten Wochen werden die Maschinen in dieser Saison vornehmlich für die gefragten Wirtschaftsbaumarten laufen. Denn die Saatgutlager der Baumschulen in Deutschland sind leer und das Interesse an der NRW-Ernte besonders groß. Nicht überall war der Furchtansatz so üppig wie hierzulande.

Samen von Staub und Flügeln trennen

Nach der Trocknungszeit im Zapfenlager beginnt der Weg des Saatgutes in der Darre. Dort, bei warmer Luft und ständiger Rotation, werden die Zapfen und Samen voneinander getrennt. Ergebnis der Klengung mit einem anschließenden Reinigungsgrad von etwa 80 Prozent ist ein Gemisch aus Zapfenbestandteilen, Nadeln und geflügelten Samen. Mithilfe des kleinen, am Samenkorn befestigten Flügels verbreitet sich die Douglasie in der Natur bis 100 Meter weit rund um den Mutterbaum. Für die Anzucht im Saatbeet einer Forstbaumschule wird der Flügel allerdings nicht gebraucht und im Rahmen der weiteren Bearbeitung maschinell entfernt.

Damit ist die Arbeit am Saatgut für Ingo Hamm und seine Kollegen aber noch nicht beendet. "Die entflügelten Samen müssen dann nochmals mit einem Windsichter feingereinigt werden", beschreibt Hamm den Arbeitsschritt mit einer weiteren Maschine, in der mittels Luftstrom die unerwünschten Partikel ausgeblasen werden. Danach trocknen die fertigen Samenkörner nochmals auf sechs bis acht Prozent Restfeuchte, bevor sie gewogen, abgepackt und vermarktet bzw. bei Temperaturen von -5 und -18 Grad beim Lehr- und Versuchsforstamt eingefroren werden.

Wertvolle Säckchen mit winzigen Samen

Die vielen Arbeitsschritte rund um den Zapfen haben ihren Preis. Für ein Kilosäckchen Douglasiensaatgut muss ein Gegenwert zwischen 800 und 1.400 Euro aufgebracht werden, Fichtensamen kosten rund 250 Euro, Küstentanne liegt bei 180 Euro. Wenn bei der Douglasie mindestens 80 Prozent der Samen keimfähig sind, ist alles optimal gelaufen. Dann können sogar 30.000 Sämlinge aus einem Kilogramm Saatgut nachgezogen werden. Mit diesen jungen Douglasien könnten bei etwa 1.000 Pflanzen je Hektar im Mischbestand stattliche 30 Hektar Wald aufgeforstet werden.