Wenn ihr auf euer Studium zurückblickt, wie beurteilt ihr den Frauenanteil im Studiengang Forst?

Anne Stöger: Ich selbst war damals Anfang der 2000er Jahre eine von wenigen Frauen, die sich für das Forststudium entschieden haben. Dass jetzt mehr Frauen Forst studieren – das merkt man bereits im Forstberuf. Ich finde die Entwicklung auch total toll und positiv zu sehen. Wo wir noch ein bisschen mehr Nachholbedarf haben, ist in den Führungspositionen.

Kathrin Böhling: Der Frauenanteil im Studium steigt kontinuierlich, doch beim Thema Gleichstellung besteht noch Luft nach oben. 

Kathrin, bei deinem Projekt an der LWF beschäftigst du dich mit dem weiblichen forstlichen Nachwuchs. Was hast du herausgefunden?

Kathrin Böhling: Auffällig ist einfach, dass heute viel mehr Frauen – also mehr als ein Drittel – den forstlichen Studiengang ergreifen. Man sieht auch immer wieder Frauen, die sagen: “Ich will Forstwirtin werden.” Doch viele der Frauen, die sich für das Studium entscheiden, fehlen im Anschluss im Beruf.

Hier setzt das Projekt "Fem2Forest“ an – was ist das Ziel?

Kathrin Böhling: Wir wollen bis 2030 einen deutlich höheren Anteil an Frauen mit forstlicher Ausbildung – also Försterinnen – erreichen: in der Forstverwaltung, bei den Bayerischen Staatsforsten, bei den Waldbesitzervereinigungen oder in Geschäftsführungspositionen.

Anne Stöger: Wir haben natürlich auch viele Frauen, denen Wald gehört. Das vergisst man vielleicht manchmal. Insgesamt sind 40 % der Waldbesitzer in Bayern Frauen.

Kathrin Böhling: Die Waldbesitzerinnen sind in vielen Institutionen nach wie vor unterrepräsentiert, zum Beispiel bei Waldbesitzervereinigungen, forstlichen Zusammenschlüssen oder der Beratung. Eine Möglichkeit, die Situation zu verbessern, stellen Waldbegänge für Frauen dar, z. B. mit einer engagierten Försterin.

Anne Stöger: Das Wichtigste ist die Vernetzung der Frauen. Eine Gelegenheit dazu bietet das Bayerische Forstfrauentreffen, das wir regelmäßig organisieren.

Welche Stärken bringen Frauen in die forstliche Arbeit ein?

Kathrin Böhling: Waldbesitzerinnen gehen sehr gezielt aufeinander zu und suchen aktiv den Erfahrungsaustausch. Besonders wichtig ist ihnen die Klimawandelthematik. Sie wollen mehr darüber wissen, um den Wald für die zukünftigen Generationen zu erhalten – das ist ein großer Wert, der Frauen bewegt. Darüber hinaus haben sie ein starkes Interesse an Waldbewirtschaftung und Holzernte und dabei einen anderen, breiteren Blick auf ihren Wald als Männer. Ich wünsche mir, dass Frauen ganz normal bei den Versammlungen der forstlichen Zusammenschlüsse anwesend sind oder vielleicht auch bei der Jagdgenossenschaft aktiv werden.

Wie könnte also die ganze Forstbranche von mehr Frauenpower profitieren?

Kathrin Böhling: Man ist besser aufgestellt, wenn man vielfältige Sichtweisen und Kompetenzen zulässt. Das ist wie im Wald: Er ist auch widerstandsfähiger gegen beispielsweise Klimafolgen, wenn er vielfältiger aufgestellt ist. Ich glaube, dass die Forstbranche auch stärker gegenüber den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen ist, wenn sie intern vielfältiger aufgestellt ist. Das Image vom Forst sollte modernisiert werden – und Frauen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Vielen Dank für eure Zeit! Das ganze Gespräch könnt ihr bei Forstcast hören – und eins wird dabei deutlich: Mehr Frauen im Forst bringen frische Perspektiven, neue Ideen und stärken Wald und Forstbranche gleichermaßen.