Schon seit sechs Jahren arbeitet Ferdi Nussbaumer aus Hünenberg ZG mit einem funkgesteuerten Raupenschlepper mit 5-t-Winde (Raup-Trac RT 55). Mit so "niedlichen" Maschinen sei man früher von den Forstprofis noch ein wenig belächelt worden, erzählt er. "Aber inzwischen haben sich ihre Vorteile bei Förstern und Waldeigentümern herumgesprochen."

Nicht von ungefähr gibt es zurzeit mehrere ähnliche Maschinen auf dem Markt. Nussbaumer schätzt, dass inzwischen etwa 100 derartige Geräte in der Schweiz im Einsatz sein könnten, recht viele davon bei Forstbetrieben.

Ihr Hauptvorteil ist ihre Wendigkeit. Diese gründet einerseits auf den kompakten Abmessungen (vor allem Schmalheit), anderseits auf dem Lenkungsprinzip, das z.B. Wenden an Ort ermöglicht. Dank der Raupen hält sich zudem der Bodendruck solcher Maschinen in Grenzen.

Die Technik

Der Raup-Trac besitzt keinen Führerstand, weil eine Kabine das Gewicht und den Schwerpunkt erhöhen und bei Fahren in Schichtenlinie den Durchgang zwischen den Bäumen erschweren würde. Hinzu kommt noch, dass der Fahrer auf dieser relativ leichten Maschine mit dem ungefederten Raupenlaufwerk wohl ziemlich heftig durchgeschüttelt würde.

Funksteuerung

Stattdessen läuft die ganze Steuerung über Funk. Dieser Funk ist wesentlich komplexer als etwa jener eines Forsttraktors. Es handelt sich um einen adaptierten Kranfunk. Alle Antriebe sind hydrostatisch stufenlos, und die 5-t-Adlerwinde proportional gesteuert (Vor- und Rücklauf, zwei "Gänge"). Auf ihre Trommel passen ca. 90 m kompaktiertes 10er-Seil.

Fahrantrieb

Der Fahrantrieb hat ebenfalls zwei Stufen, die max. Fahrgeschwindigkeit liegt bei 8 km/h. Die kleinere Fahrstufe brauche man eigentlich sehr selten, sagt Nussbaumer, so etwa um den Raup-Trac "synchronisiert" mit der Winde einen steilen Hang hinauf zu bewegen. Das Heckschild hat natürlich doppelt wirkende Zylinder, und die Einzugsrolle lässt sich hydraulisch in der Höhe verstellen. Angetrieben wird die Maschine von einem luftgekühlten, 56 PS starken Dreizylinder-Deutz-Motor. Diese Leistung reiche gut aus, findet Nussbaumer.

Bodenschonender Einsatz

Der Raup-Trac wiegt etwa 2,3 t und lässt sich gut mit einem entsprechenden PKW-Anhängerzug ziehen (Jeep als Zugfahrzeug), sodass auch etwas weiter entfernte Einsatzorte möglich sind. Das Gummiraupen-Fahrwerk passt sich dank der vier Pendelrollen pro Seite gut dem Boden an und verursacht relativ wenig Boden- und Wurzelschäden. Prinzipbedingt entstehen aber beim Lenken und Wenden oberflächliche Schürfschäden.

Im Winter mit Spikes unterwegs

Die Gummiraupen sind Verschleissteile, die vor allem auf steinigem, felsigem Untergrund leiden. Während sie im Gelände normalerweise immer genügend Halt finden, kommen die Gummiraupen auf Schnee und Eis ähnlich leicht ins Schleudern wie Traktorreifen ohne Ketten.

Deshalb benuutzt Nussbaumer zwei Raupensätze, einen gewöhnlichen für den Sommer und einen speziellen für den Winter: die "Winterraupen" sind mit einschraubbaren Spikes versehen, die etwa 4 mm vorstehen. Damit verlieren Schnee und Eis weitgehend ihren Schrecken, und ausserdem erklimmt der auf diese Weise ausgerüstete Raup-Trac nötigenfalls auch Holzpolter, sodass man die Stämme etwas höher aufschichten kann. Nussbaumer hat die spikesbewehrten Gummiraupen bereits den dritten Winter aufgezogen, und es sind erst wenige Spikes verloren gegangen.

Nachteil: Auf schneefreien Asphaltstrassen kann man fast nicht fahren, Belagsschäden sind kaum zu vermeiden. Je nach den Einsatzgebieten gibt es übrigens den Raup-Trac inzwischen wahlweise auch mit Rädern oder mit Rädern und Bändern.

Bedienung ist Gewohnheitssache

Es gibt keine spezielle Ausbildung für das Fahren und Bedienen eines Raup-Trac. Die Bedienung derartiger Raupen sei nicht schwierig, aber gewöhnungsbedürftig, sagt Nussbaumer. Ein wenig hin- und herfahren per Funksteuerung auf einem ebenen, hindernisfreien Platz sei einfach, aber ganz was anderes als arbeiten im Wald. "Da braucht es schon etwas Erfahrung. Man muss wissen, wann die Grenzen erreicht sind, z.B. zugkraftmässig oder von der Hangneigung her." Mit der Zeit entwickle man da ein gewisses Gespür. Das Arbeiten mit der Winde unterscheidet sich im Prinzip nicht von einem Forstschlepper. Wichtig ist auch hier, dass das Schild guten Boden fasst und dass man die Einzugsrolle in die unterste Position bringt.

