Den im Merkblatt beschriebenen Hochlagenpilzen ist gemeinsam, dass ihre Hauptwachstumsphase zur Zeit der Winterruhe abläuft. In dieser Zeit wird das Pilzwachstum nicht durch Abwehrreaktionen des Wirtsbaumes gestört. Die Lebensweise dieser Pilze unterscheidet sich deshalb grundsätzlich von derjenigen anderer Pilze. Ihre Besonderheit ist, dass sie noch bei Temperaturen um 0 Grad bei gesättigter Luftfeuchtigkeit wachsen können. Solche Bedingungen findet man bei hoher Schneedecke in Hohlräumen im Bereich der Baumnadeln.

Junge Nadelbäume, die im Winter noch vollständig vom Schnee bedeckt sind, sterben deshalb meistens innerhalb weniger Jahre ab. Bei grösseren Bäumen, die auch im Winter über die Schneedecke ragen, sterben die unteren Äste ab.

Triebsterben an Arve, Bergföhre, Fichte und Lärche (Gremmeniella abietina und Gremmeniella laricina)

Die Triebsterben-Krankheit ist in Mitteleuropa seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Auf den abgestorbenen Langtrieben befallener Nadelbäume entwickeln sich ein bis zwei Jahre nach der Infektion im Frühjahr nach dem Ausapern kugelige, schwarze, etwas 0,5 Millimeter grosse Fruchtkörper (Pyknidien) der Nebenfruchtform.

Bei der Reife reissen sie auf und entlassen in Schleim gehüllte Sporen, die über kurze Distanzen durch Regentropfen verbreitet werden. Erst im Sommer erscheinen die dunkelbraunen bis schwarzen, 0,5 - 1,5mm grossen Fruchtkörper der Hauptfruchtform. Die freigesetzten Sporen der Hauptfruchtform (Ascosporen) breiten sich durch den Wind weiträumig aus.

Weil der Pilz hitzempfindlich ist, stirbt er im Sommer bei hohen Temperaturen ab. Dies ist die kritische Phase im Entwicklungszyklus des Pilzes. Im Winter hingegen, wenn die Äste der Bäume vom Schnee bedeckt sind, geht der Pilz in die pathogene Wachstumsphase über. Er besiedelt die Triebe rasch und intensiv.

Schneeschütte (Phacidium infestans)

Die Schneeschütte bezeichnet man auch auch als "Weissen Schneeschimmel" oder "Arvenschneepilz". Phacidium infestans kommt in Skandinavien hauptsächlich an Waldföhre vor. In der Alpenregion gefährdet der Pilz hingegen nur die Arven. Die Krankheit ist in Arven-Naturverjüngungen und in fast allen Arven-Aufforstungen weit verbreitet. Vom Schnee bedeckte kleinere Arven oder Äste älterer, grösserer Bäume sterben oft nach einmaligem Befall ab. Bäume die durch die Schneeschütte geschwächt sind, werden oft vom Triebsterben (Gremmeniella) befallen. Die Fruchtkörper reifen bei feucht-kühler Witterung im Spätherbst. Die Sporen werden durch den Wind weit verbreitet.

Schwarzer Schneeschimmel (Heroptrichia juniperi und Herpotrichia coulteri)

H. juniperi befällt Fichte, Arve, Bergföhre, Tanne und Wacholder. Sein Verbreitungsgebiet liegt zwischen 900 und 2000 Metern über Meer. Die grössten Schäden verursacht dieser Pilz in den schneereichen Lagen der Voralpen östlich des Vierwaldstättersees. Er befällt Bäume sowohl in Naturverjüngungen als auch in Gebirgsaufforstungen. In der Schweiz ist er der weitaus gefährlichste Schadpilz an jungen Fichten. H. coulteri scheint auf die Legföhre beschränkt zu sein und kommt in Höhen über 1900 Meter vor.

Der Schwarze Schneeschimmel gefährdet besonders geschwächte Bäumchen. Auch bei diesem Pilz trägt der Wind die Sporen über weite Strecken. Der Pilz bildet an den Nadeln ein grau-schwarzes Myzel (Name!), mit dem sie benadelte Äste oder gelegentlich ganze Bäumchen dicht überzieht. Die befallenen Zweige sterben an den Folgen der Nadelzerstörung sowie an Licht- und Luftmangel ab.

Bekämpfung der Pilzkrankheiten

  • Abschneiden und Verbrennen von befallenen Pflanzenteilen. Bei Gremmeniella im Frühsommer, bei der Schneeschütte so früh wie möglich nach der Schneeschmelze, beim Schneeschimmel während des ganzen Sommers.
  • Der grossflächige Einsatz von Giften (Fungiziden) ist erstens per Gesetz verboten, zweitens aus ökologischen Gründen kaum vertretbar und drittens die Wirkung fraglich.

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(TR)