Grundlage

Die bei großen Sturmereignissen anfallenden Holzmengen müssen, sofern sie nach der Aufarbeitung nicht direkt vermarktet werden können oder sollen, einem geeigneten Konservierungsverfahren zugeführt werden. Dabei steht in erster Linie die Erhaltung der Holzqualität im Vordergrund.

Die Erfahrungen der Sturmschadensbewältigung nach "Vivian und Wiebke" 1990 und "Lothar" 1999 haben gezeigt, dass die weiteren Ziele "Entlastung des Holzmarkts" und "Erhaltung der Holzpreise" zwar wünschenswert, aber ohne solidarisches Verhalten der Waldbesitzer bzw. Forstbetriebe nicht zu realisieren sind. Die Konservierung von Holz umfasst sämtliche Maßnahmen zur Erhaltung des qualitativen Zustandes und soll das Holz vor chemischer, physikalischer und biologischer Zersetzung schützen. Technisch stehen dafür unterschiedliche Konservierungsverfahren zur Verfügung.

Wichtigste Einflussgröße ist dabei die Holzfeuchte: Entweder muss diese möglichst schnell auf über 120% angehoben und dieser Wert kontinuierlich gehalten (z.B. durch Nasslagerung), oder durch rasche Trocknung unter den Fasersättigungsbereich von ca. 30% Holzfeuchte abgesenkt werden (z.B. durch Trockenlagerung).

Abb. 2 zeigt die gängigsten Konservierungsverfahren auf. Spezialverfahren wie z.B. die Bedeckung der Polter mit Stroh, Erde oder Kalkgemisch sowie die Einlagerung in Bergwerken oder Stollen werden in den folgenden Merkblättern nicht berücksichtigt. Für diese Verfahren liegen keine Erfahrungen vor, die Anwendung blieb bisher auf Versuchs- und Einzelfälle beschränkt.

Holzarteneignung

Der erste Teil in Tab. 1 ermöglicht einen raschen Überblick über die wichtigsten Lagerungsmöglich­keiten für Baumarten bzw. Sortengruppen.

Im zweiten Teil der Tabelle ist die Eignung für die Konservierungsarten nach Schadensarten (Bruch/Wurf) dargestellt, der mit den Baumarten des ersten Tabellenteils kombiniert werden kann.

Die z.T. bessere Wertung in runden Klammern zeigt an, dass nach "Lothar" die entsprechende Lagerung in Baden-Württemberg von verschiedenen Forstämtern mit Erfolg durchgeführt wurde. Breite Erfahrungen und weitergehende Empfehlungen fehlen dazu jedoch bislang.

Tab. 1: Übersicht der Lagerungsmöglichkeiten.
 SortenklassenNass­lagerFolienlagerung (begrenzte Kapazität)Trockenlagerung ohne RindeLebendlagerung
Fi/Ta-StammholzL 2a – L3a***00
 L 3b – L6***00
 Fixlängen0**-0
Lärchen-Stammh. (*) – 0-**-
Douglasien-Sth. (*) – 0-***
Buchen-WertholzL 5 – L 6***-0
Bu Schneidew.L 4 – L 6**-0
Buntlaubholz  0**-0
Eichen-Wertholz (*) – 000*
Eiche Schneidew. (*) – 00**
Geworfener Baum ohne ausreichen­den Wurzelkon­takt zum Boden[* / 0]-* / 0-
Geworfener Baum mit ausreichen­dem Wurzelkon­takt zum Boden* / 0* / 0* / 0**
Gebrochener Baum--[* / 0]-
Angeschobener, gebogener Baum ohne ausreichen­dem Wurzelkon­takt zum Boden[* / 0][* / 0]* / 0-
Angeschobener, gebogener Baum mit ausreichen­dem Wurzelkon­takt zum Boden * / 0* / 0* / 0**
Bewertungsehr gutgutgeeignetungeeignetin Klammern [ ]
 ***0-Eignung abhängig vom Feuchtegehalt des Holzes zum Zeitpunkt der Einlagerung

In einzelnen Themenblättern (siehe unten Ergänzung "Handreichung Sturm") werden die verschiedenen Möglichkeiten der Lagerung von Holz (nach Katastrophenfällen) aufgezeigt und neben detaillierten Informationen zum Aufbau auch Vorteile und Nachteile der Verfahren aufgeführt. Auch aufgeführt wird die kurzfristige Lagerung in Rinde an der Waldstraße, wie sie zu "Normalzeiten" praktiziert wird, obwohl sich dieses Verfahren nicht für eine längere Lagerung eignet, da die Holzfeuchte in dem für die Holzentwertung durch Pilze und Insekten kritischen Bereich > 40% und < 100% bleibt und somit eine qualitätserhaltende Konservierung nicht gewährleistet ist. Insbesondere beim Nadelholzsortimenten ist ein Befall von Holzbrütern nur durch chemischen Schutz zu verhindern. Zudem sind Lagerungsmöglichkeiten an der Waldstraße begrenzt und können u.U. die Aufarbeitung weiterer Bestände behindern. Die Lagerung von Holz in stehenden Gewässern verhindert wirkungsvoll das Austrocknen der Stämme und den Befall durch Insekten, kommt jedoch in Baden-Württemberg gemäß VwV "Nasskonservierung von Rundholz" nicht in Betracht. Aus folgenden Gründen wird dieser Lagermethode nicht weiter ausgeführt:

