Die vorliegende Studie erfolgte im Rahmen des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Biomasse (SCCER BIOSWEET), an welchem auch die Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) beteiligt ist und unter anderem die energetischen Potenziale aller relevanten Biomassen in der Schweiz abschätzte.

Folgende Fragen standen im Vordergrund:

  • Wie gross ist das heutige Altholzaufkommen und wie ist es räumlich verteilt?
  • Welche Altholzmengen fliessen in welche Verwendungen?
  • Wie sieht die Verfügbarkeit für eine energetische Verwendung aus?
  • Wie könnte sich die Verfügbarkeit in Zukunft ändern? Welche Altholzmengen werden heute unter anderem im Ausland genutzt und wie viel könnte zukünftig im Inland verwendet werden?

Altholz ist ein begehrter Rohstoff und fällt dort an, wo Holzprodukte das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben. Es stammt überwiegend von Baustellen, Abbrüchen, Renovationen und Umbauten sowie aus Verpackungen und zerkleinerten Abfällen, deren Schadstoffgehalte die Richtwerte für die stoffliche Verwertung oder für Altholzfeuerungen einhalten (s. VeVA).
Aus Unternehmenssicht wird jedoch davon ausgegangen, dass unter Altholz sämtliches Holz, das bereits einmal in Gebrauch war, verstanden wird. Dazu gehören auch problematische Holzabfälle und Sperrmüll aus Holz. In der erwähnten Studie wird der Begriff Altholz in diesem Sinne verwendet.

Basierend auf einer in der Schweiz erstmals durchgeführten Vollerhebung wurden das Altholzaufkommen und die Altholzflüsse hinsichtlich ihrer energetischen Nutzungen untersucht. Die 2015 mittels Befragung durchgeführte Vollerhebung bezieht sich auf das Jahr 2014. Insgesamt konnten 567 Betriebsstätten ermittelt und angeschrieben werden. Davon wurden 105 als Altholzentsorger und 344 als ausschliessliche Altholztransporteure identifiziert. Der Rest waren weder Altholzentsorger noch Altholztransporteure und gehörten somit nicht zur Grundgesamtheit. Betrachtet wurden die Verfügbarkeit für eine energetische Nutzung und die räumliche Verteilung.

Es erfolgte eine Abschätzung der (i) theoretisch verfügbaren, (ii) der nachhaltig nutzbaren, (iii) der heute bereits genutzten sowie der (iv) zusätzlich energetisch nutzbaren Altholzmengen. Aufgrund der Adressdatenbank konnte jede der antwortenden Betriebsstätten räumlich zugeordnet werden.

Überblick über Altholzaufkommen und Stoffströme

Die Ergebnisse erlauben einen differenzierten Überblick über das Altholzaufkommen und die Stoffströme in der Schweiz.

Potenziale – Aufkommen und Verfügbarkeit

Tabelle 1 gibt eine Übersicht zu den Potenzialen von Altholz. Das theoretische Potenzial (TP) entspricht dem Marktvolumen, das heisst die im Markt maximal verfügbare Menge.

Das Marktvolumen enthält die innerbetrieblich verwendeten Mengensowie die Mengen, welche im Ausland an Endverwerter vertrieben werden (Abb. 1). Im Gegensatz zum Handelsvolumen enthält das Marktvolumen also keinen Intrahandel und damit bereits keine Mengen mehr, welche innerhalb der Betriebsstätten gehandelt und deswegen mehrfach erfasst werden. Das nachhaltige Potenzial (NP) berücksichtigt die kaskadische und damit auch die stoffliche Nutzung des Altholzes sowie die sachgerechte Entsorgung von belastetem Altholz im In- und Ausland. Das bereits genutzte Potenzial (BG) entspricht der zur Energieerzeugung inländisch im Jahr 2014 verwendeten Menge Altholz. Das zusätzlich nutzbare Potenzial (ZP) entspricht der Differenz zwischen dem nachhaltigen und dem bereits genutzten Altholz. Es beziffert Altholz, welches heute hauptsächlich im Ausland für die Energieerzeugung eingesetzt wird.

Kaum kaskadische Nutzung

Die energetische Nutzung von Altholz ist zwar grundsätzlich erfreulich, jedoch sind vor einer energetischen Verwertung aus Gründen des Klimaschutzes zusätzlich eine oder mehrere stoffliche Nutzungen anzustreben Die kaskadische Nutzung findet heute in der Schweiz kaum statt. Im Inland wurde 2014 das meiste Altholz (99 %) direkt einer energetischen Nutzung zugeführt und nur gut 1 Prozent stofflich genutzt.

Hoher Exportanteil

Fast ein Drittel des Altholzes (0,320 Mio. Tonnen) wurde 2014 exportiert und im Ausland zur Hälfte stofflich, zur anderen energetisch genutzt. Besser wäre eine inländische oder lokale Nutzung des Altholzes. Dabei könnten Transportkosten und klimaschädliche Abgase reduziert werden und die Wertschöpfung lokal stattfinden.

Bessere Ausnutzung möglich

Es erscheint sinnvoll, auch die zusätzlich nutzbaren Potenziale voll auszuschöpfen. Interessant wäre es, festzustellen, wie sich die Mobilisierung des zusätzlich nutzbaren Potenzials (energetisch genutztes Altholz im Export) realisieren liesse. Da die kaskadische Nutzung des Altholzes aus Gründen der CO2-Reduktion und der Wertschöpfung sinnvoll und wünschenswert ist, aber in der Schweiz kaum stattfindet, sollten die Möglichkeiten ihrer technischen und ökonomischen Umsetzung besser untersucht werden.