Bei seitlichem Zug müsse man allerdings aufpassen, sagt Nussbaumer, da seien die Grenzen schnell erreicht. Nicht von ungefähr hat der Raupenschlepper vorne zwei Haken, sodass man ihn nötigenfalls an einem Baum sichern kann. "Wichtig ist dies z.B., wenn man beim Ziehen die Maschine nicht genug sieht. Sonst kann es passieren, dass plötzlich der Raup-Trac kommt statt der Baum …" Nussbaumer gibt zu, dass er seine Maschine selber einmal auf diese Weise über das Heckschild "überstellt" habe. Glücklicherweise wurde der Raupenschlepper kaum beschädigt, nicht zuletzt dank seines "Überrollbügels." Und da der Motor von der Überwachung automatisch gestoppt wird, wenn der Schmieröldruck fällt, sei die Gefahr von Langzeitschäden – oder von solchen, die man nicht sogleich bemerkt – eher gering.

Eine Preisfrage

Nussbaumer bedient seinen Raupenschlepper immer selbst und vermietet ihn nicht. "Einerseits bringt es mir betriebswirtschaftlich nichts, wenn die Maschine läuft, während ich zu Hause Däumchen drehe. Anderseits braucht man Übung, um den Raup-Trac richtig und effizient einzusetzen." Zudem habe er von Fällen gehört, wo solche Maschinen gemietet und dann in "repariertem" Zustand (z.B. nach Sturz) zurückgebracht wurden. In seinem Fall hielten sich die Reparaturen bisher sehr in Grenzen. "Einmal war ein Fahrantrieb undicht, und ein paarmal habe ich einen Hydraulikschlauch vom Schild abgerissen."

Hauptkostenpunkt sind die Raupen, die einem recht grossen Verschleiss unterworfen sind und pro Satz etwa 3000 Franken kosten. Für die ganze Maschine erhofft sich Nussbaumer eine Lebensdauer von 10 000 Betriebsstunden. Er verlangt für eine Maschinenbetriebsstunde (ohne Bediener) 62 Franken. Das ist gar nicht so viel weniger, als ein vergleichbar ausgerüsteter Forsttraktor kosten würde. Aber Nussbaumer gibt zwei Punkte zu bedenken: Erstens hat der Raup-Trac seinerzeit etwa 110 000 Franken gekostet; das ist nicht viel weniger als ein Forsttraktor. Und zweitens sei man mit dem Raup-Trac – wenn man ihn am richtigen Ort einsetzt – sehr effizient: Auf- und Absteigen fällt weg, Verschieben geht schnell … " Ich bin überzeugt, dass dem Waldeigentümer in geeigneten Holzschlägen insgesamt tiefere Kosten entstehen als sonst."

Einsatzgebiete

Welches ist nun die Nische, in welcher der Raup-Trac günstiger arbeitet als z.B. ein Forstschlepper? Typische Raup-Trac-Schläge umschreibt Nussbaumer wie folgt:

  • Sie umfassen keine zu grossen Anteile an Starkholz (ab ca. 60 cm BHD wird es mit der Raupe aufwendiger).
  • Sie sind optimal im steilen (max. 65%) und kupierten Gelände
  • oder auf schlecht tragenden Böden.
  • Allzu weite Distanzen beim Rücken sind ungünstig. Beim Vorrücken (meist mit Seilwinde) sind sie kein Problem.

Idealer Einsatzzweck des Raup-Trac ist die seilunterstützte Holzerei, vor allem in Seilkranschlägen. "Beim seilunterstützten Fällen kann man die Raupe meist näher zum Baum stellen als dies mit einem Schlepper möglich wäre. Das spart Zeit und Arbeit." Ein weiterer Einsatzschwerpunkt ist das Vorrücken – nicht nur in Seilkranschlägen, sondern auch in der Ebene, beispielsweise zum sortimentsweisen Vorrücken für den Forwarder. "Man kann den Raup-Trac gut quer in die Gasse stellen und bei Bedarf etwas verstellen; das geht schneller als mit einem Forsttraktor und hilft Rückeschäden zu verhindern."

Für das eigentliche Rücken – vor allem über grössere Distanzen und/oder bergauf – ist die Maschine hingegen weniger geeignet. Denn mit 5 t Zugkraft und 2,3 t Eigengewicht ist natürlich früher Schluss als mit einem "richtigen" Schlepper.

Beim Bergabrücken hingegen seien an sich durchaus respektable Leistungen erreichbar, sagt Nussbaumer. "Solche Einsätze sind aber für den Bediener recht mühsam, weil mit viel Laufarbeit verbunden."