Holz ist ein nachwachsender natürlicher Rohstoff, der in großen Mengen für verschiedene Zwecke von den Menschen benötigt wird. Die Holzernte in heimischen Wäldern wird jedoch zunehmend in Frage gestellt. In der Folge wird der Bedarf durch Importe gedeckt und der aktuelle ökologische Fußabdruck der Holznutzung größer.

Holzbedarf und Holzproduktion

Holz ist einer der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe. Die Menschen nutzen diesen Rohstoff schon seit langer Zeit. In den Zeitläuften gab es auch Perioden, in denen der Holzbedarf u.a. für Hausbau, Werkholz, Salinen und Hüttenwerke aus den umliegenden Wäldern nicht oder nur ansatzweise gedeckt werden konnte und die Menschen diese Holzknappheit spürten. Bis ins frühe 19. Jahrhundert war der Holztransport teuer und aufwendig (Stichworte: Fuhrwerke, Flöße) und der Bedarf konnte kaum oder nur schwer durch Importe aus anderen Regionen gedeckt werden. Mit der Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur und der Transportmittel (Stichworte: Eisenbahn, Lkw) sanken die Transportkosten deutlich. Holz wird heute weltweit gehandelt. Das ermöglicht uns derzeit, den Holzbedarf regionaler Zentren aus entfernten Waldgebieten zu decken.

In Nordrhein-Westfalen deckt die nachhaltige Erzeugung von Holz nur ca. 30 % des Bedarfes. Das bedeutet, dass der Fußabdruck der Holznutzung ca. viermal so groß ist wie die aktuellen Produktionsmöglichkeiten in den Wäldern des Landes. Betrachtet man diesen Zusammenhang auf Ebene der Kreise für das Bundesland Nordrhein-Westfalen, so können die Kreise mit einer hohen Holzernte und die mit einem hohen Holzverbrauch beschrieben und visualisiert werden.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Holz beträgt im statistischen Mittel 1,3 m3 pro Jahr in Deutschland (Bonn Sustainability Portal 2012). Hiervon werden ca. 0,8 m3 pro Kopf jedes Jahr in den Wäldern frisch geerntet, ca. 0,5 m3 Holzäquivalent stammen aus verschiedenen Stufen der Wiederverwertung (u.a. Altpapier, Altholz). Für die Kreise in Nordrhein-Westfalen ist die (statistische) Holzernte in Abb. 2 dargestellt. Nutzt man diese Zahlen und führt sie mit der Einwohnerzahl der Kreise (Abb. 3) zusammen, lässt sich ein Quotient berechnen, der angibt, ob die Menschen in dem Kreis bzw. der kreisfreien Stadt mehr frisch eingeschlagenes Holz verbrauchen als in dem Gebiet geerntet wird.

Das Ergebnis dieser Rechnung ist in Abb. 4 dargestellt. Aus der Grafik ist deutlich zu erkennen, dass in den städtischen Siedlungsräumen Ruhrgebiet, Düsseldorf, Köln und Bonn der Holzbedarf nur zu ca. 10 % aus der jährlichen Holzernte in den jeweiligen Wäldern gedeckt wird und ca. 90 % des Holzbedarfs aus anderen Regionen bezogen werden muss. Andererseits wird im Hochsauerlandkreis mehr als 2,5-mal so viel Holz geerntet wie die Menschen dort benötigen. Zu den Kreisen mit einer Holzernte, die den regionalen Bedarf übersteigt, gehören auch die Kreise Olpe, Siegen-Wittgenstein, Höxter, Euskirchen und der Oberbergische Kreis. In allen anderen Kreisen übersteigt im statistischen Mittel der Holzbedarf die jährliche Holzernte in den Wäldern mehr oder weniger deutlich.

Diskussion

Holz ist auch heute noch ein wichtiger nachwachsender Rohstoff und seine Bedeutung wird in Zukunft noch steigen (Stichworte: Holzchemie, Werk- und Baustoff; BMEL 2014). Nordrhein-Westfalen deckt seinen Holzbedarf derzeit nur zu ca. 30 % durch die Holzernte in den eigenen Wäldern (Asche 2017). Selbst das waldreiche Bundesland Hessen kann den Holzbedarf seiner Bevölkerung lediglich zu ca. 80 % aus eigenen Wäldern decken (Schultze 2018), und Deutschland ist seit 2009 ein Netto-Holz-Importeur (Dieter 2015). Das bedeutet aber auch, dass diese Bundesländer bzw. Deutschland große Waldflächen außerhalb der Landesgrenzen für die Holzversorgung der Bevölkerung beanspruchen. Ökologisch nachhaltig sind diese Lieferbeziehungen nur solange, wie die dortigen biologischen Kapazitäten nicht überbeansprucht werden und die dort lebende Bevölkerung ausreichend mit Holz versorgt ist. Dieser Zusammenhang ist einem großen Teil der Bevölkerung in den städtischen Siedlungsgebieten nicht bewusst oder wird negiert. Eine Holznutzung in heimischen Wäldern wird daher von dieser Bevölkerungsgruppe tendenziell als unwichtig eingestuft (Lorenz und Elsasser 2018, Ibisch 2018). Folge ist, dass der Bedarf durch Importe z. T. aus Regionen mit einer weniger an ökologischen Kriterien und weniger nachhaltig ausgerichteten Waldwirtschaft gedeckt wird.

Ob die reibungslose und kostengünstige Versorgung mit Holz und Holzprodukten auch in Zukunft möglich sein wird ist ungewiss:

  • da der Bedarf an Holz weltweit steigt und die Waldfläche auf unserer Erde aber um ca. 3 bis 4 Mio. ha jährlich kleiner wird (Grün 2011),
  • ob die derzeitige Holzproduktion in unseren Wäldern auch in Zukunft noch nachhaltig realisiert werden kann,
  • weil die Waldzustandserhebung auf erhebliche Beeinträchtigungen der Vitalität der Waldbäume hinweist:
    • bisher hier unbekannte Pilze zum Absterben wichtiger Waldbaumarten führen,
    • Veränderungen von Standortmerkmalen durch Bodenversauerung und Trockenstress die Produktivität der Wälder beeinflussen und
    • auf für den Biotop- und Artenschutz reservierten Flächen eine Holznutzung nicht vorgesehen ist.

Eine an den Kriterien der Nachhaltigkeit orientierte Waldwirtschaft sollte jedoch zum Ziel haben, die biologischen Kapazitäten der Holzerzeugung in den heimischen Wäldern zu stärken und vorhandene Nutzungspotenziale auszunutzen, ohne die Stabilität der Waldökosysteme negativ zu beeinträchtigen. Das erfordert auch, Wälder an vorhandene und erwartete Standort- und Klimaveränderungen anzupassen. Dazu gehört, strukturreiche Mischbestände zu entwickeln und auch wuchsstarke Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen in diese Wälder zu integrieren, die an erwartete Umweltänderungen angepasst sind. Zudem sollte überprüft werden, ob eine integrative, multifunktionale Waldnutzung (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion) nicht aus ökologischer und auch ökonomischer Sicht zukunftsfähiger ist, als die derzeit praktizierte Segregation in Schutzgebiete und Produktionsräume.

Literatur