Untersuchungen der letzten Jahre zeigen, dass Kooperationen für Forstbetriebe ein geeignetes Mittel sind, um sich in der kleinteiligen Schweizer Waldwirtschaft wirtschaftlich zu behaupten. Eine Analyse des wirtschaftlichen Erfolges in Abhängigkeit von der Organisationsform zeigt, dass der Erfolg von Kooperationen sowohl in der Waldbewirtschaftung als auch gesamtbetrieblich im Vergleich zu den Einzelbetrieben sichtbar grösser ist.

Eine forstliche Kooperation kann deutlich flexibler auf marktliche Veränderungen reagieren. Sie wird von den Kunden als professioneller Akteur wahrgenommen und erweitert damit ihre Absatzmöglichkeiten. Ausserdem kann sie sich verstärkt spezialisieren. Dank optimierter Auslastung von Personal und Maschinen sowie einer geringeren Fixkostenbelastung durch Verwaltung und Management verbessert sie ihre gesamte Kostenstruktur.

Allerdings ist der Aufbau einer erfolgreichen Kooperation anspruchsvoll. Es geht um Veränderungen, die auf verschiedensten Seiten Widerstand finden können. Damit eine Kooperation überhaupt funktioniert, müssen die Beteiligten sich an ähnlichen Werten orientieren und vergleichbare Ziele verfolgen. Überdies muss der Aufbau seriös geplant werden. Die Broschüre von HAFL (Hochschule f. Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften), BAFU (Bundesamt für Umwelt) und dem Verband WaldSchweiz dient als Wegweiser dazu und zeigt die Vorteile einer solchen Kooperation bei der Waldbewirtschaftung auf und wie man sie aufbaut. Sie richtet sich v.a. an Vertreter/innen von öffentlichen Waldeigentümer/innen wie z. B. Gemeinderatsmitglieder für das Ressort Wald.

Datenbasis und Gliederung der Broschüre

Grundlage für die Broschüre sind Befragungen von Forstbetriebsleitenden und erfahrenen Betriebsberater/innen, die zudem noch mit einer umfangreichen Literaturstudie ergänzt wurde.

Im ersten Kapitel der Broschüre erhält der Lesereinen kurzen Überblick über mögliche Organisationsformen in der Waldwirtschaft und Ansätze zur Überwindung von wenig effizienter Kleinstrukturiertheit.

Kapitel zwei zeigt denWeg zu einer erfolgreichen Kooperation aufgezeigt.

Kapitel drei befasst sich damit, was eine Kooperation erfolgreich macht und welchen Nutzen man daraus ziehen kann.

Im Kapitel vier werden weitere Formen von Kooperationen, wie z. B. Holzvermarktungsorganisationen, Mandatsbeförsterung oder Schlag- und Unternehmerpool näher beleuchtet.

Kapitel fünf fasst die wichtigsten Botschaften zusammen und gibt einen Ausblick.

Effizienter und wirtschaftlicher

Fast ein Drittel der Schweizer Waldfläche ist Privatwald. 99 Prozent der Schweizer Waldeigentümer besitzen Privatwald in der Grössenordnung von ca. 1,4 Hektaren Forst. Zudem gibt es hierzulande 3400 öffentliche Waldbesitzer, die durchschnittlich 250 Hektaren besitzen. Grössere Bewirtschaftungseinheiten sind trotz früherer Zusammenschlüsse selten, würden sich aber lohnen!

Die Bewirtschaftung der Wälder ist grundsätzlich Sache der Eigentümer/innen. Dazu gehört auch die Gestaltung der betrieblichen Organisation. Waldeigentümer/innen spannen immer häufiger zusammen, denn die Waldbewirtschaftung wird effizienter und wirtschaftlicher, wenn mehrere Partner gemeinsam eine grössere Waldfläche unterhalten. Diese Kooperationen reichen von losen Absprachen, zum Beispiel gemeinsam durchgeführte Holzschläge, bis hin zu Betriebsgemeinschaften, bei denen die gesamte Bewirtschaftung eigentumsübergreifend durchgeführt wird.

