Die westamerikanischen Waldarbeiter fällten die riesigen Bäume meistens nicht ganz unten, sondern in einiger Höhe. Dafür gab es verschiedene Gründe. Wenn ein Baum beispielsweise an einem Abhang stand, konnte der Holzfäller nicht sicher stehen, so dass eine Plattform gebaut werden musste. Ausserdem kostete es sehr viel Zeit, einen Baum ganz unten, wo er sehr breit wurde, zu fällen. Hier sammelte sich auch Harz an, das bei der Fällarbeit auslief und die Säge verklebte. Das Holz ganz unten am Stamm ist oft von schlechter Qualität, weil die Bewegungen des Stammes mit der Zeit seine Fasern gelockert haben.

Heute lebt ein Teil der alten Holzfällertechnik in den Sportholzer-Wettkämpfen weiter: Das Springboard ist eine der attraktivsten Disziplinen. Der Wettkämpfer muss einen stehenden Stamm mit der Axt durchschlagen, wobei er auf zirka drei Metern Höhe auf einem Brett steht. Damit er auf diese Höhe kommt, muss er vorher ein weiteres Sprungbrett setzen.

Die Sprungbretter, die bei den Wettkämpfen verwendet werden, haben eine spezielle eiserne Spitze. Auf der Oberseite hat diese eine scharfe Kante, wie eine grosse Braue, die nach oben zeigt. Die Spitze ist auf der Unterseite abgerundet. In der Kerbe, die der Wettkämpfer mit der Axt ins Holz geschlagen hat, krallt sich die Braue im Holz fest. Durch die runde Unterseite und das Herunterdrücken des Brettes wird die Braue fest nach oben ins Holz gedrückt. So kann ein Mensch auf dem Brett stehen.

Je nachdem, wie gut der Wettkämpfer die Kerbe gehauen hat, hält das Springboard besser. Vielfach senkt sich das Brett während der Arbeit langsam nach unten, so dass der Wettkämpfer manchmal fast nicht mehr darauf stehen kann.

Auch bei der Waldarbeit

Ein Sprungbrett kann auch bei der heutigen Waldarbeit mit der Motorsäge ein sehr nützliches und hilfreiches Werkzeug sein. Vor allem wenn an steilen Hängen dickere Bäume gefällt werden müssen und der Fäller auf der unteren Seite schlecht oder fast nicht stehen kann. Ohne Sprungbrett, oder allenfalls ohne Steigausrüstung, kommt es in der Praxis oft zu Kompromissen wie ungenaue Fallkerben, mangelnde Ausführung des Bandes, oder es wird über dem Kopf gesägt.

Die Steigausrüstung ist in diesen Situationen meistens hindernd, der Fäller ist an den Baum gebunden und er kann sich nicht frei bewegen. Ein Standbrett, das für die Arbeit mit der Motorsäge eingesetzt werden soll, muss stabiler gesetzt werden können als die Sprungbretter bei den Wettkämpfen. Mit der Motorsäge ist es allerdings auch einfacher, eine tiefere Kerbe aus dem Baum zu stechen, so dass das Brett sich nicht bewegt.

Die Spitze des Standbrettes kann beim Einsatz mit der Motorsäge auch anders konstruiert werden. So wird zum Beispiel die Spitze ebenfalls mit Metall verstärkt und auf der Unterseite werden ein paar Dornen angeschweisst, so dass das Brett auch seitlich nicht wegrutschen kann (Abb. 2). Gegen oben wird ebenfalls eine Kante oder Braue gemacht, die es unter Last nach oben drückt.

Das Loch, in dem das Brett verankert wird, darf nicht in der Faserrichtung des Bandes des zu fällenden Baumes sein (Abb. 3). Sonst kann es vorkommen, dass das Band beim Fällen ausreisst. Die beiden waagrechten Schnitte werden abwärts gegen das Mark mit der Motorsäge in den Stamm gestochen, so dass sich die beiden Schnitte zirka 20 cm im Baum kreuzen. Mit zwei senkrechten Schnitten kann die Breite des Brettes übertragen und der Keil in der Kerbe gelöst werden.

Das eingeführte Standbrett sollte leicht in die Höhe stehen. Durch das Belasten wird es nach unten gedrückt und die Dornen verankern es noch fester. Ein belastetes Sprungbrett, das leicht gegen den Baum hängt, gibt dem Motorsägenführer ein besseres Standgefühl und er fühlt sich sicherer.

Der Fällschnitt wird nach den gleichen Kriterien ausgeführt wie bei anderen Fällmethoden auch. Der Fäller beginnt mit dem Fällschnitt auf der gefährlicheren Seite und beendet ihn dort, wo er die bessere Rückzugsmöglichkeit hat (Abb. 4). In den meisten Situationen, in denen mit dem Sprungbrett gearbeitet wird, heisst das: mit dem Fällschnitt auf der Sprungbrettseite beginnen. Wenn der Fällschnitt auf der gegenüberliegenden Seite fertig gesägt ist, kann sich der Motorsägenführer auf den gewachsenen Boden zurückziehen und den Fall des Baumes beobachten.

Arbeitssicherheit

Punkto Arbeitssicherheit ist der Einsatz eines Standbrettes positiv zu sehen. Der Motorsägenführer kann die Fallkerbe und den Fällschnitt weniger verkrampft sägen. Die Schnitte werden präziser und somit ist das Band besser ausgeformt. Der Holzer kann auf angenehmer Höhe arbeiten, er muss nicht mehr auf Kopfhöhe oder sogar höher sägen. Ausserdem kann er eben stehen und muss weniger Angst vor dem Ausrutschen haben.

Wenn die Gefahr eines Absturzes besteht, kann er sich mit einem Gstältli und einem Seil sichern. Das Langseil und der Prusik bieten eine gute Möglichkeit, sich zu sichern. Das Seil wird an einem anderen oben stehenden Baum oder an einem anderen Ankerpunkt fixiert. Mit dem Prusik kann immer die optimale Seillänge eingestellt werden.

Ein Standbrett kann man übrigens relativ einfach auch selber machen. Vorteilhaft sind Bretter aus langfaserigen, zähen Baumarten wie Esche oder Robinie. Die Fasern im Brett dürfen nicht auslaufen. Die Spitze wird mit Metall verstärkt und je nach Wunsch mit einer Braue und eisernen Dornen versehen. Springboards können aber auch in der Sportholzfäller-Szene gekauft werden.
 

(TR)