Das Testbetriebsnetz Forst ist die wichtigste Datengrundlage für die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation der Forstbetriebe in Deutschland. Ziel der betriebswirtschaftlichen Dokumentation ist es, die Leistungen und die Kosten des Forstsektors insgesamt abzubilden. Die Ergebnisse des Testbetriebsnetzes Forst (TB Forst) fließen in den Agrarbericht des Bundes und der Länder ein und dienen als Grundlage für forstpolitische Entscheidungen. Die Daten für Bayern liefern Betriebe des Privat- und Körperschaftswaldes mit einer Waldfläche ab 200 ha sowie die Bayerischen Staats­forsten als Gesamtbetrieb. Für das Forstwirtschaftsjahr 2024 konnten durch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) die Daten von 15 Großprivatwald- und 24 Körperschaftswaldbetrieben ausgewertet werden. Die im Beitrag dargestellten Kennzahlen sind die Durchschnittswerte dieser 39 Forstbetriebe. Deren Holzbodenfläche umfasste dabei im Mittel im Privatwald 1.055 ha und im Körperschaftswald 1.173 ha.

Das vergangene Jahr war für die bayerischen Forstbetriebe einerseits geprägt von günstigen Witterungsverhältnissen mit ausreichend Niederschlägen und moderaten Sommertemperaturen. Andererseits mussten die Betriebe aber auch manche Unsicherheiten und Probleme wirtschaftlicher Art verkraften. Beispielsweise führ­te der Nachfrageeinbruch auf dem Bausektor im Inland zu einem rückläufigen Schnitt- und Bauholzabsatz. Zusätzlich belasteten regionale schneebruch- und insektenbedingte Schadholzanfälle viele Betriebe wieder in personeller Hinsicht und durch Preisabschläge beim Holzabsatz. Die Erhöhungen bei den Löhnen der Waldfacharbeiter und den Gehältern der Angestellten mussten ebenfalls kompensiert werden. 

Holzerlös und Einschlag

Nachdem in den Jahren 2019 und 2020 hohe kalamitätsbedingte Holzanfälle zu einem erheblichen Holzpreisverfall geführt haben, besserte sich die Holzmarktlage in den Jahren 2022 und 2023 wieder kontinuierlich. 2023 konnten im Körperschaftswald noch durchschnittliche Holzerlöse über alle Baumartengruppen und Sortimente von 76 Euro je Festmeter (fm) erzielt werden. Im aktuellen Berichtsjahr reduzierten sich diese wieder leicht auf 73 €/fm. Diese Entwicklung zeigte sich analog im Privatwald: hier fiel der mittlere Erlös von 78 €/fm im Vorjahr etwas deutlicher auf 72 €/fm. In beiden Besitzarten hat jedoch eine Zunahme der Einschlagsmengen stattgefunden. Die Körperschaftswaldbetriebe ernteten 2024 im Mittel 8 fm/ha (2023: 7,5 fm/ha), die teilnehmenden Privatwaldbetriebe im Schnitt 9,7 fm/ha und damit 1,4 fm/ha mehr als im Vorjahr. Der Schadholzanteil am Holzeinschlag lag im Privatwald mit 57 % etwas über dem Vorjahreswert von 53 %. Im Kommunalwald hingegen ging der kalamitätsbedingte Holzanfall von 48 % auf 44 % zurück.

Gesamtertrag ohne Förderung und Gesamtaufwand

Der Gesamtertrag ohne Fördermittel betrug im Jahr 2024 im Kommunalwald  614 €/ha. Damit konnten die Kommunen ihre Erträge das vierte Jahr in Folge erhöhen (2023: 596 €/ha). Im Privatwald stieg der Gesamtertrag deutlich stärker, von 595 €/ha im Jahr 2023 auf 700 €/ha. Zugleich belasteten die Betriebe jedoch erneut gestiegene Gesamtausgaben. Der Körperschaftswald verzeich­nete Aufwendungen in einer Höhe von 671€/ha (2023: 638 €/ha). Im Privatwald entstand 2024 ein Aufwand von durchschnittlich 441 €/ha (2023: 359 €/ha).

Die Leistungsberechnung der Betriebe erfolgt im Testbetriebsnetz deutschlandweit einheitlich auf Grundlage des “Produktplanes Forst” des Deutschen Forstwirtschaftsrates. Dieser unterscheidet fünf Produktbereiche: 

  • Produktion von Holz und anderen Erzeugnissen (PB 1)
  • Schutz und Sanierung (PB 2)
  • Erholung und Umweltbildung (PB 3)
  • Leistungen für Dritte (PB 4)
  • Hoheitliche und sonstige behördliche Aufgaben (PB 5). 

