Das Eschentriebsterben, auch bekannt als Eschenwelke, ist eine schwere Baumkrankheit, die durch den aus Ostasien eingeschleppten Pilz (Hymenoscyphus fraxineus) verursacht wird. In Asien besiedelt H. fraxineus als harmloser Blattpilz die dort heimischen Eschenarten. Vermutlich wurde der Pilz mit importierten Eschenpflanzen nach Europa eingeschleppt.

Die Pilzsporen infizieren im Sommer die Blätter der Esche, von wo aus der Erreger in die Triebe vordringt. Dort entwickeln sich die typischen, olivbraun bis orange verfärbten Rindennekrosen, die zum Absterben der Triebe führen (Abb. 1).

Eindeutige Krankheitssymptome beobachtete man erstmals in den frühen 1990-er Jahren in Polen. Von dort aus breitete sich der Erreger epidemisch schnell im natürlichen Verbreitungsgebiet der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) aus (Abb. 2). In der Schweiz wurde das Eschentriebsterben erstmals 2008 in den Kantonen Basel und Solothurn festgestellt. Innert weniger Jahre besiedelte der Pilz die ganze Alpennordseite und erreichte auch die inneralpinen Täler in Graubünden und im Wallis (Abb. 3). Seit 2013 wird die Krankheit auf der Alpensüdseite beobachtet, wo sie sich ebenfalls rasch ausbreitet.

Bis heute sind keine wirkungsvollen Massnahmen gegen das Eschentriebsterben bekannt, und die Existenz der Esche als wertvolle Baumart ist bedroht.

Biologie des Krankheitserregers

Der Erreger des Eschentriebsterbens, Hymenoscyphus fraxineus (Synonym: H. pseudoalbidus) gehört zu den Schlauchpilzen (Ascomycota) und heisst auf Deutsch "Falsches Weisses Stengelbecherchen". Der bis dahin unbekannte Erreger wurde 2010 mithilfe von molekulargenetischen Analysen als neue Pilzart beschrieben. H. fraxineus ist nah verwandt mit dem in Europa heimischen Hymenoscyphus albidus, dem Weissen Stengelbecherchen.

Letzteres besiedelt als Saprophyt abgeworfene Eschenblätter und richtet keine Schäden an. Beide Arten bilden im Sommer auf den Blattspindeln letztjähriger Eschenblätter weisse, becherförmige Fruchtkörper, die sich morphologisch kaum unterscheiden. Die Fruchtkörper sind mehrere Millimeter gross und von Auge gut erkennbar (Abb. 4).

In den befallenen Eschenbeständen Europas dominieren heute die Fruchtkörper von H. fraxineus. H. albidus wird nur noch sehr selten gefunden. Die zu H. fraxineus (sexuelle Hauptfruchtform) gehörige Nebenfruchtform (asexuelle Konidienform) heisst Chalara fraxinea und lässt sich in isolierten Agarkulturen oder auf Blattresten nachweisen. Die asexuellen Sporen (Konidien) dienen nur als Spermatien bei der sexuellen Fortpflanzung, sind selber aber nicht infektiös.

Wirtsbäume

In Europa kommen drei Eschenarten vor: Die in der ganzen Schweiz verbreitete Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) sowie die im Süden vorkommende Schmalblättrige Esche (F. angustifolia) zählen zu den Hauptwirten von H. fraxineus. Die Blumenesche (F. ornus), die vor allem im östlichen Mittelmeerraum und auch im Tessin vorkommt, scheint hingegen wenig anfällig zu sein.

Bei den anfälligen Arten sind nicht nur Jungbäume, sondern Eschen jeden Alters betroffen. Besonders Eschen an feuchten Standorten sind einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt, denn Feuchtigkeit fördert die Sporenbildung und den Infektionserfolg des Pilzes, vor allem an der Stammbasis. In verschiedenen Eschenbeständen findet man jedoch immer wieder einzelne Eschen, die gar keine oder nur sehr geringe Krankheitssymptome aufweisen. Aufgrund dieser Beobachtungen schätzt man, dass etwa 1 bis 5 Prozent der Eschen dank ihrer genetischen Ausstattung weniger anfällig oder gar resistent gegenüber dieser Krankheit sind.

