Die Esche ist eine der wichtigeren Laubbaumarten Bayerns: schnellwachsend, vielseitig, mit hellem, begehrtem Holz und lange Zeit ein Hoffnungsträger im Waldumbau. Doch seit Ende der 1990er-Jahre wird die Esche in großem Umfang durch das Eschentriebsterben geschädigt. Ist das das Ende einer Baumart?

Genau dieser Frage geht eine aktuelle Folge des Podcasts “Forstcast – der Waldpodcast” der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) nach. Waldschutzexpertin Susanne Ritter klärt auf über Ursachen und Folgen des Eschentriebsterbens und zeigt Perspektiven für die Esche – mit überraschenden Gründen zur Hoffnung.

Auslöser der Krankheit ist ein aus Asien eingeschleppter Pilz mit dem harmlos klingenden Namen “Falsches Weißes Stängelbecherchen”. Er befällt die Blätter der Esche, wandert von dort in Triebe und Äste und lässt die Kronen nach und nach absterben. Die Bäume werden licht, brüchig und geschwächt. Besonders gefährlich wird es, wenn sich eine weitere Pilzart, der Hallimasch, dazugesellt: Er zerstört die Wurzeln – mit der Folge, dass selbst scheinbar vitale, alte Eschen plötzlich umkippen können. Dies bedeutet eine Zunahme des Risikos bei Arbeitssicherheit und Verkehrssicherung für Forstleute.

Die Zahlen sind alarmierend: In langfristigen Untersuchungen der LWF blieben von 24 intensiv beobachteten Versuchsflächen nach 15 Jahren nur noch fünf übrig. Keine Esche ist heute noch völlig frei von Symptomen. Betroffen sind junge wie alte Bäume gleichermaßen. Die Diagnose ist für Fachleute eindeutig – und für viele Waldbesitzende ernüchternd.

Und doch lautet die Kernbotschaft dieser Podcastfolge: Hoffnung mit Augenmaß statt Resignation.

Denn Forschungen zeigen: Nicht alle Eschen reagieren gleich. Einzelne Bäume und vor allem ein kleiner Teil der Nachkommen weisen eine gewisse Toleranz gegenüber dem Pilz auf. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa ein Prozent der natürlich aufkommenden Jungeschen widerstandsfähiger sein könnte. Was wenig klingt, ist im Wald enorm viel: Eine alte Esche produziert hunderttausende Samen. Selbst ein Prozent davon reicht aus, um einen Bestand zu sichern – wenn man ihn lässt.

Daraus leiten sich drei zentrale Handlungsbotschaften ab, die im Podcast immer wieder betont werden:

Erstens: Alte Eschen nicht vorschnell fällen. Auch wenn sie befallen sind, sind sie genetisch wertvoll und die Grundlage für eine angepasste nächste Generation.
Zweitens: Natürliche Verjüngung zulassen und fördern. Geduld ist hier ein entscheidender Faktor.
Drittens: Angepasste Wildbestände und Jagd. Ohne sie werden junge, potenziell tolerante Eschen verbissen, bevor sie eine Chance haben.

Die Esche ist also nicht gerettet – aber sie ist auch nicht verloren. Ihre Zukunft hängt davon ab, wie umsichtig wir heute handeln und ob wir bereit sind, der Natur Zeit zu geben, sich anzupassen.

Wer tiefer verstehen möchte, warum das Eschentriebsterben so gefährlich ist, wie man es erkennt, welche Risiken bei der Bewirtschaftung bestehen und warum die Forschung trotzdem optimistisch bleibt, findet in dieser Forstcast-Folge fundierte Einblicke aus Wissenschaft und Praxis – persönlich, verständlich und mit viel Leidenschaft für den Wald erzählt.

Oder, wie es am Ende der Folge fast poetisch heißt:
Fraxinus excelsior – das klingt nicht nur wie ein Zauberspruch. Vielleicht ist es auch einer.