In welchem Bereich die Forstbetriebe Erträge generiert haben und wo welche Ausgaben angefallen sind, wird im Folgenden detailliert vorgestellt.

Ertrag und Aufwand im Produktbereich Holz und andere Erzeugnisse

Im PB1 “Holz und andere Erzeugnisse” wurde im Privatwald ein Ertrag (ohne Förderung) von 691 €/ha und im Körperschaftswald von 570 €/ha erzielt. Davon entfallen auf das reine Holzgeschäft im Privatwald 558 €/ha und im Körperschaftswald 523 €/ha. In beiden Besitzarten wurde der Betriebsertrag somit zu mehr als 80 % aus Holzverkäufen generiert. Die übrigen Einnahmen im PB1 stammen aus dem Verkauf von forstlichen Nebenerzeugnissen, aus Liegenschaften (z. B. Windenergieanlagen), aus der Jagd und aus sonstigen Einnahmen (z. B. Zinserträge, Veräußerung von Anlagegütern). Der Betriebsaufwand im PB 1 blieb im Körperschaftswald mit 389 €/ha etwa auf Vorjahreshöhe. Im Privatwald hin­gegen stieg der Aufwand für die originären forstlichen Tätigkeiten deutlich von 229 €/ha auf 295 €/ha. Abbildung 2 zeigt den Betriebsaufwand für die angefallenen Betriebsarbeiten und die Veränderung gegenüber dem Vorjahr aufgeschlüsselt nach den wichtigsten Kostenstellen.

Der Unterschied zwischen den Eigentumsarten in der Höhe des Betriebsaufwands im Produktbereich 1 ergibt sich dadurch, dass in 20 der teilnehmenden Körperschaftswaldbetriebe eigene Waldarbeiter beschäftigt sind, während im Privatwald die Waldarbeiten vermehrt durch Unternehmer und Selbstwerber erledigt wurden. Dadurch entfielen in rund der Hälfte der Privatwaldbetriebe die Ausgaben für die Lohnnebenkosten.

Die Verwaltungskosten im PB1 Holz stiegen um 8 €/ha im Privatwald auf 119 €/ha und im Körperschaftswald um 18 €/ha auf insgesamt 132 €/ha. Diese Entwicklung ist im Wesentlichen auf die allgemeinen Tariflohn- und Gehaltserhöhungen im Jahr 2024 zurückzuführen.

Ertrag und Aufwand in weiteren Produktbereichen

Die Körperschaftswaldbetriebe erzielten in den übrigen Produktbereichen insgesamt Einnahmen (ohne Förderung) von 43 €/ha. Der überwiegende Teil davon, nämlich 39 €/ha, kamen aus dem PB4 “Leistungen für Dritte” (z. B. städtische Baumpflegekontrolle). Im Privatwald wurden Erträge von 9 €/ha verzeichnet. Diese stammen jedoch ausschließlich aus dem PB4 wie z. B. aus Waldpflegeverträgen. Die Höhe der getätigten Ausgaben für die zusätzlichen Geschäftsbereiche übersteigen die Einnahmen in beiden Eigentumsarten deutlich. Im Kommunalwald verursachten die Ausgaben für Erholungs- und Umweltbildungsangebote, Naturschutzaufgaben sowie Dienstleistungen für Dritte mit 152 €/ ha im Jahr 2024 (2023: 136 €/ha) rund 23 % des Gesamtaufwandes. Im Detail wurden hier 32 €/ha für den PB2 “Schutz und Sanierung”, 57 €/ha für den PB 3 “Erholung und Umweltbildung”, 54 €/ha für den PB4 “Leistungen für Dritte” und 9 €/ha für den PB5 “Hoheitliche Aufgaben” ausgegeben. Im Privatwald lagen die Ausgaben in diesen Produktbereichen bei insgesamt 21 €/ha (2023: 19 €/ha) und betrugen damit lediglich 5 % des Gesamtaufwandes.

Die Verwaltungskosten sind in den vorgenannten Werten enthalten. In Summe betrugen diese in den anderen Produktbereichen im Körperschaftswald 76 €/ha (2022: 78 €/ha) und im Privatwald 11 €/ha (2022: 16 €/ha).