Krankheitszyklus

Eine ausführliche Beschreibung des in der folgenden Abbildung 5 dargestellten Krankheitszyklus des Falschen Weissen Stengelbecherchens finden Sie im Merkblatt (PDF).

Krankheitssymptome

Da H. fraxineus die Esche verschiedenartig befallen kann, sind auch die zu beobachtenden Krankheitssymptome sehr unterschiedlich. Erfolgt auf den Blättern eine Infektion durch Ascosporen, sind die Eintrittsstellen der keimenden Sporen durch kleine braune Flecken zu erkennen (Abb. 6, links). Diese Flecken wachsen zu grösseren Blattverfärbungen aus und erreichen dann die Blattspindeln.

Dringt das Pilzmyzel via Blattstiel weiter in die Triebe vor, stirbt an den betroffenen Stellen das Rindengewebe ab, das sich dabei orangebraun verfärbt (Abb. 6, mitte). Es bilden sich die typischen Rindennekrosen, die bis zum Stamm vordringen können. Die Eintrittsstelle des Pilzmyzels am Stamm erkennt man am abgestorbenen Seitentrieb im Zentrum der Nekrosen.

Umfasst eine Nekrose den ganzen Stamm- oder Triebumfang, ist die Wasserversorgung zu den oberen Abschnitten des Triebes unterbrochen. Die Blätter oberhalb der betroffenen Abschnitte beginnen zu welken und sterben ab. Oft bleiben sie braunschwarz verfärbt bis im Herbst an den Zweigen hängen (Abb. 6, rechts). Auf diese Weise führt ein sich jährlich wiederholender Befall mit H. fraxineus vor allem bei jungen Eschen zu einem raschen Absterben der gesamten Pflanze.

Alte Bäume sterben langsamer ab. Die Baumkrone wird durch abgestorbene, kahle Triebe zunehmend verlichtet (Abb. 7, links). Ausserdem verändert sich die Verzweigungsstruktur der Krone, da die Esche versucht, mit Ersatztrieben und Wasserreisern den Verlust an Trieben zu kompensieren. Diese neuen Triebe stammen aus schlafenden Knospen unterhalb der Nekrose und tragen zu einer Verbuschung der Krone bei.

Wird eine Esche vom Stammfuss her infiziert, ist äusserlich eine zungenförmige und eingesunkene Rindennekrose zu erkennen (Abb. 7, mitte). Ein Querschnitt durch den Trieb oder Stamm auf der Höhe einer Rindennekrose zeigt sektorenförmige, graubraune Holzverfärbungen, die teilweise bis in das Mark hineinreichen (Abb. 7, rechts). Die Verfärbungen im Holzkörper sind meistens deutlich weiter ausgedehnt als dies die äusserlich sichtbaren Rindennekrosen vermuten lassen. Am Stammfuss bleiben die Holzverfärbungen auf den untersten Stammteil beschränkt und steigen selten mehr als einen Meter im Stamm empor.

Zwischen einem Befall am Stammfuss und einem Befall der Baumkrone besteht keine Verbindung, sodass der grösste Teil des dazwischenliegenden Stammes gesund bleibt.

Sekundäre Schadorganismen

Stammfussnekrosen bieten eine gute Ansiedlungsfläche für sekundäre Schadorganismen, welche das Absterben der bereits geschwächten Bäume beschleunigen. Nach dem Erstbefall durch H. fraxineus kann häufig eine weisse Myzelmatte vom Hallimasch unter der abgestorbenen Rinde beobachtet werden. Des Weiteren werden stark geschädigte oder abgestorbene Eschen von Insekten, insbesondere dem Bunten Eschenbastkäfer (Leperisinus varius; Abb. 8), als Brutraum genutzt. Käfer und Larven fressen Gänge zwischen Rinde und Holz, die in Puppenwiegen münden und den Splint deutlich furchen.

