Leben mit Waldbrand

In Zukunft dürften die Sommer in der Schweiz aufgrund des Klimawandels wärmer und trockener als bisher werden. In niederschlagsarmen Regionen ist daher mit einer grösseren Waldbrandgefahr zu rechnen. Ein Merkblatt der Eidg. Forschungsanstalt WSL fasst die Folgen des Brandes oberhalb Leuk (Kanton Wallis) vom August 2003 im Hinblick auf Boden, Erosion, Tiere und Pflanzen zusammen. Es enthält technische und forstbetriebliche Massnahmen im Hinblick auf zukünftige Brandereignisse.

Im Gegensatz zu Waldbränden im Tessin, die sich vorwiegend im Winterhalbjahr ereignen, besteht im Wallis vor allem im Hochsommer eine erhöhte Waldbrandgefahr. Diese dürfte in den kommenden Jahrzehnten noch zunehmen, wenn sich das Klima wie erwartetet weiter verändert. Höhere Sommertemperaturen führen zu grösserer Wasserverdunstung bei gleichviel oder gar weniger Niederschlägen. In den Böden des trockenen Wallis wird dadurch die Wasserverfügbarkeit für Pflanzen noch kleiner. Unter solchen Bedingungen kann sich Feuer leichter ausbreiten und zu grösseren Schäden führen als bisher.

Gezielte Massnahmen vor und nach Waldbrand

Sollten Waldbrände häufiger werden, so dürften sie die Waldentwicklung stark verändern: sie verringern die Holzvorräte und verschärfen die Erosions- und Steinschlaggefahr. Diesen Gefahren kann durch vorausschauende Massnahmen wie der Anlage von Löschteichen, dem Bau zusätzlicher Waldwege in brandgefährdeten Schutzwäldern oder der strikten Durchsetzung eines Feuerverbotes entgegengewirkt werden.

In gefährdeten Regionen braucht es Waldbrand-Bekämpfungskonzepte, die sowohl vorbeugende Massnahmen als auch die Gefahrenbeobachtung, Organisation von Feuerwehren und Verbesserung der Infrastruktur umfassen. Nach einem Waldbrand sind technische und forstbetriebliche Massnahmen erforderlich: von der Hangsicherung zur Verhinderung von Erosionen, Rutschungen und Steinschlag, bis hin zur Anlage von Lawinenschutzanlagen und Aufforstungen. In waldbrandgefährdeten Gebieten sollte der Anteil von Baumarten mit dicker Borke, die nach einem Brand wieder austreiben, erhöht werden. Auf der Brandfläche oberhalb von Leuk zeigte sich, dass in Lagen bis zu 1100 m über Meer viele ältere Flaumeichen wieder austrieben und dass am Brandrand oberhalb von 1600 m über Meer gut die Hälfte aller Lärchen im Verlaufe von vier Jahren wieder grün wurden. Dagegen erholten sich angesengte Fichten am Waldrand kaum.

Grosse Artenvielfalt mit vielen seltenen Arten

Die Untersuchungen in Leuk ergaben, dass sich die Natur nach einem Waldbrand schnell wieder erholt. Durch die Veränderung der Umweltbedingungen nimmt bei Pflanzen, Insekten und Spinnen die Artenvielfalt rasch zu und übertrifft diejenige des benachbarten Waldes. Bei den Bäumen fällt auf, dass Pionierbaumarten mit leichten, gut vom Wind verbreiteten Samen wie Zitterpappel, Birke und Weidenarten eine 300 Hektare grosse Brandfläche deutlich schneller besiedeln als langlebige Schlusswaldbaumarten wie Fichte, Waldföhre und Lärche, deren schwere Samen kaum mehr als 100 m weit vom Wind verfrachtet werden.

Eine Waldbrandfläche kann für eine Region auch im Hinblick auf Naturschutzaspekte eine Bedeutung haben. In Leuk zeigte sich, dass einige im Wallis seltene Pflanzen- und Tierarten wie beispielsweise der als verschollen geltende Erdbeerspinat (Blitum virgatum), die Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus) und zahlreiche Bock-, Pracht- und Laufkäferarten auf der Brandfläche plötzlich in grösseren Mengen vorkommen. Einige dieser Arten gelten sogar als feuerliebend, sind für ihre Entwicklung also auf verbrannten Untergrund angewiesen, um sich voll entwickeln zu können.

Merkblatt für die Praxis

Die vielfältigen Ergebnisse zur Forschung nach dem grossflächigen Waldbrand in Leuk sowie zu deren Stellenwert im landesweiten Vergleich liegen in einer Entscheidungshilfe vor. Zahlreiche Autorinnen und Autoren haben ihre Forschungsergebnisse aus dem Wallis und auch aus dem Tessin im 2010 erschienenen "Merkblatt für die Praxis Nr. 46" der Forschungsanstalt WSL zusammengefasst.

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