Vorteile grosser Einheiten

Die Überwindung von Strukturproblemen wird von Experten seit langem als wichtige Voraussetzung für die Gestaltung einer effizienten Waldbewirtschaftung angesehen. Im Zentrum der Überlegungen stehen dabei die Schaffung grösserer Bewirtschaftungseinheiten. Die Autoren der Broschüre sehen darin folgende Vorteile:

  1.  effizientere betriebliche Prozesse
  2.  bessere Qualität der angebotenen Leistungen
  3.  erleichterter Marktzugang
  4.  man kann flexibler auf Chancen oder ungeplante Ereignisse am Markt reagieren
  5.  es ist möglich, interessante Jobs mit Möglichkeiten zur Weiterentwicklung anzubieten
  6.  die Stellvertreterfrage ist einfacher zu klären

Verschiedene Wege führen zum Ziel

Um die Bewirtschaftungseinheit zu vergrössern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neben Kauf oder Fusion von Waldflächen, Diversifikation (anbieten von Gemeindearbeiten, Drittaufträge wie etwa Gartenholzerei oder neue Produkte wie Stückholz) ist gemäss Broschüre die eigentums- und betriebsübergreifende Kooperation am vielversprechendsten.

Je enger, desto besser

Ein weiteres Fazit der Publikation ist: je enger die Zusammenarbeit, desto grösser ist der Nutzen der Kooperation. Einheitsforst-Betriebsgemeinschaften und Pacht haben demnach das grösste Potenzial. Allerdings sind sie am schwierigsten umzusetzen.

In drei Schritten zu einer erfolgreichen Kooperation

Im Leitfaden wird der Interessierte in 3 Schritte zu einer erfolgreichen Kooperation geleitet:

  1. Initialisierung und Partnersuche
  2. Konzeption und Planung
  3. Umsetzung

Zu jedem Schritt gibt es im Leitfaden Hinweise zu Stolper- und Meilensteinen, Erfolgsfaktoren sowie Durchführungs-Tipps. Ergänzt wird das Ganze noch durch Praxisbeispiele und Meinungen von Beteiligten wie z. B. Förstern.

Welchen Nutzen bringt forstliche Kooperation?

Die Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Kooperationen ein geeignetes Mittel sind, um den kleinräumigen Strukturen in der Schweizer Waldwirtschaft zu begegnen und die Produkte und Dienstleistungen nachhaltig anzubieten.

Eine forstliche Kooperation

  • kann deutlich flexibler auf marktliche Veränderungen reagieren.
  • wird von den Kunden als professioneller Akteur wahrgenommen und verbessert somit ihre Absatzmöglichkeiten.
  • kann durch eine verbesserte Auslastung (Personal, Maschinen) sowie eine geringere Fixkostenbelastung (Verwaltung und Management) ihre gesamte Kostenstruktur verbessern.
  • kann die Professionalität durch eine verstärkte Spezialisierung steigern.

Mitarbeitende

  • arbeiten in einem stabilen Arbeitsumfeld und haben interessante Stellen mit Karriereoptionen.
  • haben eine Stellvertretung (Betriebsleitung) und können bei Arbeitsspitzen besser entlastet werden.

Forst- und Transportunternehmen

  • können über eine dauerhafte Zusammenarbeit mit der Kooperation ihre Planungssicherheit erhöhen.
  • dürfen mit Auftragsgrössen (Schlaggrössen) rechnen, die einen effizienteren Einsatz ihrer Forstmaschinen ermöglichen.