Offene Gewässer, die für eine Lagerung geeignet sind, finden sich relativ selten.
Wasserrechtliche Genehmigungen werden meistens untersagt oder nur mit strikten Auflagen erteilt.

Der Stoffeintrag in die Gewässer steigt stark an, deren ökologische Funktion wird erheblich eingeschränkt. Andere Nutzungsarten werden während der Einlagerungsphase unmöglich.

Abfallende Rinde sammelt sich am Boden der Wasserflächen und baut sich nur schwer ab – dadurch werden andere Nutzungsformen auf Dauer in Frage gestellt.

Der über die Wasserfläche hinausragende Teil der Stämme muss gegen Austrocknung geschützt und deshalb zusätzlich beregnet werden.

Es entstehen Verluste durch auf den Boden des Gewässers absinkendes Holz.

Der Aufwand zur Auslagerung ist erheblich (vollgesogenes Holz).

Empfehlungen

Wahl der Konservierungsmethode

Bei der Wahl der Konservierungsmethode sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Art der Sturmschäden: Bruch/ Wurf
  • Baumarten und anfallende Sortimente und deren Eignung zur Lagerung
  • Vermutliche Absatzmengen/ -märkte
  • Vermutliche Lagerdauer
  • Vorhandensein von geeigneten Lagerplätzen (v.a. Nasslager)
  • Genehmigungsrechtliche Aspekte (v.a. Nasslager)
  • Vorhandene Arbeitskräfte und finanzielle Überlegungen (s.u.)

Ökonomische Überlegungen

Entwurf einer Strategie, die je nach Menge des angefallenen Holzes, der Größe des vom Sturm betroffenen Gebietes und der Aufnahmefähigkeiten der Märkte die Einlagerung des Holzes vorsieht.

Der Nutzen der Einlagerung muss gegenüber den möglicherweise entstehenden Kosten abgewogen werden.

Insbesondere bei Lagermethoden mit hohen Investitionskosten und langer Lagerdauer addiert sich der finanzielle Aufwand zu großen Summen, für die der Waldbesitzer zunächst in Vorlage treten muss. Da die weitere Entwicklung der Holzpreise nach einem Sturmereignis ungewiss ist und diese u.U. durch Folgeereignisse (Borkenkäferkalamität) über längere Zeit unter Druck geraten können, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die (Mehr-) Erlöse des gelagerten Holzes die Aufwendungen für kostenintensive Lagerarten nur zum Teil decken. Möglicherweise können Fördermittel für die Lagerung von Sturmholz ausgleichend wirken.

Qualitätserhaltung und Kontrolle

Die (nicht sachgerechte) Lagerung birgt ein Risikopotenzial für die Qualität des Holzes: Befall durch Insekten, die Zerstörung durch Pilze und das Auftreten von Verfärbungen und Flecken.

Die Zeit zwischen Aufarbeitung (Abstocken) der Sturmhölzer und Einlagerung muss deshalb so kurz wie möglich gehalten werden. Insbesondere für die Qualitätserhaltung bei anschließender Nasslagerung sollte waldfrisches Holz sofort (bis max. 2 Wochen nach Einschlag) eingelagert werden und die Beregnung unverzüglich einsetzen. Falls keine ausreichende Kapazitäten zum Transport oder zur Einlagerung vorhanden sind, ist die Aufarbeitung auf der Sturmfläche einzustellen. Bereits angetrocknetes Holz oder solches mit schlechten Qualitätsmerkmalen darf nicht eingelagert werden.

Eine kontinuierliche Kontrolle der Holzlager und der Qualität der einge­lagerten Hölzer muss über die gesamte Lagerungsdauer gewährleistet sein. An Nasslagern muss die Beregnungsanlage täglich überprüft werden, an Folienlagern ist die Zusammensetzung der Innenatmosphäre zu kon­trollieren

Eine Holzfeuchtemessung an Holz, das lebend gelagert wurde und für die Nass­lagerung vorgesehen ist, kann entscheiden helfen, ob die Einlagerung noch für sinnvoll erachtet werden kann, oder ob eine sofortige Vermarktung nötig ist.

Quellen

Literatur

  • Ittel-Reinlassöder, I.(1991): Überwachung der Wasserqualität an Nasslagerplätzen. AFZ 5/1991, S. 248-251.

Hinweis