Forstliche Förderung

Berücksichtigt man staatliche Fördermittel, erhöht sich der Gesamtertrag im Körperschaftswald auf 721 €/ha und im Privatwald auf 757 €/ha. An Fördermitteln wurden im PB1 im Privatwald 25 €/ha und im Körperschaftswald 31 €/ha ausgezahlt. Diese Gelder stammen hauptsächlich aus dem bayerischen waldbaulichen Förderprogramm und wurden z. B. zur Borkenkäferbekämpfung und für den Waldumbau eingesetzt. In den übrigen Produktbereichen wurden durch die Kommunen 76 €/ha und von den Privatwaldbetrieben 32 €/ha an Zuschüssen abgerufen. Diese flossen zum größten Teil in den PB2 “Schutz und Sanierung” und kamen aus dem bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm und dem Bundesförderprogramm “Klimaangepasstes Waldmanagement” von 2022. Geldmittel aus dem Klimaförderprogramm des Bundes wurden 2024 von vier Privatwald- und zehn Körperschaftswaldbetrieben beantragt.

Reinerträge mit und ohne Förderung

Der wirtschaftliche Erfolg der Forstbetriebe definiert sich über den Reinertrag (Reinertrag I ohne Förderung, Reinertrag II mit Förderung) – also alle Erträge abzüglich aller Aufwendungen. Die Einnahmesituation für die Betriebe hat sich 2024 erneut gebessert (Abbildung 5). Gleichzeitig stiegen aber auch die Ausgaben. Die Reinertragsergebnisse stellen sich differenziert dar: Während sich der Reinertrag I im Privatwald auf 259 €/ha erhöht hat, ist das Betriebsergebnis im Kommunalwald mit –58 €/ha weiter in den Minusbereich gerutscht. Rechnet man aber die Fördergelder zum Reinertrag I hinzu, ergibt sich auch im Körperschaftswald ein positiver Reinertrag II von 49 €/ha und im Privatwald eine Erhöhung auf 316 €/ha. Im Privatwald lag der Reinertrag II damit um 24 €/ha über dem Vorjahreswert. Ermittelt man den Reinertrag I nur für den PB1 – also für die originären forstbetrieblichen Tätigkeiten – dann wäre das Betriebsergebnis 2023 auch im Körperschaftswald mit 51 €/ha im positiven Bereich gelegen. Erst die defizitären übrigen Produktbereiche führen hier vermehrt zu negativen Reinerträgen bei den Betrieben. Die Kommunen sind folglich auf Fördergelder angewiesen, um steigende Aufwände zu decken und weiterhin vorbildlich bewirtschaften zu können.

Warum lohnt sich eine Teilnahme am Testbetriebsnetz?

Das Testbetriebsnetz Forst dient übergeordnet als wichtigste Datengrundlage für verschiedene Berichtspflichten und zur Beantwortung waldpolitischer Fragestellungen des Bundes. Den Teilnehmenden selbst ermöglicht es einen Kennzahlenvergleich mit anderen Betrieben, die Dokumentation der eigenen Betriebsergebnisse im Zeitverlauf und die Darstellung der Betriebsentwicklung gegenüber Dritten (z. B. Bürgermeister, Stadtrat etc.). Durch eine jährlich an der LWF stattfindende Informationstagung bietet sich zudem die Möglichkeit zu einem persönlichen Austausch mit anderen Teilnehmern. Für die Datenerfassung und Übermittlung erhalten alle Teilnehmenden eine Ausfüllprämie von derzeit 795 €. Sollten Sie Interesse haben, sich am Testbetriebsnetz zu beteiligen, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Zusammenfassung

Das Holzgeschäft ist für die teilnehmenden Forstbetriebe mit mehr als 200 ha Größe die bedeutendste Einkommensquelle. Im Kalenderjahr 2024 waren die erzielten Holzpreise etwas geringer als im Vorjahr. Allerdings stieg die Einschlagsmenge je Hektar Holzbodenfläche leicht an. Dies führte zu gestiegenen Erträgen. Gleichzeitig haben sich aber die Betriebsausgaben weiter erhöht. Der Reinertrag I im Großprivatwald war mit 259 €/ha etwas höher als im Vorjahr. Der Kommunalwald lag mit -58 €/ha erneut im Minus. Im Körperschaftswald führten insbesondere die hohen zusätzlichen Ausgaben in den PB2 bis 4 wieder zu einem defizitären Gesamtergebnis. Bezieht man die staatlichen Fördermittel in die Berechnung ein, dann ergaben sich als Reinertrag II 316 €/ha im Privatwald und 49 €/ha im Körperschaftswald. Auch 2024 waren die Forstbetriebsergebnisse für die Mehrzahl der teilnehmenden Betriebe wieder positiv, im Kommunalwald jedoch überwiegend nur mit staatlicher Unterstützung.