Holzabnehmende Organisationen

  • haben einen kompetenten Lieferanten, der sie dauerhaft mit dem Rohstoff versorgt, den sie benötigen.
  • können den Beschaffungsaufwand durch eine vereinfachte Planung und Abrechnung sowie durch eine optimierte Transportorganisation reduzieren.
  • profitieren von einer professionellen Waldwirtschaft und können ihre Kapazitäten durch eine erhöhte Holznutzung ausweiten und in der Folge neue Arbeitsplätze anbieten.

Wald
Seit vielen Jahren wird im Schweizer Wald deutlich weniger genutzt als zuwächst, wodurch diese zunehmend überaltern, das Sturmrisiko steigt und die Absatzmöglichkeiten sinken.
Die Überalterung führt ausserdem zur Abnahme der Stufigkeit und damit der Schutzwirkung des Waldes gegenüber Naturgefahren.
Ein bewirtschafteter Wald ist auch im Hinblick auf die sich verändernden Rahmenbedingungen zukunftsfähiger. Eine hohe Anpassungsfähigkeit des Waldes ist für die nachhaltige Erbringung der von ihm geforderten Leistungen unumgänglich.
Die durch die Nutzung des Waldes entstehenden lichten Flächen bieten zudem vielen Pflanzen und Tieren Raum.

Da in der Schweiz deutlich mehr Holz verwendet als genutzt wird, werden Holz und Holzprodukte in grossen Mengen aus dem Ausland importiert, wobei das Holz dann oftmals nicht aus nachhaltiger Produktion stammt. Eine Professionalisierung der Schweizer Waldwirtschaft führt zu einem erhöhten Einschlag, was den Wäldern nutzt und der Bevölkerung mit Schweizer Holz einen lokalen ökologischen Rohstoff bietet. Zugleich schont dies die Natur in anderen Regionen auf der Welt.

Schlussendlich dient die Verbesserung der Waldbewirtschaftung auch der Erholungsleistung des Waldes, denn die erzielten Gewinne können in eine umfangreiche Erholungsinfrastruktur investiert werden. Bau und Unterhalt erfolgen dabei durch ein professionelles Team.

Alternativen zur Betriebszusammenlegung

Wenn keine geeigneten Partner/innen für einen Betriebszusammenlegung vorhanden sind oder der Wunsch nach Eigenständigkeit sehr stark ist, gibt es für die Waldeigentümer/innen trotzdem Möglichkeiten einer Zusammenarbeit. Eine Alternative ist die Zusammenarbeit mit einem forstlichen Dienstleistungsunternehmen, eine andere wäre der Aufbau eines Schlag- und Unternehmerpool und eine dritte Möglichkeit wäre, den Holzverkauf über eine Holzvermarktungsorganisation abzuwickeln.

Fazit

In den letzten Jahren hat die Anzahl von forstbetrieblichen Kooperationen in der Schweiz deutlich zugenommen. Eine Analyse des wirtschaftlichen Erfolgs in Abhängigkeit der Organisationsform zeigt, dass der Erfolg von Kooperationen sowohl in der Waldbewirtschaftung als auch gesamtbetrieblich im Vergleich zu den Einzelbetrieben sichtbar grösser ist (s. Abb. 3). Kooperationen schaffen somit einen klaren wirtschaftlich messbaren Mehrwert!

Auch wenn die Potenziale derartiger Kooperationen sehr hoch ist, darf man nicht vergessen, dass der Aufbau einer erfolgreichen Kooperation anspruchsvoll ist. Damit sie funktioniert, müssen sich alle Beteiligten an ähnlichen Werten orientieren und vergleichbare Ziele haben. Auch die sorgfältige Planung des Aufbaus gehört dazu. Bund und Kantone unterstützen eine eigentumsübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen der Programmvereinbarung Wald, Bereich Waldbewirtschaftung.

Bezugsquelle:

Die Broschüre “Erfolgreich kooperieren im Schweizer Wald“, welche Interessierte mit Grundlageninformationen, Tipps und zahlreichen Beispielen aus der Praxis versorgt, ist beim BAFU erhältlich.