Handlungsempfehlungen

Da es bislang keine praxistauglichen Verfahren für die direkte Bekämpfung des Eschentriebsterbens gibt, lässt sich die weitere Ausbreitung der Krankheit nicht verhindern. Aufgrund der Sporenbildung des Erregers auf Eschenstreu ist die vollständige Beseitigung des infektiösen Materials aus einem befallenen Gebiet unmöglich. Auch die Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln wäre weder sinnvoll noch erlaubt im Wald.

In der momentanen Situation ist es deshalb umso wichtiger, dass Eschen, die keine äusserlichen Krankheitssymptome oder nur einen geringen Befall aufweisen, stehen gelassen und gefördert werden. Sie sind möglicherweise weniger anfällig oder resistent und könnten diese Eigenschaft an ihre Nachkommen übertragen. In befallenen Eschenbeständen wird das folgende Vorgehen empfohlen (Abb. 9):

  • Die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Eschen ist im Juli vorzunehmen, da zu diesem Zeitpunkt die Bildung der Blätter und Klebäste abgeschlossen ist und der vorzeitige Blattfall noch nicht begonnen hat. Bei der Anzeichnung sollte unbedingt der Gesundheitszustand des Baumes in seiner Gesamtheit beurteilt werden. Dazu gehört der Kronenbereich ebenso wie der Stammbereich (inkl. Stammfuss), die Wurzelanläufe und die oberflächlich sichtbaren Wurzeln.
  • Eschen mit stark befallenen Kronen oder eindeutigen Stammfussnekrosen entlang von Strassen oder viel frequentierten Wegen sollten aus Sicherheitsgründen überwacht und gegebenenfalls rechtzeitig entfernt werden.
  • Im Umfeld von stark befallenen Eschen gilt es, bei Forstarbeiten die Arbeitssicherheit zu beachten.
  • Eschen, an welchen geschützte oder gefährdete Arten vorkommen (siehe Box Esche), sollen erhalten werden (Biotopbäume). In solchen Fällen kann die Sicherheit eventuell durch einen Kronensicherungsschnitt gewährleistet werden. Fachspezialisten sollten abklären, ob durch Artenförderungsmassnahmen Vorkommen gefährdeter Arten langfristig erhalten werden können.
  • Wertvolle Baumhölzer mit mehr als 70 Prozent Kronenverlust oder eindeutigen Stammfussnekrosen sind mittelfristig vom Absterben bedroht und können wegen drohender Holzentwertung genutzt werden.
  • Gering befallene oder gesunde Eschen sollten erhalten und gefördert werden, da sie eine allfällig vorhandene Resistenz oder Toleranz an ihre Nachkommen übertragen könnten.
  • Da von verholzten Teilen keine Infektionsgefahr ausgeht, können abgeschnittene oder gefällte, infizierte Baumteile im Gelände liegen gelassen werden.
  • Auf Neuanpflanzungen mit Eschen sollte verzichtet werden. Wegen des hohen Infektionsdruckes ist zu erwarten, dass die gepflanzten Eschen auch erkranken und ausfallen werden.
  • Der Zustand der betroffenen Eschenbestände sollte regelmässig neu beurteilt und das weitere Vorgehen angepasst werden.
  • Anzeichnungen in Eschenbeständen sind mit der nötigen Zurückhaltung vorzunehmen, weil es erstens sehr grosse Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung der Eschen gibt und zweitens die Gefahr besteht, den Holzmarkt mit Eschen zu überschwemmen.
  • Droht ein befallener Eschenreinbestand ganz auszufallen, stellt sich die Frage nach möglichen Ersatzbaumarten. Falls sich solche auf den Eschenstandorten nicht natürlich verjüngen, sollten bei Pflanzungen standortsgerechte Laubbäume verwendet werden. Dazu zählen Ahorn, Kirschbaum, Traubenkirsche, Hagebuche und auf feuchteren Stellen die Schwarzerle.

(TR)